Bahnstrecke Weimar–Gera

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Weimar–Gera Hbf
Strecke bei Neulobeda, Blick auf die Saaletalbrücke
Strecke bei Neulobeda, Blick auf die Saaletalbrücke
Streckennummer (DB): 6307
Kursbuchstrecke (DB): 565
Streckenlänge: 68,0 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Strecke – geradeaus
von Erfurt
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
von Kranichfeld
Bahnhof, Station
0,0 Weimar
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
nach Naumburg (Saale)
Brücke über Wasserlauf (groß)
Viadukt über die Ilm
Haltepunkt, Haltestelle
4,1 Oberweimar
Bahnhof, Station
7,6 Mellingen (Thür)
Bahnhof, Station
14,3 Großschwabhausen
   
18,1 Block Schlettwein
Bahnhof, Station
22,6 Jena West
Planfreie Kreuzung – oben
Saalbahn
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
von Großheringen
Bahnhof, Station
27,5 Jena-Göschwitz
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Saalfeld
Brücke über Wasserlauf (groß)
Saalebrücke Jena-Lobeda (121 m)
Haltepunkt, Haltestelle
30,8 Neue Schenke
Haltepunkt, Haltestelle
37,2 Stadtroda
Haltepunkt, Haltestelle
42,9 Papiermühle (b. Stadtroda)
Brücke über Wasserlauf (klein)
Zeitzbach
Bahnhof, Station
48,3 Hermsdorf-Klosterlausnitz
   
51,0 Block Oberndorf
Haltepunkt, Haltestelle
55,6 Kraftsdorf
Haltepunkt, Haltestelle
61,1 Töppeln
Brücke über Wasserlauf (klein)
Erlbach
A/D: Überleitstelle, CH: Spurwechsel
62,0 Überleitstelle Töppeln
   
64,3 Gera-Thieschitz
Brücke über Wasserlauf (groß)
Weiße Elster
Planfreie Kreuzung – oben
Probstzella–Leipzig-Leutzsch
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
von Leipzig-Leutzsch
Blockstelle, Awanst, Anst etc.
66,2 Gera-Tinz
Bahnhof, Station
68,0 Gera Hbf
Strecke – geradeaus
nach Probstzella

Die Bahnstrecke Weimar–Gera ist eine Bahnstrecke in Thüringen, die die Stadt Weimar über Jena, Stadtroda und Hermsdorf mit Gera verbindet. Errichtet wurde sie durch die im Juni 1872 gegründete Weimar-Geraer Eisenbahn-Gesellschaft, welche die Strecke im Juni 1876 nach ihrer behördlichen Abnahme dem Betrieb übergab.

Sie ist heute Teil der Mitte-Deutschland-Verbindung und wird von der Deutschen Bahn im Kursbuch als „Holzlandbahn“ bezeichnet, da sie auf ihrem östlichen Abschnitt das Thüringer Holzland erschließt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Überlegungen für eine Bahnverbindung zwischen Weimar und Gera gab es in den 1800er Jahren, damals noch als Teil einer Strecke von Leipzig nach Kassel. Ernsthafte Pläne wurden aber erst in den 1850er Jahren gefasst, als eine Anbindung an die Bahnstrecke Leipzig–Hof entstehen sollte. Insbesondere 1855 gründeten sich in zahlreichen Städten der Umgebung Eisenbahnkomitees, die sich für eine Streckenführung über ihre Stadt einsetzten.[1] So gab es Vorschläge für eine Anbindung von Eisenberg, Pößneck und Gößnitz. Da die Thüringische Eisenbahn-Gesellschaft 1859 ihre Strecke Weißenfels–Zeitz–Gera eröffnete, wurden die zahlreichen Streckenprojekte vorerst nicht weiter verfolgt, da die Gegend nun bereits einen Eisenbahnanschluss besaß. Mitte der 1860er Jahre wurden die nächsten Vorhaben geplant, eine Verbindung nach Gößnitz war darin nicht mehr enthalten, diese Strecke wurde als nicht lukrativ genug verworfen. Abermals erhielt man keine Genehmigung, es wurde stattdessen die Verbindung Gera–Eichicht gebaut, die die stärker industrialisierte Region um Neustadt an der Orla erschloss. Eine Verbindung Weimar–Gera wurde aber nun nicht mehr konsequent abgelehnt.[2] Die Vorarbeiten für die Strecke Weimar–Gera begannen 1870, zudem hatten sich die betroffenen Länder Reuß jüngerer Linie, Sachsen-Altenburg und Sachsen-Weimar-Eisenach sich mittlerweile auf die Finanzierung einigen können. Sachsen-Meiningen, das mit wenigen hundert Metern Streckenlänge auf ihrem Staatsgebiet ebenfalls am Bauprojekt teilnahm, wurde durch Sachsen-Weimar-Eisenach vertreten.[3]

Siegelmarke der Weimar-Geraer Eisenbahn Gesellschaft

Baubeginn bei den Vorarbeiten war im Sommer 1872, die eigentlichen Bauarbeiten begannen aber erst 1873, da zahlreiche Details noch nicht genehmigt waren. Der Betrieb auf der Strecke wurde am 29. Juli 1876 aufgenommen.[4]

Am 1. Oktober 1895 ging die Weimar-Geraer Eisenbahn-Gesellschaft in der Preußischen Staatsbahn auf.[4]

Empfangsgebäude des Bahnhofs Jena-Göschwitz 2010

Entwicklung der Zweigleisigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Zweiten Weltkrieg war die Strecke als wichtige Ost-West-Verbindung zweigleisig ausgebaut. Das zweite Gleis wurde im Zuge der Reparationen an die Sowjetunion demontiert und später streckenweise wieder aufgebaut. Bis zum Zeitpunkt der deutschen Wiedervereinigung wurden nur die Abschnitte Jena West–Neue Schenke, Stadtroda–Papiermühle und Kraftsdorf–Töppeln (zusammen rund 22 km der Strecke) wieder zweigleisig als Begegnungsabschnitte ausgebaut. Mit dem in den 1990er Jahren aufkommenden Taktverkehr wurden auch mehr Begegnungsmöglichkeiten ohne zeitraubende Kreuzungshalte angestrebt. Ende der 1990er Jahre wurden daher die Abschnitte Großschwabhausen–Jena West und Hermsdorf-Klosterlausnitz–Kraftsdorf zweigleisig ausgebaut, in den Jahren 2015/16 folgten schließlich Weimar-Großschwabhausen und Neue Schenke-Stadtroda. Dadurch ist die Strecke nun durchgehend von Weimar bis Papiermühle auf rund 43 km zweigleisig befahrbar und zwischen Weimar und Jena wäre ein Taktverkehr alle 15 oder 20 Minuten problemlos möglich. Eingleisige Abschnitte befinden sich heute noch zwischen Papiermühle und Hermsdorf-Klosterlausnitz (ca. 6 km) sowie zwischen Töppeln und Gera (ca. 5 km).

Entwicklung der Geschwindigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Deutschen Reichsbahn wurde die Strecke mit maximal 100 km/h befahren, in vielen Abschnitten auch mit geringeren Geschwindigkeiten. In den 1990er Jahren erfolgte eine erste Herrichtung für Neigetechnikfahrzeuge, welche so abschnittweise 140–160 km/h erreichen konnten, die Geschwindigkeit für konventionelle Züge blieb aber bei maximal 100 km/h. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016 wurden die zulässigen Geschwindigkeiten, sowohl konventionell als auch mit Neigetechnik, erhöht und somit die Fahrzeit um wenige Minuten weiter verkürzt.

Weitere Bau- und Erneuerungsmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Oberweimar erhielt einen zweiten Bahnsteig, die Bahnsteige in den Bahnhöfen Jena West und Jena-Göschwitz wurden erneuert und mittels Aufzügen barrierefrei zugänglich.[5] Die Bauarbeiten begannen im Februar 2014, die Fertigstellung war in mehreren Abschnitten bis Dezember 2016 vorgesehen.[6] Zudem wurden während der Sperrpause auch Brücken sowie die Signal- und Sicherungstechnik erneuert. [7]

Zukünftige Elektrifizierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Thüringer Landesregierung und den anliegenden Städten wird die Elektrifizierung der Bahnstrecke angestrebt, bislang gibt es hierzu aber keine verlässlichen Planungen. Für die Finanzierung wäre eine Förderung durch Mittel der Europäischen Union möglich.[8] Zum Bundesverkehrswegeplan 2030 hat das Land den zweigleisigen Ausbau sowie die Elektrifizierung der Gesamtstrecke von Weimar bis Gera angemeldet.[9] Die Europäische Union fördert zunehmend Metropol-Regionen stärker als einzelne Städte. Dennoch ist auch für die Zeit nach dem kostspieligen Ausbau durch Bahn und Politik keine feste Zusicherung da, die Strecke zwischen Landeshauptstadt und Jena für den öffentlichen Nahverkehr im attraktiveren 20- oder gar 15- Minuten-Takt zu befahren. Die fehlende Zusage der Transportpartner kann ein Hindernis bei der Co-Finanzierung der Europäischen Union sein, damit Fördermittel nur mit Effekt für die Bevölkerung verteilt werden.

Aktuelle Verkehrsbedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahnstrecke hat erhebliche Bedeutung im Personenverkehr innerhalb der Thüringer Städtekette und bindet die ostthüringer Großstädte Gera, Jena, sowie das Holzland an den Fernverkehrsknoten Erfurt an. Die Bedeutung ist an einem entsprechend dichten Zugangebot und zumindest westlichen von Jena oft sehr gut gefüllten Zügen erkennbar. Güterverkehr findet heute kaum noch statt, da einerseits kaum Bedarf besteht und die Streckenkapazitäten dies andererseits kaum ermöglichen. So sorgen die eingleisigen Abschnitte dafür, dass sich schon kleine Verspätungen auf die Gegenzüge übertragen und die Holzlandbahn eine vergleichsweise unpünktliche und besonders im Westteil stark belastete Bahnverbindung ist. Weiterhin sorgt die fehlende Elektrifizierung dafür, dass nur mit Dieseltriebwagen gefahren werden kann. Obwohl die Deutsche Bahn bereits ihre größten Triebwagen, die Baureihe 612, in Dreifachtraktion einsetzt, sind die Züge dem Verkehrsbedarf von und nach Jena teilweise nicht gewachsen. Auch die beiden Bahnhöfe im Jenaer Stadtgebiet befinden sich in einem schlechten Zustand, allerdings sollen auch sie bis 2014 modernisiert werden.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahnstrecke beginnt am Bahnhof Weimar im Norden der Stadt, den sie nach Osten verlässt. Über eine niveaufreie Ausfädelung zweigt sie nach Süden von der Bahnstrecke Halle–Bebra ab und führt in einem Bogen nach Südosten, wobei sie das Tal der Ilm zunächst mit einem großen Viadukt überquert und anschließend am Osthang des Ilmtals nach Mellingen führt. Anschließend führt sie durch den Lehnstedter Grund nach Großschwabhausen, wo die Strecke mit etwa 325 Metern ihren Scheitelpunkt auf der Ilm-Saale-Platte erreicht. Von Großschwabhausen führt sie durch den Schwabhäuser Grund und das Jenaer Mühltal hinab nach Jena, wo sie am Westhang des Saaletals am Zentrum vorbei zum Bahnhof Jena West führt. Südlich überquert sie die Saalbahn, auf die sie im Bahnhof Jena-Göschwitz, allerdings in einem separaten Bahnhofsteil, trifft.

Hinter Göschwitz überquert die Bahnstrecke die Saale und führt durch das Tal der Roda nach Stadtroda und anschließend durch den Zeitzgrund nach Hermsdorf im Holzland. Östlich von Hermsdorf verläuft die Strecke im Tal des Erlbachs über Kraftsdorf und Töppeln bis nach Gera, wo sie am ehemaligen preußischen Bahnhof, dem heutigen Hauptbahnhof, endet.

Verkehrsangebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linie Verlauf Takt
RE 1 GöttingenLeinefeldeGothaErfurtWeimarJenaGeraGößnitzGlauchau Zweistundentakt
RE 3 Erfurt – Weimar – Jena – Gera – Altenburg/Elsterberg Zweistundentakt
EB 21 Weimar – Jena – Göschwitz – Gera Mo–Fr alle 60 Minuten bis Göschwitz &
alle 120 Minuten bis Gera
Sa/So alle 120 Minuten

Umsteigebeziehungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anbindung an den Fernverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anbindung an den Nahverkehr anderer Strecken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Drescher: Die Weimar-Geraer Bahn - Von der Privatbahn zum Teil der Mitte-Deutschland-Verbindung. EK-Verlag, Freiburg/Brsg. 2001. ISBN 3-88255-451-7
  • Günter Fromm: Eisenbahnen in Thüringen - Daten und Fakten. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza. ISBN 3-929000-24-5
  • Günter Fromm: Thüringer Eisenbahnstreckenlexikon 1846–1992 – Die königliche Eisenbahn-Direktion und die Reichsbahndirektion Erfurt 1882–1992 & Eisenbahnen in Thüringen, Daten und Fakten 1846–1992. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza. ISBN 3-929000-33-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnstrecke Weimar–Gera – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Werner Drescher: Die Weimar-Geraer Bahn - Von der Privatbahn zum Teil der Mitte-Deutschland-Verbindung, S. 6 f.
  2. Werner Drescher: Die Weimar-Geraer Bahn - Von der Privatbahn zum Teil der Mitte-Deutschland-Verbindung, S. 8 ff.
  3. Werner Drescher: Die Weimar-Geraer Bahn - Von der Privatbahn zum Teil der Mitte-Deutschland-Verbindung, S. 10 f.
  4. a b Aus der Geschichte der Bahnlinie Weimar – Gera und des Bahnhofes Hermsdorf-Klosterlausnitz. www.hermsdorf-regional.de, abgerufen am 17. September 2012
  5. Bauprojekt Weimar – Gera | BauInfoPortal der Deutschen Bahn. Deutsche Bahn AG, abgerufen am 2. Januar 2016.
  6. Faltblatt Weimar - Gera März 2015 V3 END 150dpi. DB ProjektBau GmbH, 20. März 2015, abgerufen am 2. Januar 2016.
  7. Weimar–Göschwitz wieder zweigleisig. In: eisenbahn-magazin. Nr. 11, 2016, ISSN 0342-1902, S. 29.
  8. Bahn will Strecke zwischen Weimar und Gößnitz elektrifizieren. Thüringer Allgemeine, 6. Juli 2012
  9. Thüringen: Fünf Bahnprojekte für Bundesverkehrswegeplan 2015 angemeldet (eurailpress.de)