Baruch

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Dieser Artikel beschreibt ein biblisches Buch mit dem fiktiven Autor Baruch. Für weitere Träger des Namens siehe Baruch (Name).
Schriftpropheten
des Alten Testaments
Große Propheten
Kleine Propheten
Namen nach dem ÖVBE
Kursiv: Katholischer Deuterokanon

Baruch (abgekürzt Bar) bezeichnet eine griechische Pseudepigraphie, die Baruch, Sohn des Nerija zugeschrieben wurde, dem Schreiber des Propheten Jeremia. In der Septuaginta steht diese Schrift direkt hinter dem Buch Jeremia. Das Judentum übernahm sie nicht in den Tanach. Die Römisch-katholische Kirche und Orthodoxe Kirchen nahmen sie als deuterokanonische Schrift in ihr Altes Testament (AT) auf und stellten sie hinter die Klagelieder Jeremias. In den evangelischen Kirchen gehört sie zu den Apokryphen.

Namensgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baruch, Sohn des Nerija und Quartiermeister des Königs Zedekia, wird im Buch Jeremia als Schreiber dieses Propheten mehrfach erwähnt (Jer 32,12 EU; 36,4–32 EU; 43,1–6 EU; 45,1f EU). Laut Jer 51,59–64 EU war er der Bruder von Seraja.

Siegel eines Schreibers Baruch wurden bei Ausgrabungen in Jerusalem gefunden und 1996 veröffentlicht. Der Text eines der Siegel lautet: „Besitz des Berekhyahu / Sohn des Neriyahu / dem Schreiber“. Ein Tonsiegel in einer englischen Privatsammlung zeigt den Namen Baruch und einen Fingerabdruck. Auch das Siegel eines Seraja („Besitz von Seriahu/Neriyah“) wurde gefunden. [1] Die Funde belegen keine Autorschaft dieses Schreibers für das Buch Baruch oder andere Pseudoepigraphien. Das Buch ist nur auf Griechisch überliefert und kann nicht vom exilischen Schreiber Jeremias verfasst worden sein, da es viel jünger ist. Der wirkliche Autor und der Entstehungsprozess sind unbekannt.

Überlieferung des Textes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahrscheinlich wurde das Buch im 1. Jahrhundert vor Christus aus drei oder vier Teilen zusammengestellt und mit einem Vorwort und einigen überleitenden Abschnitten versehen. Für Bar 1,15–2,35 EU wird allgemein ein hebräischer Ursprung aus vormakkabäischer Zeit angenommen, für die anderen Teile – 3,9–4,4 EU um 200 vor Christus, 4,5–5,9 EU aus dem 1. Jahrhundert vor Christus – wird von einigen Autoren auch ein griechischer Ursprung vertreten. Auch die Auffassung, dass das ganze Buch ursprünglich auf Hebräisch verfasst wurde, wird von verschiedenen Autoren vertreten.

Der Brief des Jeremia liegt ebenfalls nur in Griechisch vor und folgt in der Septuaginta den Klageliedern. In der lateinischen Vulgata wurde der Brief des Jeremia dem Buch Baruch als sechstes Kapitel angehängt. Er trägt aber Spuren der Übersetzung und dürfte deshalb auf Hebräisch verfasst worden sein. Eine Anspielung in 2 Makk 2,1-3 EU und die paläographische Datierung eines griechischen Fragments des Textes in den Schriftrollen vom Toten Meer spricht für eine Entstehung spätestens im 2. Jahrhundert vor Christus. Eine Entstehung um 300 vor Christus zu Beginn der hellenistischen Epoche ist wahrscheinlich.

Aufbau und Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das eigentliche Buch Baruch beginnt mit einer historischen Einführung (1,1-14 EU), in der zunächst (1,1-2 EU) festgestellt wird, dass das Buch vier Jahre nach der Zerstörung Jerusalems durch die Chaldäer in Babel von Baruch (dem Sekretär des Propheten Jeremia) geschrieben wurde, und dann (1,3-14 EU), dass es in einer Versammlung vom Ex-König Jojachin und anderen Juden im babylonischen Exil vorgelesen wurde. Die Versammlung reagierte mit Weinen und Gebet und veranstaltete eine Sammlung und sandte das gesammelte Geld, das Buch und Tempelgeräte, die verschleppt worden waren, die Baruch aber zurückerhalten hatte, nach Jerusalem mit der Bitte um Opfer im Tempel und Gebet.

Der erste Abschnitt des Hauptteils des Buches (1,15–3,8 EU) enthält ein zweifaches Bekenntnis der Sünden, die zum Exil geführt haben (15-2,5 EU; 2,6-13 EU), zusammen mit einem Gebet darum, dass Gott endlich seinem Volk vergeben möge (2,14-3,8 EU):

„Herr, Allmächtiger, Gott Israels! Eine Seele in Ängsten, ein Geist voll Kummer schreit zu dir. Höre, Herr, erbarme dich, da wir gegen dich gesündigt haben.“

– 3,1f EU, Zitate sind aus der Einheitsübersetzung

Während der vorige Abschnitt viel mit dem Buch Daniel gemeinsam hat (vgl. Dan 9,4-19 EU), ähnelt der nächste Abschnitt (3,9–4,4 EU) Passagen im Buch Ijob (vgl. Ijob 28,1ff EU). Es handelt sich um eine Lobeshymne auf die göttliche Weisheit, die nur im Gesetz, das Israel gegeben wurde, gefunden werden kann. Nur in der Form des Gesetzes ist die Weisheit auf der Erde erschienen und ist für Menschen zugänglich:

„Sie ist das Buch der Gebote Gottes, das Gesetz, das ewig besteht. Alle, die an ihr festhalten, finden das Leben; doch alle, die sie verlassen, verfallen dem Tod. Kehre um, Jakob, ergreife sie! Geh deinen Weg im Glanz ihres Lichtes!“

– 4,1f EU

Der letzte Abschnitt umfasst 4,5–5,9 EU. Er besteht aus vier Oden, die alle mit der Aufforderung „Hab(t) Vertrauen“ (4,5.21.27.30 EU) beginnen, und einem Psalm (4,36–5,9 EU), der in großer Nähe zu dem elften der apokryphen bzw. pseudoepigraphischen Psalmen Salomos steht.

In lateinischen und katholischen deutschen Bibelübersetzungen bildet der Brief des Jeremia das Kapitel 6 des Buches Baruch.

Weitere Pseudoepigraphien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Anschluss an das Buch Baruch schrieb man dem Schreiber Baruch spätere weitere Schriften zu:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Odil Hannes Steck: Das apokryphe Baruchbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1993, ISBN 3-525-53842-1
  • Biblical Archaeological Review. Juli/August 1991, S, 27–30

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hershel Shanks: Fingerprint of Jeremiah’s Scribe. Biblical Archaeology Review, März/April 1996, S. 36–38.