Baritonhorn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Vorlage:Infobox Musikinstrument/Wartung/Parameter Klangbeispiel fehlt

Baritonhorn
Deutsches Bariton Bohrung 14,7mm.jpg
Baritonhorn in deutscher Bauweise
Klassifikation Aerophon
Blechblasinstrument
Tonumfang Tenorhorn Tonumfang.svg
Tonumfang eines vierventiligen Baritons
Verwandte Instrumente Tenorhorn, Euphonium, Posaune

Das Bariton (Baryton, Baritonhorn) ist ein Blechblasinstrument aus der Familie der Bügelhörner. Es verfügt über drei oder vier Ventile, sehr ähnlich dem Tenorhorn. Grundstimmung des Baritons ist ebenfalls Kontra-B, es ist jedoch weiter mensuriert gebaut. Geblasen wird das Baritonhorn mit dem Kesselmundstück.

In Mittel- und Osteuropa wird das Bariton zumeist in der ovalen (böhmischen) Form verwendet, historisch war auch das Bariton in gerader (deutscher) Form verbreitet. In den letzten Jahren hat sich zunehmend auch die gerade Bauform mit dem Schalltrichter nach vorne, das "Bellfront" (des Öfteren auch als "Oberkrainerbariton" bezeichnet) etabliert, das aus dem westeuropäischen Raum (Frankreich, Benelux-Staaten, Iberische Halbinsel und vor allem Großbritannien) stammt. Gemeinsam ist allen Baritonhörnern eine Grundrohrlänge von 2,62 m.

Unterschiede zwischen Bariton- und Tenorhorn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Unterschied zum Tenorhorn ergibt sich aus der Mensur des Baritons, die wesentlich weiter, d. h. stärker konisch ist. Der Mensurunterschied zwischen den beiden Hörnern ist in etwa vergleichbar mit demjenigen zwischen Kornett und Flügelhorn, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt.

Aufgrund der weiteren Mensur kann der Grundton des Baritons leichter als Pedalton gespielt werden als auf dem Tenorhorn. Weiterhin klingt das Bariton etwas weicher und in den tiefen Lagen voller als das Tenorhorn. Heutzutage werden Tenorhornstimmen meistens, wegen des weicheren Klanges, mit einem Bariton gespielt. Außerdem führt die weite Mensur dazu, dass die Intonation auf dem Bariton variabler ist als die des Tenorhorns. Daher können vor allem in den tiefen Lagen schlecht stimmende Töne vom Baritonspieler noch leichter mit dem Ansatz korrigiert werden. Ein Unterschied liegt auch darin, dass das Bariton meist mit vier (manchmal auch 5) Ventilen ausgestattet ist. Das vierte Ventil ist ein Quartventil, das nicht nur zu einer besseren Stimmung bestimmter Töne (c und F mit 4 statt 1+3, H und E mit 2+4 statt 1+2+3) beiträgt, sondern dem Instrument eine um die Quarte erweiterte Tonskala in der Tiefe verleiht (tiefster Ton außer Pedalton Kontra-B ist Kontra-H).

Die Tenorhornstimme wird im Violinschlüssel notiert, während die Stimmen für das Bariton oft auch im Bassschlüssel geschrieben werden. Stimmen im Violinschlüssel für das Bariton werden oftmals aber ebenfalls verwendet, insbesondere in Südwestdeutschland und in der Schweiz. Dies hat traditionelle Gründe, in der Praxis sind Baritonspieler oft Blechbläser, die auf den hohen Instrumenten Trompete, Flügelhorn oder Es-Horn begonnen haben und deshalb die B-Stimmen mit Violinschlüssel gewohnt sind. Gelernte Baritonspieler beginnen heute zunehmend mit klingender Notation (C-Stimme) und Bassschlüssel.

Im Posaunenchor wird meist das Baritonhorn im Bass und das Tenorhorn im Tenor eingesetzt. Hier werden beide Stimmen in der Regel im Bassschlüssel notiert.

Vergoldetes Bellfront Baritonhorn

Verwendung des Baritonhorns[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während das Baritonhorn früher getrennt vom zumeist dreistimmigen Tenorhornsatz notiert und verwendet wurde, hat sich diese Unterscheidung ungefähr seit Beginn der 1990er-Jahre überlebt. Bei der Besetzung der Blasorchester wurde zunehmend auf das 2./3. Tenorhorn verzichtet, und somit nur noch die Bariton- und 1. Tenorhorn-Stimme besetzt. Die Besetzung in der westeuropäischen/amerikanischen Literatur sieht bei den modernen Stücken sehr oft nur eine Stimme für Tenorhorn und Baritonhorn vor, die dann aber im Violin- und Bassschlüssel notiert und oftmals vom Euphonium gespielt wird.

Baritonhornspielerin in Ottrott (böhmisches Bariton)

Bei Neuanschaffungen geht der Trend vom Tenorhorn zum Baritonhorn. Die Anforderungen an den Baritonspieler werden durch diese Praxis erhöht, da er nunmehr nicht nur für die Bariton- sondern auch für die Tenorlage im Blechregister zuständig ist. Konkret stoßen Baritonstimmen mittlerweile bis zum klingenden b' und höher vor, z. B. in Kompositionen und Arrangements von Philip Sparke (MacArthur Park). Die bereits erläuterten Unterschiede zwischen Tenor- und Baritonhorn werden so nicht mehr für ein erweitertes Klangbild genutzt. Andererseits sind die beiden Hornvarianten in den höheren Lagen (ungefähr vom b aufwärts) aufgrund ihres beinahe identischen Klangspektrums in diesen Lagen ohnehin kaum voneinander zu unterscheiden, da die Formanten dort keinen Einfluss mehr haben.

Selten taucht das Baritonhorn auch in der symphonischen Literatur auf, da hier für gewöhnlich die Tenorlage der Blechbläserstimmen von Waldhörnern besetzt (seltener Wagnertuben) werden. Beispiele für den Einsatz des Baritons wären hier beispielsweise John Williams’ Filmmusik zum Steven-Spielberg-Film Jurassic Park (beispielsweise in dem Solo in den letzten Takten des Soundtracks) oder auch in der Filmmusik zu Disneys Toy Story von Randy Newman.

Die Beliebtheit von Tenor- und Baritonhorn in der traditionellen Blasmusik (insbesondere Marsch- und Polkaliteratur) ist indes ungebrochen. Die Stimmführung des Baritonhorns ist oft als zweistimmiger homophoner Satz mit dem Tenorhorn zu finden, beide Stimmen können sich aber auch stark unterscheiden (Beispiel: Florentiner Marsch von Julius Fučík). Das Baritonhorn erfüllt im Blasorchester oft die gleiche Funktion wie das Fagott, wobei letzteres nur bei symphonischen Blasorchestern besetzt ist.

Das englische Bariton[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baritone horn mit drei Ventilen

Im englischen Sprachraum versteht man unter einem baritone horn (oder kurz baritone) ein tiefes Mitglied der Saxhorn-Familie, das ebenfalls in B gestimmt ist und in seiner Mensur weitgehend dem deutschen Tenorhorn entspricht. Analog dazu lässt sich der englische Begriff euphonium am ehesten mit dem deutschsprachigen Baritonhorn vergleichen.

Es besitzt in der Regel drei oder vier Périnetventile ohne Kompensationssystem. In Großbritannien ist es praktisch ausschließlich in Brass Bands anzutreffen. In den USA wird es auch häufig in High School- und College-Kapellen gespielt, da viele Schulen noch ältere Leihinstrumente im Fundus haben. Diese werden bei Neuanschaffungen aber vermehrt durch einfache Euphonien ersetzt.

Das heute noch gelegentlich anzutreffende Missverständnis, dass es sich bei dreiventiligen Instrumenten grundsätzlich um Baritone und bei vierventiligen um Euphonien handele, geht darauf zurück, dass manche amerikanischen Hersteller früher ihre Topmodelle als „Euphonien“ und ihre Einsteigermodelle als „Baritone“ vermarkteten. In der Praxis sorgt die unterschiedliche Interpretation des Begriffs Bariton(e) in der deutschen bzw. englischen Sprache in deutschsprachigen Musikerkreisen für gelegentliche Irritationen, da die Bezeichnungen bei vielen Notensätzen auf die englische Sprache abgestimmt sind (betrifft sowohl Titel wie auch Instrumentenbezeichnungen, insbesondere bei den regen Verlagen aus den Benelux-Ländern).

Ein sehr ähnliches Instrument wie das englische Bariton ist auch in Frankreich als baritone oder barytone gebräuchlich, dort jedoch eher mit drei Ventilen und Kompensationssystem.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Baritonhorn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Baritonhorn – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen