Bandidos

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Dieser Artikel beschreibt den Motorradclub. Für den Italowestern gleichen Titels siehe Bandidos (Film).
Bandidos MC Berlin Clubhaus

Der Bandidos Motorcycle Club (BMC), auch bekannt als Bandido Nation, ist ein Motorrad- und Rockerclub mit einer weltweiten Mitgliedschaft. Der Club wurde im März 1966 in Houston Texas durch Donald Eugene Chambers gegründet. Im Jahr 2005 wurde der Club auf circa 5.000 Mitglieder mit 210 Ortsgruppen in 22 Ländern geschätzt[1] und ist damit nach den Hells Angels der zweitgrößte Motorradclub weltweit.[2] Die Mitglieder des Bandidos MC fahren typischerweise Harley-Davidson-Motorräder.

Seit dem 16. März 2017 ist es den Bandidos neben den Chicanos, dem Diablos MC, Gremium MC, Hells Angels MC, Mongols MC, Red Devils MC, Satudarah MC und dem Schwarze Schar MC durch ein neues verschärftes Vereinsgesetz in Deutschland bundesweit verboten, ihre offiziellen Embleme in der Öffentlichkeit zu zeigen.[3][4] Im Juni 2017 wurde bekannt, dass die Bandidos-Chapter als Ergebnis des Colour-Verbotes in Deutschland, landesweit einheitlich, ein erstes offizielles neues Abzeichen auf ihrem Rücken tragen. Die großformatigen Buchstaben „BMC“ in den Bandidos-Farben Red & Gold werden auf dem Rücken der Weste getragen, die auch vorne weiterhin die nicht verbotenen Brust-Patches zeigt.[5]

Der Club[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Motorradclub wurde im Jahr 1966 von Vietnamkriegsveteranen in Houston (Texas) gegründet. Der Begründer Donald Eugene Chambers benannte den Club zu Ehren von mexikanischen Banditen die nach ihren eigenen Regeln lebten und er wählte somit auch einen mexikanischen Banditen mit großer Machete und einem Revolver als Aufnäher (Center Patch) für das Logo des Clubs. Die gewählten Farben Rot und Gold werden auf die Insignien der US Marines zurückgeführt. Chambers rekrutierte Mitglieder aus Biker-Bars in Houston, Corpus Christi, Galveston und San Antonio.

Expansion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem der Vorsitz von Chambers beendet war, wurde Ronald Jerome „Ronnie“ Hodge zum Präsidenten ernannt. Unter der Aufsicht von Hodge verbreitete sich der Club international.

Der Club expandierte 1989 nach Europa mit einem ersten Ortsverband („Chapters“) in Marseille (Frankreich). In den Jahren danach folgten Skandinavien und 1997 Luxemburg. Im Jahr 2000 wurde das erste Chapter in Italien gegründet. In Deutschland ist der Club seit dem Beitritt des gelben Ghostrider’s MC sowie der Road Eagle MC Nomads und den Destroyers München im Jahr 1999 vertreten. Es kamen 17 deutsche Ortsverbände hinzu, die zunächst jeweils als Probe-Chapter galten, erkennbar am „Probationary“-Schriftzug. Die deutschen Clubs wechselten zu den international vertretenen Bandidos kurz nach dem überraschenden Übertritt des damals größten deutschen Motorradclubs Bones MC zu den vormals verfeindeten Hells Angels. Diese Probezeit dauerte etwas mehr als ein halbes Jahr. Im Juni 2000 tauschten die Bandidos aus Deutschland den „Probationary“-Schriftzug mit dem Segen der Amerikaner und des Europa-Vorstands offiziell gegen den „Germany“-Schriftzug aus. Im März 2012 waren in Deutschland 71 Chapter polizeilich bekannt.[6]

Landesverbände (Chapter)
Support-Clubs (Unterstützer)
  • Banda Este
  • Black Rain MC
  • Blood Brothers
  • Burnout Company MC
  • Caballeros MC
  • Calavera MC
  • Cangaceiros MC
  • Cartel del Barrio
  • Chicanos
  • Cityskulls
  • Cobra MC
  • Compadres MC
  • Contras
  • Conquistadors MC
  • Crew 45
  • Darkrage MC
  • Deaf Bisons MC
  • Deathriders MC
  • Demons
  • Diablos MC
  • El Militante MC
  • Escuderos MC
  • Fiebre de Muerte MC
  • Gladiatores MC
  • Gringos MC
  • Guardians MC
  • Guerrilleros MC
  • Harami MC
  • Hermanos MC


  • Hombres MC
  • Iron Dragons MC
  • Kvillebäcken MC
  • La Honra MC
  • Lones MC
  • Los Aliados MC
  • Los Malos MC
  • Los Pacos
  • Malditos MC
  • Malos Hombres
  • Mexican Rebels
  • Minotaurus
  • OK Riders MC
  • Omerta MC
  • Predadores MC
  • Rapidos MC
  • Rippers MC
  • Ronins MC
  • Salty Dogs MC
  • Skulls of Sahara MC
  • Spezial Crew
  • Troop MC
  • Vengator MC
  • Warheads MC
  • X-Team
  • Zapata MC

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hierarchie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Strukturen der Hierarchie eines jeden Chapters gliedern sich wie folgt:

  1. President – Leitung des Chapters (Ortsgruppe)
  2. Vice-President – Stellvertreter des President
  3. Sergeant at Arms – zuständig für Disziplin und Sicherheit
  4. Secretary – Verwaltung
  5. Treasurer – Schatzmeister
  6. Road Captain – Organisation der Motorradkonvois
  7. Member – Mitglied
  8. Prospect – Anwärter auf den Memberstatus
  9. Hangaround – Anwärter auf den Prospectstatus
  10. Supporter – Mitglied eines Support-Clubs der Bandidos

In der Regel sind bei allen Support-Clubs der Bandidos, die Patches (Aufnäher) in den Farben Rot und Gold; jedoch sind die Schriftzüge im Gegensatz zu den Bandidos prinzipiell Gelb auf Rot, statts Rot auf Gelb.[7] Nicht selten werden bewährte Mitglieder eines Support-Clubs bei den Bandidos aufgenommen.

Slogan und Patches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Expect No Mercy
  • Bad company: dt. ‚Schlechte Gesellschaft‘; ein Slogan der Bandidos
  • BFFB: „Bandidos Forever, Forever Bandidos“; ein Slogan der Bandidos
  • Expect No Mercy: wörtlich: ‚Erwarte keine Gnade‘, der Träger des Patches hat nach Aussage verschiedener Strafverfolgungsbehörden für den Club einen Menschen getötet oder eine schwere Verletzung zugefügt[8][9]
  • Fat Mexican: wörtlich ‚dicker Mexikaner‘; verweist auf das Clublogo
  • God Forgives Bandidos Don’t: dt. ‚Gott vergibt, die Bandidos nicht‘; ein Slogan der Bandidos
  • LL&R: „Love, Loyalty & Respect“; ein Slogan der Bandidos
  • PBOL: „Proud Bandido Old Lady“, wird von Freundinnen und Frauen der Bandidos-Mitglieder getragen
  • Our colours don’t run: dt. ‚Unsere Farben verbleichen nicht‘
  • SYLB: „Support your local Bandidos“; ein Slogan der Bandidos
  • We are the people your parents warned you about: dt. ‚Wir sind die Leute vor denen deine Eltern dich gewarnt haben‘; ein Slogan der Bandidos

Amerika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Motorradclub hat in den Vereinigten Staaten rund 900 Mitglieder, die in etwa 93 formell voneinander unabhängigen Gruppen, sogenannten Chaptern, organisiert sind. Die texanischen Behörden haben die Gruppe in die zweithöchste Bedrohungsstufe in Fragen der öffentlichen Sicherheit eingeordnet. 2013 stellte das FBI eine Verbindung des Chapters in Los Angeles zum Los-Zetas-Drogenkartell in Mexiko fest. Nach einer Schießerei in einem Einkaufszentrum in Waco, Texas, am 17. Mai 2015, in die etwa 200 Mitglieder von fünf verschiedenen Motorradgruppen, darunter auch die Bandidos, verwickelt waren und bei der es 9 Tote und 18 Verletzte gab, sprach die Polizei von einem beginnenden Bandenkrieg in Texas. Die Bandidos werden dabei zu den bedeutenden Gruppen gerechnet, während alle anderen Beteiligten nur von lokaler Bedeutung sind.[2]

Im Jahr 2011 ereignete sich eine gewisse Spaltung des Clubs als sich die Bandidos aus Nordamerika zum Teil von den Bandidos aus Europa, Asien und Australien distanzierten. Die Bandidos aus Nordamerika nannten sich fortan "Bandidos Western Hemisphere" und traten mit neuen Patches auf, die zwar die gleichen Farben und Namen hatten, aber in anderer Schriftart und mit einem veränderten Bandido als Center Patch kreiert wurden. Man nimmt an, dass dies aufgrund von verschiedenen Meinungen bezüglich der Club-Politik geschah.[10]

Nähe zur Kriminalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Wegen der nachgewiesenen Nähe einzelner Mitglieder zur organisierten Kriminalität wird der Bandidos MC in den Verfassungsschutzberichten derjenigen Bundesländer aufgeführt, in denen die Verfassungsschutzbehörde die organisierte Kriminalität beobachtet. Außerdem fanden die Bandidos im Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 2006 deswegen Erwähnung, weil sie ihr früheres Clubhaus in Mannheim-Rheinau im Frühjahr 2005 für insgesamt acht rechtsextreme Konzerte vermietet hatten.[11]

Laut Bundeskriminalamt gab es im Jahr 2010 neun OK-Ermittlungsverfahren mit Bezug zu den Bandidos.[12]

Am 29. April 2010 wurde das Probationary Chapter Neumünster (Schleswig-Holstein) vom dortigen Innenminister, Klaus Schlie (CDU), verboten.[13]

Am 26. April 2012 verbot NRW-Innenminister Ralf Jäger das Chapter Aachen und die Unterstützerclubs Chicanos MC Chapter Aachen, die Chicanos MC Chapter Alsdorf, die Chicanos MC Chapter Düren, den Club X-Team MC Aachen und die Diablos MC Heinsberg.[14] Gleichzeitig gab es Razzien im Clubhaus in Alsdorf und in mehr als 30 Wohnungen und Geschäftsräumen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Dabei waren auch Spezialeinheiten im Einsatz.[15]

Laut Pressemeldungen vom 8. März 2017 standen die Bandidos in Verdacht, den mutmaßlichen Kindermörder Marcel Heße zwecks Selbstjustiz zu suchen. Dieser Verdacht erhärtete sich laut Polizei nicht.[16]

Rivalität mit den Hells Angels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häufig gibt es Auseinandersetzungen der Bandidos mit den Hells Angels.[17][18] Die Presse spricht in diesem Zusammenhang oft von einem „Rockerkrieg“.

Im ersten Halbjahr 2008 wurde vor dem Landgericht Münster ein Prozess gegen Mitglieder der Bandidos geführt, weil sie in Ibbenbüren ein Mitglied der Hells Angels erschossen haben sollen.[19] Wegen der bekannten Feindschaft zwischen beiden Gruppen kam es am ersten Verhandlungstag zu einem Großaufgebot der Polizei mit Personenkontrollen. Nach dem ersten Verhandlungstag kam es zu einer Schlägerei zwischen ca. 40 Mitgliedern beider Gruppen.[20] Am 10. Juni 2008 wurde das Urteil am Landgericht Münster bekanntgegeben. Das Urteil lautete für beide Angeklagte lebenslange Haft wegen gemeinschaftlichen heimtückischen Mordes. Die Richter sahen die Täterschaft der beiden Angeklagten angesichts der vorliegenden Indizien als erwiesen an.[21] Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert. Die Polizei sicherte die Urteilsverkündung mit ca. 1000 Polizisten.

Im November 2008 wurde vor dem Landgericht Cottbus ein Fall verhandelt, bei dem ein Bandidos-Mitglied wegen Drogenhandels und eines Reizgasangriffs auf ein Mitglied der Hells Angels zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde.[22] Im Dezember 2008 waren vor dem Landgericht Hannover mehrere Mitglieder der Hells Angels wegen eines Angriffs auf die Bandidos angeklagt.[23] 2009 wurde das Bandidos-Mitglied Rudi Heinz Elten von einem Hells-Angels-Anwärter auf offener Straße erschossen. In der Folge kam es zu heftigen Auseinandersetzungen.[24]

Zu Pfingsten 2010 wurde auf einer öffentlichen Pressekonferenz in Hannover von den beiden rivalisierenden Clubs festgelegt, dass von nun an eine Koexistenz möglich sein soll und der Streit beigelegt wird. Die Gewerkschaft der Polizei sowie Politiker auf Bundesebene halten diese Aussagen für eine Taktik, kriminelle Machenschaften zu überblenden und von weiteren kriminellen Handlungen, wie Menschen- und Drogenhandel, abzulenken.

Rivalität mit Rock Machine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ulm und Neu-Ulm gab es mehrere Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Rock Machine und dem Chapter der Bandidos, das in Ulm ansässig ist.[25]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Maczollek, Leslav Hause: Ziemlich böse Freunde: Wie wir die Bandidos in Deutschland gründeten. 1. Auflage. riva Verlag, München 2013, ISBN 978-3-86883-288-4.
  • Arthur Veno: The Mammoth Book of Bikers. Constable & Robinson, 2007 ISBN 0-7867-2046-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bandidos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. National Alliance of Gang Investigators Associations - 2005 National Gang Threat Assessment
  2. a b Waco shootout: who are the Bandidos motorcycle gang? in: The Guardian, 18. Mai 2015, abgerufen am 19. Mai 2015
  3. Biker News - Morgen in Kraft: Colour-Verbot für Bandidos, Gremium und Hells Angels
  4. Focus Online - Symbolverbot für acht Rocker-Gruppierungen in Kraft
  5. Biker News - Bandidos tragen neues Patch
  6. landtag.nrw.de, Kleine Anfrage 1488 vom 26. Januar 2012 (PDF; 245 kB) Drucksache 15/4239 (abgerufen am 13. März 2012)
  7. RPONLINE - Razzia: Bandidos Chapter Aachen verboten
  8. Aus: Ein Bandido packt aus, http://www.derwesten.de/wr/Ein-Bandido-packt-aus-id70090.html
  9. zitiert nach xtranews.de http://www.xtranews.de/2010/03/19/interne-polizeipapiere-belegen-rockergruppen-noch-gefaehrlicher-als-bisher-bekannt/
  10. DR.dk - Bandidos delt på verdensplan
  11. Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 2006, S. 135
  12. Bundeskriminalamt: Bundeslagebild Organisierte Kriminalität 2010, Seite 19 (download [PDF, 274kB])
  13. Hells Angels und Bandidos im Norden verboten Stern.de, 29. April 2010
  14. NRW-Innenminister Jäger verbietet Rockerbande. Der Westen, 26. April 2012, abgerufen am 26. April 2012.
  15. Razzia bei den Bandidos - Aachener Rockerclub wird verboten Welt.de, 26. April 2012
  16. Angst vor Selbstjustiz nach Kindermord in Herne DerWesten.de, 8. März 2017
  17. Artikel auf welt.de
  18. n-tv Artikel
  19. Rocker-Prozess: Ich bin zum Abschuss freigegeben. Spiegel Online, 4. März 2008, abgerufen am 20. März 2012.
  20. Mordprozess: Aufmarsch der Rockerheere. Spiegel Online, 17. Dezember 2007, abgerufen am 20. März 2012.
  21. Rockermord-Prozess: Lebenslänglich für zwei Mitglieder der Bandidos. Spiegel Online, 10. Juni 2008, abgerufen am 20. März 2012.
  22. Rocker-Urteil: Bandido muss dreieinhalb Jahre in Haft. Spiegel Online, 24. November 2008, abgerufen am 20. März 2012.
  23. Bewährungsstrafen für fast alle "Hells Angels" – www.ndr.de (Memento vom 17. Dezember 2008 im Internet Archive)
  24. Sebastian Beck: Gleiches mit Gleichem. Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010, abgerufen am 30. April 2013.
  25. Augsburger Allgemeine: Video: Rockerkrieg in Neu-Ulm und Ulm? abgerufen am 9. April 2013