Baltische Binse

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Baltische Binse
Baltische Binse (Juncus balticus), Illustration

Baltische Binse (Juncus balticus), Illustration

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Binsengewächse (Juncaceae)
Gattung: Binsen (Juncus)
Art: Baltische Binse
Wissenschaftlicher Name
Juncus balticus
Willd.

Die Baltische Binse (Juncus balticus Willd.; Syn.: Juncus arcticus subsp. balticus (Willd.) Hyl.) ist eine an Stränden wachsende Pflanzenart aus der Familie der Binsengewächse (Juncaceae).

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Baltische Binse ist eine ausdauernde, krautige Pflanze. Sie erreicht Wuchshöhen von 25 bis 75 cm. Sie besitzt ein weit kriechendes, schwach verzweigtes Rhizom mit über 1 cm langen Internodien. Sie bildete lockere Rasen und ist blaugrün.

Die Stängel stehen deutlich voneinander entfernt in einer Reihe, sind starr aufrecht, glatt und glänzend. Das Mark ist unterbrochen. Am Grund der Stängel befinden sich strohfarbene bis hellbraune, spreitenlose Blattscheiden.

Der Blütenstand steht scheinbar seitenständig im oberen Stängeldrittel. Er ist locker-spirrig und reichblütig mit 25 bis 60, selten bis 80 Blüten und mit 4 bis 8 cm langen Ästen. Das untere Hüllblatt setzt den Stängel fort, ist ein Fünftel bis ein Drittel so lang wie der Stängel und überragt die Spirre weit. Es ist starr und spitz. Die Blüten haben am Grund zwei breit-eiförmige, stumpfe, kleine Vorblätter. Die Perigonblätter sind 3,2 bis 4,7 mm lang, rot- bis kastanienbraun mit einem grünen Mittelstreifen und einem weißen Hautrand. Die äußeren Perigonblätter sind fein zugespitzt und etwas länger als die inneren. Diese sind nur spitzlich. Die sechs Staubblätter sind bis halb so lang wie die Perigonblätter. Die Antheren sind 0,8 bis 1,5 mm lang und 1,5 bis 2 mal so lang wie die Staubfäden. Der Griffel ist 0,8 bis 1 mm lang, die Narben sind 1,5 bis 2 mm lang und aufrecht. Blütezeit ist Juni bis August, die Bestäubung erfolgt durch den Wind (Anemophilie).

Die Kapselfrucht ist 3 bis 4,5 mm lang, dabei gleich lang oder etwas länger als die Perigonblätter. Sie ist dreikantig-eiförmig, stumpflich mit einer kurzen, aufgesetzten Stachelspitze. Die Oberfläche ist hellbraun und glänzend. Die Samen sind 0,8 bis 1 mm lang, schmal-eiförmig und haben zwei sehr kleine Anhängsel.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 80.[1]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet der Baltischen Binse ist Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika.[2] Die Baltische Binse ist an der Ostseeküste häufig, auf Borkum auf den Westfriesischen Inseln kommt sie selten vor. Sie wächst auf Strandwiesen und in Dünentälern auf torfigem Sandboden. Sie ist salzertragend.

Pflanzensoziologisch ist sie eine Assoziationscharakterart des Junco baltici-Schoenetum nigricantis (Caricion davallianae) und kommt auch im Ericion tetralicis vor.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man kann die folgenden sieben Unterarten unterscheiden[2]  :

  • Juncus balticus subsp. andicola (Hook.) Snogerup: Sie kommt vom Mexiko bis Guatemala und im westlichen und südlichen Südamerika vor.[2]
  • Juncus balticus subsp. ater (Rydb.) Snogerup: Sie kommt von Nordamerika bis Guatemala vor.[2]
  • Juncus balticus subsp. balticus: Sie kommt in Nordeuropa vor.[2]
  • Juncus balticus subsp. cantabricus (T.E.Díaz, Fern.-Carv. & Fern.Prieto) Snogerup: Sie kommt in Spanien vor.[2]
  • Juncus balticus subsp. littoralis (Engelm.) Snogerup: Sie kommt in Kanada und in den nördlichen Vereinigten Staaten vor.[2]
  • Juncus balticus subsp. mexicanus (Willd. ex Schult. & Schult.f.) Snogerup: Sie kommt von den Vereinigten Staaten bis Mittelamerika und von Peru bis ins südliche Südamerika vor.[2]
  • Juncus balticus subsp. pyrenaeus (Timb.-Lagr. & Jeanb.) P.Fourn.: Sie kommt von den Pyrenäen bis zur Sierra de Gúdar in Spanien vor.[2]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv (CD-Rom), Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2001/2002, ISBN 3-494-01327-6

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 149.
  2. a b c d e f g h i Rafaël Govaerts (Hrsg.): Juncus - Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 8. Oktober 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Juncus balticus – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien