Bastienne Voss

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Bastienne Voss, auch Bastienne Voss-Büttner, (* 1968 in Berlin) ist eine deutsche Schauspielerin und Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Voss wuchs vorwiegend im Hause ihrer Großeltern in Berlin-Blankenburg auf, da ihre Eltern, die beide Balletttänzer waren, mehrere Jahre gemeinsam ein Studium zum Ballettlehrer in Moskau absolvierten.

Voss kam mit 14 Jahren auf das mit einem Internat verbundene Gerhart-Hauptmann-Gymnasium, dem heutigen Landesgymnasium für Musik, in Wernigerode und besuchte dort Spezialklassen für Musikerziehung. Nach der Reifeprüfung arbeitete sie als Chefsekretärin im Zentrum für Kunstausstellungen der DDR. In den 1990er Jahren machte sie eine Schauspielausbildung, um im Anschluss daran an der Hochschule Carl Maria von Weber in Dresden ein Gesangsstudium aufzunehmen.[1] Bereits während des Studiums hatte sie erste Rollen in Fernsehsoaps wie Gute Zeiten, schlechte Zeiten und Verbotene Liebe.

Von 1999 bis 2006 war sie Mitglied im Ensemble des Berliner Kabaretts Die Distel und wirkte in sieben großen Bühnenprogrammen mit. Voss ist darüber hinaus Synchron- und Dokumentarfilmsprecherin.[2]

Ihre erste Arbeit als Schriftstellerin erschien im Jahre 2007 unter dem Titel Drei Irre unterm Flachdach als Printausgabe und Hörbuch beim Verlag Hoffmann und Campe. Es beschreibt ihre Familiengeschichte. [2] Ihr zweites Buch, der Roman Mann für Mann, wurde im März 2010 beim Piper-Verlag veröffentlicht. [3]

Unter dem Titel Glaubt mir kein Wort brachte Bastienne Voss im Jahr 2015 nachgelassene satirische Texte Peter Ensikats (* 1941) heraus, an dessen Seite sie die letzten zwölf Jahre bis zum seinem Tod im Jahre 2013 lebte. Zusammen mit dem Schauspieler Wolfgang Winkler hält sie mit literarisch-musikalischen Programmen das Werk Ensikats in Erinnerung.

Voss wohnt mit gemeinsam mit ihrer Tochter in Berlin. [4]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bastienne Voss: Drei Irre unterm Flachdach. Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 2007, ISBN 978-3-455-50020-2
  • Bastienne Voss: Drei Irre unterm Flachdach., Taschenbuch-Sonderausgabe, Piper-Verlag, München 2009, ISBN 978-3-492-26339-9
  • Bastienne Voss: Drei Irre unterm Flachdach - Eine Familiengeschichte, gelesen von der Autorin, Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 2007, 2 CDs, 140 min, ISBN 978-3-455-30537-1
  • Bastienne Voss: Mann für Mann. Piper-Verlag, München 2010, ISBN 978-3-492-05370-9
  • Peter Ensikat/ Bastienne Voss (Hg.): Glaubt mir kein Wort. Nachgelassene Satire, edition q im be.bra verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-86124-691-6

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Das Personal wirkt so schräg wie das Ambiente: Wilma, Gustav und Bastienne hausen in einem aus Teerpappe, Alufolie und Platten zusammengeschusterten Ami-Bungalow am Stadtrand Ostberlins. "Drei Irre unterm Flachdach" - das sind Oma, Opa und eine Enkelin, deren frankophone Namens-Mitgift allein schon die treudeutsche DDR-Gemütlichkeit sprengt. Rebellion ist in diesem Haushalt an der Tagesordnung, und oft zielt der Widerstand haarscharf am schieren Wahnsinn vorbei (...) Ganz nebenbei entwirft Bastienne Voss das Brueghelsche Sittenbild einer in Selbsttäuschung und Heuchelei gefangenen Gesellschaft. Jenseits staatlicher Gängelung bleibt auch im Sozialismus jeder sich selbst der Nächste. Der Triumph des Kapitalismus anno 1989 ist beinahe die logische Konsequenz. Bastienne und Wilma werden vom Nachwende-Blues geschüttelt und machen schreckliche, auch schrecklich zutreffende Beobachtungen - etwa, dass die Berliner Großmannssucht am Potsdamer Platz eine monströse "Kassel-will-Weltstadt-sein-Architektur" gebiert. Gustav muss das alles nicht mehr erleben. Lange vor dem Mauerfall stirbt er an Darmkrebs. 1998 entdeckt die Enkelin seine Aufzeichnungen: "Ein Unbekannter schreibt." Dreihundertfünfzig Seiten Memoiren - die Laufbahn eines Kommunisten, der das NS-Konzentrationslager als Haustyrann verlässt, weil er die Gespenster der Vergangenheit nur brüllend in Schach halten kann. Bastienne Voss ist mit so viel trockenem Witz gesegnet, dass sie dieser familiären Tragikomödie ein herrlich abgründiges Buch abgerungen hat - eine wahre Geschichte, die putzmuntere Fiktionen à la "Good bye, Lenin!" ziemlich müde aussehen lässt.“

Dorion Weigmann: Bullerbü in Blankenburg - Eine tragikomische Kindheit in der DDR, Rezension zu Drei Irre unterm Flach in Süddeutsche Zeitung vom 20. August 2007, S. 20

„Manche Kritiker meinten, Peter Ensikat sei der Dieter Hildebrandt des Ostens. "Einverstanden", sagte Ensikat, "wenn Hildebrandt der Ensikat des Westens ist." Die Schauspielerin und Autorin Bastienne Voss zitiert im Nachwort dieses Bonmot ihres Lebensgefährten. Sie ist Herausgeberin des Bandes "Glaubt mir kein Wort". Das Buch versammelt ungedruckte Satiren aus dem Nachlass des großen Kabarettisten. "Nicht wenige seiner Texte haben kein Verfallsdatum", schreibt Voss. Der Berliner starb im März 2013 im Alter von 71 Jahren. Seine stilistisch brillanten Texte richten sich gegen Verdummung und Verklärung, die Gottwerdung des Geldes und die Lügen der Politik. Er hält die jetzige Demokratie für so bedroht wie die Umwelt. Was die höheren Werte in postmoralischen Zeiten sind, "das kann man vom Dax ablesen". Ensikats spöttische Faustregel für den Umgang mit Geschichte lautet: "Je schlechter das Gedächtnis, desto schöner die Erinnerungen." Wie in jedem ernsthaften Kabarettisten steckt in ihm ein Stück Weltverbesserer. Satire beginnt für ihn dort, wo der Spaß aufhört. Er will sein Publikum zur Zivilcourage ermuntern und gegen Feigheit, Anpassung, Resignation ermutigen.“

Rainer Kasselt: Ich denke, also irre ich - Ohne Verfallsdatum: Ein Buch aus dem Nachlass versammelt Satiren des großen Kabarettisten und Autors Peter Ensikat in Sächsische Zeitung vom 9. Januar 2016, S. 36

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Profil beim Verlag Hoffmann & Campe. Abgerufen am 27. März 2018.
  2. a b Vita auf Voss′ offizieller Homepage. Abgerufen am 24. August 2010.
  3. Dieter Wunderlich: Buchtipps & Filmtipps. Abgerufen am 22. April 2018.
  4. Profil beim be.bra verlag. Abgerufen am 27. März 2018.