Bart D. Ehrman

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Bart D. Ehrman (2008)

Bart D. Ehrman (* 5. Oktober 1955 in Lawrence, Kansas) ist ein US-amerikanischer Religionswissenschaftler.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Bart D. Ehrman erhielt eine strengreligiöse evangelikale Erziehung. Um sich intensiv mit dem Glauben auseinandersetzen zu können, studierte er die alten Sprachen der Bibel. Er erwarb den Master und den Doktor am Princeton Theological Seminary. Er ist heute Professor an der University of North Carolina at Chapel Hill.

Je mehr er sich mit der Bibel auseinandersetzte, umso mehr gewann er die Überzeugung, dass die Bibel nicht irrtumsfrei und von Gott offenbart sei, inspiriert bis in die einzelnen Worte hinein, wie er anfangs gedacht hatte; vielmehr sei die Bibel ein sehr menschliches Buch, mit allen Kennzeichen eines von Menschenhand geschaffenen Werkes: Diskrepanzen, Widersprüche, Irrtümer und unterschiedliche Perspektiven von unterschiedlichen Autoren, die zu unterschiedlichen Zeiten aus unterschiedlichen Gründen für unterschiedliche Empfänger mit unterschiedlichen Bedürfnissen geschrieben haben. Ehrman trennte sich von seinen evangelikalen Ansichten, blieb aber zunächst noch Christ.

Entscheidend für seinen Abschied vom christlichen Glauben wurde Jahre später das Theodizeeproblem: Er wurde gewahr, dass er die Lehren des Glaubens nicht mehr mit den Tatsachen des Lebens in Einklang bringen konnte; insbesondere, dass er – angesichts all des Elends und all des Leidens in der Welt – nicht länger glauben konnte, dass es einen guten und allmächtigen Gott gebe, der sich aktiv um diese Welt kümmere.[1]

Heute bezeichnet sich Ehrman als Agnostiker. Er verfolgte intensiv die These Walter Bauers, der zufolge den später als „häretisch“ bezeichneten Teilen des Christentums sowohl zeitlich als auch sachlich Priorität zukommt gegenüber der späteren „Orthodoxie“. Weiterhin arbeitet er auf dem Gebiet der Textkritik des Neuen Testaments. Dabei wendet er sich dagegen, dass Textkritik ausschließlich als Werkzeug zur Rekonstruktion eines hypothetischen „Urtextes“ der neutestamentlichen Schriften verstanden wird. Vielmehr sieht er in der Vielfalt der verschiedenen Handschriften einen Zugang zur Theologie- und Sozialgeschichte des antiken Christentums.[2]

Werk (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Forgery and Counterforgery. The Use of Literary Deceit in Early Christian Polemics, Oxford University Press, New York 2013, ISBN 978-0-19-992803-3
  • Jesus im Zerrspiegel: Die verborgenen Widersprüche in der Bibel und warum es sie gibt. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2010, ISBN 3579064967
  • Abgeschrieben, falsch zitiert und missverstanden: Wie die Bibel wurde, was sie ist. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2008, ISBN 3579064509
  • God's Problem: How the Bible Fails to Answer Our Most Important Question – Why We Suffer, HarperOne, New York 2008, ISBN 0061173975
  • The New Testament - A Historical Introduction to the Early Christian Writings (1997), ISBN 0195084810
  • The Orthodox Corruption of Scripture - The Effect and Early Christological Controversies on the Text of the New Testament (1993), ISBN 0195102797

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bart D. Ehrman, God’s Problem. How the Bible Fails to Answer Our Most Important Question–Why We Suffer, S. 3
  2. Bart D. Ehrman, The Text as Window: New Testament Manuscripts and the Social History of Early Christianity, in: Ders./Michael W. Holmes, The Text of the New Testament in Contemporary Research. Essays on the Status Quastionis (New Testament Tools, Studies and Documents 42), 2. Aufl. Leiden/Boston 2013, 803−830.

Weblinks[Bearbeiten]