Bahnstrecke Jüterbog–Nauen

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Jüterbog–Nauen
Havelbrücke bei Caputh
Havelbrücke bei Caputh
Strecke der Bahnstrecke Jüterbog–Nauen
Die Bahnstrecken Jüterbog–Nauen
und Nauen–Oranienburg der Umgehungsbahn
Streckennummer (DB): 6511 Jüterbog–Beelitz Stadt
6115 Beelitz Stadt–Golm
6068 Golm–Priort
6105 Priort–Nauen
Kursbuchstrecke (DB): 209.21, 209.22, 209.33
Streckenlänge: 90,1 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: Wustermark–Ferch-Lienewitz:
15 kV 16,7 Hz ~
   
von Neustadt (Dosse), von Oranienburg
Bahnhof, Station
90,1 Nauen
   
nach Velten
   
nach Berlin
   
85,4 Bredow
   
von Rathenow
Bahnhof, Station
81,1 Wustermark
Brücke über Wasserlauf (groß)
Havelkanal
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
nach Berlin
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
von Falkenhagen und Berlin
   
77,3 Elstal
Bahnhof, Station
75,1 Priort
Bahnhof ohne Personenverkehr
70,4 Satzkorn (ehem. Personenbf)
Haltepunkt, Haltestelle
67,9 Potsdam-Marquardt
Brücke über Wasserlauf (groß)
Sacrow-Paretzer Kanal
   
65,5 Bornim-Grube
Bahnhof, Station
62,7 Golm
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Werder und nach Saarmund
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
von Werder
Bahnhof, Station
58,8 Potsdam Park Sanssouci (früher: Potsdam Wildpark)
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
nach Potsdam Hbf
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
58,0 Abzw Potsdam Wildpark Süd von Potsdam Hbf
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Turmhalt… – unten
56,1 Potsdam Pirschheide (früher: Potsdam Hbf)
Berliner Außenring
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Brücke über Wasserlauf (groß)
Templiner See
Haltepunkt, Haltestelle
53,0 Caputh-Geltow (ehem. Bf)
Brücke über Wasserlauf (groß)
Havel
Haltepunkt, Haltestelle
51,9 Caputh-Schwielowsee
Bahnhof, Station
47,5 Ferch-Lienewitz
   
44,9 Abzw Lienewitz (Lia) nach Bad Belzig und Michendorf
   
Berlin–Blankenheim
   
43,9 von Michendorf
Bahnhof, Station
40,0 Beelitz Stadt
Haltepunkt, Haltestelle
36,0 Elsholz (ehem. Bf)
Haltepunkt, Haltestelle
31,2 Buchholz (Zauche) (ehem. Bf)
   
von Bad Belzig
Bahnhof, Station
20,0 Treuenbrietzen
Haltepunkt, Haltestelle
17,7 Treuenbrietzen Süd
   
15,1 Frohnsdorf
   
11,5 Tiefenbrunnen
Haltepunkt, Haltestelle
7,1 Altes Lager (ehem. Bf)
   
nach Lutherstadt Wittenberg
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
von Lutherstadt Wittenberg, von Falkenberg
Bahnhof, Station
0,0 Jüterbog
Strecke – geradeaus
nach Berlin

Die Bahnstrecke Jüterbog–Nauen ist eine Bahnstrecke, die westlich um Berlin führt. Sie verläuft von Jüterbog über Treuenbrietzen, Beelitz, Potsdam, Wustermark nach Nauen. Die Strecke ist ein Teilstück der vor allem für den Güterverkehr konzipierten Umgehungsbahn, die die dicht befahrenen Bahnstrecken in Berlin entlasten sollten. Der Abschnitt Wustermark–Nauen ist mittlerweile stillgelegt, Golm–Priort ist nun ein Bestandteil des Berliner Außenrings und als zweigleisige Hauptbahn ausgebaut. Die Abschnitte Nauen–Priort und Golm–Beelitzer Kreuz sind beziehungsweise waren eingleisige Hauptbahn, der Rest eingleisige Nebenbahn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Beelitz Stadt

Um die Wende zum 20. Jahrhundert erwies sich das Streckennetz in Berlin für den wachsenden Güterverkehr zunehmend als Engpass. Auch aus militärstrategischen Gründen wurde eine Umfahrung der Hauptstadt in Erwägung gezogen. Die am 1. Dezember 1894 eröffnete Strecke von Jüterbog nach Treuenbrietzen wurde über Potsdam nach Nauen an der Hamburger Bahn verlängert (Einweihung Treuenbrietzen–Beelitz Stadt 1. Oktober 1904, Beelitz Stadt–Wildpark 1. Oktober 1908 und Wildpark–Nauen 1. September 1902). Niveaufreie Kreuzungen mit bestehenden Hauptbahnen entstanden nördlich von Beelitz mit der Wetzlarer Bahn, im Bahnhof Wustermark mit der Berlin-Lehrter Eisenbahn und im Bahnhof Wildpark (heute Bahnhof Potsdam Park Sanssouci) mit der Bahnstrecke Berlin–Magdeburg. Mit dem Bau des Verschiebebahnhofs Wustermark an der Lehrter Bahn östlich der Kreuzung mit der Umgehungsbahn entstand eine zweigleisige Verbindungsstrecke aus Richtung Wildpark, die nördlich von Priort nach Osten abbog. Auch der Abschnitt von Wustermark nach Nauen wurde für den Bau des Verschiebebahnhofs zweigleisig ausgebaut.

Während des Ersten Weltkrieges, 1915, wurde die Verlängerung von Nauen über Kremmen nach Oranienburg eingeweiht. Im Zuge der Eröffnung des Rangierbahnhofs Seddin entstanden in der ersten Hälfte der 1920er Jahre Verbindungskurven von Ferch-Lienewitz und Beelitz Stadt dorthin. In den folgenden Jahren wurde das Netz der Berliner Umfahrungsstrecken mit der Verbindung von Seddin nach Großbeeren und später mit dem Güteraußenring weiter ausgebaut.

Im Personenverkehr diente die Strecke vornehmlich lokalen Interessen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der deutschen Teilung war für die DDR die Umfahrung West-Berliner Gebietes besonders wichtig geworden. In der Nähe des Bahnhofes Altes Lager wurde eine Verbindungskurve zur Anhalter Bahn nach Süden gebaut. Sie ging provisorisch am 20. März, offiziell am 1. April 1950 in Betrieb.[1] Das Verkehrsaufkommen auf der Strecke nahm in den Folgejahren zu, Mitte der 1950er Jahre wurde sie auch von D-Zügen aus Sachsen zur Ostsee benutzt. Mit dem Berliner Außenring entstand in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre eine leistungsfähige Umfahrung, in die zwischen Golm und Priort die Umgehungsbahn einbezogen wurde. Am Schnittpunkt von Umgehungsbahn und Außenring in den Wäldern südwestlich von Potsdam wurde 1958 der Turmbahnhof Potsdam Süd eingeweiht, der wenige Jahre später zum Potsdamer Hauptbahnhof wurde (heute Potsdam Pirschheide).

Nach Mauerbau und der Schließung der Hamburger Bahn nach einem Grenzdurchbruch Dezember 1961 nutzten auch die Züge Berlin–Hamburg den Abschnitt zwischen Wustermark und Nauen, die sogenannte Bredower Kurve. Für den Güterverkehr blieb die Strecke als Ergänzungsstrecke, vor allem zum nahegelegenen Rangierbahnhof Seddin, wichtig. Gelegentlich wurden auch Transitzüge nach Berlin über diese Strecke umgeleitet.

Entwicklung der letzten Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmalgeschütztes Bahnhofsgebäude in Treuenbrietzen, 2012

Am 30. April 1996 wurde die Verbindung Wustermark–Bredow–Nauen stillgelegt, nachdem mit der wiedereröffneten Hamburger Bahn eine direkte Verbindung nach Berlin zur Verfügung stand.

Auf dem Abschnitt Wustermark–Golm–Potsdam verkehrt heute alle ein bis zwei Stunden die Regionalbahnlinie RB 21, auf dem Außenringabschnitt außerdem die Linie RB 20 und ein reger Güterverkehr. Der Personenverkehr zwischen Wildpark (heute Potsdam Park Sanssouci) und Potsdam Pirschheide wurde 1994 eingestellt, stattdessen fahren die Züge nun von Potsdam Hauptbahnhof.

1998 wurde die Brücke der Umgehungsbahn über die Wetzlarer Bahn bei Beelitz gesperrt. Statt der durchgehenden Züge Potsdam–Jüterbog verkehrte seitdem zwischen Potsdam und Ferch-Lienewitz die RB 22 und weiter über Michendorf nach Berlin-Schönefeld.

Beelitz Stadt, Treuenbrietzen und Jüterbog werden seitdem mit der RB 33 aus Berlin-Wannsee über Michendorf bedient. Nach 2000 gab es Überlegungen zur Einstellung des Personenverkehrs auf dem relativ schwach nachgefragten Abschnitt Beelitz Stadt–Jüterbog, allerdings wurde 2006/07 diese Strecke auf 100 km/h ausgebaut. Die Attraktivität des Angebotes hat sich dank der kürzeren Fahrzeit und günstiger Anschlüsse in Berlin-Wannsee, und seit Ende 2007 auch in Jüterbog, gesteigert. Die Verkehrsleistung auf der RB 33 wurde zum Fahrplanwechsel im Dezember 2007 für zunächst zwei Jahre im Interessenbekundungsverfahren vergeben, den Zuschlag erhielt Veolia Verkehr mit ihrer Tochtergesellschaft Ostseeland-Verkehr (OLA). Die Strecke wurde unter der Markenbezeichnung Märkischen Regiobahn (Linie MR 33) mit Desiro-Triebwagen betrieben. Montags bis freitags gab es zwischen Beelitz Stadt und Berlin-Wannsee einen ungefähren Stundentakt.

Mit Fahrplanwechsel im Dezember 2011 übernahm die Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG) die Verbindung Berlin-Wannsee – Jüterbog. Auf der als OE 33 bezeichneten Linie werden Gelenktriebwagen der Baureihe 646 eingesetzt. Auf der gesamten Linie verkehren die Züge von Montag bis Freitag stündlich mit Kreuzung in Treuenbrietzen und am Wochenende im Zweistundentakt. Ebenfalls seit Dezember 2011 verkehrt aufgrund der nahenden Inbetriebnahme des Flughafens Berlin Brandenburg die Linie RB 22 direkt über den Berliner Außenring. Auf der Umgehungsbahn im Bereich Caputh verkehrt nun die RB 23 (Potsdam – Michendorf).

Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2012 wurden die Linienbezeichnungen vereinheitlicht, damit wurde auch die Linienbezeichnung OE 33 in RB 33 geändert.[2]

Die Halte Buchholz (Zauche) und Ferch-Lienewitz sind gemäß einem Zeitungsbericht von 2014 von der Stilllegung bedroht.[3]

Unter Denkmalschutz stehen neben den Bauten in den Bahnhöfen Potsdam Park Sanssouci und Jüterbog, welche bereits für andere Strecken errichtet worden waren, die Bahnhofsgebäude in Tiefenbrunnen, Treuenbrietzen, Buchholz (Zauche) und Caputh-Geltow sowie ein Bahnwärterhaus in Priort.[4][5]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Einstellung des Verkehrs diente der Bahnhof Bredow als Kulisse für den Kriminalfilm „Dettmanns weite Welt“ aus der Serie Polizeiruf 110. Otto Sander und Ben Becker sind als Streckenarbeiter dabei mit dem Abbau „ihrer“ Strecke, an der sie jahrelang gearbeitet hatten, beschäftigt. Bereits die beiden Vorgängerfilme „Totes Gleis“ und „Das Wunder von Wustermark“ waren in Bredow gedreht worden, die Bahnhofsszenen dabei allerdings auf dem Bahnhof Großbeeren an der Anhalter Bahn.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnstrecke Jüterbog–Nauen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erich Preuß & Reiner Preuß, Chronik der Deutschen Reichsbahn 1945–1993, Eisenbahn in der DDR, GeraMond, München 2009, ISBN 978-3-7654-7094-3, S. 32
  2. RE bleibt RE - OE, NE, PE wird RB! Einheitliche Namen im Eisenbahn-Regionalverkehr des VBB / Presse / Pressemitteilungen / 2012 - 12 :: VBB Online. In: vbb.de. Abgerufen am 8. Dezember 2012.
  3. Bericht der Märkischen Allgemeinen vom 2. Juli 2014, abgerufen am 29. November 2015
  4. Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum: Denkmalliste des Landes Brandenburg: Landkreis Teltow-Fläming (PDF; 1640 kB) Stand: 31. Dezember 2012
  5. Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum: Denkmalliste des Landes Brandenburg: Landkreis Potsdam-Mittelmark (PDF; 1017 kB) Stand: 31. Dezember 2012