Bareinzahlung

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Die Bareinzahlung ist im Zahlungsverkehr eine Einzahlung, bei der der Zahlungspflichtige Bargeld gegen Quittung in einen Kassenbestand zahlt. Das Gegenstück zur Bareinzahlung ist die Barauszahlung.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Geschäftsvorfall einer Bareinzahlung wird in der Buchführung durch Buchung dokumentiert. Sie führt zur Erhöhung des Kassenbestands. Bareinzahlungen erhöhen als Gutschrift auf dem Girokonto des Zahlungsempfängers einen bestehenden Habensaldo und vermindern einen bestehenden Sollsaldo oder verwandeln einen Sollsaldo in einen Habensaldo. Gründe für Bareinzahlungen am Schalter sind der Überschuss an Bargeld, Ladengeschäfte bringen ihre Tageskasse in Geldbomben als Bareinzahlung in den Nachttresor oder Zahlungspflichtige ohne Bankverbindung erfüllen hierdurch ihre Verbindlichkeiten etwa aus Dauerschuldverhältnissen (etwa Miete, Nebenkosten, Versicherungsprämien). Es gibt auch Geldautomaten mit Bareinzahlungsfunktion, bei denen jedoch lediglich Einzahlungen auf das eigene Konto möglich sind.

Zu den Einzahlungen im Sinne betriebswirtschaftlicher Stromgrößen[1] zählen außer Bareinzahlungen ferner Erhöhungen der Bestände von Sichteinlagen oder Verminderungen der Schulden.

Transaktionen mit einem Kreditinstitut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bareinzahlungen bei Kreditinstituten tätigt der Einzahlende als Inhaber eines Bankkontos oder auf das Bankkonto eines Dritten. Die Einzahlung wird im Allgemeinen an einer Kasse in den Geschäftsräumen der Bank oder Sparkasse entgegengenommen. Einige Banken bieten bereits Einzahlungs-Automaten an, bei denen auch außerhalb der Geschäftszeiten Bargeld angenommen wird. Dies ist jedoch nur für eigene Kunden möglich. Größere Bargeldanlieferungen mittels Geldtransportern werden in besonders gesicherten Bereichen abgewickelt, oft im direkten Kontakt mit einer Hauptkasse. Die Abwicklung erfolgt im sog. Bargeschäft.[2] In Deutschland wird dieser Vorgang rechtlich als Zahlungsdienstevertrag bezeichnet. Der Zahlungsdienstnutzer ist verpflichtet dem Zahlungsdienstleister für einen Zahlungsvorgang das vorher vereinbarte Entgelt zu entrichten (§ 675f BGB). Die Bareinzahlung an Konten in fremde Häuser kostet pro Vorgang meist 15 EUR, die Einzahlung an Konten im gleichen Haus meist 5 EUR (dies schließt Einzahlungen auf das eigene Konto ein).

Bareinzahlung auf das eigene Konto[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Kontoinhaber oder dessen Beauftragter (zum Beispiel eine Angestellte oder ein Geldtransportunternehmen) stockt mit einer solchen Bareinzahlung ein vorhandenes Bankguthaben auf oder reduziert einen beanspruchten Kredit, typischerweise auf seinem Girokonto.

Es dominieren hier in der Praxis Bareinzahlungen von Einnahmen des Einzelhandels, hauptsächlich unter Verwendung von Geldbomben oder in Geldsäcken (ihr Inhalt ist jeweils vorgezählt). Große Bareinzahlungen werden zumeist von einem auf Geldtransport spezialisierten Sicherheitsdienst erledigt, der das Geld bei seinem Vertragspartner abholt und bei der Bank oder Sparkasse einzahlt. Geldbomben können jederzeit in Nachttresor-Briefkästen an Bankgebäuden eingeworfen werden; die Geldbomben enthalten in ihrem Inneren neben dem Geld einen ausgefüllten Einzahlungsschein. Außer von Einzelhandelsgeschäften sind unter anderem auch Bareinzahlungen von Automatenaufstellern, öffentlichen Stellen etwa aus Parkgebühreneinnahmen oder Betreibern von Fahrgeschäften zu bearbeiten.

Ferner gibt es Einzahlungen von Privatpersonen auf ihr Girokonto oder solche, die einfach nur ihre Münzen aus dem „Sparstrumpf“ abgeben und dafür eine Gutschrift auf ihrem Sparkonto erhalten. Um keine übermäßigen Wartezeiten an der Kasse auszulösen, stellen Kreditinstitute teilweise ihren Kunden Münzzählgeräte bereit. Diese Geräte zählen maschinell die vom Kunden eingeworfenen Scheidemünzen und stellen einen Beleg aus, den der Kunde zum Kassierer zur Buchung mitbringt.

Über Bareinzahlungen erhält der Kunde eine Quittung (Durchschrift des Einzahlungsbelegs), nur bei Bareinzahlungen auf das Sparbuch ersetzt der darin angebrachte maschinelle Quittungsdruck den Beleg.

Die Bareinzahlung auf ein eigenes Konto war nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH-Urteil vom 30. November 1993 - XI ZR 80/93) kostenfrei. Ferner entschied der Bundesgerichtshof am 17. Januar 1989 (Aktenzeichen XI ZR 54/88), dass Bareinzahlungen auf Girokonten mit Wertstellung selber Tag verbucht werden müssen. Nach der Neuregelung des § 675f Absatz 4 Satz 1 BGB kann der Zahlungsdienstleister einen Zahlungsdienst mit einem Entgelt belegen. Im Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG) heißt es, dass Dienste, mit denen die Bareinzahlung auf ein Zahlungskonto ermöglicht wird, ein Zahlungsdienst ist (§ 1 Absatz 2 ZAG). Aktuell werden von einigen Banken und Sparkassen dafür Gebühren, die mehrere Euro betragen können, erhoben. Ob sich diese Sichtweise auch vor Gericht durchsetzt bleibt abzuwarten, der BGH hat dazu noch kein Urteil gefällt.[3]

Bareinzahlung zugunsten eines Dritten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Privatpersonen, es kann sich auch um Nichtkunden handeln, erledigen an der Kasse außerdem Bareinzahlungen zugunsten eines Dritten, um damit beispielsweise eine Rechnung zu begleichen. Für die Abwicklung wird das bundesweit einheitliche Formular „Zahlschein“ verwendet.

Die einzahlende Person beauftragt das Kreditinstitut, dem Empfänger den Betrag zu verschaffen, etwa durch Überweisung auf das in der Regel genannte Empfängerkonto oder durch Zahlungsanweisung. Die Bank bucht den Gegenwert des erhaltenen Bargeldbetrages zunächst auf ein internes Verrechnungskonto. Von dort erfolgt dann die Weiterleitung auf das Konto des Empfängers im Hause beziehungsweise an das kontoführende Kreditinstitut.

Die Bareinzahlung an einen Dritten ist sowohl bei deutschen wie bei österreichischen Banken für den Einzahler gebührenpflichtig; hierbei wird ein Entgelt erhoben, das je nach Bank unterschiedlich ist. Die Höhe kann sich auch danach richten, ob der Einzahler der Bank als ihr Kunde bekannt ist. Das Entgelt ergibt aus dem Preisaushang oder dem umfangreicheren Preis- und Leistungsverzeichnis des Instituts, das der Kundenberater zur Einsicht bereithält. Eine Ausnahme von der Kostenpflicht machen viele Institute bei den drucktechnisch besonders markierten Spendenzahlscheinen für gemeinnützige Organisationen.

Bareinzahlung bei Tafelgeschäften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bareinzahlung ist bei einem Tafelgeschäft die Gegenleistung für den Kauf von Sorten, Edelmetallen (in Form von Gold- oder Silbermünzen, Medaillen, Barren), Reiseschecks oder Wertpapieren.

Bareinzahlungen können auch in Fremdwährungen vorkommen. Aus Sicht der Bank wird dann ein Sortenankauf getätigt. Er kommt beispielsweise vor, wenn Privatpersonen von einer Auslandsreise nicht benötigte frei konvertible Fremdwährung wieder in inländische Währung umwandeln wollen. Häufig werden von den Kreditinstituten nur ausländische Banknoten zurückgenommen, weil Scheidemünzen den Aufwand in den Instituten merklich erhöhen.

Bargeldbewegung mit der Notenbank[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kreditinstitute ihrerseits führen Bareinzahlungen von Banknoten und/oder Scheidemünzen bei der jeweiligen nationalen Notenbank, in Deutschland mit den Bundesbankfilialen, durch. Dabei werden die Vorschriften über die Anlieferung von gebündelten Banknoten bzw. Münzrollen in Geldsäcken beachtet. Die Kreditinstitute bedienen sich ebenfalls auf den Geldtransport spezialisierter Unternehmen.

Transaktionen mit anderen Finanzdienstleistern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bareinzahlungen nehmen im Finanztransfergeschäft zur Ausführungen von Express-Zahlungsanweisungen beispielsweise die Anbieter MoneyGram oder Western Union entgegen. Sie sorgen dann dafür, dass im Ausland der Betrag dem Begünstigten zufließt.

Sonstige Transaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch wenn Bareinzahlungen mittlerweile hauptsächlich Kreditinstitute und andere Finanzdienstleister tangieren, sind sie in anderen Branchen oder Stellen nicht ausgeschlossen. Noch bis in die 1980er Jahre hinein gab es öffentliche Finanzkassen, die traditionellerweise Bargeld entgegennahmen. Im öffentlichen Bereich hat sich inzwischen jedoch aus Kostengründen der Trend zur bargeldlosen Zahlung in der modernen Welt durchgesetzt. Es gibt jedoch bei Stadtwerken oder anderen Energieversorgungsunternehmen weiterhin die Möglichkeit, eine fällige Schuld durch Bareinzahlung zu begleichen.

Geldwäschegesetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Annahme großer Geldbeträge unterliegt den jeweiligen gesetzlichen und sonstigen Bestimmungen über Geldwäsche. Der Einzahlende muss deshalb gegebenenfalls vom Kassierer identifiziert werden.

Bei Einzahlungen ab 15.000 Euro (auch in Form von „smurfing“, d. h. einzelne Einzahlungen, die 15.000 Euro ergeben, § 10 Abs. 3 Nr. 2 des Geldwäschegesetzes) bzw. Sorten im Gegenwert von 2.500 Euro (§ 25k Abs. 1 KWG) ist dies in Deutschland zwingend vorgeschrieben.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sönke Peters/Rolf Brühl/Johannes N. Stelling, Betriebswirtschaftslehre, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2005, ISBN 3-486-57685-2
  2. Gabler Wirtschaftslexikon, Artikel Bargeschäfte
  3. Pressemitteilung Nr. 12/15 vom 27.1.2015. In: juris.bundesgerichtshof.de. Abgerufen am 11. Dezember 2016.