Barczewo

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Barczewo
Wappen von Barczewo
Barczewo (Polen)
Barczewo
Barczewo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Olsztyn
Fläche: 4,58 km²
Geographische Lage: 53° 50′ N, 20° 41′ OKoordinaten: 53° 50′ 0″ N, 20° 41′ 0″ O
Höhe: 139 m n.p.m.
Einwohner: 7376
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 11-010
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NOL
Wirtschaft und Verkehr
Schienenweg: Olsztyn–Korsze
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 21 Ortschaften
Fläche: 319,85 km²
Einwohner: 17.662
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 55 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2814013
Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeister: Lech Nitkowski
Adresse: pl. Ratuszowy 1
11-010 Barczewo
Webpräsenz: www.barczewo.pl



Barczewo [barˈʧɛvɔ] (bis 1946 Wartembork, deutsch Wartenburg in Ostpreußen) ist eine Stadt und Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im historischen Ostpreußen an der Pissa, 15 Kilometer nordöstlich von Allenstein (Olsztyn).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wartenburg in Ostpreußen nordöstlich von Allenstein und südlich von Königsberg, auf einer Landkarte von 1908
Rathaus
St.-Anna-Kirche aus der Vogelperspektive
Stadtansicht

Um 1325 ließ der Bischof von Ermland in Wartenburg ein Schloss errichten. Während des ersten Krieges gegen Litauen wurde die erste Siedlung Altwartenburg im Jahr 1354 zerstört.[2] Zehn Jahre später war der Ort neu aufgebaut und erhielt von Bischof Johannes Stryprock das Kulmer Stadtrecht. Auch die Kirche wurde wieder aufgebaut.

Das Franziskanerkloster unmittelbar bei der Stadt wurde 1380 errichtet. Als es nach der Reformation leer stand, wurde es 1597 den Zisterziensern überlassen. 1810 wurde das Kloster säkularisiert, 1830 verstaatlicht und seit 1834 als Strafanstalt genutzt. Die ersten Gefangenen wurden aber bereits 1812 hier inhaftiert. Erich Koch, der vormalige NS-Gauleiter von Ostpreußen war hier von 1965 bis 1986 inhaftiert.

1594 brannten große Teile des Schlosses ab; das Schloss wurde danach wieder aufgebaut.

Einen Eisenbahnanschluss bekam die Stadt 1872 mit der Errichtung der Linie Thorn–Insterburg. Der Bahnhof von Wartenburg lag durch das hügelige Umland bedingt ca. drei Kilometer nördlich in Reuschhagen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Wartenburg eine evangelische Kirche, zwei katholische Kirchen, eine Synagoge, ein Amtsgericht und verschiedene Gewerbebetriebe.[3] Die Synagoge überdauerte die Novemberpogrome 1938 unbeschädigt.

Bis zum Januar 1945 gehörte Wartenburg zum Landkreis Allenstein der Provinz Ostpreußen.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Wartenburg am 26. Januar 1945 von der Roten Armee besetzt. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch 1700 Einwohner in der teilweise zerstörten Stadt. Im Sommer 1945 wurde Wartenburg von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt. Anschließend begann die Zuwanderung polnischer Zivilisten. In der Folgezeit wurden zahlreiche deutsche Stadtbewohner von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Wartenburg vertrieben, weitere Deutsche siedelten später aus.

Die polnische Verwaltungsbehörde führte für Wartenburg zunächst den Ortsbezeichnung Wartembork ein, am 4. Dezember 1946 wurde dieser Ortsname dann zu Ehren des Geistlichen Walenty Barczewski (1856–1928) in Barczewo geändert.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 1562 bei 241 Feuerstellen (Haushaltungen)[4]
1802 1804 [5]
1810 1510 [5]
1816 1706 davon 106 Evangelische, 1594 Katholiken und sechs Juden[5]
1821 1910 [5]
1831 2275 größtenteils Polen[6]
1858 3756 davon 1195 Evangelische, 2490 Katholiken, drei sonstige Christen und 68 Juden[7]
1861 3272
1871 3674 davon 1300 Evangelische und 70 Juden (2130 Polen)[8]
1875 4055 [9]
1880 4499 [9]
1905 4426 davon 562 Evangelische und 62 Juden[3]
1933 4818 [9]
1939 5841 [9]
Einwohnerzahlen seit 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1950 3229
2007 7336 [10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reste des Schlosses
  • Pfarrkirche der Heiligen Anna aus dem 14. Jahrhundert mit dem angebauten Turm aus dem 15. Jahrhundert; hier findet seit 2002 auch das jährliche Internationale Feliks-Nowowiejski-Chormusik-Festival statt. Im Pfarrhaus dieser Kirche befand sich seinerzeit auch die Elementarschule von Wartenburg, in der der bekannte Komponist Feliks Nowowiejski seine ersten vier Schuljahre absolvierte.
  • Evangelische Kirche, neugotisch, errichtet 1870/71
  • Synagoge aus dem 19. Jahrhundert
  • Feliks-Nowowiejski-Museum für den polnischen Komponisten, Dirigenten und Musikpädagogen
  • Klosterkirche St. Andreas, gotisch, erbaut im 14. Jahrhundert, mit dem Anbau der St. Antoniuskapelle, mit sehenswertem Doppelgrabmal für Andreas Báthory, 1566–1599, Neffe des polnischen Königs Stephan Báthory, Kardinal und 1589 Fürstbischof von Ermland, sowie seinen Bruder Balthasar, Ratsherr von Siebenbürgen. Dieses Grabmal wurde von Andreas Bathory bereits zu seinen Lebzeiten in Auftrag gegeben und 1598 vom berühmten Danziger Architekten und Bildhauer Abraham van den Blocke geschaffen.
  • Reste des Klosters gehören heute zur Justizvollzugsanstalt. Hier saß Gauleiter Erich Koch von 1959 bis zu seinem Tod 1986 in Haft. In den 1980er Jahren wurden Dissidenten und Mitglieder der Solidarność wie Władysław Frasyniuk, Adam Michnik, Leszek Moczulski und Józef Szaniawski festgehalten.
  • Rathaus aus dem 19. Jahrhundert

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Barczewo gehören folgende Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
Barczewko Alt Wartenburg Leszno Groß Leschno
1938–1945 Leschnau
Barczewo Wartenburg Leszno Małe Klein Leschno
1938–1945 Försterei Leschnau
Barczewski Dwór Klein Wartenburg Maruny Groß Maraunen
Bark Barkeim Mokiny Mokainen
Bartołty Małe Klein Bartelsdorf Niedźwiedź Bärenbruch
Bartołty Wielkie Groß Bartelsdorf Nikielkowo Nickelsdorf
Biedowo Neu Maraunen
1928–1945 Maraunen
Odryty Odritten
Bogdany Bogdainen Orzechówko
Czerwony Bór Rothwalde Próle Prohlen
Dąbrówka Mała Klein Damerau Radosty Ottendorf
Dadaj Schönfließ Ramsówko Groß Ramsau
1928–1945 Ramsau
Dobrąg Debrong Ramsowo Klein Ramsau
Gaj Gayhof Rejczuchy Karolinenhof
Jedzbark Hirschberg Ruszajny Reuschhagen
Kaplityny Kaplitainen Rycybałt Rittebalde
Kierzbuń Kirschbaum Sapunki Klein Sapuhnen
Kierzliny Kirschlainen Sapuny Sapuhnen
Klimkowo Klimkowo
1938–1945 Klimkau
Skajboty Skaibotten
Klucznik Klutznik
1938–1945 Klausen
Stare Włóki Alt Vierzighuben
Kołaki Kollacken Studzianek Kutzborn
Koronowo Szynowo Schönau
Kromerowo Krämersdorf Tęguty Tengutten
Kronówko Klein Cronau Tumiany Daumen
Kronowo Groß Cronau
1929–1945 Cronau
Wipsowo Wieps
Krupoliny Kroplainen Wójtowo Fittigsdorf
Lamkówko Klein Lemkendorf Wrócikowo Robertshof
Lamkowo Groß Lemkendorf Zalesie Vorwerkswalde
1938–1945 Waldhausen
Łapka Lapkaabfindung Żarek Neurode
Łęgajny Lengainen

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau eine von zwei schwebenden, silbern gekleideten Engeln getragene, goldene Bischofsmütze mit herabhängenden Bändern.“[11]

Dieses Bild steht auch auf dem am Bundesbrief der Städte vom Jahre 1440 hängenden SIGILLVM CIVITATIS WARTHEMBERG und wird später stets wiederholt. Die Burg hatte Bischof Eberhard von Ermland erbauen lassen, daher die Mitra.[12]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt an der Südtrasse der ehemals Preußischen Ostbahn zwischen Olsztyn und Korsze.

Bekannte Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Töchter und Söhne der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die vor Ort wirkten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die mit Barczewo in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 22–23, Ziffer VI, 6).
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 508, Ziffer 100.
  • Ulrich Fox (Heimatforscher): Kirchspiel Alt-Wartenburg im Ermland. Mit Jadden – Tengutten – Tollack. 1325–1985. Selbstverlag, Paderborn 1989.
  • Erich Weise (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Ost- und Westpreussen. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1966, S. 236–237.
  • Michael Bulitta: Gefallene und vermisste Soldaten des Zweiten Weltkrieges aus dem katholischen Kirchspiel St. Anna in Wartenburg. Altpreußische Geschlechterkunde – Neue Folge 34, 2004, S. 121–142.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Barczewo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Erich Weise (Hrsg.) Handbuch der historischen Stätten Ost- und Westpreußen. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 4.
  3. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 20, Leipzig und Wien 1909, S. 391.
  4. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 22–23, Ziffer VI, 6).
  5. a b c d Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 402–403, Ziffer 785.
  6. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 508, Ziffer 100.
  7. Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 37, Ziffer 243.
  8. Gustav Neumann: Das Deutsche Reich in geographischer, statistischer und topographischer Beziehung (2. Auflage der Geographie des Preußischen Staates) Band 2, Berlin 1874, S. 18–19, Ziffer 13.
  9. a b c d http://www.verwaltungsgeschichte.de/allenstein.html#ew33alstwartenburg
  10. Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ - STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 31. Dezember 2007 (Memento des Originals vom 27. Juni 2008 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.stat.gov.pl
  11. Erich Keyser: Deutsches Städtebuch - Handbuch städtischer Geschichte Band I Nordostdeutschland Seite 113/114. W. Kohlhammer Verlag Stuttgart 1939.
  12. Otto Hupp: Deutsche Ortswappen. Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft, Bremen 1925.

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