Bahnstrecke Wesel–Bocholt

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Wesel–Bocholt
Strecke der Bahnstrecke Wesel–Bocholt
Bocholter Bahn in Schwarz
Streckennummer (DB):2263
Kursbuchstrecke (DB):421
Streckenlänge:20 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Höchstgeschwindigkeit:80 km/h
   
von Winterswijk (NL)
   
von Borken
   
20,4 Bocholt
   
nach Empel-Rees, heute Anschluss Industriepark Bocholt
   
19,8 Streckenwechsel VzG 2265
   
19,7 Bocholt Süd
   
18,2 Biemenhorst (bis 1960)
   
17,0 Tangerding (Anst)
   
15,6 Lankern
Haltepunkt, Haltestelle
13,2 Dingden (ehem. Bf)
Bahnhof, Station
9,2 Hamminkeln
   
8,5 Hamminkeln Süd
Haltepunkt, Haltestelle
4,7 Blumenkamp
   
3,6 Lackhausen
   
2,7 Wesel Nord
   
von Emmerich
   
von Venlo
   
Weseler Hafenbahn
Bahnhof, Station
0,1 Wesel
   
Anschlussgleis RWE (ehem. bis Haltern)
Strecke – geradeaus
von Oberhausen

Quellen: [1][2]

Die Bahnstrecke Wesel–Bocholt (auch Bocholter Bahn genannt) ist eine eingleisige Nebenbahn in Nordrhein-Westfalen von Wesel am unteren Niederrhein nach Bocholt im Westmünsterland.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Triebwagen der DB Regio in Wesel-Feldmark, 2012

Schon Mitte des 19. Jahrhunderts existierten Pläne, die Stadt Bocholt, ein Zentrum der Textilindustrie, an das neue Eisenbahnnetz anzuschließen, die 1856 eröffnete Hollandstrecke der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft (CME) führte aber von Wesel aus entlang des Rheines an Bocholt vorbei über Emmerich am Rhein nach Arnhem. Auch brachten mehrere Initiativen Kölner und Münsteraner Geschäftsleute nicht das erforderliche Kapital für eine eigene Eisenbahnstrecke auf.

Am 26. Mai 1875 schließlich erhielt die CME die Konzession für den Bau einer Stichstrecke von Wesel nach Bocholt, die dann zum 1. Juli 1878 für den Personenverkehr eröffnet wurde.

Die zwei Jahre später eröffnete Bahnstrecke Winterswijk–Bocholt der Niederländisch-Westfälischen Eisenbahn-Gesellschaft machte aus dem Endbahnhof einen Durchgangsbahnhof. Weitere zehn Jahre später, nach der Verstaatlichung der meisten privaten Eisenbahn-Gesellschaften, wurde Bocholt durch den Bau der Baumbergebahn der Preußischen Staatseisenbahnen von Empel-Rees nach Münster sogar zum Kreuzungsbahnhof. Seit Ende des 20. Jahrhunderts ist mit der Stilllegung dieser beiden Strecken der Bahnhof Bocholt wieder Endbahnhof.

In den siebziger Jahren wurde das Nahverkehrsangebot im Abschnitt Wesel–Bocholt von der Deutschen Bundesbahn schrittweise von vierzehn Zugpaaren auf drei reduziert. Hierdurch ist die Nachfrage von 800 Reisenden auf eine Querschnittsnachfrage von 92 Personenkilometern je Kilometer gesunken. Außerhalb der Betriebszeit zwischen 5 und 9 Uhr hatten Busse die Nahverkehrsbeförderung übernommen. 1979 konnte eine bereits vorgesehene vollständige Umstellung auf den Bus abgewendet werden. Mit der Bundesbahn wurde ein dreijähriger Wiederbelebungsversuch ausgehandelt, bei dem die Fahrtenzahl erneut auf vierzehn Zugpaare erhöht und die Anschlusssituation in Wesel verbessert wurde. Die Zahl der Reisenden stieg daraufhin wieder auf 987.[3]

1985 entfielen alle über Wesel hinausgehenden Fahrten, sodass die Züge nur noch zwischen Wesel und Bocholt pendelten. 1986 wurde durch einen Rahmenvereinbarungsentwurf zwischen dem Land NRW und der Bundesbahn bekannt, dass die Verkehrsbedienung wiederum auf den Bus verlagert werden soll. Daraufhin schenkte die Stadt Bocholt der Bundesbahn einen Triebwagen der Baureihe 628 und verlegte den Halt der Busse innenstadtnäher zu einem Verknüpfungspunkt direkt am Bahnsteig. Im Gegenzug verpflichtete sich die Bundesbahn, den Nahverkehr auf der Schiene bis zum Jahresende 1999 aufrecht zu erhalten. Startschuss für das neue Angebot, welches unter dem Namen „Der Bocholter“ vermarktet wird, war der 6. Oktober 1990.[3]

Bedienung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Triebwagen von Abellio, Bocholt, 2018

Die Strecke wird im Personennahverkehr von dem Regionalexpress RE 19a Der Bocholter bedient. In Wesel bestehen Anschlüsse an den Regional-Express RE 5 (RRX) Rhein-Express in Richtung Oberhausen, Duisburg, Düsseldorf, Köln und weiter bis nach Koblenz sowie den RE 19 nach Arnheim bzw. Oberhausen, Duisburg und Düsseldorf. Des Weiteren besteht an allen Werktagen ein Anschluss nach Wuppertal über Oberhausen und Essen mit dem Wupper-Lippe-Express (RE 49).

Durchgeführt wird der Schienenpersonennahverkehr seit Dezember 2016 von der Abellio Rail NRW im Stundentakt. Eingesetzt werden Dieseltriebwagen der Baureihe 648, die trotz ihrer maximalen Geschwindigkeit von bis zu 120 km/h auf dieser Strecke nur 80 km/h fahren dürfen.

Bis Dezember 2016 verkehrte auf der Strecke DB Regio NRW mit Dieseltriebwagen der Baureihe 628.4.

Im Güterverkehr wird der Anschluss des Betonfertigteilewerks Max Bögl im Bahnhof Hamminkeln bedient. Die in Abhängigkeit von laufenden Bauprojekten, zumeist Tunnelbauten, notwendigen Fahrten führt die Bocholter Eisenbahngesellschaft mbH im Auftrag der DB Cargo durch. Im Anschluss selbst ist durch das Betonfertigteilewerke eine Rangierlok stationiert.

Die Strecke befindet sich im Besitz der DB Netz und wird durch die Organisationseinheit Regionalnetz Münster-Ostwestfalen (MOW) mit Sitz in Münster bewirtschaftet.

Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der lokalen Presse wurde am 16. Mai[4] und 20. Mai 2011[5] bekannt, dass der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben habe, welche die Elektrifizierung der Bocholter Bahn prüfen solle. Dadurch könne die Bocholter Bahn in das Niederrheinnetz integriert werden.

Es gab Planungen, nach dem Streckenausbau den Betrieb der Regionalbahn RB 32 einzustellen und die Regionalbahn RB 33 nach Bocholt zu verlängern. Andererseits gibt es Überlegungen, die RB 33 ab Oberhausen nach Bottrop fahren zu lassen, gleichzeitig soll dann der Regional-Express RE 5 von seinem jetzigen Endpunkt Wesel nach Bocholt verlängert werden. Diese Änderungen haben den Sinn, Bocholt künftig umsteigefrei mit dem westlichen Ruhrgebiet zu verbinden. Im Januar 2012 wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt.[6]

In einer Pressemitteilung vom 22. März 2013 zur Vergabe des Niederrheinnetzes an Abellio Rail NRW ab 2016 teilt der VRR mit, dass die Machbarkeitsstudie für die Elektrifizierung der Bocholter Bahn wesentlich positiver als erwartet ausgefallen sei. So koste diese bei einer Ausbaugeschwindigkeit von 80 km/h nur 12 Millionen Euro, bei 100 km/h immer noch lediglich 15 Millionen Euro, was weit unter den ersten Schätzungen von 20 Millionen Euro liegt. Ziel der weiteren Planungen des VRR war, die Elektrifizierung bis Dezember 2016 abzuschließen.[7] Die Elektrifizierung verzögert sich bis Ende 2022Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren.[8]

Seit Übernahme des Betriebs durch Abellio Rail NRW im Dezember 2016 wird die Strecke bis voraussichtlich 2022Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren mit Dieseltriebwagen vom Typ Alstom Coradia LINT bedient. Nach Abschluss der Elektrifizierung ist der Einsatz von Stadler Flirt-Triebwagen geplant. Ab diesem Zeitpunkt sollen Direktverbindungen von Bocholt nach Düsseldorf angeboten werden. Dies soll durch Integration in die Linie RE 19 realisiert werden, wobei eine Flügelung in Wesel vorgesehen ist.[9][10][11]

Im Juni 2018 wurde bekannt, dass der Umsetzung der Infrastrukturmaßnahmen eine weitere Verzögerung droht, da Hamminkeln nicht bereit ist, den kommunalen Eigenanteil zur Sicherung von drei privaten Bahnübergängen zu tragen. Dies ist notwendig, um die Geschwindigkeit von 80 km/h auf 100 km/h erhöhen zu können. Hamminkeln möchte die Finanzierung juristisch klären lassen, während der VRR angibt, dass das neue Fahrplankonzept dann nicht zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 umgesetzt werden kann.[12] Im März 2019 wurde bekannt, dass sich die Realisierung der Streckenelektrifizierung auf unbestimmte Zeit verzögert und nicht bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 umgesetzt werden kann. Grund hierfür sind Verzögerungen im Planfeststellungsverfahren und Abstimmungsprobleme bei Oberleitungsmasten, die gemeinsam mit der Ausbaustrecke Oberhausen - Emmerich genutzt werden.[13]

Im Bocholter Stadtteil Mussum wird die Einrichtung eines neuen Haltepunktes untersucht. Nach einer Prüfung durch DB Station&Service würde dessen Einrichtung 1,77 Millionen Euro kosten und 170 neue Fahrgäste für den SPNV gewinnen.[14] Am 31. Januar 2020 präsentierten der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Hendrik Wüst und Bahnvorstand Ronald Pofalla ein Maßnahmenpaket für den Schienennahverkehr in Nordrhein-Westfalen mit einem Volumen von 500 Millionen Euro. Darin ist unter anderem der Neubau eines Haltepunktes Bocholt Mussum enthalten. Es ist vorgesehen, die im Maßnahmenpaket aufgeführten Projekte bis 2029 umzusetzen.[15][16]

Die Liniennummer RB 32 wäre mit der Elektrifizierung bereits Ende 2019 vakant geworden und wurde daher schon für eine neue Regionalbahnlinie von Duisburg über Gelsenkirchen nach Dortmund parallel zum Rhein-Emscher-Express reserviert,[17] welche seit dem Fahrplanwechsel 2019 die S 2 zwischen Dortmund und Duisburg ersetzt. Die bisherige Linie RB 32 wurde – als künftiger Teil des RE 19 – in RE 19a umbenannt.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eduard Hellmich: Deutsche Eisenbahnen, Strecke Wesel-Bocholt und Bahnhof Hamminkeln. In: Hamminkeln Ruft. Jg. 17, Nr. 40, 2002, S. 3–23 (PDF; 5 MiB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DB Netze - Infrastrukturregister
  2. Eisenbahnatlas Deutschland. 9. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2014, ISBN 978-3-89494-145-1.
  3. a b Hamminkeln Ruft, Nr. 40, Dezember 2002. Aufgerufen am 23. Mai 2018.
  4. Volker Morgenbrod: Gibt es in Zukunft eine Zugstrecke von Bocholt direkt nach Duisburg? In: Bocholter Borkener Volksblatt. 16. Mai 2011, archiviert vom Original am 18. Mai 2011; abgerufen am 22. Dezember 2015.
  5. Jochen Krühler: Ausbau bis Duisburg - ist auch Strecke nach Borken machbar? In: Bocholter Borkener Volksblatt. 20. Mai 2011, archiviert vom Original am 24. Mai 2011; abgerufen am 22. Dezember 2015.
  6. Strom für den Bocholter. In: WAZ. 9. März 2012, abgerufen am 22. Dezember 2015.
  7. VRR vergibt Niederrhein - Netz an Abellio Rail NRW. (PDF) VRR, 22. März 2013, abgerufen am 22. Dezember 2015 (Pressemitteilung).
  8. http://web.archive.org/web/20170712135949/https://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/verzoegerung-elektrifizierung-bocholt-wesel-100.html
  9. Abellio Rail NRW baut Bahnbetriebswerk in Duisburg. In: newstix. 2. Dezember 2015, abgerufen am 23. Dezember 2015.
  10. Susanne Zimmermann: Konstante Takte, kein Umsteigen. In: WAZ. 26. November 2015, abgerufen am 22. Dezember 2015.
  11. Abellio übernimmt Niederrhein-Netz ab Dezember 2016. In: Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. 13. November 2015, abgerufen am 23. Dezember 2015 (Pressemitteilung).
  12. "Bocholter": Stadt rät zur Klage RP-Online, 23. Juni 2018
  13. VRR AöR, Sachstandsbericht, TOP 2: Infrastrukturbericht, 1. März 2019
  14. Verbandsversammlung des NWL, TOP: Neueinrichtung von Haltepunkten im Rahmen der DB Stationsoffensive in NRW, 4. April 2019
  15. Für ein besseres Angebot im ÖPNV: Verkehrsministerium und Deutsche Bahn vereinbaren Projektliste für Nordrhein-Westfalen. In: deutschebahn.com. Deutsche Bahn AG, 31. Januar 2020, abgerufen am 1. Februar 2020.
  16. Länderliste Nordrhein-Westfalen gemäß LuFV III Anlage 8.7. (PDF) In: deutschebahn.com. Deutsche Bahn AG, 31. Januar 2020, abgerufen am 1. Februar 2020.
  17. Neues S-Bahn-Konzept S-Bahn Rhein-Ruhr