Bahnstrecke Uelzen–Langwedel

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Uelzen–Langwedel
Bahnhof Visselhövede
Streckennummer (DB):1960
Kursbuchstrecke (DB):116 (Uelzen–Bremen)
Streckenlänge:97,4 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Höchstgeschwindigkeit:80 km/h
Strecke – geradeaus
Strecke von Stendal
   
Strecke von Hannover
Bahnhof, Station
0,0 Uelzen
   
Strecke nach Hamburg, Strecke nach Dannenberg
A/D: Überleitstelle, CH: Spurwechsel
2,2 Uelzen Fischerhof
   
5,1 Westerweyhe
Bahnhof, Station
11,7 Ebstorf (Uelzen)
Haltepunkt, Haltestelle
22,5 Brockhöfe
   
Strecke von Beckedorf
Bahnhof, Station
33,6 Munster (Örtze)
Brücke über Wasserlauf (groß)
Örtze
   
Bundeswehranschluss
   
41,4 Emmingen
Straßenbrücke
A 7
Blockstelle, Awanst, Anst etc.
45,1 Awanst Soltau-Harber
Planfreie Kreuzung – unten
Strecke Lüneburg–Soltau
Planfreie Kreuzung – unten
Heidebahn Hannover–Buchholz
Brücke über Wasserlauf (groß)
Böhme
   
Heidebahn von Buchholz
Bahnhof, Station
52,1 Soltau (Han)
   
Heidebahn nach Hannover
   
ehem. Strecke Neuenkirchen–Soltau
   
59,9 Frielingen (Kr. Fallingbostel)
   
65,8 Riepholm
Blockstelle, Awanst, Anst etc.
67,5 Awanst Visselhövede-Stadt
   
ehem. Strecke von Walsrode
Bahnhof, Station
70,2 Visselhövede
   
ehem. Strecke nach Rotenburg (Wümme)
   
Bahnstrecke Bremervörde–Walsrode
   
73,8 Jeddingen
   
79,1 Bendingbostel
   
88,4 Kirchlinteln
Planfreie Kreuzung – unten
Strecke Rotenburg–Verden
   
Strecke von Hannover
   
97,4 Langwedel
Strecke – geradeaus
Strecke nach Bremen

Die Bahnstrecke Uelzen–Langwedel erschließt die Lüneburger Heide in ost-westlicher Richtung. Bekannt wurde die Strecke als Teil der sogenannten Amerikalinie.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Länderbahnzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Bremer Staatsbahn“ wurde ursprünglich vom Bremer Senat errichtet und 1873 eröffnet.

Der Bau wurde anfänglich durch den Ingenieur Rudolph Berg geleitet, der 1872 zum Oberbaurat in Bremen ernannt wurde.[1] Die Linie führt vom niedersächsischen Langwedel nach Osten durch die Lüneburger Heide nach Uelzen. In Langwedel schloss sie an die Eisenbahnstrecke nach Wunstorf an, die je zur Hälfte Bremen und Hannover gehörte und von den Königlich Hannöverschen Staatseisenbahnen betrieben wurde. Die auf dem Abschnitt Langwedel–Uelzen erwirtschafteten Gewinne wurden zunächst im Verhältnis zwei (Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft, die die Amerikalinie betrieb) zu eins (Bremen) geteilt, bis der Betrieb durch Preußen übernommen wurde. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts rückte die Strecke als kürzeste Verbindung Berlins mit dem Flottenstützpunkt Wilhelmshaven in den Blickpunkt, weshalb mehrere Kasernen und Truppenübungsplätze in Munster (Örtze) eingerichtet und die Strecke 1904–1906 zweigleisig ausgebaut wurde.

Reichsbahnzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen den Kriegen verkehrten weiter einzelne Schnellzüge zwischen Berlin und Wilhelmshaven sowie Norddeich über diese Verbindung. Im Zweiten Weltkrieg waren die Bahnhöfe wiederholt Ziele von Luftangriffen. Ende der 1930er Jahre kam es im Bereich eines inzwischen nicht mehr existierenden Bahnübergangs bei Walle – heute ist hier eine Überführung der B 215 über die Bahnstrecke – zu einer Kollision eines Omnibusses mit dem Zug Adolf Hitlers, bei dem es zu mehreren Todesopfern kam. Der sogenannte „Führerzug“ setzte nach kurzem Aufenthalt in Kirchlinteln seine Fahrt fort.[2] Im Februar 1945 wurde bei einem Luftangriff nahe den Ortschaften Scharnhorst und Walle ein Flüchtlingszug zerstört, wobei es zahlreiche Todesopfer gab. Schließlich war die Strecke heftig zwischen zurückweichenden Wehrmachtsteilen und der vorrückenden britischen Armee umkämpft.

Bundesbahnzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Verbindung durch die Lüneburger Heide schrittweise bis 1987 zu einer eingleisigen Nebenbahn zurückgebaut und einige Haltepunkte und Bahnhöfe für den Personenverkehr geschlossen, daneben wurden auch viele Güterverkehrsanlagen aufgehoben. 1987 wurden die meisten wärterbedienten Schranken durch automatische Bahnübergangssicherungsanlagen ersetzt.

Heutige Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streckenverlauf

Baulicher Zustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch nach dem Fall der Mauer befindet sich die Verbindung als nicht elektrifizierte Strecke von geringer Bedeutung im Bestand der Deutschen Bahn. Sie wurde bisher kaum modernisiert. So finden sich zwischen Langwedel und Uelzen viele für Eisenbahnfreunde attraktive Bauwerke wie beispielsweise alte Stellwerksanlagen, Telegrafenmasten, Formsignale und Empfangsgebäude.

Sanierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 2009 wurden Sanierungsarbeiten an der Trasse zwischen Langwedel und Soltau abgeschlossen, die seit den 1990er-Jahren immer wieder aufgeschoben worden waren. Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) hatte der Deutschen Bahn unter Fristsetzung angedroht, den Betrieb zwischen Langwedel und Soltau ganz zu untersagen. Daraufhin wurde der Zugverkehr im Winterfahrplan 2008/2009 bis zum Februar zwecks umfassender Arbeiten an der Strecke und im Bahnhof Visselhövede unterbrochen. Diese Baumaßnahmen dienten der Existenzsicherung der Strecke.

Die Bedeutung der Strecke steigt heute wieder. Das liegt zum einen am neuen Tiefwasserhafen JadeWeserPort und zum anderen an den weiter steigenden Gütermengen der Bremer Häfen, für die diese Strecke eine direkte Verbindung in Richtung Osten/Südosten darstellt. Aus diesem Grund wurde in der zweiten Jahreshälfte 2012 die bis dahin bei der Instandhaltung vernachlässigte Strecke zwischen Langwedel und Soltau gesperrt, um umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchzuführen, unter anderem 36 km Gleiserneuerung.

Im Frühjahr 2013 wurde der Abschnitt zwischen Soltau und Ebstorf ebenfalls umfangreich saniert, so dass das Gleis jetzt auf ganzer Länge inklusive aller Bahnhofsgleise in Visselhövede, Soltau, Munster und Ebstorf erneuert wurde. Eine Elektrifizierung dieses Abschnittes ist aber noch nicht in Sicht, obwohl dieses die eigentliche Tragkraft der Strecke erst herstellen würde, um den nötigen Verkehr auf sich zu ziehen. Die DB Netz AG dazu im Netzfahrplan-Baukorridore 2012.[3]

Personenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personenverkehr fand bis zum Dezember 2008 in Form eines durch die DB Regio betriebenen, nicht durchgehend vertakteten Regionalbahnverkehrs der Relation Uelzen–Bremen statt. Mit Fahrplanwechsel im Dezember 2008 verkehrten die Regionalbahnen für ein Jahr nur noch zwischen Uelzen und Langwedel, wo in Richtung Bremen umgestiegen werden musste. Begründet wurde diese Angebotseinschränkung mit verschiedenen Baumaßnahmen. Seit Dezember 2009 wird wieder durchgehender Verkehr ab und bis Bremen angeboten.

Die Strecke kam bis zur Aussetzung der Wehrpflicht in den Genuss bescheidenen Fernverkehrs: Bundeswehr-Intercitys aus Köln, nach 1990 aus Leipzig fuhren für Rekruten, die am Wochenende „Urlaub“ hatten.

Die Osthannoversche Eisenbahnen AG (OHE) hat die Ausschreibung für das Heidekreuz, den Verkehr Bremen–Uelzen und Buchholz–Hannover, gewonnen. Die neu gegründete Tochtergesellschaft Erixx übernahm zum Fahrplanwechsel im Dezember 2011 für acht Jahre den Betrieb. Bis auf wenige abschnittsweise Ausnahmen zu werktäglichen Hauptverkehrszeiten wird ein Zweistundentakt gefahren.

Die Pendler- und Schülerströme verlaufen nicht (mehr) entlang der Amerikalinie, daher überwiegt der Gelegenheitsverkehr.

Güterverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der nur geringfügige Güterverkehr, der Holztransportzüge, Übergaben an einen Visselhöveder Mineralölhändler sowie Containerzüge umfasst, wird durch die Osthannoverschen Eisenbahnen und DB Schenker betrieben. Selten gelangen auch Fahrzeuge der Mittelweserbahn oder der Verden-Walsroder Eisenbahn auf die Strecke. Heute befahren auch wieder verstärkt Containerzüge (z. B. Enercon Windradzüge) die Strecke.

Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnstrecke drohte insbesondere wegen des defizitären Personenverkehrs die Stilllegung. Allerdings wird wiederholt diskutiert, die Strecke für den Güterverkehr besonders als Anschluss zum JadeWeserPort zu elektrifizieren und auszubauen. So wurde sie im Bundesschienenwegeausbaugesetz 2004 mit vordringlichem Bedarf verzeichnet.

In Kirchlinteln gab es zeitweise Bestrebungen, einen Haltepunkt für den Personenverkehr einzurichten. Man forderte hierfür einen im Vergleich zum früheren Bahnhof zentraleren Standort („Kirchlinteln-Ort“). Aktuell ist dort eine Wiedereinrichtung eines Haltepunktes vorgesehen.[4]

In Visselhövede wurde gelegentlich eine Schließung des Bahnhofes und die Einrichtung eines weiter östlich gelegenen, innenstadtnäheren Haltepunktes angeregt.

Der Abschnitt Tadel (zwischen den aufgelassenen Bahnhöfen Jeddingen und Bendingbostel)–Langwedel hätte als Teil der Y-Trasse Hannover–Bremen für den Hochgeschwindigkeitsverkehr zweigleisig ausgebaut werden sollen. Der Bau der Y-Trasse wurde jedoch mehrfach aufgeschoben, ein Bau ist inzwischen nach Planung der Alpha-Variante nicht mehr geplant. Weiterhin wird auch ein Ausbau der gesamten Strecke Uelzen-Langwedel diskutiert.[5] Hiergegen sind in einigen Dörfern, beispielsweise Kirchlinteln, Bürgerinitiativen gegründet worden.

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Strecke waren früher regelmäßig die Baureihen 03 und 50 anzutreffen, die unter anderem in Uelzen stationiert waren. Insgesamt gilt die Verbindung als eine der am längsten regulär mit Dampflokomotiven befahrenen Verbindungen in Westdeutschland.

Ferner traf man bei Nahverkehrszügen direkt nach dem Krieg auf dampflokbespannte Züge sowie auf den Wittfelder Akkumulatortriebwagen. Diese wurden später durch Schienenbusse der Baureihe 798 und Vorserien-Triebwagen der Baureihe 628.0 ersetzt. In den 1980er und 1990er Jahren verkehrten regelmäßig die Baureihen 216 und 624 sowie die Baureihen 218 oder vereinzelt 212 vor lokbespannten Eilzügen.

Bis zum 10. Dezember 2005 fuhren Triebwagen der Baureihe 634, im Dezember 2008 endete der Einsatz der Triebwagen der Baureihe 614, mit dem Fahrplanwechsel Dezember 2011 wurden auf der Strecke auch die Dieseltriebwagen der Baureihen 628.2 und 628.4 abgelöst.

Derzeit verkehren Triebwagen vom Typ Alstom Coradia LINT. Eisenbahnverkehrsunternehmen ist die Erixx GmbH. Vor den bis zum Fahrplanwechsel 2013 verkehrenden Intercity-Zügen zwischen Munster und Uelzen wurde die Baureihe 218 eingesetzt. Im Güterverkehr findet man gelegentlich die mit Red Tiger beschrifteten Streckendiesellokomotiven der Baureihe ADtranz DE-AC33C vor Holz- und Containerzügen sowie die Baureihen MaK G 1202 BB, MaK G 1204 BB oder MaK G 1205 BB vor kleineren Übergabezügen der OHE.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnstrecke Uelzen–Langwedel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aiko Schmidt: Berg, Theodor Friederich Rudolph (online auf der Seite der Naturforschenden Gesellschaft zu Emden von 1814).
  2. Weblink zur Geschichte der Amerikalinie mit Unglücksfällen
  3. [1]
  4. Wiedereröffnung des Bahnhofs
  5. DB: Alternativvarianten zur „Y-Trasse“ bei eisenbahn-kurier.de, abgerufen am 22. Februar 2014