Bahnstrecke Chomutov–Cheb

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Chomutov–Cheb
Strecke der Bahnstrecke Chomutov–Cheb
Kursbuchstrecke (SŽDC): 140
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse: D3 (2006)
Stromsystem: Chomutov–Kadaň-Prunéřov: 3 kV =
Kadaň-Prunéřov–Cheb: 25 kV 50 Hz ~
Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
Zweigleisigkeit: Chomutov–Cheb
Strecke – geradeaus
von Ústí nad Labem hl. n. (vorm. ATE)
   
von Vejprty (vorm. BEB)
Bahnhof, Station
125,173 Chomutov früher Komotau (km 0 in Prag) 355 m
Gleisdreieck – geradeaus, nach links, von links
von Praha-Bubny (vorm. BEB)
Blockstelle, Awanst, Anst etc.
128,132 odb. Dubina
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(Neutrassierung 1978)
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Krbice früher Körbitz
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130,500 Málkov 380 m
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Kralupy u Chomutova früher Deutsch Kralupp
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von Březno u Chomutova (vorm. BEB)
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Kadaň-Prunéřov früher Kaaden-Brunnersdorf
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137,351 Kadaň-Prunéřov 350 m
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nach Kaštice (vorm. Kaadner Lokalbahnen)
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138,875 Systemtrennstelle 3 kV/25 kV
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Vernéřov früher Wernsdorf
Bahnhof, Station
144,286 Klášterec nad Ohří früher Klösterle 315 m
Brücke über Wasserlauf (groß)
Egerbrücke
Haltepunkt, Haltestelle
148,300 Kotvina früher Kotwa 305 m
Bahnhof, Station
151,650 Perštejn früher Pürstein 310 m
Haltepunkt, Haltestelle
154,800 Boč früher Wotsch 320 m
Bahnhof, Station
157,920 Stráž nad Ohří früher Krondorf-Wartha 325 m
Bahnhof, Station
163,457 Vojkovice nad Ohří früher Wickwitz 335 m
   
nach Kyselka (vorm. private Lokalbahn der Fa. Mattoni)
Bahnhof, Station
169,756 Ostrov nad Ohří früher Schlackenwerth 385 m
   
nach Jáchymov (vorm. LB Schlackenwerth–Joachimsthal)
   
Ostrov město
Haltepunkt, Haltestelle
177,171 Hájek früher Neudau 450 m
   
von Merklín (vorm. LB Karlsbad–(Dallwitz)–Merkelsgrün)
Bahnhof, Station
182,509 Dalovice früher Dalowitz 410 m
Planfreie Kreuzung – oben
Johanngeorgenstadt–Karlovy Vary dolní n.
   
von Karlovy Vary dolní n. (vorm. EB Karlsbad–Johanngeorgenstadt)
Bahnhof, Station
185,390 Karlovy Vary früher Karlsbad 415 m
Blockstelle, Awanst, Anst etc.
187,520 odb. Sedlec
   
nach Johanngeorgenstadt (vorm. EB Karlsbad–Johanngeorgenstadt)
Haltepunkt, Haltestelle
190,050 Karlovy Vary-Dvory früher Karlsbad-Maierhöfen 390 m
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Umfahrung Chodov
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195,442 Chodov früher Chodau 435 m
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von Nová Role (vorm. ÖLEG)
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(Neutrassierung 1980)
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Anschluss Kraftwerk Vřesová
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nach Loket (1963–1980)
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198,252 Nové Sedlo u Lokte (seit 1980) 435 m
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nach Loket (seit 1980)
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von Loket (vorm. Elbogener Localbahn)
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200,261 Nové Sedlo u Lokte früher Neusattl (bis 1980)
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203,165 Jehličná früher Grasset
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Novosedlský tunel (310 m)
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205,300 Královské Poříčí 415 m
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Bahnhof, Station
208,154 Sokolov früher Falkenau (Eger) 405 m
   
nach Klingenthal (vorm. BEB)
Bahnhof ohne Personenverkehr
209,700 Sokolov seřaďovací nádr.
Bahnhof, Station
211,659 Citice früher Ziedlitz 405 m
Haltepunkt, Haltestelle
213,000 Hlavno 405 m
Bahnhof, Station
217,377 Dasnice früher Daßnitz-Maria Kulm 410 m
Bahnhof, Station
222,685 Kynšperk nad Ohří früher Königsberg (Eger) 420 m
Haltepunkt, Haltestelle
225,981 Nebanice früher Nebanitz 425 m
   
von Luby (vorm. LB Tirschnitz–Wildstein–Schönbach)
Bahnhof, Station
232,105 Tršnice früher Tirschnitz 430 m
   
von Františkovy Lázně (vorm. BEB)
   
von Plauen (Vogtl) ob Bf (vorm. K. Sächs. Sts. E. B.)
Bahnhof, Station
237,500 Cheb früher Eger 460 m
   
nach Plzeň (–Wien) (vorm. KFJB)
   
nach Wiesau (Oberpf) (vorm. Bayerische Ostbahn)
Strecke – geradeaus
nach Nürnberg Hbf

Die Bahnstrecke Chomutov–Cheb ist eine zweigleisige, elektrifizierte Hauptbahn („celostátní dráha“) in Tschechien, die ursprünglich von der priv. Buschtěhrader Eisenbahn (BEB) erbaut und betrieben wurde. Sie verläuft entlang der Ohře von Chomutov (Komotau) über Karlovy Vary (Karlsbad) und Sokolov (Falkenau) nach Cheb (Eger). Im heutigen Tschechien ist die Strecke als Podkrušnohorská magistrála (Magistrale unterm Erzgebirge) bekannt.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahnstrecke Chomutov–Cheb ist eine der wichtigsten Eisenbahnmagistralen in Tschechien. Für den Güterverkehr stellt die durchgehend zweigleisig ausgebaute und elektrifizierte Strecke die wichtigste und leistungsfähigste Verbindung zwischen Westdeutschland und Tschechien dar. Sie dient zudem als wichtige Abfuhrstrecke für die im Falkenauer Becken geförderte Braunkohle. Früher hatte die Strecke auch eine enorme Bedeutung für den Bäderzugverkehr nach den weltbekannten Kurorten im böhmischen Bäderdreieck.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 3. Juni 1868 erhielt die Buschtěhrader Eisenbahn per Gesetz die Genehmigung zum Bau einer Eisenbahn von Prag über Saaz und Komotau an die königlich sächsische Gränze zum Anschlusse an die Chemnitz-Annaberger Bahn und mit einer Flügelbahn in das Rakonitzer Kohlenrevier, dann von Priesen über Karlsbad nach Eger und Franzensbad[1]. Im Dezember 1871 war der durchgehende Schienenweg von Prag bis Eger fertiggestellt. Als Ergänzung wurde 1873 noch die kurze Verbindungsbahn zwischen Komotau und Kaaden-Brunnersdorf erbaut, die fortan einen durchgehenden Bahnverkehr im Anschluss an die Hauptstrecke der Aussig-Teplitzer Eisenbahn von Aussig/Elbe nach Eger ermöglichte.

Eröffnungsdaten:

  • Karlsbad–Eger * 19. November 1870
  • Kaaden-Brunnersdorf–Schlackenwerth * 9. November 1871
  • Schlackenwerth–Karlsbad * 9. Dezember 1871
  • Komotau–Kaaden-Brunnersdorf * 1. März 1873

Im Betrieb der BEB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Folgejahren entwickelte sich die Strecke zu einer der wichtigsten Verbindungen im Norden Böhmens. Im Güterverkehr waren vor allem der Kohleganzzüge aus dem Falkenauer Becken dominierend. Im Reisezugverkehr war die Strecke seit ihrer Eröffnung für die Anreise der Kurgäste nach Karlsbad außerordentlich bedeutsam. Direkte Zugverbindungen bestanden etwa von Wien, Paris oder Ostende nach Karlsbad.

Schon vor 1900 machte der stark angestiegene Verkehr einen zweigleisigen Ausbau der Hauptstrecke Komotau–Eger notwendig. Die Verbindungsbahnen Priesen–Kaaden-Brunnerdorf und Tirschnitz–Franzensbad blieben eingleisig.

Die BEB wurde zum 1. Januar 1923 als eine der letzten großen Privatbahnen in Böhmen verstaatlicht. Fortan war die Strecke in das Netz der Tschechoslowakischen Staatsbahnen ČSD integriert.

Nach der Verstaatlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Angliederung des Sudetenlandes an Deutschland im Herbst 1938 kam die Strecke zur Deutschen Reichsbahn, Reichsbahndirektion Dresden. Im Reichskursbuch war die Verbindung unter der Kursbuchstrecke 166 Bodenbach–Aussig–Komotau–Karlsbad–Eger enthalten.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, im April 1945 war die Strecke noch ein Ziel schwerer amerikanischer Bombenangriffe. In Karlsbad und Eger wurden die Bahnanlagen so schwer beschädigt, dass ein Zugverkehr für längere Zeit nicht mehr möglich war.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam die Strecke wieder zur ČSD.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neutrassierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausweitung der Braunkohleförderung im Falkenauer Becken bei Karlsbad und im Nordböhmischen Becken bei Chomutov erforderte Ende der 1970er Jahre Veränderungen in der Trassierung der Strecke.

1978 wurde die Trasse zwischen Chomutov und Klášterec nad Ohří auf kohlefreies Gebiet unmittelbar am Abhang des Erzgebirges verlegt. In dem Zusammenhang wurde auch die Strecke zwischen Březno u Chomutova und Kadaň-Prunéřov aufgegeben, welche direkte Zugläufe zwischen Prag und Cheb unter Umgehung des Knotens Chomutov ermöglichte. Als Ersatz entstand eine neue Verbindungskurve bei Chomutov.

Eine weitere Neutrassierung wurde 1980 zwischen Chodov und Sokolov in Betrieb genommen. Diese Neubautrasse erforderte unter anderem die Verlegung des Bahnhofes Nové Sedlo u Lokte, die Errichtung eines Tunnels unter einem Höhenrücken und den Neubau eines Viaduktes nahe dem Haltepunkt Královské Poříčí.

Elektrifizierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Sokolov

1968 wurde von Cheb aus der erste Abschnitt der Strecke bis Sokolov mit dem modernen Wechselstromsystem 25 kV 50 Hz elektrifiziert. Erst 1981 wurde der elektrische Zugbetrieb weiter bis Karlsbad ausgedehnt. Damit konnte die elektrische Traktion jetzt auch für den Reisezugverkehr effektiv genutzt werden. Östlich von Karlsbad blieb noch lange Zeit eine Lücke im elektrifizierten Netz der ČSD. Erst 1989 wurde von Chomutov aus die Elektrifizierung fortgesetzt, allerdings für das dort übliche 3 kV-Gleichstromsystem.

Folgende Tabelle zeigt die Eröffnungsdaten des elektrischen Zugbetriebes:

Eröffnung Strom Strecke km
9. Juni 1968 25 kV~ Sokolov–Cheb 29
1. Januar 1983 25 kV~ Nové Sedlo u Lokte–Sokolov 20
1. Juni 1983 25 kV~ Karlovy Vary–Nové Sedlo u Lokte 13
5. Dezember 1989 3 kV = Chomutov–Kadaň 12
11. Dezember 2005 25 kV~ Vojkovice nad Ohří–Karlovy Vary 22
28. Mai 2006 25 kV~ Kadaň–Vojkovice nad Ohří 26

Seit der politischen Wende in der Tschechoslowakei 1989 gewinnt die Strecke langsam ihre Bedeutung als wichtige und leistungsfähige Magistrale für den Güterverkehr zurück. Ende der 1990er Jahre begannen auf dem noch nicht elektrifizierten Abschnitt Kadaň-Karlsbad umfassende Bauarbeiten zur Modernisierung der Strecke. Im Zusammenhang mit der Erneuerung der Gleise und der Leit- und Sicherungstechnik wurde die Trasse auch von Links- auf Rechtsverkehr umgestellt. In den Jahren 2005 und 2006 wurde dieser Abschnitt mit Fahrleitungen ausgerüstet.

Am 28. Dezember 2006 wurde der durchgängige elektrische Zugbetrieb über die Gesamtstrecke eröffnet. Die Systemtrennstelle zwischen 3 kV Gleichstrom und 25 kV Wechselstrom befindet sich zwischen dem Bahnhof Kadaň-Prunéřov und Klášterec nad Ohří.

Zugverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Ende der 1950er Jahre kamen auch wieder Bäderschnellzüge auf die Strecke. Überregional bekannt war vor allem der Karlex, der zwischen Berlin und Karlsbad verkehrte. Als Entlastungszug verkehrte später noch ein zweites Zugpaar in der Relation Leipzig–Karlsbad als IExt Karola.

Heute wird die Strecke von einer im Zweistundentakt verkehrenden Schnellzugverbindung PragÚstí nad Labem–Chomutov–Cheb bedient. Der Schnellzug R 420/421 „Excelsior“ Košice–Cheb und ein zwischen Moskau und Karlsbad verkehrender Kurswagen sind heute die einzigen internationalen Reisezugverbindungen nach Karlsbad.

Fahrzeugeinsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1960er und 1970er Jahren kamen im Bäderzugverkehr von Berlin und Leipzig nach Karlsbad die eleganten Triebzüge der DR-Baureihe VT 18.16 zum Einsatz.

Im Güterverkehr waren lange Zeit die sowjetischen Diesellokomotiven der ČSD-Baureihe T 679.1 (ČD 781) prägend. Vor allem auf dem neigungsreichen Abschnitt zwischen Vojkovice nad Ohří und Karlsbad waren diese leistungsstarken Lokomotiven bis Ende der 1990er Jahre unverzichtbar. Letztes Einsatzgebiet dieser Lokomotiven waren die schweren Kohleganzzüge von Sokolov zum Kraftwerk Arzberg in Oberfranken bis zum 30. November 2002.

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2006 werden alle durchgehenden Schnellzüge zwischen Cheb und Ústí nad Labem mit den Zweisystemlokomotiven der ČD-Baureihe 363 geführt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://alex.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?apm=0&aid=rgb&datum=18680004&seite=00000179

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas W. Petrak: Entlang der Eger; edition bohemica, Himmelkron, 2008, ISBN 978-3-940819-02-4
  • Zdeněk Hudec u.a.: Atlas drah České republiky 2006-2007, 2. Auflage; Verlag Pavel Malkus, Praha, 2006, ISBN 80-87047-00-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnstrecke Chomutov–Cheb – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien