Bankhaus Metzler

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  B. Metzler seel. Sohn & Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien
Bankhaus Metzler-Logo
Staat DeutschlandDeutschland Deutschland
Sitz Frankfurt am Main
Rechtsform KGaA
Bankleitzahl 502 307 00[1]
BIC METZ DEFF XXX[1]
Gründung 1674
Website www.metzler.com
Geschäftsdaten 2014[2]
Bilanzsumme 4 Milliarden Euro
Mitarbeiter 760
Leitung

Unternehmensleitung

Die B. Metzler seel. Sohn & Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien ist eine Privatbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Das Bankhaus Metzler ist die zweitälteste Bank Deutschlands, und ist seit seiner Gründung im Jahr 1674 durchgehend und ausschließlich in Besitz der Gründerfamilie.

Seit 1971 führt Friedrich von Metzler als persönlich haftender Gesellschafter das Bankhaus in der 11. Generation.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursprünge des Bankhauses Metzler gehen auf ein 1674 durch Benjamin Metzler gegründetes Handelsunternehmen zurück.

Der Name B. Metzler seel. Sohn & Co. leitet sich her vom Sohn des Firmengründers Benjamin Metzler, der durch diese Namensgebung an seinen verstorbenen (also seligen)[3][4][5] Vater erinnern wollte.

Bereits Ende des 17. Jahrhunderts kam es aufgrund der bedeutenden Fernhandelsaktivitäten zu einer Koppelung von Waren- und Geldgeschäften.

18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Geld- und Wechselgeschäfte der Firma sind seit 1728 nachweisbar. Im Jahr 1742 wurde ein Sohn des Gründers in den Frankfurter Börsenvorstand gewählt. Seitdem sind Inhaber des Bankhauses fast ununterbrochen im Leitungsorgan der Frankfurter Wertpapierbörse und der Deutschen Börse AG vertreten.

Die Entwicklung vom Handels- zum Bankhaus fand um 1760 weitgehend ihren Abschluss. 1769 wurde Friedrich Metzler Teilhaber der Familien-Firma, 1771 deren Leiter.[6] Er stieg in das Geschäft mit Staatsanleihen ein. Es begann 1779 mit einer Anleihe zugunsten des Kurfürstentums Bayerns. Ihm folgten Kurpfalz als Anleihenehmer, 1795 das Königreich Preußen mit einer Anleihe von einer Million Gulden.[7] Auch Sachsen-Meiningen und das Haus Nassau wurden ebenso wie das Haus Oranien Kunde von Metzler. Durch seine Geschäfte mit dem preußischen Königshaus wurde er mit dem Titel Königlich-preußischer geheimer Kommerzienrat[8] ausgezeichnet.

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts führte der Wettbewerb mit den neu gegründeten Aktienbanken zu einer strategischen Ausrichtung des Geschäfts auf die Kernkompetenzen einer Privatbank: Verzicht auf das bilanzwirksame Geschäft und Konzentration auf individuelle Finanzdienstleistungen. Die Vermögensverwaltung war dabei von besonderer Bedeutung.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Metzler schränkte zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Kontokorrent- und Kreditgeschäft ein. Gleichzeitig wurde der Handel mit Wertpapieren gezielt ausgebaut.

Das Bankhaus Metzler war 1938 an der zwangsweisen "Arisierung" jüdischer Bankhäuser beteiligt, so bei den Bankhäusern Bass & Herz, J. Dreyfus & Co. und Jacob S.H. Stern.[9]

Um die Unabhängigkeit langfristig zu sichern sowie die Kapitalbasis zu stärken, wurde das Unternehmen 1986 von einer Personengesellschaft zu einer Kapitalgesellschaft in Form einer Kommanditgesellschaft auf Aktien umgewandelt. Damit wurde die für eine Privatbank charakteristische persönliche Haftung der Geschäftsleitung beibehalten.

Im gleichen Zug wurde die B. Metzler seel. Sohn & Co. Holding AG als Muttergesellschaft einer Holding nach angelsächsischem Vorbild errichtet.

Die verschiedenen Geschäftsfelder liegen seitdem in der Verantwortung selbstständiger Tochtergesellschaften der Bank. Im Jahre 1994 wurde die B. Metzler GmbH gegründet, in der die Corporate-Finance-Beratung zusammengefasst ist.

Die Geschichte der Bank im 20. Jahrhundert war weitgehend von Albert von Metzler geprägt.

21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2001 wurde eine Geschäftsstelle in Tokio, 2009 eine weitere in Peking eröffnet. 2007 feierte das Bankhaus Metzler sein 333. Jubiläum.

Die ausschließlich im Besitz der Gründerfamilie befindliche Bank veröffentlichte im Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2014 bis zum 31. Dezember 2014 folgende Zahlen:

  • Bilanzsumme: 4 Milliarden Euro
  • Verwaltetes Vermögen im Asset Management: 58 Milliarden Euro
  • Eigenkapital: 192 Millionen Euro
  • Kernkapitalquote: mehr als 20 %
  • Bilanzgewinn: 2,3 Millionen Euro

Die Zahl der Mitarbeiter stieg 2014 im Vergleich zum Vorjahr leicht an auf rund 760. Das Bankhaus möchte weiter selbstständig bleiben, einer von der Wirtschaftspresse angesprochenen Fusion mit einer anderen Privatbank wurde mehrfach eine deutliche Absage erteilt.

Im Jahr 2016 wurde ein Eigenkapital von gut 200 Millionen Euro ausgewiesen.[10]

Geschäftsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Metzler konzentriert sich auf Kapitalmarktdienstleitungen für Institutionen und Privatkunden in den Kerngeschäftsfeldern Asset Management, Capital Markets, Corporate Finance und Private Banking. Zu den Kunden des Metzler Asset Managements gehört die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder. Neben der Vermögensverwaltung für vermögende Privatpersonen und institutionelle Kunden ist Metzler auch im Publikumsfondsgeschäft aktiv.

Das Bankhaus Metzler unterhält mit seinen rund 760 Mitarbeitern Filialen bzw. Tochtergesellschaften in Bedburg (für die Region Düsseldorf/Köln), Hamburg, München, Stuttgart, Atlanta, Dublin, Los Angeles, Peking, Seattle und Tokio.[11]

Persönlich haftende Gesellschafter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Geschichte des Hauses waren immer wieder auch persönlich haftende Gesellschafter aktiv, die nicht Mitglieder der Familie Metzler waren, darunter:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Banken-Porträt Bankhaus B. Metzler. In: Bernd Baehring u. a. (Hrsg.): Finanzzentrum Frankfurt. Düsseldorf, Wien, New York 1987, S. 81−84.
  • Stefan Ohmeis: Einblicke − Geschichte und Geschichten über das Bankhaus Metzler und über die Familie von Metzler in Frankfurt am Main. Frankfurt am Main 2., erweiterte Auflage 2007.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stammdaten des Kreditinstitutes bei der Deutschen Bundesbank
  2. Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2014 bis zum 31. Dezember 2014
  3. Ein Firmenname mit Tradition. In: Metzler Fund Exchange Express. S. 18; abgerufen am 27. Februar 2017.
  4. Glossar: Rechtsanwaltskanzlei Trenkler. In: trenkler.de. Abgerufen am 27. Februar 2017.
  5. Leonhard von Metzler: Unternehmenserhalt im Spannungsfeld zwischen Tradition und Wandel. In: metzler.com. S. 2; abgerufen am 27. Februar 2017.
  6. Manfred Pohl: Handbook on the History of European Banks. Edward Elgar Publishing, Cheltenham 1994, ISBN 978-1-78195-421-8, S. 450 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Markus Plate: Große deutsche Familienunternehmen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-40338-9, S. 66 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Annonce: Benachrichtigungen. In: Frankfurter Ober-Post-Amts-Zeitung. Nr. 73, 14. März 1825, S. 5 (online in der Google-Buchsuche).
  9. Ingo Köhler: Die Arisierung der Privatbanken im Dritten Reich: Verdrängung, Ausschaltung und die Frage der Wiedergutmachung, München: C. H. Beck 2005, S. 312–315 und 585
  10. Bankenlandschaft: „Deutsche Banken sind besonders ertragsschwach“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 27. Mai 2016, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 4. August 2016]).
  11. Standorte. In: www.metzler.com. Abgerufen am 31. Dezember 2016.

Koordinaten: 50° 6′ 41″ N, 8° 40′ 23″ O