Bahnstrecke Rövershagen–Graal-Müritz

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der früher von der Mecklenburgischen Bäderbahn AG betriebenen Strecke, daneben gibt es heute die Mecklenburgische Bäderbahn Molli GmbH & Co KG.

Die Bahnstrecke Rövershagen–Graal-Müritz ist eine nicht elektrifizierte eingleisige Nebenbahn im Norden des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Sie verläuft von Rövershagen östlich der Hansestadt Rostock nach Graal-Müritz an der Ostsee. Der Name Mecklenburgische Bäderbahn stand ursprünglich für die Betreibergesellschaft Mecklenburgische Bäderbahn AG und wurde später teilweise auch als Bezeichnung der Strecke verwendet.

Rövershagen–Graal-Müritz
Streckennummer (DB): 6943
Kursbuchstrecke (DB): 166
Streckenlänge: 10,3 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse: CM4
Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h
Strecke – geradeaus
von Rostock
Bahnhof, Station
0,0 Rövershagen
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Stralsund
Bahnübergang
B 105
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
Werksanschluss Gasanbieter
   
ehm. Werksanschluss Mischwerk
   
2,9 Hinrichshagen
   
4,7 Georg Schneise
   
6.1 Müggenburg
Haltepunkt, Haltestelle
8,2 Rostock Torfbrücke
Strecke – geradeaus
(ehem. Graal-Müritz Schwanenberg)
Haltepunkt, Haltestelle
9,0 Graal-Müritz Koppelweg
   
9,7 Graal-Müritz (heutiger Haltepunkt)
   
10,3 Graal-Müritz (alter Bahnhof)

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Am Ende des 19. Jahrhunderts strebten die Orte Graal und Müritz (damals noch zwei getrennte Orte) zu Bade- und Kurorten auf. Die Verbindung zu den größeren Städten war allerdings nur durch schlecht ausgebaute Feldwege und Chausseen gegeben. So wurde bereits damals eine Bahnanbindung gefordert. Es standen bei der Planung folgende Streckenabschnitte zur Debatte:

  • Ribnitz – Müritz – Graal
  • Gelbensande – Graal – Müritz
  • Rostock – Nienhagen – Graal – Müritz
  • Verlängerung der Strandbahn Warnemünde–Markgrafenheide
  • Rövershagen – Graal – Müritz (direkter Weg entlang der Pörstenschneise)

Allerdings wurde die Strecke zunächst aufgrund fehlender finanzieller Mittel sowie befürchteter Unrentabilität nicht gebaut. Zudem lag die günstigste Verbindung von Rövershagen aus an der Strecke Stralsund–Rostock, welche von der preußischen Eisenbahn betrieben wurde. Dies war ein weiterer Grund für die Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn, hier keinen Streckenanschluss zu bauen. Die Streckenführung über Ribnitz wurde erst recht aufgrund der starken Ausrichtung nach Preußen abgelehnt. Erst 1910 gab es wieder konkrete Pläne zum Streckenbau, welche aber durch den Ersten Weltkrieg zunichtegemacht wurden.

Gründung, Bau & Betrieb[Bearbeiten]

Erst im Jahre 1920 gab es wieder Pläne, welche den Bau und den Betrieb als private Nebenbahn enthielten. Die Mecklenburgische Bäderbahn AG wurde am 28. Februar 1925 mit dem Ziel gegründet, die Ostseebäder Graal und Müritz mit der Hauptstrecke StralsundRostock zu verbinden. Das Aktienkapital wurde aufgebracht von der Hansestadt Rostock und zahlreichen Rostocker Kaufleuten, den Anliegergemeinden sowie der Berliner Straßenbahn-Betriebs-Gesellschaft, die zwei Erholungsheime für ihr Personal an der Ostseeküste besaß. Weiterer Gesellschafter war die Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft Lenz & Co., die den Bau ausführte und auch mit der Betriebsführung der Bahn beauftragt wurde. Realisiert wurde schließlich der Bau der Strecke von Rövershagen aus, allerdings mit einem leichten Schlenker nach Westen, um sich die Möglichkeit offenzuhalten, durch Verlängerung der Warnemünder Strandbahn bis Hinrichshagen auch Richtung Warnemünde einen Anschluss herzustellen. Der Bahnhof Graal-Müritz, der schon vor der Vereinigung beider Orte so hieß, wurde östlich von Graal und südlich von Müritz so errichtet, dass die Option auf eine Weiterführung der Strecke zum Fischland blieb. Beide Projekte wurden aber niemals verwirklicht.

Ein Triebwagen der Baureihe 642 zwischen Graal-Müritz und Rövershagen

Die 10,3 Kilometer lange, normalspurige Strecke von Rövershagen nach Graal-Müritz wurde offiziell am 1. Juli 1925 eröffnet. Zunächst verkehrten nur im Sommer Züge, später auch im ganzen Jahr. In den 1930er Jahren gab es im Sommer sogar Kurswagen aus Berlin. Nach dem Krieg wurden in Graal-Müritz die zu Lazaretten umfunktionierten Erholungsheime von der Roten Armee übernommen. Die Transporte erfolgten per Bahn und verhinderten, dass die Strecke unter die Reparationsleistungen fiel. Ab 1949 ging die Strecke in die Regie der Deutschen Reichsbahn über.

Bereits in den 1960er Jahren wurde eine Stilllegung der Strecke erwogen, die Strecke blieb aber aufgrund mangelnder Bus- und LKW-Kapazitäten erhalten. Des Weiteren hatte das Militär großes Interesse an der Strecke, da zu dieser Zeit diverse Schießplätze in der Rostocker Heide entstanden waren. In den 1970er Jahren war der Personenverkehr mehrere Jahre auf das Sommerhalbjahr beschränkt, im Winter verkehrten Busse als Schienenersatzverkehr.

1993 wurden die in den 1930er Jahren eröffneten Haltepunkte Hinrichshagen und Georg Schneise, mitten im Wald gelegen, geschlossen. Der Güterverkehr wurde 1994 eingestellt. Wegen des schlechten Zustandes der Strecke musste 1999 auch der Personenverkehr eingestellt und der Oberbau gründlich erneuert werden. Es gab verschiedene Konzepte zur Reaktivierung der Strecke. So war vorgesehen die Strecke zu elektrifizieren und an das Rostocker S-Bahn Netz anzuschließen. Umgesetzt wurde dies jedoch nicht. Seit dem 12. Dezember 2004 verkehren wieder Personenzüge, meistens von und bis Rostock Hauptbahnhof. Zunächst war eine Sanierung lange fraglich, erst nachdem die Gemeinde Graal-Müritz einen beträchtlichen Teil der Kosten tragen konnte, wurde mit den Arbeiten begonnen. Im Rahmen der Sanierung wurde die Strecke auf 9,7 Kilometer verkürzt, der Bahnhof Graal-Müritz wurde aufgelassen und durch einen 600 Meter weiter westlich gelegenen Haltepunkt ersetzt. Zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2006 wurde der neue Haltepunkt Graal-Müritz Koppelweg eröffnet. Dieser hat eine Besonderheit: Der 100 Meter lange Bahnsteig besteht vollständig aus Glasfaser-Verbundstoff.

Güter- und Personenverkehr[Bearbeiten]

Direkt hinter Rövershagen zweigt ein Anschlussgleis zu einem lokalen Gasanbieter ab, welcher auch aktuell noch bedient wird. Heute ist es der einzige noch bediente Güteranschluss auf der Relation Rostock–Stralsund. Früher wurde über dieses Anschlussgleis ein Sägewerk am östlichen Ende des Ortes Rövershagen bedient. Dieser Werksanschluss wurde bereits vor dem Bau der Bahnstrecke nach Graal-Müritz errichtet. Des Weiteren existierten kurz hinter der Bahnhofsausfahrt Rövershagen umfangreiche Gleisanlagen, welche zu einem Granulatwerk gehörten. Bereits Mitte der 1990er Jahre wurden die Zufahrtsgleise entfernt, mit der Sanierung der Strecke das gesamte Gelände beräumt. Spätestens seit der Sanierung ist Güterverkehr nach Graal-Müritz nicht mehr möglich, da heute in Graal-Müritz keine Verladegleise mehr existieren.

Die Strecke wird von der Regionalbahnlinie 12 befahren, die Züge fahren im angenäherten Stundentakt, außerhalb der Sommersaison an Wochenenden nur alle zwei Stunden. Zum Einsatz kommen meist Triebwagen der Baureihe 642, gelegentlich auch 628. Früher kamen Loks der Baureihe 201 sowie der Baureihe 346 zum Einsatz.

Aktuelle Entwicklungen[Bearbeiten]

Es wird überlegt, die Pläne aus dem Jahre 1925 wieder aufzugreifen, eine Strecke von Graal-Müritz nach Prerow zu bauen und damit eine Verbindung zur ebenfalls wieder aufzubauenden Darßbahn zu schaffen. Gerade angesichts der hohen Anzahl der Urlauber und des jährlich wachsenden Verkehrsstroms auf dem Darß bei nur einer Straßenverbindung haben diese Vorschläge viele Befürworter. Die Usedomer Bäderbahn prüfte 2007 die Realisierbarkeit dieser Vorschläge.

In einer Pressemitteilung vom 27. August 2010 wurde verlautbart, dass die Landesregierung dem Neubau der Strecke zugestimmt hat und die Planungen für den Wiederaufbau beginnen können. Die Kosten der 19 Kilometer langen Strecke werden auf 38 Millionen Euro veranschlagt. Die Meiningenbrücke soll als kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke neu gebaut werden.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lothar Schultz: Mecklenburgische Bäderbahn. Verlag Neddermeyer, 2007, ISBN 978-3-933254-79-5.
  •  Erich Preuß: Archiv deutscher Klein- und Privatbahnen: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin. transpress, Berlin 1994, ISBN 3-344-70906-2, S. 298–301.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Grünes Licht für Darßbahnpläne. In: Pressemitteilung Nr. 274/10. Ministerium für Verkehr, Bau und Landesentwicklung Mecklenburg-Vorpommern, 27. August 2010, abgerufen am 27. August 2010.