Baotit

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Baotit
Baotite-661893.jpg
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel Ba4Ti4(Ti,Nb,Fe)4[Cl|O16|Si4O12][1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.CE.15 (8. Auflage: VIII/E.08)
60.01.02.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol tetragonal-dipyramidal; 4/m
Raumgruppe I41/a (Nr. 88)Vorlage:Raumgruppe/88
Gitterparameter a = 19,99 Å; c = 5,908 Å[1]
Formeleinheiten Z = 4[1]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6
Dichte (g/cm3) 4,42 bis 4,72; im Durchschnitt 4,57
Spaltbarkeit gut an {110}
Bruch; Tenazität splitterig
Farbe hellgelb, hellbraun, schwarz[2]
Strichfarbe weiß[2]
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 2,16
nε = 1,94
Doppelbrechung δ = 0,220[3]
Optischer Charakter einachsig positiv

Baotit (chinesisch 包头矿, Pinyin Baotoukuang) ist ein seltenes Mineral aus der Mineralklasse der Silicate und Germanate. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ba4Ti4(Ti,Nb,Fe)4[Cl|O16|Si4O12][1][4]. Er entwickelt vorwiegend hellgelbe oder hellbraune bis schwarze Kristalle von bis zu zehn Zentimetern[5] Größe.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peng Qirui 彭琪瑞 (1917–1985) hat 1959 in der Fachzeitschrift Scientia Geologica Sinica (Dizhi kexue) zuerst über Baotit publiziert. Das Mineral wurde in der Bayan-Obo-Mine entdeckt, die auf dem Gebiet des Stadtbezirks Shiguai (Xiguit) der bezirksfreien Stadt Baotou in der Inneren Mongolei, Volksrepublik China liegt. Auch V. I. Semonov beschrieb das neue Mineral. Die Namensgebung „Baotit“ wurde als Transkription von Semonov's Namen eingeführt, der Originalname in der chinesischen Erstbeschreibung war (in der Transkription) „Pao-t'ou-k'uang“. Dies ergibt sich aus den verschiedenen Bezeichnungen in russisch und chinesisch für die Typlokalität, nach der das Mineral benannt ist. Die Analyse von Simonov brachte die chemische Zusammensetzung Ba4Ti7NbO16(SiO3)4Cl. Später beschrieben auch E. Wm. Heinrich, Wm. H. Boyer und F. A. Crowley Baotit, sie fanden eine zweite Fundstelle in Montana.[6]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Baotit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Ringsilikate“, wo er zusammen mit Bario-Orthojoaquinit, Byelorussit-(Ce), Cerchiarait, Joaquinit-(Ce), Nagashimalith, Orthojoaquinit-(Ce), Orthojoaquinit-(La), Strontiojoaquinit, Strontio-Orthojoaquinit, Taramellit, Titantaramellit und Verplanckit die „Joaquinit-Gruppe“ mit der Systemnummer VIII/E.08 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Baotit ebenfalls in die Abteilung der „Ringsilikate“ ein. Diese ist jetzt jedoch weiter unterteilt nach der chemischen Struktur, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „[Si4O12]8− Vierer-Einfachringe ohne inselartige, komplexe Anionen“ zu finden ist, wo er nun alleine die unbenannten Gruppe mit der Systemnummer VIII.CE.15 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Baotit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Ringsilikate: Viererringe“ in der Untergruppe „Ringsilikate: Viererringe als Titanosilikate“ ein. Hier ist er in der unbenannten Gruppe mit der System-Nr. 02.04.07 zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baotit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem in der Raumgruppe I41/a (Raumgruppen-Nr. 88)Vorlage:Raumgruppe/88 mit den Gitterparametern a = 19,99 Å und c = 5,908 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mineral ist optisch einachsig mit den Brechungsindizes nω = 2,16 und nε = 1,94; die Doppelbrechung δ beträgt 0,220. Es ist stark pleochroitisch zwischen farblos und hell grünlich gelb.[5]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bayan Obo kommt das Mineral in proterozoischen Gesteinen in Quarzgängen zusammen mit Bleiglanz und Pyrit vor. Die Quarzgänge gehen auf die Intrusion variskischer Alkali-Granite und Syenite zurück.

Es sind insgesamt 20 Fundorte von Baotit bekannt.[7]

Neben der Typlokalität in Bayan Obo (Innere Mongolei) sind in China keine weiteren Fundorte bekannt.

Aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind keine Fundorte bekannt. In Europa gibt es allerdings weitere Fundorte: In Tschechien in der Böhmisch-Mährische Höhe (Vysočina), in Norwegen in Troms, im Vereinigten Königreich in Schottland und auch in der Ukraine in der Region Donetsk.[8]

Weitere Fundorte gibt es in Kanada (ein Fundort in Ontario), in der Dem. Rep. Kongo in Kivu, in Kirgisistan, in Neuseeland, Pakistan, Russland und Tadschikistan. Auch in den USA gibt es Fundorte, in Kalifornien und Montana.[8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Fleischer, E.C.T.Chao: New minerals. Pao-t'ou-k'uang. In: American Mineralogist, Bd. 45, 1960, S. 753–756, Baotit ab S. 754 (PDF, 292 kB)
  • Michael Fleischer: New minerals. Baotite (= Pao-t'ou-k'uang) In: American Mineralogist, Bd. 46, 1961, S. 464–468, Baotit ab S. 466 (PDF, 280 kB)
  • E. Wm. Heinrich, Wm. H. Boyer, F. A. Crowler: Baotite (Pa-t'ou-k'uang) from ravalli country, montana In: American Mineralogist, Bd. 47, 1963, S. 464–468 (PDF)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Baotite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Y. V. Nekrasov, V. I. Ponomarev, V. I. Simonov, D. M. Kheiker: Refinement of the atomic structure of baotite and the isomorphic relationships in this mineral. In: Soviet Physics - Crystallography Band 14 (1969), S. 508–514 (PDF 548,3 kB)
  2. a b Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 5. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2008, ISBN 978-3-921656-70-9.
  3. Mindat – Baotite
  4. Malcom E. Back: Fleischers Glossary of Mineral Species. 11. Auflage. Mineralogical Record, Tucson, Arizona (AZ) 2014, S. 20.
  5. a b Baotite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 59,7 kB)
  6. E. Wm. Heinrich, Wm. H. Boyer, F. A. Crowler: Baotite (Pa-t'ou-k'uang) from ravalli country, montana In: American Mineralogist, Band 47, 1963, S. 464–468 (PDF)
  7. Mindat - Anzahl der Fundorte für Baotit
  8. a b Fundortliste für Baotit beim Mineralienatlas und bei Mindat