Bamenohl

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Bamenohl
Gemeinde Finnentrop
Koordinaten: 51° 9′ 55″ N, 7° 59′ 3″ O
Höhe: 237–320 m ü. NHN
Einwohner: 2896 (31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 57413
Vorwahl: 02721
Bamenohl (Kreis Olpe)
Bamenohl

Lage von Bamenohl in Kreis Olpe

Ortskern mit St. Joseph im Zentrum und Schloss im Vordergrund
Ortskern mit St. Joseph im Zentrum und Schloss im Vordergrund

Bamenohl ist ein Ortsteil der Gemeinde Finnentrop im Kreis Olpe, Nordrhein-Westfalen im südlichen Teil des Sauerlandes mit rund 2.900 Einwohnern.

Geografie und Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt zwischen Finnentrop und Grevenbrück an der Bundesstraße 236. Er wird durch die im Jahr 1861 eröffnete Ruhr-Sieg-Strecke, die Lenne und die Bundesstraße geteilt. Nachbarorte von Bamenohl sind, neben den Genannten: Altfinnentrop, Dünschede/Silbecke, Sporke und Weringhausen. Die höchste Erhebung ist der Dumberg an der südlichen Ortsgrenze mit 406 m. Der Ort liegt im Rheinischen Schiefergebirge, ein Großteil in der Attendorn-Elsper Doppelmulde.

Herkunft und genaue Bedeutung des Namens sind unklar. Im Zusammenhang mit der 2004 herausgegebenen Ortschronik wurden bei der Recherche über 25 verschiedene Schreibweisen für Bamenohl gefunden. Unstrittig ist dabei die Umschreibung für eine feuchte Gegend mit dem Wortteil „-ohl“.[2][3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte von Bamenohl ist bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sehr eng mit Haus Bamenohl verbunden. Da keinerlei ursprüngliche Lehnsabhängigkeit des Rittergutes Bamenohl nachweisbar ist, handelte es sich vermutlich um ein Allod. Wahrscheinlich bestanden die Besitzungen schon in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts durch Erbteilung im Hause der von Hundem gt. Pepersack aus zwei Hälften.[4]

14. und 15. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach neuesten Erkenntnissen wird Bamenohl am 5. März 1324 erstmals urkundlich erwähnt[5]: Herbord Vogt von Heyen überlässt dem Grafen Wilhelm von Arnsberg seinen Eigenhörigen Conradum (Konrad), den Sohn des Dietrich von Adorpe[6] und erhält dafür im Tausch den Gobelinus von Bawenole inferiore (Nieder-Bamenohl). Bei Herbordus von Heyen handelt es sich um eine Person, die zur fraglichen Zeit in mehreren Urkunden vorkommt, wie auch die Heggener Dorfchronik[7] belegt. Einer der Brüder des Herbord war Franco, der einen Sohn Heidenreich hatte, der in zweiter Ehe mit der Beleke von Hundem genannt Pepersack verheiratet war. Durch diese Heirat kam er bzw. die Familie von Heygen in den Besitz bzw. Teilbesitz von Haus Bamenohl.

Zum zweiten Mal wird am 10. Oktober 1362 ein Kotten oppe dem Borne zu Bamenohl erwähnt, im Zusammenhang mit dem Wedemhof und der Kapelle zu Oberbamenohl.[8] Vermutlich lag dieser Kotten unmittelbar südöstlich des Hauses Bamenohl. Da die von Hundem in der genannten Urkunde dem Pastor in Schönholthausen, Gerd von Elspe, einen ihnen in Oberbamenohl gehörenden Kotten vermachten, war vermutlich schon vor 1362 mindestens ein Zweig der Familie in Bamenohl mit einem adeligen Haus ansässig. Denn in der Urkunde von 1324 wurde bereits zwischen Ober- und Niederbamenohl unterschieden, was bedeutete, dass lenneaufwärts Ober- und -abwärts Nieder-Bamenohl gemeint war.

16. bis 18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1573, Herzogtum Westfalen von Christian Sgrothen im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen

Ein Schatzungsregister von 1543 gibt ungefähre Anhaltspunkte über die damalige Größe. Demnach gab es zu dieser Zeit in Bamenohl und Weringhausen insgesamt zwölf Schatzpflichtige[9], was in etwa der Zahl der vorhandenen Familien bzw. Häusern entsprochen haben dürfte. Über die Jahrhunderte bestand Bamenohl nur aus dem Schloss und vier immer wieder genannten Höfen, deren Lehnsherren die jeweiligen Besitzer des Hauses Bamenohl waren.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1899, Haus Bamenohl mit Gleis der Kalkwerksbahn

Im Zuge der Kommunalen Neuordnung Nordrhein-Westfalens 1969 hatte der Rat der bis zum 30. Juni 1969 bestehenden Gemeinde Schönholthausen beschlossen[10], dass Finnentrop als Zentralort ausgewiesen und die Orte Bamenohl und Weringhausen unter Fortfall ihrer Ortsnamen eingegliedert werden sollten. Ziel war die Verleihung der Bezeichnung „Stadt“. Nachdem dieses Ziel mangels „städtischen Erscheinungsbildes“ nicht erreicht werden konnte und die Empörung der Bamenohler und Weringhauser Bevölkerung wegen des Wegfalls der historischen Ortsnamen immer größer wurde, beschloss der Rat am 21. September 1982, die alten Ortsnamen wieder einzuführen. Dabei verlor Bamenohl allerdings einen großen Teil seiner Ortsfläche an Finnentrop.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Bau der Ruhr-Sieg-Eisenbahn und der einsetzenden Industrialisierung in den Nachbarorten wuchs die Bevölkerung von ca. 90 Personen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts über 1.400 zu Beginn des Zweiten Weltkriegs auf 2.884 im Jahr 1961 und lag Ende 2016 bei 2.867.[1]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007, Pfarrkirche St. Joseph Bamenohl

Die Mehrheit der Bamenohler Bevölkerung ist katholischen Glaubens. Einzige Kirche im Ort ist die Pfarrkirche St. Joseph, die 1926 eingeweiht wurde. Erster Pastor für die neue katholische Pfarrgemeinde Bamenohl-Weringhausen war Franz Zeppenfeld, der in der zur Notkirche umfunktionierten Schützenhalle am 13. Dezember 1901 die erste Heilige Messe hielt. Die Pfarrgemeinde St. Joseph Bamenohl-Weringhausen gehört heute zum Erzbistum (bis 1930 Bistum) Paderborn, zum Dekanat Südsauerland und zum Pastoralverbund Bigge-Lenne-Fretter-Tal.

Eine weitere Kapelle gehörte zu Haus Bamenohl: Die Albinus-Kapelle wurde 1647 erbaut und in den frühen 1930er Jahren abgebrochen. Dass diese nicht der erste zum Schloss gehörende Kirchenbau war, geht aus einer Urkunde vom 28. Mai 1379 hervor, wonach der Pastor von Schönholthausen, Gerd von Elspe, sich verpflichtet, am Fest Kreuzerhöhung (14. September) und am Fest der Kirchenpatrone dieser Kapelle eine Heilige Messe in Bamenohl zu lesen. Das Haus Bamenohl hatte außerdem das Patronat über die Kirchen St. Jakobus in Elspe und St. Hippolytus in Helden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1958, Walzwerk und Verzinkerei Mannesmann

Wirtschaftliche Bedeutung erhielt Bamenohl erst mit der Industrialisierung. Größter Arbeitgeber war im 20. Jahrhundert die aus einem 1867 von Sondern bei Olpe hierher verlegten Walzwerk hervorgegangene Firma Wolf Netter & Jacobi, ab 1938 Mannesmann, heute ThyssenKrupp, deren größter Teil des Werksareals auf Bamenohler Gebiet lag. Bedeutend war aber auch für fast ein Jahrhundert die Kalkindustrie. Die in Bamenohl befindlichen Kalksteinvorkommen wurden zwischen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dem Jahr 1958 in industriellem Maßstab abgebaut und verarbeitet.[12] Heute verdient trotz mehrerer Warenhäuser, Einzelhandelsgeschäfte, Versicherungen und der eisenverarbeitenden Industrie ein großer Bevölkerungsteil sein Einkommen außerhalb Bamenohls.

Bamenohl liegt an der Bundesstraße 236, ca. 25 km entfernt ist die Bundesautobahn 45 über die Anschlussstelle Olpe zu erreichen. Nächster Bahnhof ist Finnentrop an der Ruhr-Sieg-Strecke bzw. der Biggetalbahn.

Debatte um strittige Straßennamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bamenohl wurden in den 1960er Jahren zwei Straßen nach den Schriftstellerinnen Maria Kahle und Josefa Berens-Totenohl benannt. Wegen deren Nähe zum Nationalsozialismus sind die beiden Straßenbezeichnungen umstritten. Nachdem das Christine Koch-Mundartarchiv am Museum in Eslohe Anfang 2013 diese Problematik auf der Basis eines Beitrags des Publizisten Peter Bürger aufgegriffen hat,[13] kam es im Hochsauerlandkreis zu Straßennamensdebatten und auch zu Änderungen von Straßenbezeichnungen. Der Rat der Gemeinde Finnentrop hat im Juli 2013 eine Umbenennung der besagten Straßen in Bamenohl abgelehnt, nachdem sich die Straßenbewohner mehrheitlich für eine Beibehaltung der Namen ausgesprochen hatten. Der Ratsbeschluss wurde von dem Theologen Professor Dr. Hubertus Halbfas kritisiert, weil nach seiner Kenntnis eine umfassende Aufklärung der Befragten über die NS-Vergangenheit der Schriftstellerinnen unterblieb und es im übrigen nicht tragbar sei, einerseits das NS-Opfer Pater Kilian Kirchhoff mit einer entsprechenden Straßenbezeichnung im Ortsteil Finnentrop-Rönkhausen zu ehren und andererseits Straßennamen nach Nazianhängern wie Maria Kahle und Josefa Berens-Totenohl beizubehalten [14]

Nachdem in der erneut entstandenen Debatte ein Einvernehmen der im Rat der Gemeinde Finnentrop vertretenen Parteien zunächst nicht zustande gekommen war, setzte sich auch vor dem Hintergrund der neueren negativen Erkenntnisse über die Dichterinnen bei den Verantwortlichen die Auffassung durch, dass eine Umbenennung der strittigen Straßennamen zur Beendigung der negativen Debatten notwendig sei. Die neuen Straßennamen sollen sich nach dem Willen der Anwohner nicht mehr an Personen, sondern neutral an alten Gemarkungen orientieren.[15] Entsprechend hat der Rat der Gemeinde Finnentrop am 8. April 2014 beschlossen, die bisherige Josefa-Berens-Straße in "Alte Mark" und die Maria-Kahle-Straße in "An der Legge" umzubenennen.[16]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Findbuch des Archivs von Haus Bamenohl. In: www.archive.nrw.de. Vereinigte Westfälische Adelsarchive e.V., abgerufen am 22. Januar 2018.
  • Depositum Lehnen im Kreisarchiv Olpe.
  • Pfarrarchiv Schönholthausen Pfarrarchiv Schönholthausen FINDBUCH (PDF)
  • Helmut Lehnen (Red.): Bamenohl – Unser Dorf. Dorfchronik, hrsg. v. Schützenverein Bamenohl von 1879 e.V., Finnentrop-Bamenohl 2004 (mit ausführlichen Quellenangaben).
  • Walter Stirnberg: Untersuchung der von Plettenberg zu Bamenohl und Serkenrode. Schwerte 1991.
  • Albert K. Hömberg: Geschichtliche Nachrichten über Adelssitze und Rittergüter im Herzogtum Westfalen. Veröffentlichungen der Historischen Kommission Westfalen, XXXIII. Heft 9: Kirchspiele Attendorn und Helden, Städte Drolshagen und Olpe. Münster 1975.
  • Albert K. Hömberg: Geschichtliche Nachrichten über Adelssitze und Rittergüter im Herzogtum Westfalen. Veröffentlichungen der Historischen Kommission Westfalen, XXXIII. Heft 10: Kirchspiele Elspe, Förde, Kirchhundem, Kirchveischede, Oberhundem, Rahrbach und Schönholthausen. Münster 1975.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bamenohl – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Einwohnerstatistik der Gemeinde Finnentrop (Stichtag 31.12.2016). (PDF) Gemeinde Finnentrop, abgerufen am 16. Mai 2017.
  2. Werner Cordes: Zur Deutung der Ohl-Namen der Lennetalaue. In: Heimatstimmen aus dem Kreise Olpe, 53. Folge, Olpe 1963, Seite 152ff.
  3. Hans Bahlow, Deutschlands geographische Namenwelt, Ffm. 1965 S. 48
  4. Albert K. Hömberg, Heft 10
  5. Manfred Wolf: Die Urkunden des Kölnischen Westfalen - Lieferung 3, 1321 - 1325, Indices. In: Historische Kommission für Westfalen (Hrsg.): Westfälisches Urkundenbuch. Band 11, Nr. 3. Aschendorff, Münster 2005, ISBN 978-3-402-06694-2 (Staatsarchiv Münster, Msc. VI 109 A (Kopiar des Grafen von Arnsberg), Bl. 33; Hist. A der Stadt Köln, Farragines Gelenii Bd. VII Bl. 63v-75).
  6. Hierbei handelt es sich um die heutige Wüstung Adorpe im Stadtgebiet Sundern bei Linneperhütte. Siehe auch WUB XI. Band, Urkunden 2048 + 2049.
  7. Heggen im Wandel der Zeiten - Dorf- und Pfarrchronik.
  8. Pfarrarchiv Schönholthausen, Urk. 4
  9. Die Bevölkerung des kurkölnischen Sauerlandes im Jahre 1543 (Schatzungsregister 1543) (Memento des Originals vom 3. Oktober 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.heimatbund-finnentrop.de S. 75, 76
  10. Sitzungsprotokoll
  11. http://www.jupp-schoettler-jugendherberge.de/
  12. Diplomarbeit Markus Schöttler, Universität Köln 1988/1989
  13. siehe Peter Bürger: Der völkische Flügel der sauerländischen Heimatbewegung. Über Josefa Berens-Totenohl, Georg Nellius, Lorenz Pieper und Maria Kahle - zugleich ein Beitrag zur Straßennamen-Debatte. (PDF) 2013, abgerufen am 19. März 2014.
  14. s. Hubertus Halbfas, Nazi-Straßennamen in Bamenohl – Eine Rückfrage, in: Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe, 4/2013, Seite 388 ff
  15. s. auch Beitrag: Ende im Straßenstreit, in: Westfalenpost für Lennestadt und Kirchhundem, Ausgabe vom 15. März 2014
  16. s. auch Beitrag: Einstimmiges Votum für neue Straßennamen in Bamenohl, in: Westfalenpost für Lennestadt und Kirchhundem, Ausgabe vom 9. April 2014