Baldham

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Baldham
Gemeinde Vaterstetten
Koordinaten: 48° 6′ 53″ N, 11° 47′ 48″ O
Höhe: 540 m
Fläche: 14,68 km²
Einwohner: 9200 (1. Jan. 2000)
Bevölkerungsdichte: 627 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Postleitzahl: 85598
Vorwahl: 08106
Karte
Katholische Filialkirche St. Korbinian,
ehemals St. Magdalena

Baldham ist ein Gemeindeteil von Vaterstetten im oberbayerischen Landkreis Ebersberg. Es befindet sich ca. 18 km östlich der Landeshauptstadt München und 15 km westlich der Kreisstadt Ebersberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vaterstetten liegt in der Region München am Übergang der Münchner Schotterebene zum Ebersberger Forst.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ursprüngliche Teil von Baldham ist das bis heute kaum veränderte „Baldham Dorf“. Es hat ungefähr 800 Einwohner, von denen die meisten alteingesessenen Familien angehören. Heute wohnt der Großteil der Bevölkerung im zwei Kilometer entfernten Neubaugebiet rund um die S-Bahn-Haltestelle Baldham. Der Haltepunkt trug stark zur rasanten Einwohnerentwicklung Baldhams bei. Zahlreiche Menschen siedelten sich dort wegen der Kombination aus verkehrsgünstiger Lage in der Nähe der Stadt München, dem Gartenstadtcharakter des Ortes sowie den damals trotzdem vergleichsweise günstigen Mieten an. Dieser große Teil Baldhams ist durchgängig mit Vaterstetten zusammengewachsen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutige Gemeinde Vaterstetten entstand erst mit der Gemeindegebietsreform 1978. Zuvor bildete Vaterstetten zusammen mit den heutigen Ortsteilen Hergolding, Neufarn, Parsdorf, Purfing und Weißenfeld die Gemeinde Parsdorf. Der Ortsteil Waldkolonie Pöring wurde am 1. Mai 1978 aus der damaligen Gemeinde Pöring, die Ortsteile Neubaldham und Kolonie Baldham aus der Gemeinde Zorneding aus- und in die Gemeinde Parsdorf eingegliedert. Am 2. Mai 1978, also nur einen Tag später, erfolgte die Umbenennung der Gemeinde von „Parsdorf“ in „Vaterstetten“, da sich der Siedlungsschwerpunkt schon seit langer Zeit in den Ortschaften Vaterstetten und Baldham herausgebildet hatte.[1]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schultyp Name gerundete Schülerzahl
Grundschule Grundschule an der Gluckstraße 200
Grundschule Grundschule an der Brunnenstraße 200
Realschule Staatliche Realschule Vaterstetten 1100
Mittelschule Mittelschule Vaterstetten 200
Gymnasium Humboldt-Gymnasium Vaterstetten 1600

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baldham liegt an der B 304 und verfügt über eine S-Bahn-Station.

Die S-Bahnlinien S4 und S6 verkehren zu Pendlerzeiten im 10-Minuten-Takt in die Innenstadt Münchens (zum Marienplatz ca. 22 Minuten). Baldham ist in den regionalen Nahverkehr über den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) eingebunden. Das Dorf Baldham verfügt über die Bushaltestelle „Baldham Dorf“.

Baldham verfügt über die fünf MVV-Regionalbuslinien 240V, 451, 452, 465 und 466.

Die nahe gelegenen Autobahnen werden über die Anschlussstellen Haar (A 99) und Parsdorf (A 94) erreicht. Zum Flughafen München sind es ca. 42 km.

Thorak Atelier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Kolonie Baldham wurde vor Beginn des Zweiten Weltkriegs als Standort für das Atelier von Hitlers Bildhauer Josef Thorak gewählt. Das von Albert Speer zwischen 1938 und 1941 errichtete Gebäude (heute Waldstraße 17) besteht aus einem zentralen Baukörper mit einer Höhe von 18 Meter und einer Grundfläche von 700 m². An der Frontseite öffnen sich drei gewaltige Tore von 11,8 m Höhe, die den Monumentalstatuen Durchgang gewähren sollten. Die drei anderen Seiten des Zentralbaus sind von einem niedrigen Anbau umschlossen.

Am 5. Mai 1945 trafen sich hier die Delegationen der deutschen Heeresgruppe G und der 7. US-Armee, um über die Kapitulation der gut 200 000 deutschen Soldaten in Süddeutschland zu verhandeln. In der Kapitulationsurkunde ist jedoch die Nachbargemeinde Haar als Ort der Unterzeichnung angegeben; der tatsächliche Ort der Unterzeichnung ist bis heute trotz guter Quellenlage nicht unstrittig.[2]

Nach 1945 diente das Gebäude den Amerikanern als Garage und Offizierskasino und bekam wegen Thoraks Pferdeskulpturen den Beinamen „White Horse Inn“. Die Skulpturen hatten die Amerikaner im Park aufgestellt und bei ihrem Abzug 1947 zerschossen. Anschließend war bis 1954 die Baldhamer Waldschule dort untergebracht. Dann nutzte die KG Divina-Film GmbH & Co. (ursprünglich Diana-Film) von Ilse Kubaschewski das Gelände als Divina-Studio Baldham. Von 1963 bis 1983 war das Gebäude Kulissenlager der Bayerischen Staatsoper.

1989 übernahm das Denkmalamt das Gebäude als Depot. Es steht unter Denkmalschutz[3] und wird heute von der Archäologischen Staatssammlung genutzt.[4]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baldham ist Heimatort des Baseball-Clubs Baldham Boars sowie des Sportclubs SC Baldham-Vaterstetten für Fußball, Tennis und Tischtennis.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 572.
  2. Die Kapitulation von Haar in Süddeutsche Zeitung vom 4. Mai 2015
  3. Geodaten Bayern: Denkmäler in Vaterstetten
  4. Thorak-Atelier: "Für Lagerräume viel zu schade" im Münchner Merkur vom 10. September 2010

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Gnuva und Dorul van der Heide (Illustrationen): Zorneding – Ein Heimatbuch. Herausgegeben von Bernhard Marc im Auftrag des Kulturvereins Zorneding–Baldham e. V. 1971, 142 Seiten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Baldham – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien