Bahnstrecke Holzkirchen–Lenggries

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Holzkirchen–Lenggries
Strecke der Bahnstrecke Holzkirchen–Lenggries
Übersicht der Bahnstrecken südlich von Holzkirchen
Streckennummer (DB):5505
Kursbuchstrecke (DB):956, 957
Streckenlänge:30,120 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse:Holzkirchen–Bad Tölz: D4
Bad Tölz–Lenggries: CE
Minimaler Radius:294 m
Höchstgeschwindigkeit:100 km/h
Zugbeeinflussung:PZB
Zweigleisigkeit:nein
von München Hbf
36,446 Holzkirchen 683 m
nach Rosenheim
nach Schliersee
42,403 Warngau (ehem. Bf) 715 m
nach/von Tegernsee
47,231 Schaftlach 757 m
Anschlussbahn zum Zementwerk Marienstein
51,953 Reichersbeuern (ehem. Bf) 719 m
(Neutrassierung 1924)
57,093 Bad Tölz 687 m
57,902 Bad Tölz (bis 1924) 686 m
59,888 Gaißach 667 m
63,365 Obergries 666 m
66,566 Lenggries 679 m

Quellen: [1][2][3]

Die Bahnstrecke Holzkirchen–Lenggries ist eine eingleisige, nicht elektrifizierte Bahnstrecke in Bayern. Von Holzkirchen bis Bad Tölz ist sie als Hauptbahn trassiert, ab Bad Tölz bis Lenggries als Nebenbahn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streckenführung bei Gaißach mit einem Integral S5D95 der Bayerischen Oberlandbahn

Eröffnet wurde die Bahnstrecke in zwei Abschnitten. Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen nahmen am 1. Juni 1874 eine 21,43 km lange Vizinalbahn von Holzkirchen nach Tölz (seit 1899 Bad Tölz) in Betrieb.[4] 1883 wurde die privat betriebene Bahnstrecke Schaftlach–Tegernsee in Betrieb genommen. 1905 wurde zunächst eine Kraftpostlinie von Bad Tölz nach Lenggries eingerichtet.[5]

Im Jahre 1918 beschloss der Bayerische Landtag den Bau der Lokalbahn Bad Tölz–Lenggries. Dazu musste der bisherige Endbahnhof Bad Tölz aus topografischen Gründen aufgegeben und an heutiger Stelle neu errichtet werden. Die Verlängerung der Bahnstrecke nach Lenggries ging am 3. September 1924 als Lokalbahn in Betrieb.[6]

Zwischen den 1930er und den 1960er Jahre gab es eine Verbindungskurve zur Strecke nach Tegernsee zur Umfahrung des Bahnhofes Schaftlach.[7]

Am Abend des 8. Juni 1975 kam es zwischen Warngau und Schaftlach zum Eisenbahnunfall von Warngau. Bei einem Frontalzusammenstoß zweier Eilzüge wurden 41 Menschen getötet und 126 verletzt.

Zum damaligen Zeitpunkt war Warngau noch ein Bahnhof. Mittlerweile ist er zum Haltepunkt abgestuft worden und verfügt nur noch über ein Gleis.

Zukunftsaussichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Infrastruktur für die steigende Nachfrage Richtung München nicht mehr ausreicht, beauftragte die Bayerische Staatsregierung die Deutsche Bahn am 1. August 2023 mit der Entwurfs- und Genehmigungsplanung für eine Elektrifizierung sowie einen Ausbau der Strecke. Die Pläne beinhalten die Errichtung einer Oberleitungsanlage und eine Anpassung des Unterwerks Holzkirchen für den Ersatz der Diesel- durch Elektrozüge, die Reduzierung von Langsamfahrstellen und Pfeiftafeln durch technische Sicherung oder Auflassung von Bahnübergängen, eine Erneuerung der Stellwerkstechnik, der Neubau eines Kreuzungsbahnhofes im Bereich Gaißach sowie Bahnsteigverlängerungen in Warngau und Schaftlach für bis zu 220 Meter lange Züge. 2023 war das Ziel die Inbetriebnahme der Oberleitung Anfang der 2030er Jahre.[8][9]

Streckenbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Strecke verlässt den Bahnhof Holzkirchen in südöstlicher Richtung. Nach Osten zweigt hier die Mangfalltalbahn Richtung Rosenheim ab. Bis zum südlichen Ortsrand verläuft parallel die Bahnstrecke Holzkirchen–Schliersee, die sich dann ebenfalls nach Osten wendet. Die Strecke verläuft in Richtung Süden und erreicht den ersten Haltepunkt Warngau. Nach der Durchquerung eines Waldstückes wird in südöstlicher Richtung Schaftlach erreicht. Bis Schaftlach steigt die Strecke mit bis zu 11 ‰ an und erreicht dort ihren Scheitelpunkt. In Schaftlach zweigt die Strecke nach Tegernsee ab. Im weitern Verlauf in Richtung Süden fällt die Strecke mit etwa 10 ‰ und wendet sich bei Waakirchen nach Westen. Über Reichersbeuern erreicht die Strecke den Bahnhof Bad Tölz. Im Anschluss an den Bahnhof Bad Tölz fällt die Bahnstrecke in mehreren Bögen bis zum Haltepunkt Gaißach ab. Die Strecke folgt bis zum Endbahnhof Lenggries dem Tal der Isar in südlicher Richtung.

Betriebsstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holzkirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Holzkirchen (Lage) wurde 1857 als Teil der Bayerischen Maximiliansbahn errichtet. Er liegt rund einen Kilometer nördlich des historischen Ortskerns.

Schaftlach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Schaftlach (Lage) ist seit 1883 Ausgangspunkt der Bahnstrecke in Richtung Tegernsee. Durch diese betriebliche Funktion bestanden in der Vergangenheit recht umfangreiche Bahnanlagen. Der Bahnhof wurde rund 600 Meter nördlich des historischen Ortskerns errichtet. Schaftlach ist der einzige Bahnhof der Gemeinde Waakirchen. Das Pfarrdorf Waakirchen liegt rund 2,5 Kilometer südlich von Schaftlach.

Bad Tölz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heutige Bahnhof Bad Tölz (Lage) liegt rund einen Kilometer östlich des historischen Ortskerns. Der ursprünglich 1874 errichtete Endbahnhof befand sich nordwestlich des heutigen Standorts (Lage). 1899 änderte sich mit Verleihung des Titels »Bad« der Bahnhofsname. Mit dem Bau der Lokalbahn nach Lenggries wurde 1924 ein neuer Bahnhof errichtet. Noch heute zeugen das alte Empfangsgebäude, der Straßenname „Alter Bahnhofplatz“ und der Verlauf der Eisenbergerstraße in Bad Tölz vom einstigen Streckenverlauf. Auf dem alten Bahnhofsareal befindet sich heute die Fachoberschule Bad Tölz.

Lenggries[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Endbahnhof Lenggries (Lage) liegt südwestlich des Ortskerns, am westlichen Isarufer.

Südlich des Bahnhofs befand sich ursprünglich ein zweiständiger Lokschuppen. Heute befindet sich dort das Bahnbetriebswerk der Bayerischen Oberlandbahn. Dort erfolgt die Instandhaltung der Triebwagen. Hierfür werden zwei Hallen mit insgesamt vier jeweils 60 Meter langen Gleisen vorgehalten. Eine Waschanlage dient der Außenreinigung.[10]

Sicherungstechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen Schaftlach und Lenggries wird die Bahnstrecke im signalisierten Zugleitbetrieb der Bauform Scheidt & Bachmann betrieben. Dazu sind die Bahnhöfe Bad Tölz und Lenggries mit Rückfallweichen und vereinfachten Lichtsignalen ausgestattet. Der Zugleiter ist der Fahrdienstleiter Schaftlach.

Das im Süden an den Bahnhof Lenggries anschließende Betriebswerk verfügt über elektrisch ortsgestellte Weichen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1998 wurden in Schaftlach Kurswagen nach Tegernsee aus München und teilweise Dortmund durch Lokomotiven der Tegernsee-Bahn übernommen.

Seit dem 29. November 1998 wird im Auftrag der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) der Personenverkehr auf der Strecke von der Bayerischen Oberlandbahn betrieben, die durchgehende Züge von München Hbf bis Lenggries anbietet. Die Fahrzeit von München bis Lenggries liegt bei 67 Minuten. Die von München kommenden Züge werden in Holzkirchen geflügelt; ein Zugteil fährt in Richtung Schliersee/Bayrischzell, die anderen beiden Zugteile fahren über Schaftlach nach Lenggries und Tegernsee. In Fahrtrichtung München werden die Zugteile in der umgekehrten Abfolge wieder vereinigt. Seit Dezember 2020 verkehren diese als Regionalbahn der Linie 56 (RB 56), gemäß der neu eingeführten bayernweiten Linienbezeichnungen.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Infrastrukturregister. DB Netz, abgerufen am 9. Oktober 2020.
  2. Siegfried Bufe: Hauptbahn München–Salzburg. Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham 1995, ISBN 3-922138-57-8, S. 210–211.
  3. Eisenbahnatlas Deutschland 2009/2010. 7. Auflage. Schweers + Wall, Aachen 2009, ISBN 978-3-89494-139-0.
  4. Kosmas Lutz: Der Bau der bayerischen Eisenbahnen rechts des Rheines. R. Oldenbourg, München/Leipzig 1883, S. 198 (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 6. Februar 2024]).
  5. Geschichte unserer Kompetenz. Deutsche Bahn, 22. Februar 2011, archiviert vom Original am 20. September 2011; abgerufen am 11. Mai 2016.
  6. Wolfgang Klee: Kleine bayerische Eisenbahngeschichte. DGEG Medien, Paderborn 2006, ISBN 3-937189-26-2, S. 106.
  7. Alexander Bauer: Bayern: VT 27 der Tegernseebahn vorgestellt. In: Lok-Report. Lokomotive Fachbuchhandlung, 8. April 2019, abgerufen am 6. Februar 2024.
  8. Attraktiverer Schienenverkehr im Oberland. Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, 1. August 2023, abgerufen am 6. Februar 2024.
  9. Der Umwelt zuliebe: Elektrifizierung des Oberland-Netzes. In: Bahnausbau Region München. DB InfraGO, abgerufen am 6. Februar 2024.
  10. Andreas Steppan: Blick hinter besondere Türen: Das Bahnbetriebswerk in Lenggries. In: Merkur – Tölzer Kurier. 4. Dezember 2020, abgerufen am 3. Dezember 2022.
  11. Linien. In: Bahnland Bayern. Bayerische Eisenbahngesellschaft, abgerufen am 5. Mai 2021.