Bahnstrecke Burgthann–Allersberg
| Burgthann–Allersberg | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Streckennummer (DB): | 5932 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Kursbuchstrecke (DB): | 897 417d (1946) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckenlänge: | 14,78[1] km | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Maximale Neigung: | 14,9[1] ‰ | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Minimaler Radius: | 300[1] m | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Die Bahnstrecke Burgthann–Allersberg war eine Nebenbahn in Bayern. Sie zweigte in Burgthann aus der Bahnstrecke Nürnberg–Regensburg ab und führte nach Allersberg. Die als Lokalbahn erbaute Strecke war im Volksmund als Allersberger Bockl bekannt.
Streckenführung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die aufgelassene Bahnstrecke war eingleisig, nicht elektrifiziert und führte von Burgthann an der Hauptstrecke Nürnberg–Regensburg über Unterferrieden, Pyrbaum und Seligenporten nach Allersberg.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hintergrund
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Allersberg bemühte sich seit den frühen 1860er Jahren um einen Anschluss an das Eisenbahnnetz.[2] Über Jahrzehnte richtete die Marktgemeinde und weitere Kommunen Petitionen an den Bayerischen Landtag und die Staatsregierung. Erwogen wurden dabei Anbindungen unter anderem über Roth (Anbindung an Lohgarten-Roth), Eckersmühlen und Hilpoltstein, sowie über Feucht[3] und Ochenbruck[4]. Der spät doch noch für Allersberg zustandegekommene Anschluss an das Bahnnetz war hinsichtlich der Linienführung ein Kompromiss; der in Mittelfranken gelegene Markt wurde, weit nach Osten ausholend, über in der Oberpfalz gelegene Orte umwegig angefahren. Die Bahnentfernung nach Nürnberg Hbf, Hauptziel der Verkehrsnachfrage aus Allersberg, betrug 35,8 km, das war über 10 km weiter als die historische Straßenverbindung (Allersberger Straße in Nürnberg); die heutige Bahnentfernung über den direkten Weg auf der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt, an der Allersberg 2006 wieder einen Bahnhof erhielt, beträgt dagegen lediglich 25,4 km. Die Deutsche Reichsbahn und später die Deutsche Bundesbahn kompensierten dieses Manko später durch das Angebot einzelner durchgehender Personenzüge zwischen Nürnberg Hbf. und Allersberg, die in Stoßzeiten eine umsteigefreie Verbindung schufen, die vor allem von Arbeitspendlern nach Nürnberg gut angenommen wurden. Zugleich entlasteten die Durchläufe von und nach Allersberg die im nahen Einzugsbereich von Nürnberg stark frequentierten Personenzüge von Nürnberg nach Neumarkt (Opf.) und Regensburg.
Planungen und Bau
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Letztendlich realisiert wurde von der Bayerischen Staatsbahn der Abzweig von der Bahnstrecke Nürnberg–Regensburg in Burgthann.
Gesetzlich genehmigt wurde der Bau der Lokalbahn am 30. Juni 1900. Die Bauarbeiten begannen am 25. März 1901. Die technische Abnahme erfolgte am 14. Dezember 1902. Feierlich eröffnet wurde die Strecke schließlich am 14. Dezember 1902; der planmäßige Betrieb wurde einen Tag später aufgenommen.[1]
Zu einem immer wieder geforderten und verkehrlich sinnvollen Lückenschluss zwischen dem Endpunkt Allersberg und der an der Linie Roth-Greding gelegenen Kreisstadt Hilpoltstein kam es nie, obwohl die Geländegegebenheiten der nur durch Wald führenden potenziellen Trasse denkbar günstig gewesen wären, denn die drei zu querenden bzw. tangierenden Hindernisse Autobahn Nürnberg-München, Rhein-Main-Donau-Kanal und Rothsee, gab es in den 1920er Jahren noch nicht. In den Notzeiten der Weimarer Republik standen dafür keine Geldmittel bereit und unter der nationalsozialistischen Herrschaft bestand an rein zivilen Verkehrsprojekten ohne militärischen oder industriellen Nutzen kein Interesse.
Niedergang und Stilllegung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits 1960 wurde der, auf dieser Strecke durch industriearmes Gebiet nie bedeutsame Güterverkehr eingestellt.
Der Personenverkehr war in den 1960er Jahren noch sehr rege und wurde mit einem verhältnismäßig dichten Angebot von bis zu zehn Zügen täglich bedient. Die Nachfrage resultierte vor allem aus Berufspendlern (Arbeiterzüge), die aus dem von Nebenerwerbslandwirtschaft geprägten Gebiet zur Arbeit in Nürnberger Industriebetriebe fuhren. Da entlang der Fahrstrecke keine weiterführenden Schulen lagen, war der Schülerverkehr, nebenbahnuntypisch, gering. Die stufenweise Zurücknahme der dampflokgeführten Durchläufe nach Nürnberg Hbf., infolge der Verstärkung des Angebits auf der Hauptbahn durch elektrisch traktierte zusätzliche Vorortzüge nach Neumarkt (Opf.) erforderte Umsteigen in Burgthann oder Feucht mit entsprechenden Verlängerungen der Reisezeit. Die zunehmende Motorisierung und die gute, deutlich nähere, Autobahnanbindung Allersbergs führte zu Verlagerungen. Auch die starke Siedlungstätigkeit in Allersberg konnte dem schleichenden Niedergang der Bahn nichts entgegensetzen.
Ab 1960 wurde an der Strecke nur noch der notwendige Unterhalt betrieben, Modernisierungen unterblieben bereits. Als um 1970 konzeptionelle Vorplanungen für das spätere S-Bahn-Netz Nürnberg begannen, wurde i. W. nur die bereits elektrifizierten Strecken betrachtet. Die Allersberger Strecke stand nie im Fokus von Überlegungen, Verkehrspotenziale dort wurden nie untersucht. Auch eine Elektrifizierung der nur 11 km langen Strecke, die die Voraussetzung für Durchläufe und damit für die Integration in ein S-Bahn-artiges Vorortbetz gewesen wäre, stand nie zur Diskussion.
Die Bahnlinie, die auf ihrer kurzen Länge (damals wie heute) drei Landkreise (Nürnberg-Land, Neumarkt und Hilpoltstein, später Roth) berührte hatte im politischen Raum keine Fürsprecher, aus Perspektive der drei Kreisstädte lag sie überall in extremer Randlage der Kreisgebiete. Die endgültige Stilllegung der Strecke war von der Deutschen Bundesbahn in den 1970er Jahren bereits beschlossen. Die prognostizierte Baufälligkeit der lange unzureichend unterhaltenen Brücke über die Bundesstraße 8, für die keine Sanierungsmittel bereitgestellt wurden beschleunigte dieses Vorhaben. Der eingestellte Betrieb wurde nie mehr aufgenommen, so dass am 2. Juni 1973 der letzte Zug des „Allersberger Bockls“ den Bahnhof von Allersberg verließ. Die Proteste der Bevölkerung waren verhalten und nur von kurzer Dauer.
Die Stilllegung erfolgte nach einer Genehmigung des Bundesverkehrsministers vom 29. Juni 1972 zum Jahresfahrplanwechsel am 3. Juni 1973. Stattdessen wurde eine Bahnbuslinie eingerichtet.[5][1]
Die Trasse heute
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Bahnhof Burgthann wurde zu einem Haltepunkt zurückgebaut und dient heute als Station der S-Bahn-Linie
Bamberg – Nürnberg Hbf – Neumarkt. Nach dem Abbau der Strecke wurden große Teile der Trasse zu einem Rad- und Wanderweg umgebaut. Der Radweg ist jedoch nicht durchgängig und größtenteils geschottert. Von Unterferrieden nach Seligenporten führt der 7,4 Kilometer lange und mit einem roten Dreieck (
) ausgeschilderte Bocklbahnweg.[6]
Von der ehemalige Strecke sind heute noch wenige Brücken und Dammfragmente erhalten geblieben. Die ehemaligen Stationsgebäude in Pyrbaum, Seligenporten und Allersberg wurden saniert und werden genutzt. Zwischen den S-Bahn-Stationen Burgthann und Oberferrieden, bei Kilometer 77,8 der Strecke Regensburg–Nürnberg und nahe der Ortschaft Ezelsdorf, ist ab dem Abzweig der Nebenstrecke nach Allersberg ein Teil des Schotterbetts vorhanden. Ebenso eine inzwischen vom Bäumen und Wildwuchs überwucherte Brücke, die früher dem landwirtschaftlichen Verkehr diente.
