Bahnstrecke Eyach–Hechingen

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Eyach–Hechingen
Bahnhof Bad Imnau
Streckennummer (DB):9460
Kursbuchstrecke (DB):767
Streckenlänge:27,9 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Höchstgeschwindigkeit:60 km/h
0,0 Eyach Landesbahn 374 m
zur Bahnstrecke Plochingen–Immendingen (bis 1984)
von der Bahnstrecke Plochingen–Immendingen (seit 1984)
0,6 Eyach
3,7 Mühringen 387 m
6,0 Bad Imnau 394 m
9,7 Trillfingen 415 m
10,3 Anschluss Steinbruch
10,9 Haigerloch 425 m
11,5 Haigerloch-Tunnel (146 m)
12,8 Stunzach
13,3 Stetten bei Haigerloch 440 m
14,0 Eyach
14,0 Weg
15,9 Scheitelpunkt „Weißes Kreuz“ 492 m
18,1 Hart (Hohenz) 455 m
20,0 L 410
20,8 Bach
21,6 Rangendingen 419 m
Anschluss Tubex
22,0 Anschluss Baufirma Dieringer
23,3 Starzel
23,5 Lindich-Weilheim 436 m
25,2 Starzel
25,6 Stein (Hohenz) 456 m
26,3 Starzel
26,3 Haigerlocher Straße
26,8 Anschluss Städtisches Gaswerk
26,9 Friedrichstraße-Sickingen 476 m
von der Bahnstrecke Tübingen–Sigmaringen
27,9 Hechingen Landesbahn 492 m
nach Gammertingen

Die Bahnstrecke Eyach–Hechingen ist eine Nebenbahn in Baden-Württemberg. Sie verläuft von Eyach über Haigerloch nach Hechingen, ist durchgehend eingleisig und nicht elektrifiziert.

Die Strecke wird auch als Eyachtalbahn oder Zollern-Alb-Bahn 4 (ZAB 4) bezeichnet.

Streckenverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Mündung der Eyach in den Neckar liegt die Häusergruppe Eyach, teils der Stadt Eutingen im Gäu, teils der Gemeinde Starzach zugehörig. Vom Bahnhof Eyach Landesbahn, welcher auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Bahnhofs Eyach der Deutschen Bahn liegt, führt die Eyachtalbahn zunächst in Richtung Westen. Nach rund 300 Metern mündet das Verbindungsgleis zur Bahnstrecke Plochingen–Immendingen aus Richtung Plochingen bzw. DB-Bahnhof Eyach kommend in die Eyachtalbahn. Nach Unterquerung der Landesstraße 360 und Überquerung der Eyach verläuft die Strecke an der Eyach entlang zum Haltepunkt Mühringen. Bei Kilometer 6,0 wird der am Ortsrand liegende Bahnhof Bad Imnau erreicht.

Im weiteren Verlauf passiert die Strecke den inzwischen aufgelassenen Haltepunkt Trillfingen, welcher rund 1,3 Kilometer westlich des Ortes liegt. Dem ebenfalls außerhalb der Stadt liegenden Bahnhof Haigerloch folgt der 146 Meter lange Haigerloch-Tunnel. Weiter führt die Strecke entlang der Eyach nach Überquerung der Stunzach zum Bahnhof Stetten bei Haigerloch mit mehrgleisigen Güteranlagen. Über eine Verladeanlage kann das Salzbergwerk Stetten Güterwagen befüllen.

Anschließend folgt ein Anstieg von 52 Höhenmetern bis zum Scheitelpunkt Weißes Kreuz, dem ein um 37 Höhenmeter fallender Abschnitt bis zum Bahnhof Hart (Hohenz) folgt. Zwischen Stetten bei Haigerloch und Weißes Kreuz dürfen schwere Züge durch ein nicht mit dem Zug gekuppeltes Triebfahrzeug nachgeschoben werden.

Der folgende Bahnhof Hart (Hohenz), welcher knapp einen Kilometer südlich des namensgebenden Dorfes liegt, ist dreigleisig ausgebaut und dient nur noch dem Güterverkehr. Weiter entlang der Landesstraße 410 und dem nördlichen Rand von Rangendingen erreicht die Strecke den Bahnhof Rangendingen. Es folgt der aufgelassene Haltepunkt Lindich-Weilheim, welcher vom namensgebenden Schloss Lindich rund 2,5 Kilometer und vom Ort Weilheim 3,5 Kilometer entfernt liegt. Bei Kilometer 25,6 befand sich der inzwischen ebenfalls aufgelassene Bahnhof Stein (Hohenz).

Rund einen Kilometer weiter erreicht die Strecke Hechingen und passiert den ehemaligen Bahnhof Friedrichstraße-Sickingen, der nach dem zwei Kilometer entfernten Hechinger Ortsteil Sickingen und dem ehemaligen Ortsteil Friedrichstraße benannt ist. Vor Erreichen des Bahnhofs Hechingen Landesbahn, der wiederum auf der gegenüberliegenden Straßenseite des DB-Bahnhofs Hechingen liegt, zweigt eine Spitzkehre ab, welcher eine Rampe hinauf zum DB-Bahnhof folgt. Nach der Rampe muss in einer weiteren Spitzkehre erneut die Richtung gewechselt werden, um in Richtung Sigmaringen in den DB-Bahnhof einzufahren.

Die Strecke endet im viergleisigen Bahnhof Hechingen Landesbahn, wo sie in die Bahnstrecke Hechingen–Gammertingen übergeht, die seit 1997 außerdem durch ein Übergabegleis mit dem Bahnhof Hechingen der Deutschen Bahn verbunden ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bau und Inbetriebnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hohenzollernsche Lande lagen als lang gezogenens Territorium inmitten des Königreichs Württemberg, deren Königlich Württembergische Staats-Eisenbahnen dieses „ausländische“ Gebiet lediglich auf dem jeweils kürzesten Weg durchquerte und nur die beiden Kreisstädte Hechingen und Sigmaringen bediente. Die 1899 gegründete Actiengesellschaft Hohenzollern’sche Kleinbahngesellschaft, die heutige Hohenzollerische Landesbahn (HzL), sollte die Hohenzollernsche Lande durch Kleinbahnen erschließen und an das württembergische Eisenbahnnetz anschließen.

Am 7. Juni 1901 wurde die Stichstrecke von Eyach über Haigerloch nach Stetten bei Haigerloch mit dem Salzbergwerk Stetten als dritte Strecke der Hohenzollerischen Landesbahn in Betrieb genommen. Erst 1912 erfolgte der Lückenschluss zwischen Stetten und Hechingen als letzte Stammstrecke der HzL. Damit wurde eine durchgehende Bahnverbindung von 86 Kilometern Länge quer durch die Hohenzollernsche Lande von Eyach über Hechingen, Gammertingen und Hanfertal bis Sigmaringendorf geschaffen.

Da die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen Eigentümer der Bahnstrecke Plochingen–Immendingen und der Bahnstrecke Tübingen–Sigmaringen waren, blieb der Hohenzollerischen Landesbahn der Anschluss an die bestehenden Strecken zunächst verwehrt. So wurden in Eyach und Hechingen eigene Bahnhöfe neben den bestehenden Bahnhöfen errichtet, ebenso wie auf den anderen Stammstrecken der HzL in Sigmaringen oder Kleinengstingen.

Betrieb und Einstellung des Personenverkehrs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zunächst kamen auf der Strecke Dampflokomotiven der Aktiengesellschaft für Lokomotivbau Hohenzollern zum Einsatz. Bereits 1934 beschaffte die HzL die Verbrennungstriebwagen VT 1 und VT2 und konnte die Fahrzeit zwischen Eyach und Sigmaringen deutlich verkürzen.[1] 1936 folgte mit dem VT 3 ein weiterer Triebwagen,[1] der 1968 nach einem Frontalzusammenstoß bei Hart, bei dem der Triebfahrzeugführer verstarb, verschrottet werden musste.[2] Ebenfalls 1968 stürzte in Haigerloch ein Beiwagen in die Eyach.[3]

Im Zuge der bundesweiten Stilllegung von Nebenbahnen stellte auch die Hohenzollerische Landesbahn zwischen 1968 und 1973 den Personenverkehr auf einigen Strecken auf Omnibusbedienung um. 1972 wurde der Personenverkehr im Abschnitt Eyach–Haigerloch eingestellt, acht Monate später folgte der Abschnitt Haigerloch–Hechingen.[4]

Heutiger Güter- und Freizeitverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis heute verkehren mehrmals wöchentlich Güterzüge auf der Strecke, vor allem Transporte aus dem Salzbergwerk Stetten sowie Holztransporte.

Im Herbst 2008 wurde mit den HzL-Classic-Zügen nach 30 Jahren der Schienenpersonennahverkehr mit Ausflugszügen wiederbelebt. 2009 wurde der Freizeitverkehr als 3-Löwen-Takt Radexpress Eyachtäler aufgenommen, schrittweise ausgeweitet und 2016 in Zug der Zeit umbenannt. Seit 2012 verkehrt er an allen Sonn- und Feiertagen vom 1. Mai bis Mitte Oktober. Dabei pendelt ein Triebwagen im Zweistundentakt zwischen Eyach und Hechingen. Bis 2011 wurde hauptsächlich eine historische MAN-Schienenbus-Garnitur eingesetzt. Nach Fristablauf der Fahrzeuge und anschließendem Verkauf wurden diese ab 2012 durch Regio-Shuttle ersetzt. Seit dem Fahrplanwechsel 2020 verkehren LINT-54-Triebwagen.

Weitere Fahrten gibt es jährlich zum Haigerlocher Christkindlesmarkt.

Reaktivierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ergänzungslinie der Regionalstadtbahn Neckar-Alb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2004 zur geplanten Regionalstadtbahn Neckar-Alb wurde die Reaktivierung der Strecke als Ergänzungslinie S31 untersucht. Dafür sollte die Strecke sowohl in Eyach als auch in Hechingen in die DB-Bahnhöfe statt in die Bahnhöfe der Landesbahn geführt werden. Als neue Haltepunkte waren Haigerloch-Stetten Ort und Rangendingen Nord vorgesehen. Die Infrastrukturkosten wurden mit 4,2 Mio. Euro beziffert, eine Elektrifizierung war nicht vorgesehen.[5]

Ein alternatives Betriebskonzept des Pro RegioStadtbahn e. V. sah ebenfalls die Reaktivierung der Strecke vor, verzichtete aber auf den Bau neuer Einfädelungen in die DB-Bahnhöfe. So könnten die Infrastrukturkosten auf 1,9 Mio. Euro gesenkt werden.[5]

In der Standardisierten Bewertung der Regionalstadtbahn wurde die Strecke Eyach–Hechingen im Jahr 2010 nicht mehr berücksichtigt.[6]

Landesweite Potenzialanalyse durch das Land Baden-Württemberg 2019/2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg startete 2019 eine Offensive zur Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken und untersuchte das Fahrgastpotenzial von 42 Reaktivierungsstrecken im Land. Im November 2020 wurde die Studie veröffentlicht und die Eyachtalbahn in Kategorie C „Mittleres Nachfragepotenzial – Potenzial vertieft zu betrachten“ (Reaktivierungsstrecke C08) eingeordnet. Die Strecke liegt somit hinter den beiden anderen Reaktivierungsstrecken im Zollernalbkreis; der Talgangbahn (Reaktivierungsstrecke B10) und der Bahnstrecke Balingen–Rottweil (Reaktivierungsstrecke B01). Im Gegensatz zu diesen Strecken muss eine tiefergehende Untersuchung vorgelegt werden, um eine Förderzusage des Landes zu erhalten.[7]

Die anliegenden Kommunen Horb am Neckar, Haigerloch und Starzach sprechen sich für die Reaktivierung der Strecke aus, wenngleich teils Enttäuschung über die Einstufung in das untere Mittelfeld herrscht.[8] Der Gemeinderat Rangendingen befürwortet ebenfalls eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs, während eine dortige Bürgerinitiative die ländliche Idylle durch Zuglärm gestört sieht und insbesondere an Bahnübergängen eine Gefahr für Anwohner und Kinder befürchtet.[9]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bahnstrecke Eyach–Hechingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Die Triebwagen der HzL. Abgerufen am 7. März 2021.
  2. Botho Walldorf: 1200 Fotos von der Hohenzollerischen Landesbahn ins Netz gestellt. In: Hohenzollerischer Geschichtsverein (Hrsg.): Hohenzollerische Heimat. 59. Jahrgang, Nr. 1, März 2009, S. 80.
  3. Wolfram Bäumer: Jumbo wird 50 Jahre alt. In: Die Museums-Eisenbahn. 25. Jahrgang, Nr. 2, 1989, S. 10.
  4. Gerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen. Gifhorn 1977. Zitiert bei vergessene-bahnen.de.
  5. a b Machbarkeitsstudie RegionalStadtBahn Neckar-Alb. Regionalverband Neckar-Alb, Januar 2004, S. 11, 54–58, abgerufen am 26. Februar 2021.
  6. Regionalverband Neckar-Alb: Standardisierte Bewertung Regional-Stadtbahn Neckar-Alb, Stand 26. Oktober 2010 (rvna.de PDF; 5,4 MB).
  7. Stillgelegte Gleise zu neuem Leben erwecken. Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg, abgerufen am 26. Februar 2021.
  8. Thomas Kost: Eyachtalbahn: Eine neue Studie muss her. Schwarzwälder Bote, 3. Dezember 2020, abgerufen am 7. März 2021.
  9. Melanie Steitz: Kontroverse um die vergessene Bahn. Südwest Presse, 7. Oktober 2020, abgerufen am 7. März 2021.