Baker-Zyste

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Klassifikation nach ICD-10
M71.2 Synovialzyste im Bereich der Kniekehle (Baker-Zyste)
M66.0 Ruptur einer Poplitealzyste
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Als Baker-Zyste wurde ursprünglich die Poplitealzyste (popliteal: zur Kniekehle gehörig) des Rheumatikers bezeichnet. Heute wird der Begriff jedoch meist als Synonym für alle poplitealen Zysten, egal welcher Genese, verwendet. Es ist eine Ausstülpung der dorsalen Gelenkkapsel am Kniegelenk zwischen dem Musculus gastrocnemius (medialer Kopf) und dem Musculus semimembranosus. Sie entsteht meist im Zusammenhang mit einem Schaden innerhalb des Kniegelenkes, beispielsweise bei einer Läsion des medialen Meniskus, einer arthrotischen Knorpelveränderung oder auch einer rheumatoiden Arthritis. Durch chronische Entzündungsvorgänge kommt es zu einer vermehrten Produktion von Gelenkflüssigkeit, wodurch ein Überdruck im Kniegelenk entsteht. Die Gelenkkapsel gibt dann am Ort des geringsten Widerstandes (Locus minoris resistentiae) an o. g. Stelle nach und bildet eine Zyste aus.

Erstbeschreiber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

William Morrant Baker (1839–1896), Chirurg, London.[1][2]

Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwellung, Fluktuation und evtl. Schmerzen in der Kniekehle. Druck auf Nerven und Gefäße in der Kniekehle. Hierdurch können Taubheitsgefühle, Lähmungen und Durchblutungsstörungen im Bereich des Unterschenkels und Fußes entstehen. Eine erhöhte Wahrscheinlichkeit der Entstehung besteht im Zusammenhang mit einer rheumatischen Grunderkrankung. Die Baker-Zyste kann Komplikationen hervorrufen. Bei zu starkem Druck kann sie reißen und so ein Kompartmentsyndrom hervorrufen.

Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Diagnose wird neben der klinisch-manuellen Untersuchung durch Ultraschall (Sonographie) und evtl. eine Kernspintomographie erhärtet; dabei werden auch Differentialdiagnosen, wie Aneurysmen der Popliteal-Arterie oder -vene,[3] ausgeschlossen.

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die operative Entfernung (Resektion) ist nur selten sinnvoll, da die Baker-Zyste durch einen Erguss im Kniegelenk entsteht. Eine kausale Therapie der Baker-Zyste setzt also im Kniegelenk an. Wenn der Schaden im Gelenk behoben wird, kann es zur Rückbildung der Zyste kommen. Ansonsten besteht eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Baker-Zyste nach ihrer Entfernung neu entsteht (Rezidiv). Die Operation birgt – wie jede Operation – ein gewisses Risiko, dass eine Infektion auftritt.[4]

Außerdem kann die Zyste im Normalfall auch bei einem Unfallchirurgen oder Orthopäden durch eine Punktion behandelt oder entfernt werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. M. Baker: The formation of abnormal synovial cysts in connection with the joints. In: St. Bartholomew’s Hospital Reports. Nr. 21. London 1885, S. 177–190 (online).
  2. W. Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 258. Auflage. de Gruyter.
  3. H. H. Keo, S. B. Gretener: Unerwartetes in der Fossa poplitea. In: Schweizerisches Medizin-Forum. 2009. Band 9. Heft 3, S. 61. (PDF; 141 kB)
  4. Stoller, Tirman. Diagnostic Imaging Orthopaedics. Elsevier, Amyrsis
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