Barciany

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Barciany
Wappen von Barciany
Barciany (Polen)
Barciany
Barciany
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Kętrzyn
Geographische Lage: 54° 13′ N, 21° 21′ OKoordinaten: 54° 13′ 0″ N, 21° 21′ 0″ O
Höhe: 68 m n.p.m.
Einwohner: 1100 (2006)
Postleitzahl: 11-410
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NKE
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 590: BiskupiecReszelKorsze → Barciany
DW 591: MrągowoKętrzynMichałkowo
Schienenweg: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig
Kaliningrad
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 71 Ortschaften
23 Schulzenämter
Fläche: 294,00 km²
Einwohner: 6384
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 22 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2808022
Verwaltung (Stand: 2015)
Gemeindevorsteher: Ryszard Kozyra[2]
Adresse: ul. Wojska Polskiego 7
11-410 Barciany
Webpräsenz: www.barciany.pl



Barciany [barˈtɕanɨ] (deutsch Barten, litauisch Barčianiai) ist ein Ort und Sitz der gleichnamigen Landgemeinde im Powiat Kętrzyński (Rastenburg) der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft liegt in der historischen Region Ostpreußen, etwa 75 Kilometer nordöstlich von Allenstein (Olsztyn) am Flüsschen Liebe.

Ort Barciany (Stadt Barten)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barten nordöstlich von Allenstein und nördlich von Rastenburg auf einer Landkarte von 1908
Pfarrkirche im gotischen Baustil (bis 1945 evangelisch)
Nordseite der Pfarrkirche (Aufnahme 2009)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname wurde 1353 als „zu Barten“[3] erwähnt und erhielt erst 1880 die Namen Barciany, Barty, Borty, Barthen und Barten. Der Name erinnert an den prußischen Stamm der Barten, die im Mittelalter in dieser Landschaft lebten. Er leitet sich von prußisch „bar, bart“: fließen, schnell strömen ab.

Im 14. Jahrhundert erhielt die Siedlung eine eigene Kirche, und die Ordensburg Barten des Deutschen Ordens wurde erbaut. Beide sind noch heute erhalten. Der Ordenspfleger von Barten war dem Ordenskomtur von Brandenburg unterstellt.[4] Im Schloss befand sich im 19. Jahrhundert der Sitz des Domänenamts.[5]

1630 erhielt der Ort Stadtrechte, konnte sich abseits der wichtigen Verkehrsströme jedoch kaum entwickeln. Mit 1488 Einwohnern im Jahr 1885 bzw. 1541 Einwohnern im Jahr 1939[6] blieb Barten eine kleine Ackerbürgerstadt, obwohl sie seit Beginn des 20. Jahrhunderts durch Kleinbahnen mit der Kreisstadt Rastenburg, der Nachbarkreisstadt Gerdauen und auch mit Nordenburg verbunden war. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Barten eine evangelische Kirche und ein Amtsgericht.[7]

Bis 1945 gehörte Barten zum Landkreis Rastenburg im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Im Sommer 1945 wurde Barten von der sowjetischen Besatzungsmacht unter polnische Verwaltung gestellt. Die Polen führten für Barten die Ortsbezeichnung Barciany ein.

Der Ort verlor seine Stadtrechte, ist heute jedoch Zentrum einer größeren Gemeinde, der Gmina Barciany im Powiat Kętrzyński (Kreis Rastenburg), der etwas größer ist als der frühere Landkreis Rastenburg und unter anderem auch die Stadt Reszel (Rößel) beinhaltet.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 über 1200 [8]
1802 1335 [9]
1810 1332 [9]
1816 1242 darunter 1238 Evangelische, drei Katholiken und ein Jude[9]
1821 1505 [9]
1831 1537 [5]
1858 1543 davon 1511 Evangelische und 32 Katholiken (keine Juden)[10]
1864 1690 am 3. Dezember[11]
1871 1734 [12]
1885 1488 [6]
1900 1401 fast nur Evangelische[7]
1910 1221 am 1. Dezember[13]
1933 1473 [6]
1939 1651 [6]

Ordensburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römisch-katholische Pfarrkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Kirche[14] in Barciany handelt es sich um einen Saalbau aus dem Jahr 1389. Die südlich angebaute Sakristei wurde 1400 mit einem Tonnengewölbe versehen. Den Ostgiebel hat man 1714 umgebaut, und die zusätzliche südliche Vorhalle (neben der im Norden) mit neuem geripptem Kreuzgewölbe entstand 1783. Der Turm aus dem 16. Jahrhundert wurde 1729 bis 1741 durch Maurermeister Hünchen und Zimmermann Effried aus Königsberg (russisch: Kaliningrad) wieder aufgebaut und erhielt das heutige Dach 1804.

Der Innenraum der Kirche wurde ursprünglich durch ein Gewölbe, heute von einer Holzdecke abgeschlossen. 1989/90 fand eine umfangreiche Innenrenovierung statt. Markante Ausstattungsstücke sind der Altar mit dem Wappen der Familie von Rautter aus dem Jahr 1643, die Orgel – ein Werk aus dem Jahr 1750 von Adam Gottlob Casparini aus Königsberg, und zwei – nicht mehr vorhandene – Kronleuchter, die beide wohl ein Geschenk der Zarin Elisabeth waren.

Von der Reformation bis zum Jahr 1945 war die Kirche ein evangelisches Gotteshaus. Es wurde zugunsten der römisch-katholischen Kirche enteignet und erhielt 1962 eine neue Weihe mit der Namensgebung Niepokalanego Serca Maryi („Unbeflecktes Herz Mariä“).

Griechisch-katholische Pfarrkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute gibt es in Barciany neben der römisch-katholischen Pfarrkirche noch eine griechisch-katholische Pfarrkirche, die den byzantinisch-ukrainischen Ritus pflegt.

Evangelisch-lutherische Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seitens der evangelisch-lutherischen Kirche existiert in Barciany eine kleine Kapelle. Sie gehört zur Pfarrkirche St. Johannes in Kętrzyn (Rastenburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchengemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Barten lebte vor 1945 eine überwiegend evangelische Einwohnerschaft. Das Kirchspiel war in den Kirchenkreis Rastenburg (polnisch: Kętrzyn) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.

Seit 1945 leben fast ausnahmslos katholische Christen in Barciany, von denen die Mehrzahl der Römisch-katholischen Kirche in Polen zugehören. Ihre Pfarrei Barciany gehört zum Dekanat Kętrzyn II – Północny-wschód (Rastenburg II, Nordost) im Erzbistum Ermland.

Daneben besteht in Barciany eine Pfarrei der Griechisch-katholischen Kirche in Polen, die in die Erzeparchie Przemyśl-Warschau eingegliedert ist. Seitens der ehedem vorherrschenden evangelischen Kirche gibt es nach Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung in Barciany heute wieder eine kleine Kirchengemeinde, die der Muttergemeinde in Kętrzyn (Rastenburg) innerhalb der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen angegliedert ist.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Ort befindet sich der Schnittpunkt der beiden Woiwodschaftsstraßen DW 590 (Biskupiec (Bischofsburg)Reszel (Rößel)Korsze (Korschen) – Barciany) und der DW 591 (Michałkowo (Langmichels)Kętrzyn (Rastenburg)Mrągowo (Sensburg)). Eine Bahnanbindung besteht nicht mehr, seit die früheren Bahnstrecken Barten–Rastenburg (heute polnisch: Kętrzyn), Barten–Gerdauen (heute russisch: Schelesnodoroschny) und Barten–Nordenburg (russisch: Krylowo), die von den Rastenburger Kleinbahnen betrieben wurden, nach 1945 außer Betrieb genommen wurden.

Töchter und Söhne der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leo Cholevius (1814–1878), Philologe und Literaturhistoriker in Königsberg
  • Gustav Dömpke (1853–1923), Musikkritiker in Königsberg und Wien
  • Karl-Heinz Kurras (1927–2014), deutscher Polizist, Todesschütze und Stasi-Mitarbeiter

Gmina Barciany[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Gmina
Die Lage der Gmina im Powiat Kętrzyński

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde Barciany liegt in der nördlichen Mitte des Powiat Kętrzyński. Sie grenzt im Norden an die Gorodskoje posselenije Schelesnodoroschnoje (Stadtgemeinde Schelesnodoroschny (Gerdauen)) in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)), im Nordwesten an die Gmina Sępopol (Schippenbeil), im Südwesten an die Gmina Korsze (Korschen), im Süden an die Gmina Kętrzyn (Rastenburg) und im Osten an die Gmina Srokowo (Drengfurth).

Die Gemeindefläche von 293,62 km² wird zu 82 % landwirtschaftlich und zu 8 % forstwirtschaftlich genutzt. Flächenmäßig macht die Gmina Barciany 24,21 % der Fläche des Powiat Kętrzyński aus.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Landgemeinde Barciany gehören folgende Ortschaften:

Polnischer Name Deutscher Name (bis 1945) Polnischer Name Deutscher Name (bis 1945)
Aptynty Aftinten Modgarby Modgarben
Arklity Arklitten Mołtajny Molthainen, 1938–45: Molteinen
Asuny Assaunen Momajny Momehnen
Barciany Barten Moruny Maraunen
Błędowo Blandau Niedziałky Fünfhuben
Bobrowo Bieberstein Niedziały Elisenthal
Cacki Schätzelshöfchen Ogródki Baumgarten
Czaczek Schätzels Pastwiska Milchbude
Dębiany Dombehnen Pieszewo Petermanns
Dobrzykowo Dawerwalde Piskorze Ludwigshöhe
Drogosze Dönhoffstädt Podławki Podlacken
Duje Doyen, 1938–45: Dugen Radoski Dwór Freudenbergswalde
Frączkowo Fritzendorf Radosze Freudenberg
Garbnik Garbnick Rodele Rodehlen
Garbno Laggarben Rowy Rawlack
Gęsie Góry Sansgarben Ruta Rauttershof
Gęsiki Meistersfelde Rutka Rauttersfelde
Gęsiniec Wielki Rzymek Romberg, 1938–45: Vorwerk Romberg
Glinka Taberwiesenhof Silginy Sillginnen
Główczyno Egloffstein Skandawa Skandau
Górki Berg Skierki Wehlack
Gradowo Althagel Skoczewo Hermannshof
Gumniska Silzkeim Sławosze Henriettenfeld
Kąpławki Kamplack Solkieniki Solknick
Kiemławki Małe Klein Kämlack Staniszewo Albertinhausen
Kiemławki Wielkie Groß Kämlack Stary Dwór Barciański Althof Barten
Kolwiny Kolbienen Suchawa Sausgörken
Kotki Krausen Świeęty Kamień Heiligenstein
Krelikiejmy Kröligkeim Szaty Wielkie Groß Schatten
Krymławki Krimlack Taborzec Taberwiese
Krzeczewo Sonnenburg Wielewo Willkamm
Kudwiny Kudwinnen Wilkowo Małe Klein Wolfsdorf
Maciejki Blumenthal Wilkowo Wielkie Groß Wolfsdorf
Markuzy Markhausen Winda Wenden
Markławka Marklack Zalewska Góra
Michałkowo Langmichels

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 284–287.
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 18, Nr. 3).
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 514–515, Nr. 114.
  • Lotar Weber: Ueber die Gränzen von Barten. In: Neue Preußische Provinzial-Blätter. Vierte Folge, Band 13, Königsberg i. Pr. 1876, S. 222–226.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Barciany – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Website der Gemeinde, Władze, abgerufen am 18. Februar 2015
  3. Geschichte von Barciany – Barten
  4. Johannes Voigt: Geschichte Preußens von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der Herrschaft des Deutschen Ordens. Band 6: Die Zeit des Hochmeisters Konrad von Jungingen, von 1393 bis 1407. Verfassung des Ordens und des Landes. Königsberg 1834, S. 547.
  5. a b August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 514–515, Nr. 114.
  6. a b c d Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Rastenburg. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 2, Leipzig/Wien 1905, S. 401.
  8. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 18, Nr. 3).
  9. a b c d Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z. Halle 1823, S. 250–251, Ziffer 33.
  10. Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 204, Ziffer 11.
  11. Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg. Berlin 1966, Kreis Rastenburg, S. 2, Ziffer 7.
  12. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 15–16, Ziffer 8.
  13. Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Landkreis Rastenburg.
  14. Kirche in Barten