Bartfaden

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Bartfaden
Penstemon rostriflorus

Penstemon rostriflorus

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Tribus: Cheloneae
Gattung: Bartfaden
Wissenschaftlicher Name
Penstemon
Schmidel

Die Bartfaden (Penstemon) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). Mit über 250 Arten ist es eine sehr artenreiche Gattung, die ausschließlich von Nordamerika bis Zentralamerika verbreitet ist.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration von Penstemon pallidus
Blütenstand von Penstemon triflorus
Illustration aus Flore des Serres von Penstemon jeffreyanus
Bei Penstemon serrulatus sind die Blüten in Köpfchen angeordnet
Kapselfrüchte von Penstemon venustus

Die Penstemon-Arten sind morphologisch sehr unterschiedlich.

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Penstemon-Arten wachsen als ausdauernde krautige Pflanzen, einige auch als Halbsträucher oder Sträucher. Je nach Art werden Wuchshöhen von 10 Zentimeter bis 3 Meter erreicht. Die Laubblätter sind meist gegenständig.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In auffälligen Blütenständen stehen viele Blüten zusammen.

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die lange Kronröhre ist zweilippig und kann blau, violett, rot, rosafarben oder weiß sein. Es ist nur ein Staubblattkreis mit fünf Staubblättern vorhanden. Charakteristisch das einzelne auffällige, rückenwärts gebogene, meist behaarte Staminodium, es ist ein steriles Staubblatt. In jeder Blüte gibt es vier fertile Staubblätter. Bei vielen Arten sind sie einfach fadenförmig und erreichen die Öffnung der Kronröhre. Bei anderen ragen die Staubblätter aus der Blüte heraus und sind sehr haarig, deshalb der deutsche Trivialname „Bartfaden“ der Gattung. Manchmal sind die Staubblätter am Ende auch keulenförmig verdickt. Der Nektar absondernde Ring um den Fruchtknoten herum ist bei den Bartfaden-Arten reduziert. Stattdessen wird der Nektar von Drüsenhaaren, die sich zwischen den beiden hinteren Staubfäden und der Blütenkrone befinden, abgegeben.

Es werden Kapselfrüchte mit vielen Samen gebildet.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Penstemon-Arten stammen aus Nordamerika (nach Norden bis Alaska und Kanada und nach Süden bis Guatemala, und in Ost-West-Richtung von Küste zu Küste). Die meisten Arten kommen dabei aus den westlichen gemäßigten Breiten. Viele der Arten sind nur sehr lokal verbreitet. Dies ist auch ein Grund dafür, warum es in freier Natur nur relativ selten Kreuzungen verschiedener Arten gibt, und warum es so viele und so unterschiedliche Bartfaden-Arten gibt (Adaptive Radiation[1]).

Eine Art (Penstemon frutescens) kommt in Japan und dem Osten Russlands vor, wird allerdings als Pennellianthus frutescens in eine eigene, monotypische Gattung Pennellianthus gestellt.

Die einzelnen Arten besiedeln sehr unterschiedliche Habitate – von Wüsten bis Sumpfwäldern, und von den Meeresküsten bis zu den Hochgebirgen.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Botanische Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Penstemon-Art wurde vom amerikanischen Pflanzensammler John Mitchell (1711–1768) 1748 veröffentlicht. Dabei handelte es sich um die Art Penstemon laevigatus. Carl von Linné nahm diese Art 1753 als Chelone pentstemon auf, wobei er die Schreibweise leicht abwandelte, so dass der griechische Ursprung des Wortes (penta für fünf) leichter zu erkennen war. Die ursprüngliche Schreibweise Penstemon setzte sich aber durch und wurde schließlich als offizielle Gattungsbezeichnung akzeptiert. Bis ins 20. Jahrhundert trifft man aber weiterhin ab und zu den Namen Pentstemon. Der botanische Gattungsname Penstemon leitet sich aus den griechischen Wörtern pente für fünf und stemon für Staubblatt ab.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts und dann insbesondere im 19. Jahrhundert wurden weitere Bartfaden-Arten beschrieben, die bis etwa 1820 alle in die Gattung Chelone eingegliedert wurden. Systematische botanische Feldstudien im Großen Becken erhöhten die Zahl der Arten im 20. Jahrhundert auf rund 250.

Eine Revision der Gattung wurde zwischen 1932 und 1957 von David D. Keck durchgeführt. Seit 1946 kümmert sich die American Penstemon Society sowohl um Fragen der Botanik als auch der Kultivierung.

Penstemon ambiguus var. laevissimus

Äußere Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Penstemon wurde traditionell in die Familien der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae) oder Veronicaceae gestellt. Sie gehört aber zur Tribus Cheloneae in der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae).

Innere Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Penstemon wird in sechs Untergattung gegliedert:[2]

  • Penstemon subg. Cryptostemon: Sie enthält nur eine Art.
  • Penstemon subg. Dasanthera: Sie enthält etwa neun Arten.
  • Penstemon subg. Dissecti: Sie enthält nur eine Art.
  • Penstemon subg. Habroanthus: Sie enthält zwei Sektionen und etwa 46 Arten.
  • Penstemon subg. Penstemon: Sie enthält acht Sektionen mit 22 Untersektionen und etwa 186 Arten.
  • Penstemon subg. Saccanthera: Sie enthält zwei Sektionen mit drei Untersektionen und etwa 26 Arten.

Es gibt etwa 275 Penstemon-Arten (Auswahl):

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Heilpflanze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige nordamerikanische Indianerstämme verwendeten Bartfaden-Arten gegen Zahnschmerzen.

Als Zierpflanze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl es sich um eine rein nordamerikanische Gattung handelt, wurde die Zucht von neuen Sorten hauptsächlich in Europa durchgeführt. Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Samen von verschiedenen Bartfaden-Arten dort zum Kauf angeboten. Zu dieser Zeit entstanden auch schon die ersten Hybriden.

Speziell in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts intensivierte sich die Züchtungstätigkeit. Besonders zu nennen sind hier Züchtungen von Victor Lemoine und von Wilhelm Pfitzer. Das Unternehmen des Schotten John Forbes bot 1870 180 Sorten an. Bis 1900 wurde es mit 550 Sorten der weltweit führende Zuchtbetrieb für Bartfaden-Arten, dicht gefolgt von Lemoine mit 470 Sorten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • David Way, Peter James: The Gardener’s Guide to Growing Penstemons. David & Charles Publishers, 1998, ISBN 0-7153-0550-6.
  • Urania Pflanzenreich. Band 4: Blütenpflanzen, 2, 1. Ausgabe, Urania-Verlag, Leipzig 1994, ISBN 3-332-00497-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Botanik Online: Verwandtschaftskreise, Artbastarde, Adaptive Radiation
  2. The Penstemon Website, von Andrea D. Wolfe (updates bis 2000).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bartfaden (Penstemon) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien