Ballhaus Watzke

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Das Ballhaus Watzke, von der Leipziger Straße aus gesehen

Das Ballhaus Watzke (Eigenbezeichnung: Ball- & Brauhaus Watzke) in Dresden an der Ecke Leipziger Straße und Kötzschenbroder Straße im Stadtteil Mickten (Ortsamt Pieschen) ist ein Ende des 19. Jahrhunderts errichtetes Restaurant mit einem Ballsaal im Obergeschoss und einer hauseigenen Brauerei, das heute unter Denkmalschutz steht.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ballhaus Watzke, von der Leipziger Straße aus gesehen

Um 1790 entstand im Dorf Pieschen bei Dresden als erstes Gebäude außerhalb des Dorfkerns eine Bauernschänke, die 1804 aufgestockt und vergrößert wurde. In diesem Haus betrieb der Häusler Gottlob Dietzen eine Branntwein-Brennerei. Dietzen erhielt aber keine Schankgenehmigung und verschuldete sich so, dass sein Haus für 855 Taler versteigert werden musste.[2] Käufer war der Brauer Gottlob Wilhelm Hübner. Dieser erhielt 1814 die Schankerlaubnis für „Branntwein, Dresdner Stadtbier und Wein“ und richtete eine Gastwirtschaft ein.

Am 27. Juli 1838 erwarb der Branntweinbrenner Karl Joseph Watzke die Schankwirtschaft einschließlich der Schank-Konzession. Er gab ihr den Namen Watzke's Garten-Restaurant mit Elbterrasse.[2] Das Restaurant blieb im Familienbesitz und wurde mehrfach erweitert. Um im Jahr 1898, ein Jahr nach der Eingemeindung Pieschens nach Dresden, der stark wachsenden Bevölkerung in diesem Stadtteil Rechnung zu tragen, wurde die alte Wirtschaft abgerissen und durch Gustav Paul Watzke (dem Enkel des ersten Watzke-Wirts) ein Ballhaus mit großem Ballsaal im Obergeschoss aufgebaut. Es steht an der Kötzschenbroder Straße 1, die in Nachbarschaft zum Dorfkern Altpieschen liegt, jedoch schon zu Mickten gehört. Das Haus im Neo-Empire-Stil[3] erhielt den Namen Watzke’s Concert- und Balletablissement. Architekt war Benno Hübel, die Deckenmalerei im Saal stammt von Emil Schulz. Mit 770 Plätzen verfügte das Haus über einen der größten Säle der Stadt Dresden.[4] Nachdem Paul Watzke 1914 zum Militär eingezogen worden war, diente das Haus zeitweise als Soldatenunterkunft.

Nach dem Tod Paul Watzkes im Jahr 1937 übernahm seine Frau Alma den Betrieb der Wirtschaft. Dieser musste mit Kriegsausbruch aber bereits wieder eingestellt werden, die Räume dienten erneut als Soldatenunterkunft. Da der Bereich am Pieschener Winkel zum großen Teilen von Kriegszerstörungen verschont geblieben war, zog es schon im Sommer 1945 wieder zahlreiche Dresdner in die neu eröffnete Watzke-Gaststätte. Im Ballsaal im Obergeschoss wurde außerdem ein tägliches Varieté-Programm geboten. Bereits fünf Jahre später musste die Gaststätte wieder schließen, da sie dem Wettbewerb mit staatlich subventionierten HO-Gaststätten nicht standhalten konnte. Bis zur Wende wurde das Haus nur als Lager für HO-Sportartikel genutzt.

Nach einer denkmalgerechten Sanierung in den Jahren 1993 bis 1996 wurde das Ballhaus Watzke durch Rudi Vogel aus Karlsruhe wiedereröffnet. Bestandteile sind dabei verschiedene Gasträume, eine Hausbrauerei im Erdgeschoss und der Ballsaal im Obergeschoss. Bei der Jahrhundertflut in Sachsen im August 2002 wurde das Ballhaus beschädigt und musste vorübergehend schließen, konnte aber nach sechs Monaten wieder öffnen. Zum Gasthaus gehört auch ein Biergarten direkt am Elbufer, von dem man einen Blick auf die Dresdner Altstadt hat.

Brauhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ballhaus nach einem Farbbeutelanschlag nach der Höcke-Rede

Neben dem Stammhaus in Mickten betreibt die Hausbräu im Ballhaus Watzke GmbH noch einen Brauereiausschank auf der Hauptstraße in Dresdens Innerer Neustadt und seit April 2012 auf dem Dr.-Külz-Ring in der Altstadt.[5]

Mit seiner Eigenwerbung als „Dresdens schönstes Ball- und Brauhaus“ konkurriert das Ballhaus Watzke mit dem ebenfalls in Elbnähe befindlichen Brauhaus am Waldschlösschen in der Radeberger Vorstadt, das für sich als „Dresdens schönstes Brauhaus“ wirbt.

Am 17. Januar 2017 hielt der AfD-Politiker Björn Höcke im Ballhaus Watzke eine Rede, die bundesweit für Aufsehen sorgte.[6] Die Kritik richtete sich auch gegen das Ballhaus, das seine „mangelnde Vorabprüfung zutiefst“ bedauerte.[7] Bereits zuvor waren Räumlichkeiten rechtskonservativen Gruppen zur Verfügung gestellt worden.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ballhaus Watzke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Themenstadtplan Dresden
  2. a b Monika Dänhardt: Als im Watzke die Soldaten campierten. In: Sächsische Zeitung. 27. Juli 2013 (kostenpflichtig online [abgerufen am 29. Juli 2013]).
  3. Dietrich Höllhuber: Dresden. S. 84, Erlangen, 2008.
  4. Dieter Zumpe: Dresden – Stadt der Künste. S. 136, München, 2009.
  5. Informationen zum Watzke Brauereiausschank am Ring, abgerufen am 24. März 2014.
  6. Höcke nennt Holocaust-Mahnmal "Denkmal der Schande". In: Deutschlandfunk. 18. Januar 2017, abgerufen am 18. Januar 2017.
  7. Peter Maxwill: Holocaust-Rede: Höcke, der unfreiwillige Flüchtlingshelfer. In: Spiegel Online. 19. Januar 2017, abgerufen am 19. Januar 2017.
  8. Staatsschutz ermittelt – Nach Höcke-Rede in Dresden – Farbwurfattacke auf Ballhaus Watzke. In: dnn.de. 19. Januar 2017, abgerufen am 21. Januar 2017.

Koordinaten: 51° 4′ 39″ N, 13° 42′ 57″ O