Balkrishna Vithaldas Doshi

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BV Doshi (2013)

Balkrishna Vithaldas Doshi (* 26. August 1927 in Pune, Maharashtra) ist ein indischer Architekt.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Indian Institute of Management in Bangalore von 1963 (2006)
Amdavad ni Gufa, unterirdische Kunstgalerie in Ahmedabad (Foto 2012)

Doshi wurde stark von Le Corbusier beeinflusst, in dessen Büro er Anfang der 1950er Jahre in Europa und von 1954 bis 1957 in Ahmedabad mitarbeitete, wo er die Bauleitungen für vier von Le Corbusier geplante Industriellenvillen übernahm, darunter das Sarabhai House von Vikram Sarabhai in Ahmedabad. Diese übten einen wichtigen Einfluss auf seine ersten unabhängigen Arbeiten aus, mit denen er parallel dazu in seinem eigenen Architekturbüro Vastu-Shilpa begann.

Seine ersten Planungen waren eine Wohnsiedlung für Textilarbeiter in Ahmedabad (1957–1960) und 1963 das Indian Institute of Management in Bangalore. Die Gebäude sind zweistöckig aus Natursteinmauerwerk. Das monotone Grau wird strukturiert durch den Lichteinfall, der in den offenen und mit Steingebälk teilweise überdeckten Innenhöfen Schatten wirft.[1] Häufig verwendete Doshi Tonnengewölbe, wie beim Sangah, seinem eigenen Büro und Sitz der Vastu-Shilpa-Stiftung (die Stiftung unternimmt Forschungen im Umweltbereich), fertiggestellt 1981. Die weißen Betonschalen erinnern an die Tonnendächer der frühesten buddhistischen Höhlenklöster oder an Erdhügel. Die Gartenanlage ist harmonisch durch Terrassen, Wasserkanäle und Bäume gestaltet.[2]

Als Stadtplaner gestaltete Doshi 1984–1986 Vidyadhar Nagar, einen Vorort von Jaipur. Die Stadt wird als architektonisches Beispiel zitiert, da sie als Gesamtanlage im 18. Jahrhundert streng nach den Grundsätzen des Vastu Vidya errichtet worden war. In Doshis Konzept wird der Versuch sichtbar, eine Synthese zwischen dem reformistischen Urbanismus Le Corbusiers und dessen Betonung von Natur und Sonne mit der Tradition von Höfen und engen Straßen zu verbinden. Er übernimmt das von seinem Vorgänger im 18. Jahrhundert angewandte 9-Felder-Diagramm des Vastu Purusha Mandala und reinterpretiert in zeitgemäßer Sprache Dimensionen und soziale Aufteilung bis hin zur Fassadengestaltung. Im Gespräch beklagte er die uniforme Architektur der Moderne und vermisst darin die mythische Welt des Urmenschen.[3] Ein anderer Gebrauch des Vastu Purusha Mandala ist der Entwurf für das Computer Science and Engineering Department 1994 am Indian Institute of Technology in Mumbai, wobei er das Diagramm in diesem Fall eher rituell denn wörtlich einsetzt. Durch die Einbeziehung natürlicher Gegebenheiten als Teil des Konzeptes, etwa durch die Nutzung der Häuser selbst als Schattenspender oder der Ausrichtung entlang des Tagesgangs der Sonne, benötigen die Gebäude z. B. keine Klimaanlage und sind damit auch energetisch nachhaltig.[4]

Im Jahr 1989 plante und baute Doshi in Indore das Aranya Low Cost Housing, eine bezahlbare Wohnanlage mit 6500 Wohneinheiten, in der im Jahr 2017 bereits mehr als 80.000 Menschen lebten. Die Wohnungen reichen von einfachen Zimmern bis hin zu großzügig dimensionierten und luxuriös ausgestatteten Räumen.[5] Nach seiner Motivation gefragt, Bauten für Menschen zu erreichten, die sich ihrer bemächtigen können, lautet seine Antwort „Wenn du keine Ehrfurcht hast, dann brauchst du gar nicht erst zu bauen“.[6]

Im März 2018 wurde Doshi mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet.[7] Die Jury begründete ihre Entscheidung wie folgt: Doshi habe einen „tiefen Verantwortungssinn und das Verlangen, für sein Land und dessen Menschen durch authentische Architektur von höchster Qualität einen Beitrag zu leisten“.[5]

Er lebt seit den 1950er Jahren in Ahmedabad.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Balkrishna Doshi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vikram Bhatt, Peter Scriver: After the Masters. Contemporary Indian Architecture. Mapin Publishing, Ahmedabad 1990, S. 64–67.
  2. Ashish Nangia: Post Colonial India and its Architecture II: Balkrishna V Doshi – The Mythical and the Modern. Bolojii.com. Abgerufen am 17. April 2019 (englisch).
  3. Doshi in: William Curtis: Balkrishna Doshi. An Architecture for India. 1988, S. 165. Nach: Vibhuti Chakrabarti: Indian Architectural Theory. Contemporary Uses of Vastu Vidya. Curzon Press, Richmond 1998, S. 28, allg. S. 91.
  4. Philipp Löwe: Ermächtigungsarchitektur: Herr Doshi baut eine bessere Welt. In: Spiegel Online. 17. April 2019 (spiegel.de [abgerufen am 24. April 2019]).
  5. a b Pritzker-Preis geht an Balkrishna Doshi. In: Tagesspiegel, 8. März 2018.
  6. Philipp Löwe: Ermächtigungsarchitektur: Herr Doshi baut eine bessere Welt. In: Spiegel Online. 17. April 2019 (spiegel.de [abgerufen am 24. April 2019]).
  7. Laureates: Balkrishna Doshi. In: Website des Pritzker Architecture Prize. Abgerufen am 7. März 2018 (englisch).
  8. Noted architect narrates life in pols. In: The Times of India, 18. Dezember 2010 (englisch).