Bahnstrecke Schiltach–Schramberg

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Schiltach–Schramberg
Streckennummer (DB): 4252
Kursbuchstrecke (DB): 302f (1958), 304h (1944)
Streckenlänge: 8,76 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 1:50 = 20 
Minimaler Radius: 100 m
Höchstgeschwindigkeit: 20[1] km/h
Strecke – geradeaus
Kinzigtalbahn von Hausach
Bahnhof, Station
0,00 Schiltach
   
Kinzigtalbahn nach Freudenstadt
   
0,27 Kinzig
   
0,33 Kirchbergtunnel (274 m)
   
0,95 Schiltach Stadt
   
1,70 Reichenbächle
   
2,30 Schiltach
   
3,10 Flutdurchlass
   
4,11 Hinterlehengericht
   
4,60 Schiltach
   
5,00 Kienbach
   
5,40 Kienbächle
   
6,20 Bachbrücke
   
6,70 Finsterbach
   
7,50 Schiltach
   
8,76 Schramberg

Die Bahnstrecke Schiltach–Schramberg war eine 8,76 km lange Stichbahn, eine Nebenbahn der Kinzigtalbahn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den Planungen zur Schwarzwaldbahn wurde auch die Trassenführung über das Schiltachtal, die sogenannte Schiltachlinie in Betracht gezogen. Diese Linienführung wäre wesentlich billiger gewesen als die letztendlich ausgeführte Sommeraulinie, nur konnte man sich damals im badischen Landtag nicht vorstellen, eine Bahn über das königlich-württembergische Ausland, nämlich über das Gebiet der Stadt Schramberg zu führen. Dem badischen Oberbaurat Robert Gerwig ist letztendlich die abenteuerliche Gebirgsbahn über die Sommeraulinie zu verdanken, so wie sie heute ist.

Die Idee des Bahnanschlusses kam aber nicht mehr zum Erliegen. Als im Jahre 1886 die Kinzigtalbahn endlich bis Freudenstadt durchgehend errichtet war, bot sich von Schiltach aus ein Bahnanschluss nach Schramberg an. Karl von Leibbrand, Ehrenbürger der Stadt Schramberg und Abgeordneter im Landtag in Stuttgart, setzte sich vehement für den Bau einer Bahnverbindung nach Schramberg ein.

Im Jahre 1885 verhandelten Industrie, Gemeinde und Land über die Finanzierung. Die Stadt bot 12.000 Mark, die Industrie bot 50.000 Mark als Zuschuss für die Bahn. Die Firma Majolika stellte unentgeltlich den Bauplatz für den Endbahnhof Schramberg zur Verfügung. Das Land wollte aber eine zur Verfügung gestellte Summe von 120.000 Mark, um einen garantierten Überschuss von jährlich 19.000 Mark zu erzielen.

Man ließ sich auf die Forderungen des Landes ein und so wurde am 5. Mai 1887 im Stuttgarter Landtag beschlossen, die Bahnlinie zu bauen. Der Bau erfolgte von Schramberg aus und wurde nur vom württembergischen Staat finanziert, obwohl der größte Teil der Strecke auf badischem Gebiet liegt.

Eine Forderung des Großherzogtums Baden an den Bauträger Württemberg war der zur Auflage gemachte Bau des Kirchbergtunnels. Einer Trassenführung entlang des Kirchbergs, an der Schiltacher Vorstadt vorbei und entlang der Bachstraße, wurde aus topographischen und städtebaulichen Gründen nicht zugestimmt. Bis zur Fertigstellung der gesamten Trassenführung verteuerten sich die ursprünglich veranschlagten Baukosten um 90 % auf insgesamt 1,6 Millionen Mark.

Im Jahre 1891 wurde mit dem Bahnbau begonnen, am 8. Oktober 1892 wurde die Bahnstrecke eingeweiht. Auf dem Gelände der heutigen Grünanlage zwischen „Treffpunkt“ und „Friedrich-Grohe-Halle“ wurde ein Haltepunkt „Schiltach Stadt“ errichtet.

Aufgrund der teilweise sehr engen und kurvigen Streckenführung war die Höchstgeschwindigkeit von Anfang an auf 20 km/h beschränkt. Daher war die Verbindung — besonders im Personenverkehr — in den späteren Jahren relativ langsam und unattraktiv; der damalige Busverkehr wurde zunehmend zur Konkurrenz. Im Güterverkehr jedoch waren keine Einbußen zu verzeichnen, dieser rechnete sich nach wie vor.[2]

Ab 1953 wurden im Personenverkehr Uerdinger Schienenbusse eingesetzt. Bei der Eröffnung waren es Lokomotiven der Württembergischen Gattung B, die zum Einsatz kamen, später dann u. a. Württembergische Tn.

Auf der Bahnstrecke wurde am 23. November 1959 der Personenverkehr und am 6. April 1990 nach einem Dammrutsch der Güterverkehr eingestellt. Die offizielle Stilllegung fand am 31. Oktober 1991 statt. Im Jahre 1992 wurden die Gleiskörper nahezu vollständig entfernt.

Spurensuche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahnhofsbrücke in Schiltach mit dem Denkmal VT 98, damals noch auf der Brücke
Brücke Sommerwiese

Folgende Reste der Strecke sind heute noch vorhanden:

  • Die Obere Bahnhofsbrücke
  • Der Kirchbergtunnel
  • Brücke Sommerwiese
  • Bahnwärterhaus Hinterlehengericht

Das spektakulärste Überbleibsel der Strecke ist wohl die von der Stadt Schiltach gepflegte Anlage obere Bahnhofsbrücke, seit 2014 Bahnpunkt Schiltach, wo auf dem Abzweig der Bahnstrecke ein Schienenbus VT 98.9 mit Steuer- und Beiwagen steht. Es wurde eine bahnhofsähnliche Situation mit Überdachung hergestellt. Zusammen mit dem alten Stellwerk und der eigentlichen oberen Bahnhofsbrücke stellt das Ganze ein kleines Museum dar. 2013 wurden die Fahrzeuge (798 726, 996 742 und 998 094) in Duisburg überholt.[3] Die obere Bahnhofsbrücke ist als Parallelgurtbrücke mit untenliegender Fahrbahntrasse und doppeltem Fachwerk in Metallausführung eine Seltenheit. In Süddeutschland ist diese Bauart nur hier anzutreffen. Es gibt fünf größere Beispiele dieser Art, die Brücke hier ist aber die einzige, die unverändert und original erhalten geblieben ist.

Der Tunnel wurde von beiden Seiten inzwischen teilweise zugemauert[4], um Unfälle und Vandalismus zu vermeiden. Die Brücke über die Schiltach an der Sommerwiese ist original mit Gleis erhalten, aber ungepflegt. Das Bahnwärterhaus ist privat bewohnt, die ehemalige Bahnhofsgaststätte heruntergekommen und momentan unbenutzt.

Zwischen der Ortschaft Hinterlehengericht und Schramberg verläuft ein Radweg auf der alten Bahnstrecke.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter-Michael Mihailescu, Matthias Michalke: Vergessene Bahnen in Baden-Württemberg. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-8062-0413-6, S. 233–235.
  • Andreas Morgenstern: Neues Denkmal Roter Brummer. In: eisenbahn-magazin. Nr. 7. Alba 2014, ISSN 0342-1902, S. 25–27.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnstrecke Schiltach–Schramberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.schiltach.de/de/Unser-St%C3%A4dtle/Die-Bahngeschichte
  2. http://www.schiltach.de/de/Unser-St%C3%A4dtle/Die-Bahngeschichte
  3. eisenbahn-magazin 1/2014, S. 26
  4. http://www.eisenbahn-tunnelportale.de/lb/inhalt/tunnelportale/4252-kirchberg.html