Barys Kit

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Barys Kit (2015)

Barys Uladsimirawitsch Kit (weißrussisch Барыс Уладзіміравіч Кіт; * 6. April 1910 in Sankt Petersburg, Russisches Kaiserreich) ist ein weißrussischer Mathematiker, Physiker, Chemiker und Raketenwissenschaftler.[1] Mit 107 Jahren ist er der womöglich älteste Bürger Frankfurts.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kits Vater war Beamter im Kommunikationsministerium. Seine Familie floh vor der Revolution nach Belarus, wo Kit aufwuchs und zur Schule ging.[3] Er studierte an der Universität Vilnius Physik und Mathematik und wurde auch Lehrer am Belarussischen Lyzeum in Vilnius. 1939 eröffnete er unter sowjetischer Besatzung eine Vielzahl von Schulen, darunter auch das von Vilnius nach Nawahradak verlegte Belarussischen Lyzeum.[1]

Unter deutscher Besatzung arbeitete Kit weiterhin als Lehrer im Dorf Lebedewo bei Maladsetschna und später auch als Direktor des Lehrerkollegiums in Pastawy. Weil Kit verdächtigt wurde über Verbindungen zu Partisanen zu verfügen, wurde er für einen Monat vom Sicherheitsdienst des Reichsführers SS inhaftiert. Seine Schüler konnten jedoch seine Freilassung erwirken. Im Jahre 1943 wurde Kit Direktor der Handelsschule von Maladsetschna. Die Studierenden erwarben sowohl eine berufliche Ausbildung als auch ein umfassendes Wissen über die Geschichte und Kultur von Belarus. Das Curriculum der Schule wurde nach einem College-Programm durchgeführt, was vor den Deutschen verborgen wurde. Als die Besatzer dies herausfanden, wurde Kit wieder verhaftet.[1]

1944 floh er zusammen mit seiner Familie vor der Roten Armee nach Deutschland, zunächst nach Offenbach-Lindau und dann nach München. Drei Jahre lang arbeitete Kit als Mathelehrer an der Ukrainischen Nationalschule in München und studierte dort an der Universität Medizin. 1948 wanderte er nach South River (New Jersey) aus, wo er in der pharmazeutischen Industrie arbeitete und den dort lebenden belarussischen Emigranten half.[1] 1950 zog er nach Los Angeles, wo er als Chemiker, unter anderem auch in der Firma North American Aviation, tätig war.[3] Ab den 1950er Jahren arbeitete er 25 Jahre lang im Auftrag der US-Raumfahrtsbehöre u.a. am Antrieb der Apollo-Mission.[4] Dabei war er unter anderem an der Entwicklung des flüssigen Wasserstoffs als Treibstoff und der Kommunikationssysteme der Raketen beteiligt.[2] Kit schrieb ein Handbuch über Raketentreibstoff und unterhielt amerikanisch-sowjetische Kontakte während des Kalten Kriegs. 1972 kam er im Auftrag der University of Maryland nach Frankfurt am Main. Er erhielt einen Doktortitel im Jahr 1983 für seine Dissertation über die Arbeit der polnisch-geborenen Mathematiker und Professor an der Universität Vilnius Antoni Zygmund[5].

Er lebt heute im Altersheim der Jüdischen Gemeinde.[2] Einer seiner Söhne ist in den USA ein bekannter Chirurg. Der andere Sohn ist bereits verstorben.[2] Barys Kit ist in der Vergangenheit immer wieder als Kritiker des autoritären belarussischen Staatspräsidenten Aljaksandr Lukaschenka in Erscheinung getreten.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Archives of Belarus: Boris Kit
  2. a b c d http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/AEltester-Frankfurter-wird-107;art675,2541326
  3. a b Raketenforscher Boris Kit Ein Jahrhundertleben. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 25. März 2010, abgerufen am 13. Juli 2012.
  4. belarusguide.com: Great Belarusian Military Commanders
  5. Morand Fachot: "A great and interesting life" | IEC e-tech | Issue' 03/2013. In: IEC e-tech. (iecetech.org).
  6. Barys Kit: Imprisonment seems to be Belarusians’ fate. In: Charta 97. 6. April 2011, abgerufen am 13. Juli 2012 (englisch).