Bahnstrecke Bodenheim–Alzey

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Bodenheim–Alzey
Strecke der Bahnstrecke Bodenheim–Alzey
Streckennummer: 3563
Kursbuchstrecke (DB): zuletzt 661
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Strecke – geradeaus
von Mainz
Bahnhof, Station
0,00 Bodenheim
   
nach Ludwigshafen
   
3,991 Gau Bischofsheim
   
5,297 Harxheim-Lörzweiler
   
7,431 Mommenheim (Rheinhessen)
   
11,042 Selz
   
11,188 Selzen-Hahnheim
   
13,385 Bundesstraße 420
   
13,593 Goldbach
   
13,825 Undenheim-Köngernheim
   
nach Nierstein
   
20,108 Bechtolsheim-Biebelnheim
   
20,515 Flutgraben
   
22,106 Gau Odernheim
   
nach Osthofen
   
23,597 Gau Köngernheim
   
25,267 Framersheim
   
26,990 Schafhausen
   
27,6 Nebengleis zum Industriegebiet Alzey
   
28,515 Bundesautobahn 61
   
29,037 Brücke L406
   
30,4 von Armsheim
Bahnhof, Station
30,902 Alzey
Strecke – geradeaus
nach Worms und nach Marnheim

Die ehemalige Bahnstrecke Bodenheim–Alzey von Bodenheim über Gau-Odernheim nach Alzey hieß im Volksmund Amiche.

Die 30,9 km lange Strecke befand sich komplett in Rheinhessen.

Die Gleise verliefen zwischen Alzey und Selzen entlang links des Flusses Selz. Kurz nach dem Doppelbahnhof Hahnheim-Selzen überquerte die Bahn den Fluss. Der Abschnitt im Landkreis Mainz-Bingen (Bodenheim–Undenheim) wurde zu einem Fahrradweg umgebaut.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bau und Streckenführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zug im Bf. Gau-Odernheim im Jahr 1904

Nach dem Bau der Hauptstrecken der Hessischen Ludwigsbahn (Bahnstrecke Mainz–Ludwigshafen und Rheinhessenbahn) wurde auch in vielen Ortschaften der Provinz Rheinhessen der Wunsch, einen eigenen Bahnanschluss zu erhalten, größer. Für die Erschließung des Landesinneren gab es mehrere unterschiedliche Projekte: Die zunächst favorisierte Linienführung von Worms nach Nieder-Olm scheiterte am Widerstand der Stadt Mainz und dem Desinteresse einiger Ortschaften.

Einigen konnte man sich jedoch über eine Linienführung von Bodenheim über Gau-Odernheim nach Alzey, diese Strecke verfügt über keine nennenswerten Steigungen, da sie zum größten Teil parallel der Selz verläuft. Die Strecke entstand in zwei Phasen. Zunächst wurde am 1. Oktober 1879 der Abschnitt Bodenheim-Undenheim eröffnet.[1] Die Bauarbeiten für den zweiten Abschnitt von Undenheim nach Alzey wurden im September 1894 begonnen und zwei Jahre später beendet: Am 28. September 1896 erfolgte die feierliche Eröffnung. Zwei Tage später wurde der reguläre Betrieb aufgenommen.

Bahnübergänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Bahnübergängen handelte es sich hauptsächlich um unbeschrankte, nur mit Blinklichtanlagen ausgestattete Übergänge. Selbst eine Landstraße zwischen Framersheim und Gau-Köngernheim, heute Bestandteil der Deutschen Alleenstraße, war unbeschrankt. Durch die in diesem Bereich guten Sichtverhältnisse stellte dies auch kein größeres Problem dar.

Den einzigen mit Schranken ausgestatteten Bahnübergang gab es innerhalb von Gau-Odernheim kurz vor dem Bahnhof, da hier zwei Gleispaare die Straße überquerten.

Da die Strecke auch hauptsächlich durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet (Acker- und Weinbau) führte, waren auf den dortigen Feldwegen die Übergänge nur durch Andreaskreuze gesichert.

Bahnhöfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahnhöfe wurden im sogenannten Typenbau errichtet. Sie ähneln sich bis auf wenige Details, entweder sind sie zweiteilig mit einem verbretterten Güterschuppen oder dreiteilig mit separatem Güterschuppen. Bei den zweiteiligen Bauwerken kann die Ausführung auch seitenverkehrt stattfinden. Im Erdgeschoss befanden sich die Diensträume und im ersten Stock die Wohnung des Bahnbediensteten.[2] Alle Gebäude befinden sich heute in Privatbesitz und dienen als Wohnhäuser, sechs davon stehen unter Denkmalschutz (Reihenfolge in Fahrtrichtung von Alzey nach Bodenheim):

  • Gau Odernheim: zweiteiliger spätgründerzeitlicher Klinkerbau, um 1890
  • Bechtolsheim-Biebelnheim: zweiteiliger spätgründerzeitlicher Klinkerbau, verbretterter Güterschuppen, um 1896
  • Undenheim-Köngernheim: dreiteiliger gründerzeitlicher Typenbau, Güterschuppen verbrettert, um 1896
  • Hahnheim: gründerzeitlicher Klinkertypenbau, um 1896
  • Mommenheim: dreiflügeliger, spätgründerzeitlicher Typenbau, um 1896
  • Gau-Bischofsheim: zweiflügeliger spätgründerzeitlicher Klinkerbau

Stilllegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Strecke wurde am 31. Mai 1985 im Personenverkehr eingestellt, im Güterverkehr am 31. Mai 1985 zwischen Bodenheim und Harxheim-Lörzweiler, am 31. Dezember 1989 zwischen Harxheim-Lörzweiler und Selzen-Hahnheim und am 1. Januar 1995 schließlich auch zwischen Selzen-Hahnheim und Alzey. Danach folgte der allmähliche Gleisrückbau, wobei die ehemalige Gleistrasse schnell bebaut wurde, was eine Reaktivierung zusätzlich verhinderte. Das bis zuletzt als Bahnhofsgleis vorgehaltene Streckenstück bis Industriegebiet Alzey, wurde Ende Dezember 2016 mit dem Ausbau der Weiche im Bahnhof Alzey stillgelegt. Somit ist die komplette Strecke seit Dezember 2016 nicht mehr befahrbar.

Rückbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Gleisstück der Strecke als Denkmal in Selzen

Heute sind die Gleise demontiert und der nördliche Teil der Strecke ist zu einem Fahrradweg ausgebaut. Am 12. Dezember 2003 wurde mit dem ersten Spatenstich zur Gau-Odernheimer Ortsentlastungsstraße auch das Schicksal des südlichen Teils der Strecke besiegelt, denn die Straße führt über die Trasse der ehemaligen Bahnlinie. Der Fahrradweg erhielt – ebenso wie vorher die Eisenbahnstrecke – den Namen Amiche.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lokomotiven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vier dreiachsige Tenderlokomotiven von Henschel & Sohn (Cassel) zogen damals zwölf Personen-, zwei Post- und Gepäckwagen (Gebrüder Gastell, Mainz-Mombach) sowie dreißig Güterwagen (Talbot, Aachen) über die Strecke.

In den letzten Jahrzehnten wurde die Nutzung von Dampf- auf Akku- und Dieselantrieb umgestellt.

Personenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schüler-Wochenkarte. Das handschriftliche G, weist darauf hin, dass es sich um eine Geschwisterkarte handelt.

Am Anfang verkehrten auf der Gesamtstrecke täglich fünf Personenzüge in beiden Richtungen sowie ein Frühzug von Undenheim/Köngernheim nach Alzey. Später gab es auch durchgehende Zugverbindungen von Alzey nach Mainz.

Ab den 1960er/1970er Jahren wurden hier hauptsächlich Schienenbusse der Baureihen Uerdinger Schienenbus und DB-Baureihe ETA 150 eingesetzt. Im letzten Jahrzehnt Anfang der 1980er Jahre, teilweise aber auch von der DB-Baureihe V 100 gezogene n-Wagen.

Eine Erwachsenen-Fahrkarte der zweiten Klasse von Alzey nach Bodenheim und zurück kostete am letzten Beförderungstag 14,00 DM[3] (entspräche einer heutigen Kaufkraft von 12,42 Euro).

Güterverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Postkarte mit der Bahnpost befördert und dann nach New York in acht Tagen, und das ganze im Jahre 1904!

Auch für den Güter- und Bahnpostverkehr wurde die Strecke benutzt. Hauptsächlich wurden die landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Produkte wie in der Zuckerrübenkampagne, Getreide, Wein und sonstige Landwirtschaftliche Produkte auf der Strecke transportiert, wobei hier Zuckerrüben überwiegend zur Südzucker AG nach Offstein transportiert wurden. Für die Rübenkampagne wurden neben der Baureihe V 100 auch die Baureihe V 60 meist in Verbindung als Doppeltraktion für die Übergabegüterzüge der offenen Güterwagen der Regelbauart E benutzt.

Nostalgiefahrten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Beendigung des planmäßigen Personenverkehrs gab es am 5. August 1989 und 31. Dezember 1992 mit einem Schienenbus der Baureihe VT 95 zwei Sonderfahrten.

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Amiche geht wahrscheinlich zurück auf eine Frau namens Annemarie, die oft mit dieser Bahn unterwegs war; möglicherweise aber auch auf das französische ami (= Freund) oder auf einen Lokomotivführer namens Armin.

Amiche-Radweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der als Amiche-Radweg ausgeschilderte Radweg ist nur zum Teil mit dem Originaltrassenverlauf der Bahnstrecke identisch. Die größte Ähnlichkeit erreicht der Radweg zwischen Bodenheim und Undenheim. Ab Undenheim führt jedoch der ausgeschilderte Weg über die ebenfalls ehemalige Bahnstrecke Valtinche nach Nierstein. Um von dort wieder zum Ausgangspunkt nach Bodenheim zu kommen, ist der Weg mit dem Rheinterrassen-Radweg und dem Rhein-Radweg identisch.

Möchte man hingegen jedoch auf dem richtigen Streckenverlauf des Amiches bleiben, so muss man ab Undenheim der Beschilderung des Selztal-Radweges nach Alzey folgen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Fillinger und Manfred Hinkel: Die Nebenbahn Bodenheim–Alzey. Sutton Verlag, Erfurt 2006, 1. Auflage, ISBN 3866800711
  • Manfred Hinkel: Vom glanzvollen Anfang bis zum traurigen Ende 1896–1985 - Dokumente aus 89 ‚Lebensjahren‘ der Nebenbahn Bodenheim–Alzey, Alzey 1985
  • Gerhard Lubojanski: Das „Amiche“ - die ehemalige Eisenbahnstrecke von Bodenheim nach Alzey. - Ill., Kt. In: Mainz-Bingen: Heimat-Jahrbuch. - 42 (1998), S. 134–137
  • Karl Ludwig Lehmann: „Amiche“ wird 100 Jahre alt: Erinnerungen an eine Nebenbahn in Rheinhessen. - Ill. In: Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte: DGEG-Nachrichten. - Nr. 133 (1996), Sept./Okt., S. 18–19
  • Werner Lang: Das „Amiche“ fährt von Bodenheim nach Gau-Odernheim; in: Heimatbuch Landkreis Mainz; Druck Wilhelm Traumüller, Oppenheim am Rhein 1967; S. 126–127

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnstrecke Alzey–Bodenheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Bahnstrecke

Kultur und Radweg

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fritz Paetz: Datensammlung zur Geschichte der Eisenbahnen an Main, Rhein und Neckar. Bensheim-Auerbach 1985, S. 23.
  2. Die Nebenbahn Bodenheim–Alzey; S. 9
  3. Die Nebenbahn Bodenheim–Alzey; S. 80