Bahnstrecke Bomlitz–Walsrode

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Bomlitz–Walsrode
Station Bomlitz mit Altwerk Wolff und Museumsfahrzeugen
Station Bomlitz mit Altwerk Wolff und Museumsfahrzeugen
Streckennummer (DB):1712
Kursbuchstrecke (DB):163 (bis 1991), ex 217g
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Stromsystem:bis 1976: 600 V =
Strecke – geradeaus
Werksgleise Altwerk Bomlitz
Bahnhof ohne Personenverkehr
3,6 Bomlitz
Brücke über Wasserlauf (groß)
Bomlitz
   
2,6 Kiebitzort
   
Werksgleis Werk Kiebitzort
   
Werksgleis Werke Fuchsberg und Röpersberg
   
Werkbahn zum Werk Löverschen bei Visselhövede
   
1,9 Benefeld
   
Werkbahn Eibia bis Honerdingen
Brücke über Wasserlauf (groß)
Warnau
   
ehem. Bahnstrecke von Visselhövede
Bahnhof ohne Personenverkehr
0,0
66,4
Cordingen
Brücke über Wasserlauf (groß)
Böhme
   
Eigentumsgrenze Industriepark Walsrode / DB
   
Heidebahn von Bad Fallingbostel
Bahnhof, Station
62,0 Walsrode
   
nach Verden
Strecke – geradeaus
Heidebahn nach Hannover

Die Bahnstrecke Bomlitz–Walsrode ist eine Zweigstrecke der Heidebahn HannoverHamburg in Niedersachsen und wird derzeit (2011) von den Osthannoverschen Eisenbahnen (OHE) betrieben.

Streckenführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahnstrecke besteht aus zwei Abschnitten unterschiedlicher Entstehung und Trassenführung:

Betrieblich in engem Zusammenhang mit der Bahn steht heute die Walsroder Teilstrecke der Bahnstrecke Verden (Aller)–Walsrode Nord:

Bemerkenswert an der Streckenführung des Werkbahnabschnittes sind die deutlichen Steigungen, die das bewegte Gelände in den Tälern der Bomlitz und der Warnau erzwang. Der Haltepunkt Kiebitzort und der Bahnhof Bomlitz konnten nicht waagerecht angelegt werden.

Der einstige Staatsbahnabschnitt ist dagegen wesentlich aufwändiger als Fernbahn trassiert worden. Sie sollte von Hannover über Walsrode nach Geestemünde (heute Bremerhaven) führen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abschnitt Bomlitz–Cordingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werkbahngleise in Bomlitz um 1917
violett: Normalspur, braun: Feldbahn
Kartenausrichtung: Nordwest
Strecke im Warnautal bei Benefeld

Einen ersten Vorläufer hatte der werksinterne Streckenabschnitt in einem Feldbahnnetz der Firma Wolff & Co., das zwischen 1875 und 1945 bestand. Die Firma Wolff stellte vor allem Schwarzpulver und rauchschwache Pulver her. Die normalspurige Werkbahn von Cordingen nach Bomlitz wurde am 15. Mai 1915 bis Kiebitzort eröffnet und 1916 vollendet. Zunächst wurde eine Dampflokomotive eingesetzt, doch noch im Jahr 1915 wurde die Bahn elektrifiziert und mit 600 Volt Gleichspannung betrieben. Sie ist damit die erste elektrisch betriebene Eisenbahnstrecke im Gebiet des heutigen Niedersachsen.[4] Dafür standen drei, ab 1943 vier, Elektrolokomotiven zur Verfügung. Seit den dreißiger Jahren wurden aber auch Dieselloks im wachsenden Werksverkehr eingesetzt. Für den durchgehenden Personenverkehr Bomlitz–Walsrode wurde 1940 ein gebrauchter Benzol-Triebwagen beschafft.

Ab 1938 zweigte über ein Gleisdreieck am Haltepunkt Benefeld eine Verbindung ab, die über die Werkbahn der Munitionsfabrik Eibia den Bahnhof Honerdingen an der Strecke Walsrode–Soltau erreichte. Über diese Strecken wurde ab 1939 ein leistungsfähiger Einbahnverkehr abgewickelt. 1944 hatten die Werkbahnen eine Länge von 31,6 Kilometer.

Nach 1945 wurden die Werkbahnen erheblich zurückgebaut. Statt Explosivstoffen wurden in den Bomlitzer Werksanlagen nun vorwiegend Zellulose-Produkte hergestellt.

Ab 1977 wurde der elektrische Betrieb auf das Werksgelände beschränkt, 1979 vollständig eingestellt. Die Oberleitung ist seitdem abgebaut. Nur im Bahnhof Bomlitz steht neben weiteren Museumsfahrzeugen unter einstigem Fahrdraht die Lok 1 (in Dienst von 1916 bis 1976[5]).

Bis zum 31. Mai 1991 führte die Werkbahn der Wolff Walsrode AG auch beschränkt öffentlichen Personenverkehr durch, der ab 1942 bis Walsrode ausgedehnt worden war. Neben den Triebwagen gab es auch eigene Personenwagen. Zuletzt wurden von der Deutschen Bundesbahn (DB) angemietete Reisezugwagen eingesetzt. Da diese ab 1991 nicht mehr zur Verfügung standen, wurde der Reiseverkehr ganz auf Busse verlagert. Der Fahrplan war zuvor praktisch bis auf den Schülerverkehr geschrumpft.

Der Güterverkehr dient den Betrieben im Industriepark Walsrode, die überwiegend aus der Wolff Walsrode AG hervorgegangen sind. Derzeit werden jährlich um die 60.000 Tonnen[6] über die Schiene transportiert.

Abschnitt Cordingen–Walsrode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brücke über die Böhme nördlich von Walsrode

Der Streckenabschnitt zwischen Walsrode und Cordingen wurde bereits am 25. August 1890 als Teil der Strecke Hannover–Visselhövede eröffnet und sollte später über Rotenburg (Wümme) und Bremervörde den Nordseehafen Geestemünde erreichen. Die Strecke war im Jahre 1906 bis Bremervörde realisiert, kam aber nie über eine regionale Bedeutung hinaus und ist heute zwischen Cordingen und Rotenburg abgebaut. Dagegen hat der Abschnitt südlich von Walsrode seine Bedeutung als Teil der Heidebahn beibehalten, die bis zum 1. Oktober 1901, wenn auch nur nebenbahnartig, bis Buchholz in der Nordheide südlich von Hamburg fertiggestellt worden war. Der Abschnitt Cordingen–Walsrode war einer der bautechnisch aufwändigeren Teile der 1890 eröffneten Strecke.

Zum 1. Januar 1997 erwarb die Wolff AG auch den Streckenabschnitt Cordingen–Walsrode von der Deutschen Bahn. Die Firma Probis, eine Tochtergesellschaft von Dow Wolff Cellulosics, übernahm 2002 die Infrastruktur. Die Betriebsführung liegt seit 1. März 2002 bei den Osthannoverschen Eisenbahnen (OHE).

Touristischer Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie auch auf anderen Strecken der OHE führte die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg e. V. auf dieser Strecke und dem Walsroder Streckenstück Walsrode–Altenboitzen der Bahnstrecke Verden (Aller)–Walsrode Nord einzelne Sonderfahrten mit dem Heideexpress durch, wofür auch ein neuer Haltepunkt am Weltvogelpark Walsrode eingerichtet werden sollte. Dieser neue Haltepunkt wurde bis heute (Stand September 2013) nicht errichtet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut Roggenkamp: Die elektrische Traktion im Güterverkehr der Nicht-bundeseigenen Eisenbahnen und der Werksbahnen. In: Lok Magazin, Heft 117, November/Dezember 1982, S. 458–469.
  • Gerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen. Band 10: Niedersachsen 2. Zwischen Weser und Elbe. EK-Verlag, Freiburg 2007, S. 209–219, ISBN 978-3-88255-669-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Infrastruktur seit 1. Januar 2002 im Eigentum der Probis
  2. Betrieb ab 1. Januar 1997 durch Wolff Walsrode, Infrastruktur seit 1. Januar 2002 im Eigentum der Probis
  3. Infrastruktur im Eigentum der VWE
  4. Vor der Bad Eilsener Kleinbahn, die 1918 elektrifiziert in Betrieb ging
  5. Ab 1915 waren die Loks 2 und 3 in Betrieb. Quelle: H. u. R. Wasser, Familienbuch Schüngel, Bomlitz, 1986, S. 2468 f
  6. Gerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen. Band 10: Niedersachsen 2. Zwischen Weser und Elbe. EK-Verlag, Freiburg 2007, S. 217