Bahnstrecke Balingen–Rottweil

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Balingen (Württ)–Rottweil
Streckennummer (DB): 4634
Kursbuchstrecke (DB): 769
Streckenlänge: 29,0 km; in Betrieb: 12,9 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Strecke – geradeaus
von Tübingen
Bahnhof, Station
0,0 Balingen (Württ)
BSicon .svgBSicon ABZlf.svgBSicon STRlg.svg
BSicon .svgBSicon eHST.svgBSicon HST.svg
1,1 Balingen Süd
BSicon .svgBSicon STR.svgBSicon STRlf.svg
1,8 nach Sigmaringen
Bahnhof, Station
2,6 Endingen (Württ)
   
2,8 Abzweig Heizöllager Fa. Amling
Haltepunkt, Haltestelle
4,6 Erzingen (Württ)
   
4,7 Erzingen (Württ)
   
4,9 Abzweig Schrottplatz
   
8,4 zum Umspannwerk Dotternhausen
Haltepunkt, Haltestelle
8,6 Dotternhausen-Dormettingen
BSicon STRrg.svgBSicon ABZrf.svgBSicon .svg
BSicon BST.svgBSicon STR.svgBSicon .svg
8,8 Bahnverladung Holcim-Werk Dotternhausen
BSicon STRlf.svgBSicon ABZlg.svgBSicon .svg
Straßenbrücke
9,0 Unterquerung der B27
Haltepunkt, Haltestelle
10,5 Schömberg Stausee
Brücke über Wasserlauf (groß)
11,4 Schlichemtalsperre (83 m)
   
12,9 Schömberg (b Balingen)
   
zum ehemaligen KZ Schömberg
   
15,8 Schörzingen
   
Anschluss Ölschieferwerk
   
17,8 Eckerwald
   
21,3 Wellendingen
   
Primtalviadukt (145 m)
   
Prim
BSicon STRrg.svgBSicon xhKRZe.svgBSicon .svg
Gäubahn und Bahnstrecke Rottweil–Villingen
BSicon STR.svgBSicon exBHF.svgBSicon .svg
27,1 Rottweil Altstadt
BSicon STRlf.svgBSicon xABZlg.svgBSicon .svg
Brücke über Wasserlauf (groß)
Neckar
Bahnhof, Station
29,0 Rottweil
Strecke – geradeaus
Gäubahn nach Stuttgart

Die Bahnstrecke Balingen–Rottweil war eine 29,0 Kilometer lange normalspurige Nebenbahn in Baden-Württemberg. Sie besteht heute nur noch im Abschnitt Balingen–Schömberg und wird als Zollernalbbahn (ZAB) 3 bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Rottweil

Entsprechend dem Wunsch einflussreicher Rottweiler Bürger beschloss das Königreich Württemberg mit Gesetz vom 19. August 1907, die Eisenbahnstrecke zu bauen. Die Bauarbeiten wurden von lokalen Handwerksbetrieben und Unternehmen ausgeführt. Die erste Hälfte von Balingen bis Schömberg wurde am 25. Oktober 1911 von den Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen in Betrieb genommen. Die zweite Hälfte von Schömberg nach Rottweil wurde 1928 von der Deutschen Reichsbahn eröffnet.[1] Im württembergischen Landtag kam im Juni 1909 der Vorschlag auf, die ebenfalls noch zu bauende Heubergbahn, statt in Spaichingen an die Gäubahn, in Schörzingen an die zu bauende Bahnstrecke Balingen–Rottweil anzubinden. Der Vorschlag wurde mit dem Hinweis auf die lange Fahrtzeit und die längere Distanz vom Heuberg in die zuständige Oberamtsstadt Spaichingen mit zweimaligem Umsteigen nicht weiterverfolgt.[2] Im Jahr 1914 wurden Pläne diskutiert, die eine Verbindung von Dotternhausen über Rosenfeld zur Gäubahn in Sulz vorsahen.[3]

Am 26. September 1971 stellte die Deutsche Bundesbahn den Personenverkehr zwischen Schömberg und Rottweil mangels Rentabilität ein, legte den Abschnitt offiziell still und baute ihn ab. Der Bahndamm und einzelne Brücken, darunter die Primtalbrücke bei Rottweil, sind noch erhalten. Den Personenverkehr übernahm die Bahnbuslinie 7440, die heute von der Deutsche Bahn-Tochtergesellschaft SüdbadenBus GmbH betrieben wird. Die Bahnstrecke selbst wird seit 1999 von der Hohenzollerischen Landesbahn betrieben.[4] Güterverkehr zwischen Rottweil und Rottweil Altstadt fand noch bis zum 1. Januar 2002 statt.

