Bahnstrecke Schleiz–Saalburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Schleiz–Saalburg
Strecke bei Saalburg (2006)
Strecke bei Saalburg (2006)
Streckennummer (DB):6658; sä. SSa
Kursbuchstrecke (DB):547 (1996)
Streckenlänge:15,22 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Stromsystem:bis 1969: 1,2 kV =
Maximale Neigung: 33 
Minimaler Radius:200 m
Höchstgeschwindigkeit:50 km/h
BSicon .svgBSicon STR.svg
von Schönberg (Vogtl)
BSicon .svgBSicon KMW.svg
0,00 Awanst Schleiz
BSicon .svgBSicon ABZgl.svg
nach Schleiz
BSicon .svgBSicon HST.svg
0,49 Schleiz früher Schleiz Staatsbahnhof 425 m
BSicon .svgBSicon HST.svg
1,13 Schleiz West früher Schleiz Kleinbahnhof 421 m
BSicon .svgBSicon ENDExe.svg
1,20 Heutiges Streckenende
BSicon .svgBSicon exHST.svg
2,85 Glücksmühle-Mönchgrün 420 m
BSicon .svgBSicon exHST.svg
4,78 Oschitz 430 m
BSicon .svgBSicon exHST.svg
6,88 Möschlitz 460 m
BSicon .svgBSicon exHST.svg
7,91 Burgk 475 m
BSicon .svgBSicon exBHF.svg
11,38
0,00
Gräfenwarth 460 m
BSicon exSTR+l.svgBSicon exABZgr.svg
BSicon exHST.svgBSicon exSTR.svg
0,20 Gräfenwarth Hst 450 m
BSicon exBHF.svgBSicon exSTR.svg
2,69 Gräfenwarth Sperrmauer 440 m
BSicon exKDSTe.svgBSicon exSTR.svg
2,78 Gräfenwarth Sperrmauer Gbf 430 m
BSicon .svgBSicon exHST.svg
13,65 Kloster 415 m
BSicon .svgBSicon exKBHFe.svg
15,22 Saalburg (Saale) 427 m

Die Bahnstrecke Schleiz–Saalburg war eine normalspurige, elektrifizierte Kleinbahn, welche ursprünglich von der Schleizer Kleinbahn AG erbaut und betrieben wurde. Sie verlief von Schleiz nach Saalburg an der Bleilochtalsperre.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sammelaktie über 10000 Reichsmark der Schleizer Kleinbahn AG vom Juli 1931
Abzweig des Saalburger Gleises (nach rechts) von der Bahnstrecke Schönberg–Schleiz kurz vor dem Bahnhof Schleiz (2020)
Der PT 1 mit Beiwagen, zwischen 1932 und 1935

Der Bau der Bleilochtalsperre ab 1927 erforderte für den Materialtransport eine Anschlussbahn. Die Anliegergemeinden nutzten diese einmalige Gelegenheit, nunmehr den lange geplanten Bahnanschluss zu realisieren. Dafür gründete man eine Aktiengesellschaft mit der AG Thüringische Werke, der AG Obere Saale – beide mit Sitz in Weimar – und dem Deutschen Reich als Hauptkapitalgebern; ferner waren der Kreis und die Stadt Schleiz beteiligt. Diese AG erbaute eine öffentliche Eisenbahn und elektrifizierte sie mit Gleichstrom von 1200 Volt Spannung. Bemerkenswert ist, dass man diese in Thüringen gelegene Bahn dem Preußischen Kleinbahngesetz unterstellte.

Der Gesamtverkehr wurde am 28. Juni 1930 eröffnet. Als Fahrzeuge standen zwei elektrische Personentriebwagen PT1 und PT2 mit vier Beiwagen, zwei Gepäcktriebwagen GT1 und GT2, ein Arbeitswagen und zwei Spezialwagen zur Verfügung. Die Wagenhalle befand sich am Bahnhof Saalburg. In guten Zeiten fuhren auf der Strecke bis zu sieben Zugpaare täglich, in den Kriegs- und Nachkriegsjahren drei bis vier. Die Züge begannen und endeten am Haltepunkt Schleiz Reichsbahnhof neben dem Bahnhof Schleiz der Bahnstrecke Schönberg–Schleiz.

Bahnhof Gräfenwarth (1966)

Die für den Materialtransport besonders wichtige, 2,7 Kilometer lange Zweigbahn von Gräfenwarth zur Sperrmauer war eine Anschlussbahn, die erst 1932 vollständig elektrifiziert wurde. Ihre Eigentümerin, die AG obere Saale (später Saaletalsperren AG), verpachtete sie an die Kleinbahn, die dort ab 5. Mai 1932 – meist nur im Sommer – touristischen Verkehr bediente. Der Fahrplan vom 15. Mai 1939 sah einen Zwanzig-Minuten-Takt vor. Der Personenverkehr wurde mit Kriegsbeginn am 1. September 1939 beendet und nie wieder aufgenommen. Im Jahre 1967 fand der letzte Gütertransport statt; 1968 wurde die Strecke abgebaut.

Reisezug in Saalburg (1995)

Die Schleizer Kleinbahn AG behielt auch nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst ihre Selbständigkeit und wurde erst am 1. April 1949 der Deutschen Reichsbahn unterstellt, die den Betrieb weitgehend unverändert fortsetzte und die Triebwagen in die Baureihe ET 188 eingliederte. Einen wichtigen Einschnitt bedeutete das Ende der elektrischen Zugförderung am 31. Mai 1969. Der Personenverkehr wurde – zunächst mit Leichtverbrennungstriebwagen – bis zum 1. Juni 1996 fortgeführt. Die Personenzüge wurden nun oft von Schönberg bis nach Saalburg durchgebunden. Sie fuhren dann nicht in den Schleizer (Staats-)Bahnhof ein, sondern hielten am nahegelegenen Haltepunkt. Güterzüge fuhren seit dem 31. Dezember 1994 nicht mehr. 1998 wurde der Abschnitt Schleiz West–Saalburg stillgelegt.[1]

Das vor dem Staatsbahnhof zum Westbahnhof abzweigende Gleis der Kleinbahn in Schleiz wurde seitdem von den Triebwagen der Verbindung Schönberg–Schleiz befahren, die von der Vogtlandbahn betrieben wurde. Der Staatsbahnhof direkt wurde nicht mehr bedient, die Triebwagen hielten in Schleiz am nahegelegenen Haltepunkt der ehemaligen Schleizer Kleinbahn. Am 8. Dezember 2006 wurde der Personenverkehr eingestellt. Danach kümmerte sich der Förderverein Wisentatalbahn um den Streckenerhalt und bestellte bis zur Streckensperrung am 18. Oktober 2008 Sonderfahrten. Aufgrund der anschließenden Streckenertüchtigung konnte die Strecke Schönberg–Schleiz West wieder abschnittsweise in Betrieb genommen werden.[2] Der erste Sonderzug erreichte am 3. Dezember 2011 wieder den Endhaltepunkt Schleiz West.[3]

Bahntrassenradweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2008 gelang es der Stadt Schleiz, die Strecke von der Deutschen Bahn zu erwerben. Es wurde mit dem Abbau der Betriebsanlagen begonnen, bei der Sanierung der Wetterabrücke wurde 2001 bereits ein erster Gleisabschnitt entfernt. Die Brücke über die Autobahn 9 wurde im Zuge deren sechsstreifigen Ausbaus abgerissen. Der erste Abschnitt von der Wetterabrücke in Gräfenwarth bis Saalburg sollte bereits im Oktober 2009 fertiggestellt sein; Mitte September 2009 begann der Ausbau des elf Kilometer langen zweiten Bauabschnitts. Der Bahntrassenradweg wurde am 15. Mai 2010 eröffnet.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Joachim Weise: Elektrisch ans Thüringer Meer: die Kleinbahn Schleiz-Saalburg. In: EK-Reihe Regionale Verkehrsgeschichte. Band 1 Eisenbahn-Kurier. EK-Verlag, Freiburg 1995, ISBN 3-88255-415-0.
  • Hans-Joachim Weise: 50 Jahre Strecke Schleiz-Saalburg (Saale). In: Der Modelleisenbahner. Heft &/1980, 1980, S. 158–162.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bahnstrecke Schleiz–Saalburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Krauss: Entwicklung der Eisenbahninfrastruktur 1997/98, in: Bahn-Report 2/1999, S. 4–7, hier: S. 7.
  2. Wiedereröffnung der Eisenbahnstrecke Schönberg (V) – Mühltroff – Schleiz West am Samstag den 3. Dezember 2011. (PDF; 69 kB) Förderverein Wisentatalbahn e. V., Dezember 2011, abgerufen am 6. Dezember 2011.
  3. Uli Descher: Bahn frei zwischen Schönberg und Schleiz-West. In: OTZ. 4. Dezember 2011, abgerufen am 6. Dezember 2011.