Bahnstrecke Welkenraedt–Raeren

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Welkenraedt–Raeren
Strecke der Bahnstrecke Welkenraedt–Raeren
Streckennummer:49
Streckenlänge:14 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Stromsystem:Welkenraedt–Eupen: 3 kV =
Höchstgeschwindigkeit:Welkenraedt–Eupen: 90 km/h
Eupen–Raeren: 40 km/h
Provinz (B): Lüttich
Betriebsstellen und Strecken[1]
Strecke – geradeaus
Wesertalstrecke von Lüttich
Bahnhof, Station
0 Welkenraedt
   
Herbesthal
   
1,9 Wesertalstrecke nach Aachen
Bahnhof, Station
5,9 Eupen
   
14,0 Raeren
   
Vennbahn

Die Bahnstrecke Welkenraedt–Raeren ist eine 14 km lange Eisenbahnlinie in der Provinz Lüttich in Belgien, die die Städte Welkenraedt, Eupen und Raeren verbindet. Heute wird die Strecke von Infrabel betrieben und zwischen Welkenraedt und Eupen von Intercity-Zügen der Nationalen Gesellschaft der Belgischen Eisenbahnen befahren. Der Abschnitt Eupen–Raeren wird zurzeit nur für gelegentliche Überführungsfahrten zu einem in Raeren ansässigen Lokomotivhändler genutzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Errichtung durch die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft und die Preußischen Staatseisenbahnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 15. Oktober 1843 besteht eine Eisenbahnverbindung zwischen Köln und Antwerpen, die auf deutscher Seite durch die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft betrieben wurde. Um die Stadt Eupen an diese Bahnlinie anzuschließen, errichtete die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft eine am damaligen Grenzbahnhof Herbesthal von der Wesertalstrecke abzweigende Stichstrecke. Die Eröffnung fand am 1. März 1864 statt. Diese Bahnstrecke wurde 1880 im Zuge der Eisenbahnpolitik Otto von Bismarcks verstaatlicht und war fortan im Besitz der Preußischen Staatseisenbahnen. Die Verlängerung der Bahnstrecke über Eupen hinaus bis Raeren erfolgte im Zuge der Errichtung der Vennbahn, einer Nord-Süd-Verbindung von Aachen-Rothe Erde bis Ulflingen. Nachdem das Teilstück der Vennbahn von Aachen über Walheim und Raeren nach Monschau 1885 eröffnet wurde,[2] wurde am 3. August 1887 der Streckenabschnitt Eupen-Raeren in Betrieb genommen.[3] Seitdem gab es durchgehenden Zugverkehr von Welkenraedt über Raeren nach Aachen und ab 1889 über die Bahnstrecke Stolberg–Walheim auch durchgehende Verkehre von Welkenraedt über Raeren nach Stolberg.

Abtretung an Belgien und Einstellung des Personenverkehrs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der nach dem Ersten Weltkrieg aufgesetzte Versailler Vertrag hatte Änderungen im deutsch-belgischen Grenzverlauf zur Folge. Die vorher durch Herbesthal verlaufende Grenze wurde nun nach Osten verlegt und schneidet die Wesertalstrecke am Buschtunnel. Die Bahnstrecke Welkenraedt–Eupen–Raeren liegt nun vollständig auf belgischem Gebiet; auch die Vennbahn, die sich am östlichen Ende der Bahnstrecke anschließt, wurde Belgien zugesprochen.[3]

Ähnlich wie auf der Vennbahn und der Bahnstrecke Stolberg–Walheim wurde der Personenverkehr um 1960 eingestellt. Auf der Bahnstrecke Herbesthal–Eupen–Raeren geschah dies am 28. März 1959.[3] Der Güterverkehr bestand jedoch fort, insbesondere Sendungen mit Lademaßüberschreitung wurden über die Bahnstrecke geleitet, da diese den Gemmenicher Tunnel an der Bahnstrecke Aachen–Tongeren nicht passieren konnten.[4] Mit der Inbetriebnahme eines dritten Gleises in der Mitte der Gemmenicher Tunnels im Jahr 1991 wurde die Streckenführung über Eupen schließlich überflüssig.[5]

Wiederaufnahme des Personenverkehrs zwischen Welkenraedt und Eupen und heutiger Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1980er-Jahre wurde der Abschnitt von Herbesthal nach Eupen mit dem in Belgien üblichen Gleichstrom mit einer Spannung von 3 kV elektrifiziert. Seit dem 27. Juni 1984 findet wieder Personenverkehr bis Eupen statt, indem vorher in Welkenraedt endende Züge bis Eupen durchgebunden werden.[3] Heute wird Eupen von der Intercity-Linie 01 bedient, die Eupen im Stundentakt mit Ostende verbindet[6] und aus Lokomotiven der Reihe 18 mit I11-Wagen oder M6-Wagen gebildet wird.

Ab dem 2. Juni 1990 fanden zwischen Eupen und Raeren historische Sonderfahrten des Vereins Vennbahn V.o.E statt, die mit Diesellokomotiven der NMBS/SNCB und mit einer Dampflokomotive der Baureihe 50 durchgeführt wurden.[3][7] Aufgrund finanzieller Probleme des Vereins mussten diese 2002 wieder eingestellt werden.[7]

Reaktivierungsbemühungen für den Abschnitt Eupen–Raeren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte der aktuellen Schienenverbindungen im deutsch-belgischen Grenzland

Der Abschnitt zwischen Eupen und Raeren wird heute nur noch für gelegentliche Überführungs- oder Personalschulungsfahrten genutzt.[7] Eine Reaktivierung dieses Abschnitts wird seit etwa 2000 diskutiert. Zwischen Stolberg Hbf und der deutsch-belgischen Landesgrenze befinden sich ebenfalls noch reaktivierbare Gleisanlagen, die im Besitz der Euregio Verkehrsschienennetz stehen und von Stolberg Hbf bis zum Haltepunkt Stolberg-Altstadt durch die Euregiobahn genutzt werden, die bei Sonderfahrten bis Breinig verkehrt.[8][9] Zwischen Breinig und der Landesgrenze erfolgt die Instandhaltung durch die Museumsbahn Eisenbahnfreunde Grenzland.[10] Bei Reaktivierung des Abschnitts Eupen–Raeren könnte also eine durchgängige Schienenverbindung von Stolberg über Walheim, Raeren und Eupen nach Welkenraedt hergestellt werden. Eine solche Verbindung besitzt unterschiedliche Anwendungsszenarien: Güterzüge können aus Richtung Köln nach Belgien gelangen, ohne die Aachener Innenstadt mit Aachen Hbf passieren zu müssen.[11][7] Züge der Euregiobahn könnten bis Eupen verkehren,[8][12] ebenso sind grenzüberschreitende touristische Verkehre mit den in Walheim beheimateten Fahrzeugen der Eisenbahnfreunde Grenzland möglich.[10][13]

Am 10. Mai 2001 beschloss die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft eine Sanierung der Bahnstrecke. Im Mai 2002 führten die Stadt Eupen, die Deutsche Bahn und die RWTH Aachen gemeinsam eine Fahrgastumfrage in den Bussen zwischen Aachen und Eupen zur möglichen Reaktivierung der Bahnstrecke durch.[7] Im Jahr 2008 wurden im Bahnhof Raeren einige Gleise erneuert. Die belgische Tageszeitung Grenz-Echo berichtete im April 2009, dass sich der Abschnitt Eupen–Raeren generell in gutem Zustand befinde.[7] Für eine Reaktivierung müssten zunächst auf deutscher Seite das Rüstbachviadukt und das Falkenbachviadukt der Bahnstrecke Stolberg–Walheim betriebsfähig hergerichtet werden, was jedoch nicht vor 2019 realisiert werden kann.[14]

Streckenbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Welkenraedt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleisanlagen des Bahnhofs Welkenraedt

Der Bahnhof Welkenraedt wird für den Verkehr an der Wesertalstrecke in Richtung Aachen und für den Verkehr in Richtung Eupen genutzt. Er besitzt einen Seitenbahnsteig am Empfangsgebäude und zwei Mittelbahnsteige. Sowohl an der Nord- als auch an der Südseite des Bahnhofs befinden sich Gleisanlagen zur Abstellung von Schienenfahrzeugen. Welkenraedt verfügt über einen täglich besetzten Fahrkartenschalter, es gibt außerdem einen Service für Personen mit Rollstuhl. Rund um das Empfangsgebäude sind kostenlose Parkplätze vorhanden.[15] Der Bahnhof Welkenraedt ist an den Busverkehr angebunden, es gibt Verbindungen nach Eupen, Kelmis und Verviers.[16]

Bahnhof Herbesthal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Herbesthal um 1900
Hauptartikel: Bahnhof Herbesthal

Unmittelbar hinter dem ehemaligen Bahnhof Herbesthal zweigt die Bahnstrecke Welkenraedt-Eupen von der Wesertalstrecke ab. Der Bahnhof Herbesthal war seit Juli 1843 in Betrieb und wurde von Zügen aus Richtung Verviers angefahren, der durch den Lückenschluss der Eisenbahnverbindung Köln-Amsterdam im Oktober 1843 zum ersten Grenzbahnhof Europas wurde. Für den Anschluss der Bahnstrecke Welkenraedt-Eupen wurden die Bahnanlagen in Herbesthal erweitert und ein Bahnbetriebswerk errichtet. 1889 wurden ein neues Empfangsgebäude erstellt und ein Ringlokschuppen gebaut. Als der Grenzverlauf 1920 als Folge des Versailler Vertrags nach Osten verschoben wurde, behielt Herbesthal seine Funktion als Grenzbahnhof zunächst bei. Als die Wesertalstrecke Anfang der 1960er-Jahre elektrifiziert wurde, entschied man sich, die Systemtrennstelle in Aachen Hauptbahnhof einzurichten. Somit wurde der Bahnhof Herbesthal für den Bahnbetrieb überflüssig und zum 7. August 1966 geschlossen.[17]

Bahnhof Eupen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhofsgebäude von Eupen

Der Bahnhof Eupen wurde 1864 mit einem eigenen Empfangsgebäude eröffnet, blieb aber nicht lange an seinem ursprünglichen Ort: Mit der Verlängerung der Bahnstrecke nach Raeren im Jahr 1887 musste ein neuer Bahnhof mit neuem Empfangsgebäude errichtet werden, da die Lage des ersten Bahnhofs mit der Streckenführung nicht vereinbar war. Nach der Einstellung des Personenverkehrs im Jahr 1959 stand das Bahnhofsgebäude leer und wurde schließlich 1973 abgerissen. Mit der Wiederaufnahme des Personenverkehrs in Eupen wurde auch ein neues Empfangsgebäude errichtet.[3] Dieses Empfangsgebäude verfügt bis heute über einen täglich besetzten Fahrkartenschalter.[18]

Bahnhof Raeren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Empfangsgebäude von Raeren
Hebelbank im Stellwerk der Bauart Saxby

Der Bahnhof Raeren wurde 1885 eröffnet und besaß zu diesem Zeitpunkt eine Verbindung zum Bahnhof Aachen-Rothe Erde über die Vennbahn. Erst zwei Jahre später erreichte die Strecke aus Eupen den Bahnhof Raeren. Nach Inkrafttreten des Versailler Vertrags war Raeren ab Februar 1921 der Grenzbahnhof zwischen Belgien und Deutschland.[5] Das Empfangsgebäude ist gemauert und stammt aus der Zeit des Baus der Vennbahn. Es befindet sich heute noch in einem guten Zustand.[19] Ebenfalls existieren zwei mechanische Stellwerke, von denen eines der englischen Bauart Saxby entstammt und eines von Siemens hergestellt wurde. In Raeren gab es auch eine Drehscheibe, diese wurde aber im Jahr 2004 abgebaut.[5]

Auf dem Gelände des Bahnhofs befindet sich eine zweigleisige Werkstatthalle, die im Jahr 1992 erbaut wurde.[19] Ursprünglicher Nutzer war der Verein Vennbahn V.o.E, der sie zur Instandhaltung seines Fahrzeugbestands nutzte. Die Baukosten der Halle von umgerechnet rund 310.000 Euro wurden von der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens aufgebracht. Nach der Einstellung des Fahrbetriebs und dem Verkauf der Fahrzeuge des Vennbahn V.o.E. wurde die Halle nicht mehr genutzt, sodass es zwischenzeitlich sogar Überlegungen gab, das Gebäude abzubauen und an einem anderen Ort wieder aufzustellen. Schließlich konnte mit dem Lokomotivhändler Rails et Traction ein Mieter gefunden werden, der die Halle zur Aufarbeitung von zum Verkauf stehenden Schienenfahrzeugen nutzt. Rails et Traction überführt seine Fahrzeuge über die Bahnstrecke Welkenraedt-Raeren und ist zurzeit einziger Nutzer des Abschnitts Eupen-Raeren. Für diesen Streckenabschnitt übernimmt Rails et Traction einen Teil der Instandhaltungskosten und nutzt ihn im Gegenzug für Testfahrten.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnstrecke Welkenraedt–Raeren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lignes SNCB auf belrail.be (französisch), abgerufen am 31. Dezember 2015.
  2. Alter Bahnhof Raeren - Gemeinde Raeren :: Sehenswürdigkeiten. In: www.raeren.be. Abgerufen am 17. April 2016.
  3. a b c d e f Stefan von der Ruhren: Kursbuchstrecke 49 Welkenraedt – Eupen – Raeren auf vonderruhren.de, 11. November 2014, abgerufen am 31. Dezember 2015.
  4. Bild eines Panzerzugs zwischen Raeren und Eupen auf drehscheibe-online.de. Abgerufen am 1. April 2016.
  5. a b c Reinhard Gessen: Raeren. In: www.gessen.de. Abgerufen am 1. April 2016.
  6. NMBS/SNCB – Fahrpläne in Realzeit. In: www.belgianrail.be. Abgerufen am 1. April 2016.
  7. a b c d e f g Presse. In: www.vennbahn.de. Abgerufen am 1. April 2016.
  8. a b Jürgen Lange: Euregiobahn: Zug soll bis Belgien fahren. In: Aachener Zeitung. Abgerufen am 1. April 2016.
  9. -jül-: Euregiobahn bis Grenze hinter Walheim. In: Aachener Zeitung. Abgerufen am 1. April 2016.
  10. a b Eisenbahnfreunde Grenzland: Nostalgische Sonderfahrten zwischen Stolberg und Eupen. Webseite der Eisenbahnfreunde Grenzland, Juni 2012, abgerufen am 1. April 2016.
  11. Jürgen Lange: Elektrifizierung ist in Sicht für die Euregiobahn. In: Aachener Zeitung. Abgerufen am 1. April 2016.
  12. jül/mg: Euregiobahn-Strecke: Der Zug soll bis Belgien fahren. In: Aachener Nachrichten. Abgerufen am 1. April 2016.
  13. Der Streckenabschnitt. In: www.eisenbahnfreunde-grenzland.de. Abgerufen am 1. April 2016.
  14. Jürgen Lange: Euregiobahn fährt nicht vor 2019 nach Breinig. In: Aachener Zeitung. Abgerufen am 1. April 2016.
  15. WELKENRAEDT. In: www.belgianrail.be. Abgerufen am 3. April 2016.
  16. Arrêt Welkenraedt Gare SNCB – InfoTEC. In: www.infotec.be. Abgerufen am 3. April 2016.
  17. Hans Schweers, Henning Wall: Eisenbahnen rund um Aachen. 150 Jahre internationale Strecke Köln – Aachen – Antwerpen. Schweers und Wall, Aachen 1993.
  18. Bahnhof Eupen: Öffnungszeiten unverändert – Ausbau des Parkplatzes. In: BRF Nachrichten. Abgerufen am 2. April 2016.
  19. a b Stefan von der Ruhren: Eisenbahnen in Aachen und der Euregio Maas-Rhein (Raeren). In: vonderruhren.de. Abgerufen am 1. April 2016.