Balda

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Balda (Begriffsklärung) aufgeführt.
Stevanato Germany GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1908
Sitz Bad Oeynhausen, Deutschland
Leitung Mauro Stocchi
Mitarbeiter 789 (30. Juni 2015)[1]
Umsatz 85,4 Mio. Euro (2014/15)[1]
Branche Kunststoffverarbeitung
Website www.balda-group.com

Die Stevanato Germany GmbH, die in der Öffentlichkeit als Balda Group auftritt, entwickelt und fertigt Systeme aus Kunststoff für medizinische Geräte sowie Elektronikprodukte. Sie ist eine Tochter der italienischen Stevanato-Gruppe.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Balda Matic II von 1959/1960

Gründung als Kamerahersteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Balda-Werk

Balda wurde 1908 von Max Baldeweg als ein Unternehmen zur Herstellung von Kameras in Dresden gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlegte das Unternehmen seinen Geschäftssitz nach Ostwestfalen. Die Produktion von Kameras endete in den 1980er Jahren angesichts der Konkurrenz aus Fernost. Balda konzentrierte sich auf die Herstellung von Kunststoffteilen.[2]

Das Unternehmen von 1994 bis 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1994 produzierte Balda vor allem für die Telekommunikations-, Automobil- und Medizintechnik. Im Jahr 2000 wurde eine 35.000 Quadratmeter große Produktionsstätte im Bad Oeynhausener Ortsteil Wulferdingsen errichtet.

Seit 1999 wurde die Aktie der Balda AG an der Frankfurter Börse gehandelt. Anfangs im Neuen Markt gelistet, wurde sie bis zum 23. Juni 2008 im SDAX notiert. Vom 4. März 2010 bis zum 22. September 2014 war die Aktie erneut im SDAX gelistet.

Anfang 2007 wurden die in Deutschland ansässigen Tochtergesellschaften Balda Heinze GmbH & Co. KG, HeRo Galvanotechnik GmbH sowie die Sächsische Metall- und Kunststoffveredelungs GmbH an die Hanse Industriekapital-Beteiligungs GmbH mit Sitz in Hamburg verkauft.[3] Ende des Jahres 2007 wurde bekannt, dass auch die Balda Solutions Deutschland GmbH sowie der Balda Werkzeugbau verkauft werden sollten. Als der Verkauf an die Aurelius AG Anfang 2008 scheiterte, musste Balda seine beiden Tochterunternehmen kurzfristig zurückkaufen. Im Mai 2008 gelang dann der Verkauf, abermals an die Hanse Industriekapital-Beteiligungs GmbH.[4]

Zum 31. Dezember 2008 schied der seit dem 14. Oktober 2003 amtierende Vorstandsvorsitzende Joachim Gut aus dem Unternehmen aus. Seine Position übernahm zusätzlich der bisherige Finanzvorstand Dirk Eichelberger. Alleinvorstand Dirk Eichelberger schied im gegenseitigen Einvernehmen mit Abschluss der Hauptversammlung am 3. Juli 2009 aus. Als Finanzvorstand und zunächst auch als Alleinvorstand folgte ihm ab 7. Juli 2009 Rainer Mohr, der zuletzt Finanzvorstand der Sovello AG war.

Von Juli 2009 bis Februar 2011 waren Michael Sienkiewicz Vorstandsvorsitzender der Balda AG und Mohr Finanzvorstand. Am 16. Februar 2011 wurde Rainer Mohr wieder Alleinvorstand[5] Er legte sein Amt jedoch zum 1. Januar 2012 nieder, was mit „unterschiedlichen strategischen Vorstellungen“ begründet wurde. Im folgte Dominik Müser als Vorsitzender des Vorstands und James Lim als Vorstandsmitglied. Lim kümmert sich schwerpunktmäßig um das Segment Electronic Products, das sich in einer Neuausrichtung befindet.[6]

Mit Wirkung zum 1. Dezember 2011 veräußerte Balda die Gesellschaften des früheren Segments MobileCom im Rahmen eines Management-Buy-Out und beendete damit das zuletzt defizitäre Engagement im Mobilfunksektor.

Der Vorstandsvorsitzende Dominik Müser kündigte auf der ordentlichen Hauptversammlung der Balda AG am 11. Mai 2012 an, das Medicalgeschäft durch Akquisitionen zu stärken und vor allem stärker zu internationalisieren. Das Segment Electronic Products soll bis Ende des Jahres 2012 restrukturiert werden und die Ertragswende schaffen. Die Aktionäre beschlossen auf der Hauptversammlung die Umstellung des Bilanzstichtags auf den 30. Juni, so dass im Zeitraum 1. Januar 2012 bis 30. Juni 2012 ein Rumpfgeschäftsjahr eingelegt wird.

Im Sommer 2006 verschaffte sich das Unternehmen durch Beteiligung an TPK Holding (Xiamen, China) Zugang zur Touchscreentechnologie. Die Beteiligung an der TPK Holding wurde später sukzessive reduziert. Im Februar 2012 folgte durch den Verkauf von 20 Millionen Aktien die Verringerung der Beteiligung von 16,1 auf 7,6 %, wobei die Transaktion einen Verkaufserlös von 238 Millionen Euro erbrachte.

Im Geschäftsjahr 2011 erwirtschaftete das Unternehmen einen Konzernumsatz in Höhe von 66,3 Millionen Euro. Weltweit beschäftigte Balda Ende 2013 1178 Mitarbeiter, der überwiegende Teil davon im Segment Electronic Products in Malaysia. In Deutschland beschäftigte der Konzern 217 Mitarbeiter.

Am 23. September 2015 gab die Balda AG bekannt, das gesamte operative Geschäft mit den Tochterunternehmen Balda Medical GmbH & Co. KG und Balda Solutions Malaysia Sdn. Bhd für 66,7 Millionen Euro an den Finanzinvestor Paragon zu verkaufen. Später gab jedoch die Industrieholding Heitkamp & Thumann ein Angebot über 74 Millionen Euro für die operativen Balda-Gesellschaften ab, das die Aktionäre auf der Hauptversammlung am 1. Dezember 2015 annahmen. Auch die italienische Stevanato-Gruppe gab ihr Interesse bekannt. Am 4. Februar 2016 akzeptierte die Balda AG das Übernahmeangebot der Stevanato-Gruppe,[7] die zuletzt 95 Millionen Euro geboten hatten.

Nachfolgegesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Börsenmantel der Balda AG wurde am 8. April 2016 in Clere AG umbenannt,[8] diese ist heute im Bereich der Erneuerbaren Energien aktiv. Das ehemalige Kerngeschäft von Balda wird von der Stevanato Germany GmbH weitergeführt.

Segmente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medizintechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegenstand ist die Entwicklung und Fertigung von Kunststoffprodukten für die Marktsegmente Pharmazie, Diagnostik und Medizintechnik.

Electronic Products[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In diesem Segment entwickelt und produziert die Balda Group Elektronikprodukte. Abnehmer waren Hersteller und Vertriebsgesellschaften der Kommunikations- und Unterhaltungselektronik.

Unternehmen innerhalb der Unternehmensgruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Balda Medical GmbH & Co. KG (Medical)
  • Balda Solutions Malaysia Sdn. Bhd (Electronics)

Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
Umsatz
in Mio
60,0 160,3 158,6 198,4 272,9 377,7 397,2 157,4 257,4 283,9 138,96 141,4
Überschuss/Fehlbetrag
in Mio
0,3 13,6 1,1 4,6 11,6 28,0 33,4 -15,4 -8,4 -14,2 46,4 94,4
Mitarbeiter* 624 1.628 1.980 2.919 3.599 5.532 8.044 6.131 7.218 4.861 4.505 2.455

Stand: 31. Dezember 2010[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Geschäftsbericht Balda-Konzern 2014/15 (PDF) abgerufen am 1. Dezember 2015
  2. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 9. März 2008, S. 55
  3. Balda in Finanznöten. Heise Newsticker, 5. März 2008; abgerufen am 12. August 2013
  4. Balda verkauft deutsches Handyschalen Geschäft zum zweiten Mal. Heise Newsticker, 13. Mai 2008; abgerufen am 12. August 2013
  5. Balda-Chef gibt auf. Neue Westfälische, 16. Februar 2011; abgerufen am 16. Februar 2011
  6. Personalie: Balda Alleinvorstand geht. Handelsblatt, 29. November 2011, abgerufen am 19. November 2013.
  7. EQS Group AG, Munich, Germany: Balda AG: Balda nimmt Übernahmeangebot der Stevanato-Gruppe an - dgap.de. In: www.dgap.de. Abgerufen am 2. Mai 2016.
  8. EQS Group AG, Munich, Germany: Balda AG: Aus Balda AG wird Clere AG - dgap.de. In: www.dgap.de. Abgerufen am 2. Mai 2016.
  9. Geschäftsberichte (1999–2010) der Balda AG

Koordinaten: 52° 14′ 35″ N, 8° 44′ 43,7″ O