Bahnstrecke Lübeck–Lübeck-Travemünde Strand

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Lübeck–Lübeck-Travemünde Strand
Karte Bahnstrecke Lübeck-Lübeck-Travemünde Strand.png
Streckennummer: 1100, 1113, 1115, 1117
Kursbuchstrecke (DB): 104
Streckenlänge: 20,311 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: Oberleitung 15 kV 16,7 Hz ~
Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h
Zweigleisigkeit: Abzw Schwartau Waldhalle–Üst Lübeck-Kücknitz
Strecke – geradeaus
von Hamburg, Lüneburg und Bad Kleinen
   
von Bad Segeberg
Bahnhof, Station
0,000 Lübeck Hbf
Straßenbrücke
B 206
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
zur Hafenbahn
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
4,699 nach Kiel und Puttgarden
   
5,610 Schwartau-Waldhalle
Brücke über Wasserlauf (mittel)
Schwartau
Haltepunkt, Haltestelle
7,975 Lübeck-Dänischburg IKEA
   
Lübeck-Dänischburg
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
Uferbahn zum Lehmann-Terminal und Seelandkai in Herrenwyk
Brücke (mittel)
A 226
   
11,840 Lübeck-Kücknitz
A/D: Überleitstelle, CH: Spurwechsel
12,548 Lübeck-Kücknitz
Brücke (mittel)
B 75
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13,901 Lübeck-Kücknitz
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Hafenbahn zum KV-Terminal Baltic Rail Gate am Skandinavienkai
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15,700 Lübeck-Pöppendorf
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16,400 Lübeck-Ivendorf (geplant)
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17,905 Lübeck-Travemünde Skandinavienkai
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17,942
18,250
Fehllänge 308 m
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vom Skandinavienkai
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19,508 Lübeck-Travemünde Hafen (früher Bf)
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nach Niendorf (Ostsee)
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20,619 Lübeck-Travemünde Strand (früher Bf)

Die Bahnstrecke Lübeck–Lübeck-Travemünde Strand ist eine überwiegend eingleisige, elektrifizierte Eisenbahnstrecke in Schleswig-Holstein. Sie dient vor allem dem Zubringerverkehr zum Travemünder Ostseestrand und zu den Ostseefähren am Skandinavienkai sowie dem innerstädtischen Lübecker Verkehr.

Strecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streckenbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uhrenturm am Travemünder Strandbahnhof von Fritz Klingholz

Die Bahnstrecke Lübeck–Lübeck-Travemünde Strand verlässt den Lübecker Hauptbahnhof nach Norden gemeinsam mit der Vogelfluglinie sowie der Bahnstrecke Kiel–Lübeck. Kurz vor Erreichen des Bahnhofs Bad Schwartau zweigt die Strecke nach Osten ab und verläuft unmittelbar am linken Traveufer bis Lübeck-Dänischburg IKEA. Danach zweigt eine Güterbahnstrecke der Lübecker Hafenbahn zum Containerterminal der Firma Lehmann und zum Seelandkai der Lübecker Hafengesellschaft ab. Nach Überquerung der Autobahn A 226 und der Bundesstraße 75 folgt vor dem Haltepunkt Lübeck-Kücknitz der Abzweig zum KV-Terminal Baltic Rail Gate am Travemünder Skandinavienkai. Die Strecke verläuft dann zunächst neben der Travemünder Landstraße und anschließend entlang der Hafengrenze des Skandinavienkais. Der Haltepunkt Lübeck-Travemünde Skandinavienkai am nördlichen Rand der Kaianlagen bedient zugleich das Wohngebiet des Pommernzentrums am Rönnauer Weg. Nach Erreichen des Travemünder Stadtgebiets folgt nach einem Bahnübergang über den vielbefahrenen Gneversdorfer Weg der Bahnhof Lübeck-Travemünde Hafen in der Nähe des Ortszentrums. Hier bestand früher ein Abzweig über Brodten nach Niendorf (Ostsee). Endpunkt der Strecke ist der Kopfbahnhof Lübeck-Travemünde Strand, der sich im Kurviertel befindet.

