Barmenia

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Barmenia
Logo Barmenia Versicherungen
Rechtsform VVaG, AG
Gründung 1904
Sitz Wuppertal, Deutschland
Leitung Andreas Eurich (Vorsitzender)
Mitarbeiter 3487 (2015)[1]
Umsatz 1,91 Mrd. Euro (2015)[1]
Branche Versicherungswesen
Website www.barmenia.de

Die Barmenia Versicherungen (kurz: Barmenia) sind eine große unabhängige Versicherungsgruppe mit Sitz in Wuppertal, von deren Stadtteil Barmen sich der Name der Versicherung ableitet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsgebäude in Wuppertal

Die heutige Barmenia Krankenversicherung a. G. wurde 1904 ursprünglich als Gewerbekrankenkasse zu Leipzig gegründet. Das Geschäftsgebiet war zunächst auf die Kreishauptmannschaft Leipzig begrenzt. 1905 firmierte die Kasse auf Friedrich August Bürgerliche Versicherungsbank a. G. zu Leipzig um. 1909 erweiterte die Kasse ihr Geschäftsgebiet auf das gesamte Königreich Sachsen und nannte sich Friedrich August Sächsische Versicherungsbank a. G. zu Leipzig. Zur Vereinigung mit der Gewerbe- und Handwerkerkrankenkasse für das Königreich Sachsen – Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VaG) zu Leipzig kam es 1923. Der Versicherungsverein hieß von da an Versicherungs-Anstalt für Beamte und freie Berufe VaG. Schließlich fand 1930 eine Umbenennung in Leipziger Verein für Krankenversicherung der Beamten und freien Berufe a. G. statt. Die Lebensversicherung erhielt den Namen Leipziger Verein für Lebensversicherung auf Gegenseitigkeit.

1922 ging als weiterer Zweig der in Barmen (heute zu Wuppertal) ansässigen größten deutschen Krankenkasse, der Barmer Ersatzkasse, die Barmenia Versicherungsbank für Mittelstand und Beamte VaG zu Barmen als späterer Namensgeber hervor. Im Jahr 1926 folgte die Gründung der Barmenia Lebensversicherung-AG zu Barmen und 1928 die Gründung der Leipziger Fürsorge Lebensversicherung a. G. 1931 fusionierten die beiden Kranken- und Lebensversicherungsunternehmen. Die Unternehmen Leipziger Verein-Barmenia Krankenversicherung für Beamte, freie Berufe und Mittelstand a. G. und Leipziger Verein-Barmenia Lebensversicherung a. G. hatten ihren Sitz in Leipzig.

Die Geschäftspolitik der Leipziger Verein-Barmenia Krankenversicherung war durch einen starken Antisemitismus geprägt. So bezeichnete im Jahr 1931 das Vorstandsmitglied Max Teichmann Juden als das „denkbar schlechteste Risiko“,[2] da sie angeblich Krankheitssymptome bewusst übertrieben. Die Krankenversicherung gehörte ab 1932 zu den Förderern des Nationalen Krankenversicherungsvereins, der vor allem Mitglieder der NS-Bewegung versicherte. Die Bezirksdirektion Hamburg beschäftigte ab Dezember 1933 keine Juden mehr und schloss keine neue Versicherungen mehr mit Juden ab.[3] In den folgenden Jahren wurde jüdischen Versicherten die Gewinnbeteiligung vorenthalten und Anfang 1939 begann die Leipziger Verein-Barmenia Krankenversicherung, mit 800.000 Versicherten größter privater Versicherer in Deutschland, mit dem Ausschluss durch Leistungsverweigerung. Die entsprechende Anweisung erließ das Reichsaufsichtsamt erst im April 1940. Der „nationalsozialistische Musterbetrieb“ erhielt Zulassungen für den neuen Reichsgau Danzig-Westpreußen, Luxemburg und Belgien und eröffnete Geschäftsstellen in Kattowitz und Prag.[4]

Die Folgen des Zweiten Weltkriegs waren für beide Unternehmen schwerwiegend. Private Versicherungsunternehmen wurden verboten, ihr Vermögen beschlagnahmt.

Das Verwaltungsgebäude in Wuppertal, im Vordergrund der damals im Bau befindliche Neubau (Mai 2008)

In der sowjetischen Zone war ein Weiterarbeiten der Unternehmen unmöglich geworden. 1951 verlagerte die Lebensversicherung ihren Sitz nach Hamburg, die Krankenversicherung zog nach Wuppertal. In Wuppertal wurde 1958 die Barmenia Allgemeine Versicherungs-AG gegründet. Im Jahre 1966 zogen die Barmenia Krankenversicherung und die Barmenia Allgemeine an den heutigen Standort in der Kronprinzenallee. 1971 verlegte schließlich auch die Barmenia Lebensversicherung a. G. ihren Sitz von Hamburg nach Wuppertal. Nach der Wiedervereinigung konnte die Barmenia wieder an ihren Stammsitz in Leipzig zurückkehren, wo sie im Jahr 1990 eine Bezirksdirektion eröffnete.[5] 2010 wurde der Neubau der Hauptverwaltungen an ihrem angestammten Platz in der Kronprinzenallee in Wuppertal eröffnet[6], der seit Mai 2012 auf dem betreffenden Teilstück Barmenia-Allee[7] heißt. Seit 2016 ist die Barmenia Haupt- und Trikotsponsor des Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen.[8]

Geschäftsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Barmenia Versicherungen sind ein Allspartenversicherer. Der umsatzstärkste Bereich sind dabei die Krankenversicherungen, gefolgt von Lebensversicherungen. Außerdem gehören Unfall- und Kraftfahrzeugversicherungen sowie Haftpflicht- und Sachversicherungen zum Angebot.[9] Insgesamt hat die Gruppe im Jahr 2015 Beitragseinnahmen von rund 1,91 Mrd. Euro erzielt, bei einem Bestand von fast 1,94 Millionen Versicherungsverträgen.[10] Für die Barmenia sind nahezu 3500 Mitarbeiter im Innen- und Außendienst sowie über 11.000 Makler tätig.[11] Am Hauptsitz der Barmenia in Wuppertal arbeiten 1581 Mitarbeiter sowie 85 Auszubildende.[12] (Stand 31. Dezember 2015) Mit ihren Hauptverwaltungen, 40 Bezirksdirektionen, sieben Maklerdirektionen, 17 Bezirksleitungsbüros und einer Vielzahl von Agenturen sind die Barmenia Versicherungen im gesamten Bundesgebiet tätig.[13]

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Barmenia Kranken- und Lebensversicherung werden in der Rechtsform des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit geführt. Die Kunden der Versicherungsvereine sind gleichzeitig Mitglieder.[11] Der Vorstand der beiden Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit setzt sich zusammen aus Andreas Eurich (Vorstandsvorsitzender) sowie Ulrich Lamy, Frank Lamsfuß, Martin Risse und Kai Völker.[14]
  • Die Barmenia Krankenversicherung a. G., gegründet 1904, ist das größte Unternehmen der Unternehmensgruppe und wird in der Rechtsform des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit geführt. Sie betreibt die Krankenversicherung und bietet in erster Linie Krankheitskostenvollversicherungen sowie Krankheitskostenergänzungsversicherungen und Pflegeversicherungen an.[15]
  • Die Barmenia Lebensversicherung a. G., gegründet 1928, bildet zusammen mit der Krankenversicherung einen Gleichordnungskonzern, der sich durch einheitliche Führung ohne kapitalmäßige Beteiligung auszeichnet.[15]
  • Die Barmenia Allgemeine Versicherungs-AG, gegründet 1957, betreibt alle weiteren Versicherungszweige, insbesondere die Sach-, Haftpflicht-, Unfall- und Kraftfahrzeugversicherungen. Die Aktien befinden sich zu 100 Prozent im Besitz der Barmenia Krankenversicherung a. G.[15]
  • Die ADCURI GmbH, gegründet 2009, ist eine 100-prozentige Tochter der Barmenia Allgemeine Versicherungs-AG. Gegenstand der Gesellschaft ist es, Versicherungsprodukte zu vertreiben und die Vertragsverwaltung von Versicherungsverträgen im Auftrag des Versicherers zu übernehmen.
  • Die Barmenia Beteiligungsgesellschaft mbH, gegründet 1994, hält Anteile an konzernfremden Unternehmen sowie Grundstücken.[15]

Geschäftsergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1991 betrug die Beitragseinnahme der Barmenia-Gruppe 1 Milliarde DM bei über 1 Million Verträgen. 2015 beliefen sich die Beiträge auf über 1,91 Milliarden Euro bei 1,94 Millionen von den drei Versicherungsunternehmen verwalteten Verträgen, wovon ein großer Teil mit rund 0,93 Millionen Verträgen und insgesamt etwa 1,23 Millionen versicherten Personen auf den Bereich der privaten Krankenversicherung entfiel.[1]

Kundenservice[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2015 wurden innerhalb der Barmenia-Gruppe 3,45 Millionen Geschäftsvorfälle bearbeitet. Die Anzahl der Beschwerden lag bei 690, was einer Beschwerdequote von 0,02 % entspricht.

Verweigerung von Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. September 2012 zeigte das Magazin Panorama eine Dokumentation, in der kritisiert wurde, dass durch die Barmenia Unfallversicherung die Abwicklung von Versicherungsfällen verzögert würde.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Barmenia Versicherungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Geschäftsergebnisse 2015 auf der Website der Barmenia.
  2. Max Teichmann, Das Risiko in der privaten Krankenversicherung, in: Assekuranz-Jahrbuch 50 (1931), S. 126. Zitiert nach Ingo Böhle: Juden können nicht Mitglieder der Kasse sein – Versicherungswirtschaft und die jüdischen Versicherten im Nationalsozialismus am Beispiel Hamburg, S. 24
  3. Ingo Böhle: Juden können nicht Mitglieder der Kasse sein – Versicherungswirtschaft und die jüdischen Versicherten im Nationalsozialismus am Beispiel Hamburg, S. 24 (PDF; 710 kB)
  4. Tobias Romberg: Als die Barmenia braun war. In:Die Zeit, 13. November 2008, S. 37
  5. *Barmenia Krankenversicherung a. G.: Die Geschichte der Barmenia. Wuppertal 2004.
  6. aib: Projektsteuerung Erweiterung, Umbau und Sanierung der Hauptverwaltung Barmenia Versicherungen Wuppertal In: aib-online, abgerufen am 3. Februar 2014.
  7. Henrik Günther: Die Barmenia hat eine eigene Allee. In: Westdeutsche Zeitung, 4. Mai 2012, abgerufen am 19. September 2012.
  8. Barmenia wird Haupt- und Trikotsponsor bei Bayer 04, auf bayer04.de vom 3. Juni 2016
  9. Angebotsübersicht
  10. Geschäftsergebnisse im Detail
  11. a b Kurzprofil des Unternehmens
  12. Übersicht des Standortes Wuppertal auf der Firmenwebsite
  13. Anschriften der Hauptverwaltungen, Bezirks- und Maklerdirektionen
  14. Übersicht der Vorstände des Unternehmens
  15. a b c d Geschäftsbericht 2013
  16. Panorama-Sendung vom 4. September 2012

Koordinaten: 51° 15′ 5″ N, 7° 9′ 33″ O