Der Radweg von Allersberg über Seligenporten und Reckenricht in die Oberpfalz soll ab 2027 ausgebaut werden. Sie wird durch den Freistaat Bayern und die Stadt Allersberg finanziert. Der spätere Unterhaltung soll allein durch Allersberg aufgebracht werden.[7]
Ehemaliger Bahnhof Pyrbaum
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der vom Markt Pyrbaum aus etwas abgelegen im Ortsteil Üyrbaum-Bahnhof gelegene massive zweigeschossige verputzte Walmdachbau mit Sandsteingliederungen und Erker mit Fachwerkobergeschoss von 1902 ist als Baudenkmal ausgewiesen (D-3-73-156-3). Das für eine Unterwegsstation einer Lokalbahn sehr wertig ausgeführte Anwesen wurde liebevoll restauriert und konnte seinen eisenbahntypischen Charakter beibehalten. Heute (2018) ist das Anwesen in der Straße Am Alten Bahnhof 2 bewohnt. Nördlich des Bahnhofes befindet sich eine kleine Grünanlage mit einer Erinnerungsstätte mit Informationstafel zur Geschichte der Bahnstrecke.
Ehemaliger Bahnhof Seligenporten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der außerhalb des Kernortes im Ortsteil Seligenporten-Bahnhof gelegene zweigeschossige Halbwalmdachbau mit Bodenerker und Sandsteingliederungen sowie der eingeschossige Walmdachbau (Nebengebäude) von 1902 ist als Baudenkmal ausgewiesen (D-3-73-156-54). Heute (2018) ist das Anwesen in der Kesselstraße 6 bewohnt. Südlich von Seligenporten befindet sich eine Eisenbahnbrücke die einen Feldweg überspannt. Der ehemalige Damm dazu ist ungenutzt.
Ehemaliger Bahnhof Allersberg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der für eine Lokalbahn stattliche zweigeschossige Halbwalmdachbau mit Fachwerkgiebeln von 1902 ist heute als Baudenkmal ausgewiesen (D-5-76-113-1). Heute (2018) wird das innerörtlich gelegene Gebäude in der Bahnhofstraße 14 als Bücherei genutzt.[8]
(Über drei Jahrzehnte nach Stilllegung der Strecke erhielt der Markt Allersberg als einziger Ort der hier angeschlossen war, Ersatz an anderer Stelle: Nahe des Allersberger Ortsteils Altenfelden und nahe der A9 wurde 33 Jahre später, am 6. Dezember 2006, der neue Bahnhof Allersberg (Rothsee) in Betrieb genommen. Er liegt an der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt und wird vom Regionalexpress und der S-Bahn bedient.)
Fahrzeugeinsatz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Einsatz waren bis zuletzt Dampflokomotiven der Baureihe 86, zuvor, bis um 1965, auch Dampflokomotiven Baureihe 64, die für die für Nebenbahnverhältnisse teils langen Züge nicht so gut geeignet waren wie die schwerere 86. Kurz vor Ende des Bahnbetriebs kamen auch Diesellokomotiven zum Einsatz wie die V 100. Im Regelfall waren die Züge aus 3-achsigen Umbauwagen (3yg) gebildet, mitunter aus bis zu zehn Wagen, darunter sogar ein Wagen mit 1.-Klasse-Abteil. Vereinzelt kamen auch 4-achsige Umbauwagen (4yg) zum Einsatz. In den letzten Jahren des Streckenbetriebs zeitgemäße n-Wagen („Silberlinge“) sah die Allersberger Strecke nicht mehr.
Kunstbauwerke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein eindrucksvolles Bauwerk war der abgerissene Viadukt bei Bachmühle unterhalb von Oberferrieden. Reste der Brücke sind heute am Radweg parallel zur B8 noch sichtbar. Die hohen Kosten für die Sanierung dieser maroden Brücke führten zur Stilllegung der Strecke durch die Deutsche Bundesbahn. Im weiteren Verlauf der Strecke fanden sich nur durchlässe und einige kleinere Wegbrücken, jedoch keine weiteren aufwändigen Bauwerke.
Stationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]An der Strecke gab es folgende Bahnhöfe bzw. Haltepunkte:
- Bahnhof Burgthann (Kilometer 0)
- Haltepunkt Unterferrieden (Kilometer 2,8)
- Bahnhof Pyrbaum (Kilometer 6,5)
- Bedarfshalt Rengersricht (Kilometer 8,2)
- Bahnhof Seligenporten (Kilometer 10,3)
- Bahnhof Allersberg (Kilometer 14,8)
Bildergalerie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]-
Schotterbett und Brücke über die Strecke bei Ezelsdorf
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Brücke über den Radweg bei der B8
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Bahndamm mit Resten vom Schotterbett
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Ehemaliger Bahnhof Pyrbaum
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Brücke über den Lachwiesengraben bei Pyrbaum
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Ehemaliger Bahnhof Seligenporten
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Brücke südlich von Seligenporten
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Ehemaliger Bahnhof Allersberg
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Radwegmarkierung Bocklbahnweg
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Lieselotte Wagenknecht-Hirth: Verkehrswege erschließen Allersberg. In: 750 Jahre Allersberg. ISBN 3-922575-18-8, S. 48–58.
- Manfred Bräunlein: Ludwigskanal und Eisenbahn. Verlag Ph.C.W.Schmidt, Neustadt/Aisch, Nürnberg 2003, ISBN 3-87707-613-0, S. 157–164.
- Wolfgang Bleiweis, Ekkehard Martin: Fränkische Nebenbahnen: einst und jetzt; Mittel- und Unterfranken. Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham/München 1987, ISBN 3-922138-30-6, S. 105–109.
- Ulrich Rockelmann: Spurensuche Abgebaute Bahnstrecken im Raum Nürnberg. Hofmann Verlag Nürnberg, Nürnberg 1999, ISBN 3-87191-270-0, S. 50–56.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Verlauf der Strecke in OpenStreetMap
- Verlauf der Strecke auf der OpenRailwayMap
- Bahnstrecke Burgthann - Allersberg auf bahnrelikte.net
- Spurensuche Eisenbahn: Bilder des heutigen Zustands
- Kursbuch von 1944
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c d e Wolfgang Bleiweis, Ekkehard Martin: Fränkische Nebenbahnen: einst und jetzt; Mittel- und Unterfranken. Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham/München 1987, ISBN 3-922138-30-6, S. 105–109.
- ↑ Fünfundsiebzigste öffentliche Sitzung. In: Kammer der Abgeordneten des Bayerischen Landtags im Jahre 1887/88: Stenografische Berichte Nr. 72 bis 89. Band III. München 20. März 1888, S. 56–58 (online).
- ↑ Petitionen zum Bau einer Sekundärbahn von Königshofen nach Neustadt a.d.Saale, zum Bau einer Sekundärbahn Roth-Hilpoltstein-Greding-Allersberg und zum Bau einer Lokalbahn von Erlangen nach Herzogenaurach. In: deutsche-digitale-bibliothek.de. 3. April 2025, abgerufen am 15. August 2025 (Erwähnt unter Indexbegriffen „Allersberg-Feucht“. Objekt ist nicht noch nicht digital verfügbar.).
- ↑ Petitionen ad acta: ungeeignete Eingaben (Landtag 1905/1906). In: deutsche-digitale-bibliothek.de. 3. April 2025, abgerufen am 15. August 2025 (Erwähnt unter Indexbegriffen „Eisenbahnbau, Allersberg-Ochenbruck“).
- ↑ Dauernde Einstellung des Gesamtbetriebes auf der Nebenbahn Burgthann – Allersberg. In: Amtsblatt der Bundesbahndirektion Nürnberg. Nr. 59, 18. April 1972, ZDB-ID 563443-X, S. 392 (Die Quelle spricht, aus damaliger Sicht in die Zukunft gerichtet, von entsprechenden Plänen.).
- ↑ Verlauf des Bocklbahnweg in OpenStreetMap (abgerufen am 11. Juni 2018)
- ↑ Sonja Pannenberg: Der Ausbau rückt in Sichtweite. In: Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung. Band 163, 4. Juli 2025, ZDB-ID 1264431-6, S. 27.
- ↑ Bücherei Allersberg (abgerufen am 11. Juni 2018)
