Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten

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Film
Deutscher Titel Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten
Originaltitel Bardo, falsa crónica de unas cuantas verdades
Produktionsland Mexiko
Originalsprache Spanisch
Erscheinungsjahr 2022
Länge Premiere: 174 Minuten
Kinofassung: 159 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Alejandro G. Iñárritu
Drehbuch Nicolás Giacobone,
Alejandro G. Iñárritu
Produktion Alejandro G. Iñárritu,
Stacy Perskie
Musik Bryce Dessner
Kamera Darius Khondji
Schnitt Alejandro G. Iñárritu,
Mónica Salazar
Besetzung

Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten (Eigenschreibweise: BARDO, Originaltitel: Bardo, falsa crónica de unas cuantas verdades) ist ein mexikanischer Spielfilm von Alejandro G. Iñárritu aus dem Jahr 2022. Die semi-autobiografische Komödie stellt einen erfolgreichen Journalisten und Filmemacher in den Mittelpunkt, der in sein Heimatland Mexiko zurückkehrt und dort in eine existenzielle Krise stürzt. Die Hauptrolle übernahm Daniel Giménez Cacho.

Die Uraufführung des Films erfolgte am 1. September 2022 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig. Der Kinostart in Deutschland war am 17. November 2022. Mitte Dezember plant Netflix Bardo in den Kinos und online über seinen Streamingdienst zu veröffentlichen.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film wird als „nostalgische Komödie“ beschrieben, die „vor einer epischen Reise“ spiele. „Eine Chronik der Ungewissheiten“, in der die Hauptfigur, der renommierte mexikanische Journalist und Dokumentarfilmer Silverio, mit seiner Ehefrau und seinen Kindern in Los Angeles lebt. Nach dem Gewinn eines wichtigen internationalen Preises, kehrt er in sein Heimatland Mexiko zurück. Ohne es vorauszusehen, ist diese Reise der Auslöser für eine existenzielle Krise bei Silverio. Seine Erinnerungen und Ängste beeinflussen die Gegenwart und seinen Alltag. Fortan ist er von einem Gefühl der Verwirrung und Verwunderung erfüllt. Silverio setzt sich in der folgenden Zeit mit seiner Identität, familiären Beziehungen, der Torheit seiner Erinnerungen sowie der Vergangenheit und neuen Realität seines Landes auseinander.[2][3]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alejandro G. Iñárritu (2014)

Bardo ist der achte Spielfilm von Alejandro G. Iñárritu, den er auch mitproduzierte. Es ist das erste Werk des Regisseurs seit Amores Perros (2000), das komplett in seinem Heimatland Mexiko gedreht und produziert wurde,[2] sowie der erste realisierte Spielfilm seit dem erfolgreichen US-amerikanischen Streifen The Revenant – Der Rückkehrer (2015). Das Drehbuch zu Bardo verfasste er gemeinsam mit Nicolás Giacobone. Beide hatten bereits zuvor an Iñárritus preisgekrönten Filmen Biutiful (2010) und Birdman (2014) zusammen gearbeitet. Ursprünglich betitelten Medien das Projekt mit Limbo, dieser soll aber niemals offiziell als Arbeitstitel verlautbart worden sein. Für die Hauptrollen wurden der Mexikaner Daniel Giménez Cacho und die Argentinierin Griselda Siciliani verpflichtet.[2]

Für die Dreharbeiten arbeitete Iñárritu erstmals mit dem französischen Kameramann Darius Khondji zusammen. Für die Kostüme zeichnete Anna Terrazas, für das Szenenbild Eugenio Caballero verantwortlich.[2] Ende Februar 2021 wurde bekannt, dass sich Iñárritu für den Dreh in Mexiko-Stadt aufhielt. Die Arbeiten fanden unter höchster Geheimhaltung und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Ab März wurde das Filmteam in der historischen Innenstadt sowie am Schloss Chapultepec gesichtet. Am Schloss wurde die im mexikanisch-amerikanischen Krieg von 1847 stattgefundene Schlacht von Chapultepec nachgestellt. Weitere Drehorte fanden sich im bekannten Tanzlokal Salón Los Ángeles sowie im Bundesstaat San Luis Potosí.[4] Ende September 2021 wurden die Dreharbeiten offiziell für beendet erklärt, nachdem letzte Einstellungen im Stadtviertel Roma entstanden waren. Durch die COVID-19-Pandemie musste die Produktion mehrfach ausgesetzt werden.[5][6]

Das semi-autobiografische Werk stelle laut Iñárritu „nur eine Reise zwischen Realität und Vorstellung“, einen „Traum“ dar. „Absolute Wahrheiten“ habe er nicht finden können. „Träume als Kino sind real, aber nicht wahr. In beiden ist die Zeit flüssig.“ Bardo sei „die Chronik dieser Reise zwischen diesen beiden Illusionen, deren Grenzen nicht zu entziffern sind“, so Iñárritu.[3] Wie auch seine Hauptfigur Silverio lebte der Filmregisseur mit seiner Familie in den USA und wurde mit einer Reihe von renommierten Filmpreisen ausgezeichnet.

Veröffentlichung und Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende April 2022 wurde bekannt, dass sich Netflix die Verwertungsrechte gesichert hat. Der US-amerikanische Streamingdienst plant eine Kinoveröffentlichung ab 27. Oktober 2022 in Mexiko und ab 4. November in den USA. Die Streamingveröffentlichung ist ab 16. Dezember 2022 vorgesehen.[7] Im August 2022 wurde der deutsche Titel mit BARDO, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten angegeben.[8]

Von den bei Rotten Tomatoes nach der Premiere am 1. September 2022 beim Filmfestival von Venedig aufgeführten mehr als zwei Dutzend Kritiken sind knapp über die Hälfte positiv.[9] Auf der Website Metacritic erhielt Bardo eine ähnliche Bewertung, basierend auf ebenfalls mehr als einem Dutzend ausgewerteter englischsprachiger Kritiken. Dieser Metascore steht für ein gemischte oder durchschnittliche Bewertung.[10] Damit fielen die ersten Reaktionen der englischsprachigen Fachkritik sehr viel schwächer aus, als bei seinen vorangegangenen Werken.[11][12] Vor der Uraufführung war der Film von amerikanischen Branchendiensten noch zu den möglichen Höhepunkten des Kinojahres 2022 gezählt[13] und als Kandidat für die Oscarverleihung 2023 gehandelt worden.[14] Iñárritu selbst fühlte sich kurz nach der Premiere von der Kritik als „selbstgefälliger“ oder „narzisstischer“ Filmemacher missverstanden. Er war sich unsicher, ob er jemals wieder einen weiteren Film inszenieren werde.[15]

Nach der Vorführung in Venedig entschied sich Iñárritu, Bardo zu kürzen. Aus dem ursprünglich 174 Minuten langen Film wurden 22 Minuten entfernt.[16] Die auf dem Festival Internacional de Cine de San Sebastián vorgeführte Fassung hatte eine Länge von 164 Minuten (mit Abspann).[17] Netflix gibt die Laufzeit des Films mit 159 Minuten an.[18]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Bardo konkurrierte Alejandro G. Iñárritu zum ersten Mal um den Goldenen Löwen, den Hauptpreis des Filmfestivals von Venedig.[19] Die Wettbewerbsjury um Julianne Moore ließ den Film unprämiert. Dennoch wurde dem Film in Venedig der Premio UNIMED der Unione delle Università del Mediterraneo (UNIMED) zuerkannt.[20]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 234773).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. a b c d Zack Sharf: Alejandro G. Iñárritu’s New Movie ‘Bardo’ Wraps Filming: First Details on ‘Nostalgic Comedy’ Epic. In: indiewire.com, 23. September 2021 (abgerufen am 11. April 2022).
  3. a b Bardo, falsa crónica de unas cuantas verdades. In: labiennale.org, 24. August 2022 (abgerufen am 24. August 2022).
  4. Iñárritu finally reveals the plot of the movie he filmed in CDMX. In: CE Noticias Financieras English, 23. September 2021 (abgerufen via Pressedatenbank Nexis Uni).
  5. Iñárritu Announces BARDO, His Return to Mexican Cinema. In: CE Noticias Financieras English, 23. September 2021 (abgerufen via Pressedatenbank Nexis Uni).
  6. EFE: Alejandro González Iñárritu concluye en México el rodaje de su nueva cinta. In: efe.com, 24. September 2021 (abgerufen am 11. April 2022).
  7. Anthony D’Alessandro: Netflix Fall & Holiday Film Slate Includes Release Dates For ‘Bardo’, ‘The Pale Blue Eye’, ‘Roald Dahl’s Matilda The Musical’ & More – Full List. In: deadline.com, 30. August 2022 (abgerufen am 30. August 2022).
  8. #QueMéxicoSeVea (Wie Mexiko sich selbst sieht). In: about.netflix.com, 11. August 2022 (abgerufen am 30. August 2022).
  9. Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten. In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen am 13. September 2022 (englisch).Vorlage:Rotten Tomatoes/Wartung/„importiert aus“ fehlt
  10. Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten. In: Metacritic. CBS, abgerufen am 13. September 2022 (englisch).
  11. Alejandro González Iñárritu. In: rottentomatoes.com (abgerufen am 4. September 2022).
  12. Alejandro González Iñárritu. In: metacritic.com (abgerufen am 4. September 2022).
  13. Andreas Wiseman: From Iñárritu To Elvis & Harry Styles To Frances McDormand: 30 Movies (And A TV Series) That Could Light Up Film Festivals In 2022. In: deadline.com, 3. Januar 2022 (abgerufen am 2. April 2022).
  14. Clayton Davies: Oscars 2023: Our First Blind Predictions, From ‘Fabelmans’ to ‘Flower Moon’. In: variety.com, 31. März 2022 (abgerufen am 2. April 2022).
  15. Rebecca Ford: Alejandro G. Iñárritu Says “It’s a Shame” That Bardo Is Being Misunderstood. In: vanityfair.com, 4. September 2022 (abgerufen am 13. September 2022).
  16. Alejandro G. Iñarritu on His Stunning ‘Bardo’ Trailer and Why the Movie Is Shorter Now — Exclusive auf indiewire.com (abgerufen am 23. September 2022)
  17. San Sebastian Film Festival :: BARDO, Falsa crónica de unas cuantas verdades auf sansebastianfestival.com (abgerufen am 23. September 2022)
  18. BARDO, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten auf netflix.com (abgerufen am 6. November 2022)
  19. Bardo, falsa crónica de unas cuantas verdades. In: labiennale.org, 26. Juli 2022 (abgerufen am 16. August 2022).
  20. Collateral awards of the 79th Venice Film Festival. In: labiennale.org, 9. September 2022 (abgerufen am 13. September 2022).