Streckennummern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Abschnitt Lübeck Hauptbahnhof–Abzweig Schwartau Wr trägt die Streckennummer 1100. Die im Personenverkehr befahrene Strecke nach Lübeck-Travemünde Strand hat die Nummer 1113, während die im Güterverkehr befahrenen Strecken zum Lehmann-Containerterminal und zum LHG-Seelandkai in Herrenwyk (früher: zum Hochofenwerk Lübeck) sowie zum Skandinavienkai die Streckennummern 1115 und 1117 haben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uhrenturm des Travemünder Strandbahnhofes
Bahnhof Travemünde Hafen
Ehemaliger Bahnhof Dänischburg
Bad Schwartauer Waldhalle
Bad Schwartaus einstiger Bahnhof Waldhalle
Containerbrücken des Terminals an der Untertrave zur Bahnverladung über den Abzweig zum früheren Stahlwerk hinter der abgerissenen Herrenbrücke

Die Strecke wurde am 1. August 1882 eröffnet und am 1. Juli 1898 vom heutigen Bahnhof Lübeck-Travemünde Hafen nach Lübeck-Travemünde Strand verlängert. Der stark anwachsende Ausflugsverkehr nach Travemünde erforderte 1911 einen neuen Strandbahnhof, der nach Plänen von Fritz Klingholz im Jugendstil erbaut wurde. Als Besonderheit erhielt er einen bis zum Badestrand sichtbaren Uhrturm, der auf einer großen Anzeige die Abfahrtzeit des nächsten Zuges nach Lübeck Hauptbahnhof zeigt.

1913 entstand eine knapp fünf Kilometer lange Stichstrecke von Lübeck-Travemünde Hafen nach Niendorf (Ostsee), um diesen Ort für Touristen leichter erreichbar zu machen.

Bis zur Verstaatlichung durch die Deutsche Reichsbahn am 1. Januar 1938 oblag der Betrieb der Lübeck-Büchener-Eisenbahn-Gesellschaft (LBE). Die LBE, die schon in den 1930er Jahren die Strecke mit hochwertigen Doppelstockwagen befuhr, führte den markanten Werbespruch „Hamburg, Lübeck, Travemünde – Aus dem Häusermeer an die See“ ein.

Vor dem Zweiten Weltkrieg stand die Strecke unter der Hoheit der Reichsbahndirektion Schwerin. Später übernahm die Deutsche Bundesbahn den Betrieb.

Zum 29. September 1974 wurde die Strecke zwischen Lübeck-Travemünde Hafen und Niendorf stillgelegt. In den 1990er Jahren wurde der Haltepunkt Schwartau-Waldhalle aufgelassen.

2004 wurde in der Nähe der Fähranleger nach Schweden und Finnland der Haltepunkt Lübeck-Travemünde Skandinavienkai eingerichtet, da der vorher für den Fährverkehr genutzte Hafenbahnhof zu weit entfernt lag. 2006–2007 wurde jedoch der Skandinavienkai in großem Umfang um Hafenflächen und Gewerbegebiete für hafennahe Betriebe und Logistikunternehmen erweitert. Dazu musste 2005 die Bahnstrecke auf anderthalb Kilometer Länge mehrere hundert Meter westwärts verlegt werden, so dass sie jetzt neben der Ivendorfer Landstraße verläuft. Zudem wurde ein neues Gebäude für das Hafenterminal errichtet, das etwa einen Kilometer südlich des abgerissenen alten liegt. Damit hat der neue Haltepunkt keinen fußläufigen Zugang zum Skandinavienkai mehr. Passagiere, die mit dem Zug anreisen, müssen in den Bus umsteigen, um die Schiffe zu erreichen.

Am 23. Mai 2006 wurde nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten der neu gestaltete historische Strandbahnhof wieder neu eröffnet. In diesem Zuge wurde die bis dahin defekte Turmuhr wieder in Betrieb genommen.[1] Im April 2016 war der Anzeiger wieder außer Betrieb. Bis Juli 2016 wurde er instand gesetzt,

2007 begannen Arbeiten, die Strecke als Fortsetzung der Bahnstrecke Hamburg–Lübeck zu elektrifizieren. Die Elektrifizierung wurde im Dezember 2008 abgeschlossen. Güterzüge fahren seitdem ohne Lokwechsel in den Raum Hamburg.

Im Juli 2010 wurde der zweigleisige Ausbauabschnitt zwischen Schwartau-Waldhalle und Kücknitz in Betrieb genommen[2]; hierzu mussten vier Brücken neu errichtet werden.

Am 14. Dezember 2014 wurde der Haltepunkt Dänischburg unter dem Namen „Lübeck-Dänischburg IKEA“ wiedereröffnet. Der 1986 nach der Schließung des Villeroy & Boch-Werks aufgegebene Haltepunkt wurde reaktiviert, nachdem auf dem früheren Werksgelände das Einkaufszentrum LUV-Center mit 400.000 m² Verkaufsfläche entstanden war. Die Umbenennung geht darauf zurück, dass das im Einkaufszentrum gelegene IKEA-Möbelhaus mit drei Millionen Euro fast die gesamten Kosten des Bahnhofs übernommen hatte.[3]

Fahrzeugeinsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Mai 1936 setzte die LBE Stromlinien-Schnellzüge mit Doppelstockwagen auf der Strecke Hamburg Hauptbahnhof–Lübeck-Travemünde Strand ein, die weltweit Aufsehen erregten. Sie waren bereits damals als Wendezüge mit Steuerwagen, automatischen Scharfenberg-Kupplungen sowie als Zweier-Einheiten mit einem gemeinsamen Jakobsdrehgestell ausgestattet. Die acht Doppelstockwagen wurden von den Firmen WUMAG und Linke-Hofmann geliefert. Planmäßig mit dem Zug verwendet wurde eine Schnellfahr-Tender-Dampflokomotive mit Stromlinienverkleidung, die vom anderen Zugende aus vom Triebfahrzeugführer ferngesteuert werden konnte.

Die LBE-Doppelstockwagen boten einen für die damalige Zeit großen Komfort, beispielsweise gepolsterte Sitze in der 3. Klasse. Größeres Gepäck wurde beim Einsteigen von Pagen in Empfang genommen, im Gepäckabteil verstaut und beim Verlassen des Wagens wieder ausgeliefert.

Die Deutsche Bundesbahn setzte besonders in den 1960er und 1970er Jahren im Regionalverkehr nach Hamburg mit DB-Baureihe V 200.0 bespannte Wendezüge ein. Im Nahverkehr nach Lübeck wurden lange Zeit Diesellokomotiven der DB-Baureihe V 100 mit dreiachsigen Umbau-Wagen mit Eilzugsteuerwagen der Bauart Eilzugwagen eingesetzt.

Im Personenverkehr wurden bis zur Aufnahme des elektrischen Betriebes am 13./14. Dezember 2008 Diesellokomotiven eingesetzt. So kamen an den Sommerwochenenden bis zu siebenteilige Doppelstock-Wendezüge mit Diesellokomotiven der DB-Baureihe 218 zum Einsatz. In der nachfrageschwachen Zeit wurden die Züge mit Dieseltriebwagen der DB-Baureihe 628 gefahren. Mit der Elektrifizierung ersetzten Loks der Baureihe 112 die Diesellokomotiven.

Der Güterverkehr wurde mit Diesellokomotiven der DB-Baureihe 232 durchgeführt.

Die Verbindung wird gegenwärtig (Stand: 2016) von der Regionalbahn Schleswig-Holstein werktags im Stundentakt mit Regionalbahn-Zügen der Linie RB 86 bedient, die zwischen Lübeck Hbf und Lübeck-Travemünde Strand verkehren und mit der Baureihe 648 gefahren werden. Im Sommerhalbjahr verkehren an Wochenenden und Feiertagen sowie während der Travemünder Woche lokbespannte Regional-Express-Züge der Linie RE 8 von Hamburg Hbf über Lübeck Hbf hinaus bis Lübeck-Travemünde Strand.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnstrecke Lübeck–Lübeck-Travemünde Strand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Projekt: Historischer Zugabfahrtanzeiger Bahnhof Travemünde Strand
  2. Deutscher Bundestag (Hrsg.): Verkehrsinvestitionsbericht für das Berichtsjahr 2011. Unterrichtung durch die Bundesregierung (= Drucksache. Nr. 17/12230). Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, 25. Januar 2013, ISSN 0722-8333, S. 121–122 (PDF [abgerufen am 14. Februar 2013]).
  3. Peer Hellerling: Es fährt ein Zug nach Dänischburg. In: Lübecker Nachrichten online. 13. Dezember 2014, abgerufen am 7. Januar 2015.