Basilika St. Martin (Bingen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Basilika von Süden
Basilika von Westen
Hl. Barbara. Tonplastik aus dem 1. Viertel des 15. Jhd. im sogenannten Weichen Stil

Die Basilika St. Martin steht in Bingen am Rhein in Rheinland-Pfalz am Ufer der Nahe.

Seit 2002 ist die Basilika St. Martin Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal, des Weiteren ist sie ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Grabungen hat man an der Stelle der heutigen Basilika Hinweise auf einen römischen Mercuriustempel gefunden, wie sie an der Stelle von Flussübergängen häufig zu finden waren. 793 wird die Kirche erstmals erwähnt. Ein früheres Entstehungsjahr ist aber wahrscheinlich.

Wohl schon unter Erzbischof Willigis wurde die Kirche Stiftskirche des 1006 erstmals erwähnten Stiftes. Dieses wurde Ende des 16. Jahrhunderts aufgegeben und 1672 formell aufgelöst. Von der frühromanischen Basilika ist noch die Krypta aus dem 11. Jahrhundert erhalten. 1403 brannte diese Kirche ab und die Krypta wurde in den 1416 geweihten einschiffigen Neubau integriert. Im Jahr 1417 vereinigte der Mainzer Erzbischof Johann II. von Nassau die mit der Bethlehemskapelle auf dem Rochusberg verbundenen Stiftungen mit dem Stift, das durch den Brand völlig verarmt war. Später entstanden die Seitenschiffe. Das nördliche wurde 1502–1505 durch den zweischiffigen, spätgotischen „Barbarabau“ ersetzt, der als Pfarrkirche diente.[1]

1819 wurden die Stiftsgebäude abgebrochen. Bei der umfangreichen Restaurierung durch Max Meckel (Limburg) kamen die Kapellen am südlichen Seitenschiff, die Sakristei und die Maßwerkgalerien an den Türmen (der linke wurde nie vollendet) hinzu.

Papst Pius XI. erhob die Kirche am 1. April 1930 mit dem Apostolischen Schreiben Moguntinae dioecesis zur Basilica minor.[2]

Nach schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg erfolgte bis 1958 der Wiederaufbau.

Im Jahr 2006 feierte die Gemeinde der Basilika St. Martin am 3. Oktober die 1000-jährige Erwähnung ihres Gotteshauses mit einem großen Fest rund um die Kirche.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grabstein des Priesters Aetherius aus dem 5./6. Jahrhundert.
  • Krypta aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts.
  • Thronende Madonna im Barbarabau, entstanden um 1320.
  • Zwei Tonskulpturen der heiligen Barbara und Katharina aus dem frühen 15. Jahrhundert.
  • Niederländischer Marienaltar mit fünf Gemälden des Antonius van Montfoort, genannt "Blocklandt" (1579).
  • Barocke Kanzel, signiert mit P.M. 1681.
  • Barocker Hochaltar (Ziborienaltar) des Mainzer Hofbildhauers Peter Heinrich Henke, gestiftet 1768, nach einem Entwurf des Architekten Johann Peter Jäger[3]
  • Glasgemälde schuf Otto Linnemann aus Frankfurt

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutige Orgel in St. Martin wurde 1971 durch den Orgelbauer Paul Ott (Göttingen) erbaut. Die Geschichte der Orgeln reicht aber weit zurück, bis in das Jahr 1508. Im Laufe der Zeit kam es zu mehreren Neubauten. Die heutige Orgel hat 46 Register (Schleifladen) auf vier Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch. 1995 wurde das Instrument überarbeitet und mit einer elektronischen Setzeranlage ausgestattet.[4]

I Rückpositiv C–g3
Rohrgedackt 8′
Prinzipal 4′
Spillflöte 4′
Oktave 2′
Sifflet 113
Sesquialtera II 223
Scharf V 1′
Krummhorn 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
Pommer 16′
Prinzipal 8′
Spitzflöte 8′
Oktave 4′
Querflöte 4′
Quinte 223
Oktave 2′
Mixtur VI 113
Trompete 8′
III Oberwerk C–g3
Holzflöte 8′
Quintade 8′
Prinzipal 4′
Rohrflöte 4′
Nasat 223
Hohlflöte 2′
Terz 135
Oktave 1′
Prinzipalmixtur V 2′
Dulzian 16′
Schalmei 4′
IV Schwellwerk C–g3
Musizier-Gedackt 8′
Gemsrohrpommer 4′
Blockflöte 2′
Prinzipal 2′
Terzzimbel III 14
Rankett 16′
Regal 8′
Pedal C–f1
Prinzipal 16′
Subbaß 16′
Oktave 8′
Gemshorn 8′
Oktave 4′
Nachthorn 2′
Rauschpfeife II
Mixtur IV 2′
Posaune 16′
Trompete 8′
Trompete 4′
  • Koppeln: I/II, III/II, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P
  • Spielhilfen: freie Kombinationen, feste Kombinationen (Pleno, Tutti), Auslöser, Zungenabsteller, 650-fache Setzeranlage

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl J.H. Villinger: Die St.Martins-Stiftskirche zu Bingen,Basilicaminor. Ihre Geschichte und ihre Kunstwerke. Hrsg.: Kath. Pfarramt St. Martin, Bingen, 1959 56 S.
  • Anton Philipp Brück: 50 Jahre «Basilika St. Martin» in Bingen, Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte
  • Franz Joseph Spang: Die Basilika Sankt Martin zu Bingen in: Mitteilungsblatt Rheinhessische Landeskunde 8, 1959, 185-186
  • David Hüser: Rundgang durch Basilika St. Martin Hrsg.: Basilikapfarramt St. Martin, Bingen 2006

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Basilika St. Martin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Liebfrauenland: Kulturführer Gotik in Rheinhessen (PDF-Datei; 3,37 MB), abgerufen am 23. Dezember 2015.
  2. Pius XI.: Litt. Apost. Moguntinae dioecesis, in: AAS 22 (1930), n. 11, p. 486s.
  3. St. Martin in Bingen
  4. Orgel von St. Martin Orgel Bingen / St. Martin. Abgerufen am 11. November 2014.

Koordinaten: 49° 58′ 0″ N, 7° 53′ 32″ O