Zwischen Balingen und Schömberg fahren bis heute noch gelegentlich Güterzüge. Im Durchschnitt dreimal wöchentlich verkehrt ein Güterzug von Balingen zur Anschlussstelle Dotternhausen (Holcim-Werk) und zurück. Zement wird von Dotternhausen aus in Ganzzügen in die Schweiz transportiert. Der Personenverkehr wurde 2002 als „Rad-Wander-Shuttle“ wieder aufgenommen. Triebwagen des Typs RS1 der Hohenzollerischen Landesbahn verkehren von Frühjahr bis Herbst an Sonn- und Feiertagen zwischen Tübingen beziehungsweise Balingen und Schömberg. Damit soll das Naherholungsgebiet Oberes Schlichemtal und die Zollernalb für den Tourismus attraktiver werden.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlichem-Viadukt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Schömberg führt die Bahnstrecke bei der Schlichemtalsperre über den Schlichem-Viadukt. Die Bogenbrücke hat eine Gesamtlänge von knapp 83 Metern und eine Höhe von etwa 19 Metern. Die Feldweiten betragen 21-26-21 Meter. Die Brücke ist heute eines der Wahrzeichen des Schlichemtals.

Primtalbrücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Primtalviadukt bei Rottweil

Bei Rottweil führte die Eisenbahnstrecke bis zu ihrer Stilllegung im Jahre 1971 über die 1928 fertiggestellte Primtalbrücke, die heute noch fast vollständig erhalten ist und unter Denkmalschutz gestellt wurde. Die Brücke überspannt mit sechs Bögen (ursprünglich sieben Brückenöffnungen) das Primtal und ist 145 Meter lang und 15 Meter hoch. Die Feldweite der ersten sechs Öffnungen beträgt jeweils 16,4 Meter. Die siebte Öffnung musste aufgrund der Elektrifizierung der hier durchlaufenden Gäubahn entfernt werden. Hier überspannte bis zu diesem Zeitpunkt eine eiserne Balkenbrücke die Gleise.

Mögliche Reaktivierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2004 zur geplanten Regionalstadtbahn Neckar-Alb wurde die Reaktivierung der Strecke als Ergänzungslinie S11 untersucht. Die Studie sah einen Neubauabschnitt bei Dotternhausen sowie eine komplette Neutrassierung zwischen Schömberg und Rottweil vor. Die elf Kilometer lange neue Trasse sollte über Neukirch führen, weil die alte Trasse bei Schörzingen nicht mehr zur Verfügung steht. Zusätzlich könnte Rottweil dadurch von Norden her eingebunden werden, wodurch durchgängige Züge Richtung Bodensee und Schweiz möglich wären. Die Studie sah zwei kurze zweigleisige Streckenabschnitte bei Schömberg und Rottweil vor, eine Elektrifizierung war nicht vorgesehen.

Ein alternatives Betriebskonzept des Pro RegioStadtbahn e. V. sah ebenfalls die Reaktivierung der Strecke vor, verzichtete aber auf die Neutrassierung von Schömberg nach Rottweil.[5]

In der Standardisierten Bewertung der Regionalstadtbahn wurde die Strecke Balingen – Rottweil im Jahr 2010 nicht mehr berücksichtigt.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter-Michael Mihailescu, Matthias Michalke: Vergessene Bahnen in Baden-Württemberg. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-8062-0413-6, S. 256–258.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Reichsbahn:Handbuch der deutschen Eisenbahnstrecken. Berlin 1935, Nachdruck Mainz 1984 ISBN 3-021426-20-4 Nr. 1911/57+1928/26
  2. Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, Verkehrsabteilung: Bau der Bahn Spaichingen-Nusplingen (Heubergbahn) und geplante Fortsetzung bis Ebingen (mit Petitionen). In: Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Archivarieneinheit E 57. E 57 Bü 21, 1908–1920.
  3. Nils Horst: Träume von der Heubergbahn. In: Schwarzwälder Bote. 19. September 2010.
  4. Die ehemalige Bahntrasse nach Schömberg auf rwbilder.de.
  5. Regionalverband Neckar-Alb: Machbarkeitsstudie RegionalStadtBahn Neckar-Alb. veröffentlicht Januar 2004 (rvna.de PDF; 584 kB).
  6. Regionalverband Neckar-Alb: Standardisierte Bewertung Regional-Stadtbahn Neckar-Alb, Stand 26. Oktober 2010 (rvna.de PDF; 5,4 MB).