Barmherzigenkirche (Graz)

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Dieser Artikel erläutert die Kirche der Barmherzigen Brüder, zu der der Schwestern siehe Kirche der Barmherzigen Schwestern (Graz).
Frontansicht mit schwingender Turmfassade

Die Barmherzigenkirche Mariä Verkündigung ist eine römisch-katholische Kirche im vierten Grazer Gemeindebezirk Lend. Der Sakralbau liegt an der Annenstraße zwischen Südtiroler Platz und Roseggerhaus. Die Kirche ist eine Seelsorgestelle des Konvents der Barmherzigen Brüder, die auch das Krankenhaus betreuen, und gehört zur Pfarre Graz-Mariä Mariahilf im Dekanat Graz-Mitte der Stadtkirche Graz.

Geschichte[Bearbeiten]

Ansicht vom Grazer Schlossberg

Im Jahr 1615 wurde eine Niederlassung der Barmherzigen Brüder in Graz beschlossen. Der ausschlaggebende Grund war die unerwartete Heilung des Erzherzogs Maximilian Ernst, der durch Frater Gabriel Ferrara von einer Armamputation bewahrt wurde. Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder war das erste Spital in Graz im eigentlichen Sinn.

Den Brüdern wurde der Platz, auf dem sich die ehemalige Richtstätte der Murvorstadt befand, zur Verfügung gestellt. Der Grundstein wurde von Landesfürst Erzherzog Ferdinand und seinem Bruder Maximilian Ernst vollzogen. Der Dreißigjährige Krieg verzögerte den Baufortschritt enorm, sodass die Kirche erst 1636 geweiht werden konnte. Nach hundert Jahren wurde diese erste Barmherzigenkirche wegen Baufälligkeit abgerissen und durch die jetzige ersetzt (1735–1740). Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts diente die Barmherzigenkirche auch als Garnisonskirche, wovon Kriegsdenkmäler und Gedenkstätten zeugen. Im Nationalsozialismus wurden die Barmherzigen Brüder enteignet; ein Bruder starb im Konzentrationslager Auschwitz. Nach dem Krieg gelang jedoch der Neubeginn des Konvents, dessen Kontinuität bis in die Gegenwart gewährt ist.

In der Barmherzigenkirche, welche auch als Garnisonskirche dient befindet sich seit dem 23. Juli 1973 die Schiffsglocke des Schlachtschiffs SMS Tegetthoff der Österreichischen Marine, die ab 1942 an Bord des deutschen Schweren Kreuzers Prinz Eugen war.[1][2]

Architektur und Gestaltung[Bearbeiten]

Hochaltar von Josef Schokotnigg

Baumeister war der Grazer Hofbaumeister Johann Stengg, der auch die Klosterkirche in Rein erneuerte. Die Architektur und die Innenausstattung sind im Stil des Hochbarocks und ein Höhepunkt in der Entwicklung der steirischen Barockbaukunst. Eine Besonderheit ist die schwingende Turmfassade, zu der es in Österreich kaum Vergleiche gibt, und die daher eine außergewöhnliche kunsthistorische Bedeutung aufweist.

Der Innenraum wird von den seitlichen Wandpfeilern geprägt, die beidseitig je drei kapellenartige Nischen, die mit Seitenaltären versehen sind, bilden. Der Hochaltar stammt vom Grazer Bildhauer Josef Schokotnigg und bildet in einer prunkvollen und reichen Innenraumgestaltung den Höhepunkt.

Im Altarbild befindet sich eine Darstellung der Verkündigung des Engels an Maria. Über dem Bildnis thront Gottvater von Engeln umgeben. Zwischen den seitlichen Säulen findet man plastische Darstellungen von Szenen, die mit dem Orden der Barmherzigen Brüder in Zusammenhang stehen: die Annahme des Ordens durch Papst Pius V., der Ordensgründer Johannes von Gott, der selige Johannes Grande bei der Bannung eines Pestteufels und der heilige Karl Borromäus bei der Kommunionsspende an einen Pestkranken. Der berühmte südtiroler Bildhauer Veit Königer schuf den Herz-Jesu-Altar als sein erstes bekanntes Werk für die Barmherzigenkirche.

Auf dem Schalldach der Kanzel kämpft der Erzengel Michael gegen den Drachen als Symbol des Bösen und am Schalldachrand sitzen die Figuren von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. In einem Medaillon stehen folgende Worte, die Ähnlichkeit mit jenen der Bergpredigt aufweisen: „Selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“ Am Kanzelkorb sind Szenen aus dem Leben des Ordensgründers Johannes von Gott dargestellt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alois Kölbl, Wiltraud Resch: Wege zu Gott. Die Kirchen und die Synagoge von Graz. 2., erweiterte und ergänzte Auflage. Styria, Graz 2004, ISBN 3-222-13105-8, S. 148–151.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. TEGETTHOFF-Glocke in der Garnisonskirchemeinekleine.kleinezeitung.at
  2.  Ingo Bauernfeind: Radioaktiv bis in alle Ewigkeit – Das Schicksal der Prinz Eugen. E. S. Mittler & Sohn, Hamburg/Berlin/Bonn 2011, ISBN 978-3-8132-0928-0, S. 163.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Barmherzigenkirche, Graz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.07142515.432083333333Koordinaten: 47° 4′ 17″ N, 15° 25′ 55″ O