Bandeirantes

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Der Bandeirante Domingo Jorge Velho
"Monumento aos Bandeirantes" im Ibirapuera-Park in São Paulo

Bandeirantes (von port. bandeira = Fahne) werden die Mitglieder von Expeditionstrupps genannt, die ab dem 17. Jahrhundert auf der Suche nach Gold, Diamanten und Sklaven das brasilianische Landesinnere erkundeten und erschlossen. Sie zogen entlang der Flüsse bis zum La Plata und Amazonas. Dabei wurden manche Siedlungen angelegt, die heute noch bestehen.

Geschichte[Bearbeiten]

Diese Expeditionstrupps wurden "Bandeiras" oder "Entradas" genannt; Entradas waren die von staatlichen Stellen beauftragten Expeditionen, während die Bandeiras von privaten Geschäftsleuten finanziert wurden.

Der Name Bandeiras (von port. bandeira = Fahne) kommt von der Praxis, in neuen Gebieten die portugiesische Flagge zum Kennzeichen der Inbesitznahme zu hissen.

Teilweise handelte es sich um kleine Gruppen von 15 bis 20 Mann, teilweise kam es zu großen Expeditionen mit mehreren hundert Teilnehmern.

Zu den wichtigsten Besitztümern gehörten Pferde, die ihnen Mobilität verliehen. Nur teilweise waren sie mit den teuren und anfälligen Feuerwaffen ausgerüstet. Stattdessen waren sie häufig mit Armbrüsten, Bogen und Schwertern bewaffnet. Zur Sklavenjagd auf Indianer wurden Kampfhunde benutzt.

Die bekanntesten Bandeiras kamen aus São Paulo und waren hauptsächlich für die Erschließung des Landesinneren und die Erweiterung der Grenzen Brasiliens bis weit über die Linie verantwortlich, die im Vertrag von Tordesillas (1494) die Grenze zwischen den portugiesischen und den spanischen Territorialansprüchen in der neuen Welt festlegte (die heutigen Bundesstaaten Goias, Mato Grosso, ein großer Teil von Minas Gerais, Rio Grande do Sul, Paraná und Santa Catarina gingen an Brasilien). Wegen ihrer Bedeutung für die heutige Größe Brasiliens finden die Bandeiras hier noch immer starke Verehrung. Das wohl eindrücklichste Monument ist das "Monumento às Bandeirantes" des italienisch-brasilianischen Bildhauers Victor Brecheret, welches in São Paulo im Ibirapuera-Park steht und die starke Vermischung einer solchen Bandeira aus Europäern, Schwarzen und Indios zeigt.

Aufgrund ihrer Absicht, indigene Einwohner zu versklaven, kamen die Bandeirantes immer wieder mit den Jesuiten und deren Jesuitenreduktionen in Konflikt und wurden von diesen bekämpft.

Die Expeditionen waren sehr riskant, manch ein Bandeirante kehrte nie zurück, fielen sie doch sowohl den Indios, als auch dem Fieber oder giftigen Schlangenbissen zum Opfer. Als Verpflegung nahmen sie Maniok, Mais, Bohnen, Trockenfleisch mit. In der Regel wurden die Bandeirantes von männlichen Familienangehörigen und Sklaven begleitet und waren lange Zeit unterwegs.

Die Bandeirantes drangen in die Wälder vor, indem sie im Allgemeinen den Flussläufen oder den Pfaden der einheimischen Bevölkerung folgten. So bildete der Rio Tietê einen der Hauptzugänge zum Hinterland von São Paulo. Brasilien wurde von ihnen in alle Himmelsrichtungen durchquert, so gelangte der Bandeirante António Raposo Tavares von São Paulo bis zum Amazonas, Fernão Dias Pais und dessen Schwiegersohn Borba Gato erschlossen das heutige Minas Gerais und gründeten dort unzählige Niederlassungen; Bartolomeu Bueno da Silva, "Anhangüera" genannt, entdeckte im heutigen Goiás Gold.

Berühmte Bandeirantes[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sharon Landers: Bandeiras. In: The historical enzyklopedia of world slavery. Santa Barbara, 1997 ISBN 0-87436-885-5 S.66f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bandeirantes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien