Bahnstrecke Dakar–Niger

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Dakar–Niger
Bahnhof von Dakar
Bahnhof von Dakar
Streckenlänge: 1287 km
Spurweite: 1000 mm (Meterspur)
Maximale Neigung: 25 
Minimaler Radius: 200 m

Die Bahnstrecke Dakar–Niger (franz. Chemin de fer Dakar-Niger, abgekürzt DN) verbindet Dakar in Senegal mit Koulikoro in Mali in einer Spurweite von 1.000 Millimeter. Die 1287 km lange Strecke, wovon 641 km in Mali, führt über Thiès in Senegal und Kayes, Kita, Kati sowie Bamako in Mali. Es war die erste Eisenbahn in Westafrika südlich der Sahara und war die wichtigste Eisenbahnstrecke im französischen Schwarzafrika.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Strecke Dakar–Niger wurde in drei Etappen gebaut:

  • 1882 bis 1885 wurde durch die private Gesellschaft DSL die 264 km lange Strecke Dakar–Saint-Louis erstellt.
  • 1881 bis 1904 wurde der 555 km lange Abschnitt KayesKoulikoro durch das Militär gebaut, um die schiffbaren Flüsse Senegal und Niger zu verbinden. Die Bauarbeiten wurden unter dem französischen General Gallieni, der in dieser Zeit Gouverneur von Französisch-Sudan war ausgeführt. Der Transport von Rohstoffen wurde erleichtert, indem sie vom französischen Sudan auf dem Niger bis Koulikoro, dann auf dem Eisenbahnweg bis Kayes und ab dort auf dem Senegalfluss bis zum Atlantik transportiert werden konnten.
  • 1907 bis 1923 wurde der 667 km lange Abschnitt Thiès–Kayes mit den Zweigstrecken nach Kaolack, Linguère und Touba gebaut, womit die Strecke durchgehend befahrbar wurde.[1]

1934 wurde die private Gesellschaft DSL verstaatlicht und die Bahnstrecke unter eine Verwaltung gestellt. Sie wurde vortan als Région Dakar-Niger der Régie des chemins de fer de l'A.O.F. ("Region Dakar-Niger" der "Eisenbahnverwaltung Französisch-Westafrikas") betrieben. Die Eisenbahnverwaltung und die Zentralwerkstätte waren 40 km westlich von Dakar in Thiès untergebracht, wo die Strecke sich nach Saint-Louis und Bamalo verzweigt. Bis dahin war die Strecke zweispurig ausgebaut, der Rest der Strecke ist einspurig.[1]

1947 streikten die Angestellten der Eisenbahn für mehrere Monate, um dieselben Rechte wie die französischen Eisenbahner zu erlangen. Dieser erfolgreiche Streik wurde vom senegalesischen Schriftsteller Ousmane Sembène in seinem 1960 veröffentlichten Werk Gottes Holzstücke als Wendepunkt im antikolonialen Kampf zelebriert.

Entwicklung nach der Unabhängigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Unabhängigkeit von Mali und Senegal, die durch den Zerfall der Mali-Föderation vollzogen wurde, wurde die Verwaltung der Bahnstrecke auf zwei nationale Bahngesellschaften, die Régie des chemins de fer du Mali (RCFM) und die Régie sénégalaise, aufgeteilt. Die Schwierigkeiten in der Verwaltung und der Mangel an Investitionen führten jedoch zu einer Verschlechterung der Infrastruktur und des Rollmaterials sowie zu zahlreichen Verspätungen.

Im Oktober 2003 übergaben der Senegal und Mali die Verwaltung an Transrail, ein franko-kanadisches Konsortium. Entgegen der ursprünglichen Aufgabe, den Reisezugverkehr aufrechtzuerhalten, plante Transrail, sich auf den Transport von Gütern zu konzentrieren. Viele Bahnhöfe wurden geschlossen und die Zahl der Verbindungen reduziert, wodurch sich die Situation abgelegener Gemeinden verschlechterte.[2]

Mitte 2007 wurde die Bahn durch die belgische Gesellschaft Vecturis aufgekauft. Diese beabsichtigte den schlechten Gleis- und Fahrzeugzustand kontinuierlich zu verbessern.[3]

Im Dezember 2015 beschlossen die beiden Regierungen die Konzession von Transrail zu beenden. Für den Betrieb wurde die neue Gesellschaft Dakar Bamako Ferroviaire gegründet.[4]

Ausbaupläne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 2007 kündigte der Staatspräsident Senegals Abdoulaye Wade eine Reihe von Großprojekten („grands projets“) zur Weiterentwicklung und Erschließung des Landes an, von denen einige auch die Bahnlinie Dakar-Niger betreffen:

  • Bau eines dritten Gleises zwischen Dakar und Thiès (einschließlich Anbindung des im Bau befindlichen Großflughafens Blaise Diagne); ca 72,5 Mrd. FCFA;
  • Umspurung der Strecke Dakar–Tambacounda–Kidira (= Grenze zu Mali) auf Normalspur; ca. 435 Mrd. FCFA;
  • Neubau der Zweiglinie Thiès–Saint-Louis in Normalspur; 145 Mrd. FCFA;

Anfang Januar 2012 kündigte Präsident Wade weiterhin an, die Strecke durch eine Elektrifizierung aufzuwerten. Die Arbeiten sollten noch 2012[veraltet], ausgehend von Dakar, im senegalischen Abschnitt beginnen.[5]

2015/16 schlossen die Regierungen von Senegal und Mali einen Vertrag mit der chinesischen China Railway Construction Corporation über den Ausbau der Strecke.[6]

Im Dezember 2016 begann der Bau einer normalspurigen Zweigstrecke vom Stadtzentrum Dakars zum 55 Kilometer entfernten neuen Flughafen Blaise Diagne in Diass. Die Eröffnung ist für Ende 2018 geplant[7]

Statistiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tableau comparatif des exportations par rail[8]: Für diese Leistung, die die Anzahl der exportierten Tonnen angibt, sind keine Quellen angegeben.

Bahnhof von Kati
Produkt 1924 1934 1952–3 1955–6
geschälte Erdnüsse - 7.422 7.250 -
ungeschälte Erdnüsse 4.125 1.990 55.000 147.900
Gummi arabicum 936 1.196 1.000 1.500
Karité-Nüsse 416 2.690 9.750 -
Tierhäute 787 841 10.000 -
Baumwolle - 185 - 18.200
Hirse 236 - - 850.000

Im Jahre 1933 wurden 650.000 Reisende und 1938 sogar 2.650.000 gezählt. Es waren dies hauptsächlich Saisonarbeiter aus dem französischen Sudan und aus Guinea, welche im Mai bis Juni nach Senegal reisten und im Dezember bis Januar wieder in ihre Heimat zurückkehrten. Weiter gab es Pilgerverkehr nach Touba und Tivaouane.[1]

Zweiglinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zweiglinien der Hauptstrecke Dakar–Bamako sind

  • Thiès–Saint-Louis, Hauptstrecke der ehemaligen DSL, ab Tivaouane eingestellt.
  • Tivaouane–Darou Khoudoss, abzweigend von Thiès–Saint-Louis
  • LougaLinguère abzweigend von Thiès–Saint-Louis gebaut Ende der 1920er Jahre, Betrieb eingestellt
  • Guinguinéo–Kaolack abzweigend von der Hauptstrecke, eingestellt
  • DiourbelMbaké(–Touba), abzweigend von der Hauptstrecke, im Stadtgebiet von Touba eingestellt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Jean Labasse: Le "Dakar-Niger" et sa zone d'action. In: Revue de géographie de Lyon. Band 29, Nr. 3, S. 183–204, doi:10.3406/geoca.1954.1959 (persee.fr [abgerufen am 22. März 2017]).
  2. „Mord am Dakar-Niger-Express“, in Le Monde diplomatique, 9. Februar 2007
  3. TRANSRAIL S.A. (Sénégal - Mali). 2011, abgerufen am 17. Februar 2012 (französisch).
  4. New operator for Dakar – Bamako railway. Railway Gazette, 26. März 2016, abgerufen am 17. Februar 2017 (englisch).
  5. New line to Bamako. Railway Gazette, 16. Februar 2012, abgerufen am 17. Februar 2012 (englisch).
  6. Keith Barrow: CRCC to upgrade Mali - Senegal railway. (railjournal.com [abgerufen am 22. März 2017]).
  7. Work starts on Dakar airport rail link. Railway Gazette, 16. Dezember 2016, abgerufen am 21. März 2017 (englisch).
  8. Jean-Claude Faur: La Mise en valeur ferroviaire de l'AOF (1880–1939). Paris: Université de Paris, 1969 (=Thesis)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • M. McLane: The Senegal-Niger Railway, 1800–1904: A Case Study in Imperialism, University of Wisconsin, 1969.
  • Le Chemin de fer de Thiès au Niger, Afrique-Occidentale française. Gouvernement général/Libr. Larose, 1931.
  • Monique Lakroum: Chemin de fer et réseaux d’affaires en Afrique noire: Le Dakar-Niger (1890–1960), université de Paris VII, 3 vol. 1987 (thèse d’État).
  • Birame Ndour: Éléments d’études sur le mouvement ouvrier dans les chemins de fer du Sénégal (1882–1938), Paris, université de Paris VII, 1981, 67 p. (diplôme d’études approfondies).
  • Ousmane Sembène: Les Bouts de bois de Dieu, Plon, 1960 (Belletristik).
  • Mor Sène: La Grève des cheminots du Dakar-Niger 1947–1948, Dakar, université de Dakar, 1987, 144 p. (mémoire de maîtrise).
  • Iba Der Thiam: La Grève des cheminots du Sénégal de septembre 1938, Dakar, université de Dakar, 1972, 2 vol., 272 p. + 133 p. (mémoire de maîtrise).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]