Barmherzige Brüder vom hl. Johannes von Gott

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Die Barmherzigen Brüder vom heiligen Johannes von Gott, eigentlich Hospitalorden des heiligen Johannes von Gott, lateinisch Ordo Hospitalarius Sancti Johannis de Deo (Ordenskürzel OH) sind ein katholischer Krankenpflegeorden, als dessen Ordensvater der heilige Johannes von Gott gilt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1539 gründete Johannes von Gott sein erstes „Spital“ in Granada.
  • 1547 gründete Johannes von Gott mit Hilfe des Erzbischofs Pedro Guerrero das Spital am Gomelez-Abhang in Granada.
  • 1552 gründete sein Nachfolger Antón Martín ein weiteres Spital in Granada und darauf in Madrid.
  • 1571 erkannte Papst Pius V. die Hospitalbrüder an und gab ihnen die Regel des hl. Augustinus.

Ordensprofil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Barmherzigen Brüder sind meist Laien, die neben den drei Gelübden (Armut, Gehorsam, Ehelosigkeit) noch das ordensspezifische Gelübde der Hospitalität (‚Gastfreundschaft‘)[1] ablegen.

Generalpriore[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Benedetto Menni (1911–1912)
  • Brian O’Donnell (1988–1994)
  • Pascual Piles Ferrando (1994–2006)
  • Donatus Forkan (2006–2012)
  • Jesús Etayo Arrondo (seit 2012)

Ordensprovinzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptsitz (Generalat) befindet sich in Rom. Der Orden ist in 53 Ländern der Erde in der Kranken- und Altenpflege, der Behindertenhilfe, der Obdachlosenfürsorge und in den letzten Jahren verstärkt in der Hospizarbeit und der Palliativmedizin tätig.

Im deutschen Sprachraum gibt es zwei Ordensprovinzen:

  • Bayerische Ordensprovinz (Sitz in München)
  • Österreichische Ordensprovinz (Sitz in Wien)

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bayerische Ordensprovinz gilt als Pionier der Hospizarbeit in Bayern. Sie wurde 1851 von Pater Magnobonus Markmiller in Neuburg an der Donau gegründet, der auch ihr erster Provinzial war. Die erste bayerische Palliativstation befindet sich seit 1991 am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in München. In Regensburg betreiben die Barmherzigen Brüder das größte Ordenskrankenhaus in Deutschland.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Zeit der Habsburgermonarchie gehörte Feldsberg zu Niederösterreich, es liegt als Valtice heute in Tschechien: Hier wurde 1603 das erste Spital nördlich der Alpen und das erste in der Habsburgermonarchie gegründet.

Das Krankenhaus Krankenhaus Barmherzige Brüder in Wien Leopoldstadt wurde 1614 von Frater Gabriel Ferrara aus Mailand gegründet und erhielt 1625 die Erlaubnis zur Führung einer Apotheke. Sie kamen auf Wunsch des Fürsten von Liechtenstein, der in Italien von Ordensleuten gepflegt wurde. Beide Einrichtungen bestehen bis heute.

1615 wurde das Krankenhaus Graz mit 12 Betten gegründet. Mit Grundsteinlegung am Platz beim Lotterbrunnen "auf der Lend" am 20. Juni im Beisein von Pater Bernhard Fyrdram, dem späteren Prior. Der Platz war ein Richt- und Gefängnisplatz, das Kruzifix von dort ist heute im Refektorium.[2][3] Ebenso 1615 wurde eine öffentliche Apotheke gegründet. Das Krankenhaus wurde im 2. Weltkrieg zum Lazarett und verblieb wie die Apotheke grundlegend zerstört und wurde vom Orden ab 1945/46 wieder aufgebaut. Die Apotheke "Zum Granatapfel" wurde 70 Jahre verpachtet und um 2015 wieder vom Orden selbst übernommen.

1757 erfolgte die Gründung eines weiteren Krankenhauses am Schillerplatz in Linz. 1789 wurde nach Auflassung des Karmelitinnenklosters in der Herrengasse das Konventhospital Barmherzige Brüder dorthin verlegt.

Zum 350-Jahr Jubiläum in Österreich wurde von der Österreichischen Post eine Briefmarke herausgegeben.[4]

Im Jahr 2000 wurde in Wien Leopoldstadt (2. Bezirk) beim Krankenhaus Barmherzige Brüder der Johannes-von-Gott-Platz nach dem Ordensgründer benannt.

In der an Krankenhaus und Apotheke der Brüder angrenzende und durch zwei Zugänge innerhalb der Gebäude verbundene Barmherzigenkirche in Graz, Annenstraße 4 ist seit 1973 die Schiffsglocke der SMS Tegetthoff (1912) montiert.

Krankenhäuser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Krankenhaus Eisenstadt
  • Krankenhaus Graz
    • 1. Standort 8020 Marschallgasse 12, Bezirk Lend. Angrenzend an Konvent mit Apotheke "Zum Granatapfel", und der Barmherzigenkirche (der Stadtpfarre), die beide mit Hausnummer 4 der Annenstraße anliegen; mit weiterer Zufahrt (und ab 2021 auch Gebäudefront) an der Kosakengasse. Um- und Ausbau 2003–2010. (Mit Transfer eines etwa 6 m hohen Sgraffitos aus 1955, den Ordensgründer darstellend, vom ehemaligen OP-Trakt,[5] der abgerissen wurde, an eine hohe Altbau-Nord-Wand des denkmalgeschützten Konventgebäudes nächst dem elliptischen neuen Eingangsgebäude). Eine weitere Um- und Ausbauphase ist für 2016–2021 geplant. Weitere nicht denkmalgeschützte Gebäude, etwa das angekaufte Gebäude der Arbeiterkammer an der Kosakengasse, sollen dafür abgerissen werden.[6][7] Seit dem 1. Januar 2014 sind beide Standorte organisatorisch zusammengeschlossen. Ab Anfang 2016 Telefondurchwahlen harmonisiert: Die unterschiedliche Teilnehmernummern der zwei Standorte bleiben bestehen, je Standort wird eine spezifische 5. Ziffer ("1" bzw. "2") der bisher 4-stelligen Durchwahl vorangestellt: Standort 1: +43/316/7076-1xxxx. Standort 2: +43/316/5989-2xxxx. [8]
      • 5 Abteilungen: Anästhesiologie und Intensivmedizin + Chirurgie + Gynäkologie + Innere Medizin + Radiologie
    • 2. Standort 8020 Berggasse 27, Bezirk Eggenberg. Wird fortgeführt bis zur zukünftigen (geplant für etwa 2021) geografischen Zusammenlegung in die Marschallgasse.
      • 6 Abteilungen: Innere Medizin + Neurologie + Psychiatrie und Psychotherapie + Radiologie + Nuklearmedizin + Laborverbund
  • Krankenhaus der Elisabethinen Klagenfurt (beteiligt)
  • Krankenhaus Linz (bei Großanlagen kooperierend mit dem benachbarten KH der Barmherzigen Schwestern)
  • Krankenhaus Salzburg
  • Krankenhaus St. Veit/Glan
  • Krankenhaus Wien

Zur Provinz Österreich gehört auch das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Bratislava in der Slowakei.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vera Schauber: Pattloch Namenstagskalender. Augsburg 1994, ISBN 3-629-00431-8.
  • Meinhard Sajovitz: Festschrift 1995 zum 500. Geburtstag des Ordensgründers der Barmherzigen Brüder, des heiligen Johannes von Gott (1495 - 1550). Provinzialat der Österr. Provinz der Barmherzigen Brüder, Wien 1995.
  • Meinhard Sajovitz: Die Barmherzigen Brüder in Österreich 1978-2000. Provinzialat der Österr. Provinz der Barmherzigen Brüder, Wien 1999, ISBN 3-9501183-0-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brothers Hospitallers of St. John of God – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Deutschland:

Österreich:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hospitalität – Unser Selbstverständnis. barmherzige-brueder.at
  2. http://www.barmherzige-brueder.at/pages/graz400/home Barmherzige Brüder Österreich: Wir heilen Menschen. Seit 400 Jahren! 400 Jahre Graz, 2015, abgerufen 5. Januar 2016.
  3. http://www.barmherzige-brueder.at/pages/graz400/geschichte/gruendungklosterhospital Gründung des Klosters und Hospitals, 2015 (?), abgerufen 5. Januar 2016.
  4. Eintrag zu 350 Jahre Barmherzige Brüder in Österreich im Austria-Forum  (als Briefmarkendarstellung)
  5. http://www.barmherzige-brueder.at/pages/graz400/geschichte/entwicklungenseit1950 Die Entwicklungen seit 1950, 2015, abgerufen 6. Januar 2016.
  6. http://www.barmherzige-brueder.at/site/graz/home/article/33978.html KH Barmherzige Brüder Graz: Barmherzige Brüder Graz 2020, Ausbauprojekt, 20. April 2015, abgerufen 5. Januar 2016.
  7. http://www.architekturwettbewerb.at/competition.php?id=1431 Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten (bAIK): Ausschreibung Architekturwettbewerb, 7. August 2014 (Auslobung 1. Teil), abgerufen 5. Januar 2016.
  8. http://www.barmherzige-brueder.at/site/graz/home/article/34746.html Geänderte Durchwahlen, o.J., abgerufen 5. Januar 2016.
  9. FCP – Fritsch, Chiari & Partner ZT GmbH: Barmherzige Brüder, Krankenhaus Bratislava, Errichtung einer Tagesklinik, Projektbeschreibung (PDF; 125 kB) o.J., abgerufen am 12. Jänner 2013