Baschkirische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik

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Flagge der Baschkirischen ASSR 1956–1991
Baschkirische ASSR

Die Baschkirische ASSR (russisch Башкирская АССР; Baschkirische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik, russisch Башкирская Автономная Советская Социалистическая Республика; baschkirisch Башҡорт Автономиялы Совет Социалистик Республикаһы) war die erste ethnische autonome Sowjetrepublik in der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR).[1][2][3] Sie bestand vom 23. März 1919 bis zum Zerfall der Sowjetunion am 26. Dezember 1991. Titularnation waren die Baschkiren, eine mohammedanische turksprachige Ethnie.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Baschkirische ASSR in 1922

Die 142.947 km² große Baschkirische ASSR lag am äußersten Ostrand Europas, westlich des Uralgebirges, umfasste den südlichen Ural und sein westliches Vorland und entspricht dem Gebiet des heutigen Baschkortostan innerhalb Russlands. Auf dem Gebiet der Baschkirischen ASSR bestand bis 1919 das Gouvernement Ufa als Verwaltungseinheit im Russischen Reich.

Die Hauptstadt der ASSR war von 1920 bis 1922 Sterlitamak und von 1922 bis 1991 Ufa.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Baschkirischen ASSR

Die Einwohnerzahl der Republik lag 1989 bei 3.943.113 (entsprechend 28 Einwohnern pro km²). Die Baschkiren machten 1989 nur 21,9 % der Bevölkerung aus, 39,3 % waren Russen und 28,4 % waren Tataren.

Einwohnerentwicklung
Jahr Einwohner
1926 2.665.836
1939 3.158.969
1959 3.341.609
1970 3.818.075
1979 3.844.280
1989 3.943.113

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Großen Vaterländischen Krieges wurden über 100 Fabriken, Dutzende Lazarette, mehrere industrielle Großbetriebe, viele Behörden, eine Reihe von wissenschaftlichen Instituten und 278.000 Menschen in die Baschkirische ASSR evakuiert. Wichtig für die Kriegsführung waren die Ölfelder, die in den 1920er Jahren in Baschkirien entdeckt wurden. So entstand die Stadt Ischimbai 1932 als Erdölarbeitersiedlung, nachdem dort das erste Erdöl Baschkiriens entdeckt worden war. 280 in Baschkirien geborenen Soldaten der Roten Armee wurde die höchste militärische Auszeichnung Held der Sowjetunion verliehen.[4][5]

In Ufa bestand das Kriegsgefangenenlager 319 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[6]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ölförderung in Ischimbai

In der Nachkriegszeit spielte die Ausbeutung und Verarbeitung der Erdölvorkommen Baschkiriens die größte Rolle in der Wirtschaft. Die Baschkirische ASSR verfügte über reiche Erdöl- und Erdgasvorkommen, außerdem über Kupfer, Gold, Eisen, Mangan, Bauxit und Braunkohle. Wichtigste Industriestädte waren und sind Ufa, Sterlitamak, Salawat und Belorezk.

Regierungschefs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1917–1919: Junus Julbarissowitsch Bikbow (1883–1942)
  • 000001919: Mstislaw Alexandrowitsch Kulajew (1873–1958)
  • 1919–1920: Gali Kamaletdinowitsch Schamigulow (1890–1959)
  • 1921–1925: Mullajan Dawletschinowitsch Chalikow (1894–1937)
  • 1925–1930: Aksan Baimursitsch Muchametkulow (1895–1938)
  • 1930–1937: Sinatulla Gisatowitsch Bulaschew (1894–1938)
  • 1937–1940: Fasyl Walijachmetowitsch Schagimardanow (1906–1968)
  • 1940–1946: Sabir Achmedjanowitsch Wagapow (1904–1993)
  • 1946–1951: Nassyr Rafikowitsch Urasbajew (1902–1981)
  • 1951–1962: Walej Gabejewitsch Nabiullin (1914–1982)
  • 1962–1986: Sekerija Scharafutdinowitsch Aknasarow (1924–2000)
  • 1986–1992: Marat Parissowitsch Mirgasjamow (* 1942)

Nach Auflösung der Sowjetunion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baschkortostan nach 1991

Seit 11. Oktober 1991 wurde die Baschkirische ASSR als die souveräne Baschkirische Sozialistische Sowjetrepublik anerkannt.

Seit 25. Februar 1992 wird als die Republik Baschkortostan oder Baschkortostan als Föderationssubjekt mit Hoheitsrechten Russlands bezeichnet, jedoch ist auch zwischen russischsprachigen weiterhin die Bezeichnung Sowjetbaschkirien[7][8] (historisch, inoffiziell) gebräuchlich.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Baschkirische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik in der Großen Sowjetischen Enzyklopädie, 1950, S. 347 (russisch)
  2. Jonathan D. Smele: Historical Dictionary of the Russian Civil Wars,1916-1926. Hrsg.: Rowman & Littlefield Publishers. Band 2, 2015, ISBN 1-4422-5280-4, S. 179.
  3. The Encyclopedia Americana. Band 30. Grolier, Danbury 1984, ISBN 0-7172-0115-5, S. 310.
  4. Aufstellung der ausgezeichneten Personen auf warheroes.ru mit Datum der Verleihung (russisch)
  5. Алфавитный указатель Героев Советского Союза по Республике Башкортостан (deutsch: Alphabetisches Verzeichnis der Helden der Sowjetunion in der Republik Baschkortostan). Abgerufen am 16. Juli 2020 (russisch).
  6. Erich Maschke (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Gieseking, Bielefeld 1962–1977.
  7. Башкортостан или Башкирия?/Юлдаш Юсупов - Проект ЗАМАН - первая некоммерческая информационная площадка в Башкортостане, которая объединяет людей науки и культуры (deutsch: Baschkortostan oder Baschkirien?) auf YouTube, 19. Februar 2020 (Yuldash Yusupov, ZAMAN-Projekt – die erste gemeinnützige Informationsplattform in Baschkortostan, die Menschen aus Wissenschaft und Kultur auf YouTube zusammenbringt (russisch)).
  8. Adelina Minibajewa (Аделина Минибаева): Можно ли говорить «Башкирия», и оправдан ли гнев части жителей республики по этому поводу? (deutsch: Kann man „Baschkirien“ sagen, und ist die Wut eines Teils der Einwohner der Republik in dieser Hinsicht gerechtfertigt?). In: UfaTime.ru. Abgerufen am 16. Juli 2020 (russisch).