Barbara Laugwitz

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Barbara Laugwitz (* 12. Januar 1971 in Berlin) ist eine deutsche Verlegerin. Seit 2019 ist sie Verlagsdirektorin/Chief Publishing Officer (CPO) der Ullstein Buchverlage in Berlin. Dort wurde sie im Sommer 2019 verlegerische Geschäftsführerin. Von 2014 bis 2018 war sie verlegerische Geschäftsführerin des zum Holtzbrinck-Konzern gehörenden Rowohlt Verlags.[1] Ihre Freistellung Ende August 2018 führte zu Autorenprotesten und rechtlichen Auseinandersetzungen.[2]

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und erste berufliche Stationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laugwitz studierte an der Universität Oxford Altphilologie. Ihren Einstieg in die Verlagsbranche hatte sie mit einem Volontariat bei Droemer Knaur. Anschließend arbeitete sie als Lektorin beim Ullstein Verlag. 2005 wechselte sie zu Rowohlt in die Abteilung für Taschenbuch-Sachbücher. 2012 übernahm sie die Leitung der gesamten Taschenbuchsparte. Als Nachfolgerin von Alexander Fest wurde sie 2014 verlegerische Geschäftsführerin des Rowohlt Verlags.[3] Unter ihrer Leitung wurden Autoren wie Jan Weiler und Eckart von Hirschhausen zu Rowohlt geholt und der Verlag war wirtschaftlich erfolgreich.

Kündigung bei Rowohlt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barbara Laugwitz’ Vertrag wurde zum Jahresende 2018 beendet, obwohl sie die erfolgreichste Verlegerin des ersten Halbjahrs 2018 war, gemessen an den Bestseller-Platzierungen sowohl bei Belletristik als auch bei Sachbüchern.[3][4][5] Neuer verlegerischer Geschäftsführer bei Rowohlt wurde im Januar 2019 Florian Illies.[6] Die Kündigung war mit „unterschiedliche[n] Vorstellungen über den weiteren Weg“ begründet.[7] Das Vorgehen mit fristgerechter Kündigung bei sofortiger Freistellung samt Kontaktverbot zu Autoren und Mitarbeitern sowie sofortigem Sperren des E-Mail-Accounts wurde vom Chefredakteur des Börsenblatts als vom Branchenüblichen deutlich abweichend kommentiert.[8]

In der Süddeutschen Zeitung wurde als Kündigungsgrund angenommen, Laugwitz habe ihre erfolgreiche Tätigkeit im Hintergrund geleistet und keine Aufmerksamkeit für den Verlag generiert.[3] Die Verlegerin und Literaturagentin Elisabeth Ruge vermutete in einem Interview, die Entscheidung könne auch damit zu tun haben, dass Barbara Laugwitz eine Frau ist.[9] Das Fachmagazin Buchreport listete mehrere Verlegerinnen auf, die zu diesem Zeitpunkt große deutsche Verlage leiteten.[10] Nach Darstellung des Nachsichtenmagazins Der Spiegel waren persönliche Differenzen zwischen dem Leiter der Holtzbrinck-Buchverlage Joerg Pfuhl und Barbara Laugwitz der Grund für deren Kündigung.[11] In einem Interview sagte Barbara Laugwitz im Oktober 2019 rückblickend, ihre Kündigung sei wahrscheinlich schon seit dem Herbst 2017 betrieben worden.[12]

Unterstützung von Autoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namhafte Schriftsteller des Verlags zeigten sich über die Kündigung entsetzt, dokumentiert in der FAZ am 9. September 2018. Elfriede Jelinek, Daniel Kehlmann, Eckart von Hirschhausen und die amerikanischen Schriftsteller Paul Auster, Siri Hustvedt und Jonathan Franzen äußerten Unverständnis und Kritik.[13] 22 weitere Rowohlt-Autoren schrieben einen offenen Brief an Stefan von Holtzbrinck und Joerg Pfuhl, den CEO der Holtzbrinck-Buchverlage, darunter Thomas Melle, Eugen Ruge, Margarete Stokowski, Heinz Strunk und David Wagner.[14] Er wurde am 12. September 2018 in der taz und auf Spiegel Online veröffentlicht. Erbost zeigten sich die Unterzeichner insbesondere über die Kontaktsperre.[15] Ein weiterer offener Brief von Autoren folgte am 30. September in der FAS, in dem die mangelnde Reaktion von Pfuhl auf die Vorwürfe beklagt wurde.[16]

Der Konzern verwahrte sich in einer Stellungnahme vom 1. Oktober 2018 gegen die „zum Teil heftige[n] persönliche[n] Vorwürfe“ gegenüber Joerg Pfuhl. Die Verschwiegenheitsverpflichtung und die Kontaktsperre für Barbara Laugwitz gegenüber anderen Mitarbeitern und Autoren sei „in keiner Weise als dauerhaftes Kontaktverbot“ gedacht gewesen.[17] Auf Antrag von Laugwitz erließ das Landgericht Berlin am 27. September 2018 eine einstweilige Verfügung, in der Joerg Pfuhl „bestimmte Formulierungen im Zusammenhang mit Vertraulichkeitsregelungen rund um die Entlassung der Geschäftsführerin Barbara Laugwitz untersagt“ wurden.[18] Im Oktober 2018 wurde der Disput beigelegt.[19]

Rückkehr zu Ullstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laugwitz wechselte im Januar 2019 als Verlagsdirektorin/Chief Publishing Editor (CPO) zu den Ullstein Buchverlagen.[20] Im Mai 2019 kündigte das Unternehmen ihre Übernahme der verlegerischen Geschäftsführung von Gunnar Cynybulk zum Sommer des Jahres an.[21]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Über die Rowohlt Verlage. In: Website Rowohlt. Abgerufen am 12. September 2018.
  2. Torsten Casimir: Die missratene Trennung. In: boersenblatt.net. 12. September 2018, abgerufen am 12. September 2018.
  3. a b c Karin Janker: Profil – Barbara Laugwitz. In: Süddeutsche.de. 11. September 2018, abgerufen am 12. September 2018.
  4. Michael Köhler: Rauswurf von Rowohlt-Verlegerin Laugwitz: „Diese Entscheidung ist mehr als verwunderlich“ – Helmut Böttiger im Gespräch. In: Deutschlandfunk-Sendung „Kultur heute“. 10. September 2018, abgerufen am 12. September 2018.
  5. Tamara Weise: „Solche Erfolge bedeuten auch nach innen etwas, für die Mitarbeiter“. In: boersenblatt.net. 12. Juli 2018, abgerufen am 17. September 2018 (Interview mit Barbara Laugwitz).
  6. Holtzbrinck Buchverlage: Florian Illies wird Verleger des Rowohlt Verlags. In: Zeit Online. 29. August 2018, abgerufen am 12. September 2018.
    Florian Illies macht Programm für Rowohlt. In: boersenblatt.net. 29. August 2018, abgerufen am 12. September 2018.
  7. Verlegerwechsel bei Rowohlt löst Unruhe aus. In: Spiegel Online. 12. September 2018, abgerufen am 14. September 2018.
  8. Torsten Casimir: Die missratene Trennung. 12. September 2018, abgerufen am 14. September 2018 (Kommentar).
  9. Kündigung von Rowohlt-Chefin Laugwitz: "Gute Arbeiterin, bei den Autoren beliebt", Elisabeth Ruge im Gespräch mit Anke Schaefer auf deutschlandfunkkultur.de, gesendet am 13. September 2018, abgerufen am 14. September 2018.
  10. Feministische Ferndiagnose. In: buchreport.de. 12. September 2018, abgerufen am 12. September 2018.
  11. Tobias Becker, Sebastian Hammelehle, Ulrike Knöfel, Nils Minkmar, Claudio Rizzello, Claudia Voigt, Volker Weidermann: Die rausgekippte Frau. Krise bei Rowohlt. In: Der Spiegel Nr. 38, 15. September 2018, S. 122–125.
  12. Claudia Vogt: „Ich begriff die Welt nicht mehr“. Der Abgang von Barbara Laugwitz bei Rowohlt sorgte für einen Branchenskandal – im SPIEGEL-Gespräch äußert sie sich erstmals öffentlich. In: Der Spiegel. Nr. 42, 12. Oktober 2019, S. 124.
  13. Julia Encke: Rauswurf der Rowohltverlegerin: Ein rätselhafter Vorgang. In: faz.net. 9. September 2018, abgerufen am 12. September 2018.
  14. Rowohlt-Autoren zur Laugwitz-Entlassung: „Unverständlich und unwürdig“. In: boersenblatt.net. 12. September 2018, abgerufen am 13. September 2018.
  15. Dirk Knipphals: Offener Brief der Rowohlt-Autoren. Für Holtzbrinck hoch brisant. In: taz.de. 12. September 2018, abgerufen am 12. September 2018.
    Verlegerwechsel bei Rowohlt löst Unruhe aus. In: Spiegel Online. 12. September 2018, abgerufen am 12. September 2018.
  16. Streit über Rowohlt-Verlag: „Ignoranz, Intransparenz und Rücksichtslosigkeit“. In: Frankfurther Allgemeine Zeitung. 30. September 2018, abgerufen am 3. Oktober 2018.
  17. Rowohlt Verlag: „Details zur Personalentscheidung bleiben vertraulich“. In: buchreport.de. 1. Oktober 2018, abgerufen am 1. Oktober 2018.
  18. Rowohlt: »Einstweilige Verfügung nicht rechtskräftig«. In: buchreport.de. 2. Oktober 2018, abgerufen am 3. Oktober 2018.
  19. Laugwitz und Rowohlt einigen sich einvernehmlich. In: boersenblatt.net, erschienen und abgerufen am 24. Oktober 2018.
  20. Gunnar Cynybulk verlässt Ullstein. In: buchreport.de. 10. Mai 2019.
  21. Gunnar Cynybulk verlässt Ullstein, Barbara Laugwitz übernimmt, boersenblatt.net, 10. Mai 2019, abgerufen am 14. Mai 2019.