Bahnstrecke Silberhausen–Hüpstedt

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Silberhausen–Hüpstedt
Kursbuchstrecke: 186 k (1944)
Streckenlänge: 10,1 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 20 
Minimaler Radius: 200 m
Strecke – geradeaus
von Gotha
Haltepunkt, Haltestelle
Silberhausen
   
nach Leinefelde
   
0,0 Silberhausen Nord 380 m
   
6,0 Beberstedt 412 m
   
8,7 Hüpstedt 455 m
   
10,1 Hüpstedt-Schachtbahnhof 474 m

Die Bahnstrecke Silberhausen–Hüpstedt war eine heute stillgelegte normalspurige Bahnstrecke in Thüringen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1870 war die Bahnstrecke Gotha–Leinefelde eröffnet worden, der 1880 die Bahnstrecke Leinefelde–Treysa als Teil der sogenannten „Kanonenbahn“ folgte. Dennoch bot im Eichsfeld die Landwirtschaft nur bescheidene Erwerbsmöglichkeiten. Einen gewissen Ausgleich verschafften vor allem Bodenschätze. Im Bereich des Höhenzuges Dün südöstlich von Leinefelde waren es Kalivorkommen, die einer Transportmöglichkeit bedurften. So plante man eine Grubenbahn vom Staatsbahnhof Silberhausen an der Strecke Gotha–Leinefelde bis zu den in östlicher Richtung abgeteuften Schachtanlagen. Da anliegenden Ortschaften setzten sich allerdings für eine öffentliche Bahn ein, da eine Grubenbahn für sie keinen Nutzen gehabt hätte.

Von der am 4. Dezember 1912 gegründeten Obereichsfelder Kleinbahn AG übernahmen das Königreich Preußen und die Provinz Sachsen je ein Drittel der Aktien, der Rest verteilte sich auf zwei Bergbaugewerkschaften und drei Anliegergemeinden. Insgesamt betrug das Kapital 1,14 Millionen Mark. Die AG übernahm die bereits im Bau befindliche Grubenbahn und vollendete sie. Am 17. Januar 1913 wurde der Güterverkehr eröffnet, der Personenverkehr folgte am 13. April 1913.

Den Betrieb führte zunächst die Kleinbahnabteilung des Provinzialverbandes Sachsen. Vor dem Ersten Weltkrieg verkehrten vier Zugpaare, an Sonn- und Feiertagen fünf mit einer Fahrzeit von 25 Minuten.

Bei Betriebsaufnahme waren zwei dreiachsige Dampflokomotiven (davon eine gebraucht gekauft), zwei Personenwagen, ein kombinierter Personen- Gepäck- und Postwagen sowie 16 Güterwagen vorhanden.

Die Haupteinnahmequelle waren die Transporte für die Kalischächte, allerdings entwickelte sich das Betriebsergebnis schlechter als man bei der Planung erwartet hatte. Im Dezember 1920 kam es zu einem schweren Unfall, bei dem 14 Personen ums Leben kamen, als ein Zug in Silberhausen den Prellbock des Streckenendes überfuhr und einen Abhang hinabstürzte. In der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg stellten die Kaliwerke im Jahre 1924 ihre Produktion ein, so dass der Bahn ihre Basis entzogen war. Es verkehrten nur an drei Tagen der Woche Züge. 1935 wurde ein Triebwagen beschafft. Nur mühsam konnte der Betrieb aufrechterhalten werden, bis im Zweiten Weltkrieg der Bedarf an Leistungen – vor allem im Personenverkehr – wieder anstieg. Der Güterverkehr erreichte nicht wieder das Ergebnis der ersten Betriebsjahre, obwohl bei den ehemaligen Kalischächten die Deutsche Reichsbahn zum Schutz vor Luftangriffen ein Ausweichlager eingerichtet wurde.

Nach der Besetzung durch die Rote Armee wurde die Bahn unter die Verwaltung der Sächsischen Provinzbahnen GmbH gestellt. Diese nahmen den zum Kriegsende eingestellten Verkehr im Dezember 1945 wieder auf. Am 1. November 1947 wurde der Betrieb endgültig eingestellt und die Gleise anschließend als Reparationsleistung demontiert.

Betriebsstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Silberhausen

Beim Bau der Kleinbahn wurde der bereits bestehende Bahnhof Silberhausen wesentlich erweitert. Insgesamt waren mit dem östlich des Staatsbahnhofes gelegenen Kleinbahnhof 13 Gleise, 28 Weichen und eine Drehscheibe vorhanden. Das Empfangsgebäude der Staatsbahn ist ein zweigeschossiges mit Schiefer gedecktes Ziegelgebäude, während das „Empfangsgebäude“ der Kleinbahn bloß aus einem Wellblechschuppen bestand.

Bahnhof Beberstedt

Der Bahnhof Beberstedt war die einzige Zwischenstation der Bahnstrecke, neben dem durchgehenden Hauptgleis mit Bahnsteig bestand noch ein Ladegleis, von dem ein Anschlussgleis zu einem Sägewerk abzweigte. Das „Empfangsgebäude“ war wie in Silberhausen lediglich eine Wellblechhütte.

Bahnhof Hüpstedt

Der Bahnhof Hüpstedt bildete das betriebliche Zentrum der Kleinbahn, hier befanden sich der Lokschuppen mit angebautem Wasserturm und die dazugehörigen Lokomotivbehandlungsanlagen. An das massive zweigeschossige Empfangsgebäude war ein kleiner Güterschuppen angebaut. Weiterhin stand für den Güterverkehr eine kurze Ladestraße zur Verfügung.

Hüpstedt-Schachtbahnhof

Hüpstedt-Schachtbahnhof war der Übergabebahnhof zu den zwei Anschlussbahnen der Kalischächte. Die zwei Gewerkschaften „Hüpstedt“ und „Felsenfest“ besaßen eigene Gleisanlagen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Fromm, Harald Rockstuhl: Die Geschichte der Obereichsfelder Kleinbahn-AG 1913–1947, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2017, ISBN 978-3-86777-097-2.
  • Paul Lauerwald: Die Obereichsfelder Kleinbahn nahm vor 100 Jahren ihren Betrieb auf. In: Eichsfelder Heimatzeitschrift 57, 2013, Heft 4, S. 136–141, Duderstadt, Mecke 2013, ISSN 1611-1648.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnstrecke Silberhausen–Hüpstedt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien