Bailò

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Bailo (Gesandter))
Wechseln zu: Navigation, Suche

Bailo (it. bailò, auch baylo, osmanisch بایلوس, İA balyos) war seit 1082 der Titel des venezianischen Repräsentanten und Hauptes des venezianischen Händlerquartiers in der byzantinischen Hauptstadt Konstantinopel. In abgewandelter Form stand er in richterlicher und diplomatischer Funktion in überwiegend diplomatischen Diensten von 1454 bis 1797 im Osmanischen Reich zur Verfügung. Bailò bzw. Baiulus war aber auch die Bezeichnung des Vertreters venezianischer Handelsinteressen in verschiedenen Städten und an einigen Höfen des Mittelmeerraums.

Das Wort entspricht dem französischen Bailli, dem im deutschen Bereich der Begriff Vogt entspricht, ohne dass die Ämter einander entsprachen (vgl. die amtliche Bezeichnung Bailiwick of Jersey für den britischen Kronbesitz oder die deutsche Bezeichnung Ballei).

Wahl und Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bailo wurde vom Großen Rat zunächst für ein bis zwei Jahre gewählt, ab 1503 für drei Jahre. Er hatte zwei Gehilfen (consiliarii), die ebenfalls von Venedig entsandt wurden. Weitere Baili saßen in Tyros und in Ayas (Lajazzo).

Der Bailo fungierte als administratives Oberhaupt der venezianischen Handelskolonie am Goldenen Horn in Konstantinopel und als deren Vertreter gegenüber der osmanischen Regierung sowie als diplomatischer Vertreter Venedigs. Er war zugleich Konsularbeamter und Richter für Venezianer und für andere Händler, die in der Levante unter venezianischer Flagge segelten. Zu seinen Aufgaben zählte auch die Aufsicht über vier venezianische Kirchen in Konstantinopel, darüber hinaus auch Bemühungen zur Freilassung versklavter Christen.

Mit Ausnahme der Konsuln von Aleppo und Alexandria (Kairo), deren Entsendung sich der Große Rat vorbehielt, bestimmte der Konstantinopler Bailo alle venezianischen Konsuln in der Levante, z. B. 1586 in Izmir, Fochie (Foça), auf Mytilene und in Anatolien, auf Chios, in Gallipoli, Silivri, Palermo oder auf Rhodos.

Alle Baili entstammten dem venezianischen Patriziat, wobei der in Frage kommende Kreis aus rund 100 Personen bestand, einer „Oligarchie innerhalb einer Oligarchie“.

Im 16. Jahrhundert, infolge der schwierigen politischen Situation Venedigs (osmanisch-venezianische Kriege, Übergang der Schutzherrschaft über die katholischen Christen an Frankreich), wurde der Bailò zum wichtigsten diplomatischen Posten der Republik. Das Amt galt als Sprungbrett für höhere kirchliche und weltliche Ämter. Die von den Baili an die Signoria gesandten Berichte (dispacci) sind historisch wertvoll. Die ältesten erhaltenen stammen aus den Jahren 1484 und 1485 und wurden von Pietro Bembo und seinem Sekretär Giovanni Dario abgefasst[1]. Die allgemeinen Erfahrungen und Vorstellungen wurden am Ende des Mandats in den Finalrelazionen dem Senat vorgetragen und schriftlich fixiert. Hier setzt die Überlieferung mit Zusammenfassungen 1496 ein.

Editionen der Berichte der Gesandten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eugenio Albèri (Hrsg.): Relazioni degli Ambasciatori Veneti al Senato, ser. iii: Turchia, 3 Bde, Florenz 1840–1855.
  • Nicolò Barozzi, Guglielmo Berchet (Hrsg.): Le Relazioni degli Stati Europei lette al Senato dagli Ambasciatori Veneti nel secolo decimosettimo, ser. V: Turchia, Venedig 1866, 1872. ([])
  • Filippo Maria Paladini (Hrsg.) Francesco Foscari Dispacci da Costantinopoli 1757-1762, La Malcontenta, Venedig 2007.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Maria Pia Pedani, Elenco S. 17