Regiment Asow

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Азов (Asow)
Aufstellung Mai 2014
Typ Regiment
Stärke 850 Kämpfer
Kommandeure
Jetziger
Kommandeur
Andrij Bilezkyj
Insignien
Abzeichen des

Regiment Asow

AZOV logo.svg

Das Regiment Asow (ukrainisch Полк Азов) ist eines von etwa 80 paramilitärischen Freiwilligenbataillonen, die im gegenwärtigen Ukraine-Konflikt gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes kämpfen und dabei dem ukrainischen Innenministerium unterstehen. Der von nationalistischen Politikern gegründete Verband ist wegen der teilweise offen rechtsextremen politischen Positionen vieler seiner Anführer und Angehöriger sowie der Verwendung entsprechender Symbole stark umstritten.[1][2] Insgesamt zählt das Regiment Asow etwa 850 Soldaten.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Miliz wurde im Frühjahr 2014 von den nationalistischen Politikern Oleh Ljaschko und Dmytro Kortschynskyj als Bataillon Asow aufgestellt, um die ukrainische Armee im Kampf gegen die prorussischen Separatisten in der Ostukraine militärisch zu unterstützen.[4] Im Verlauf des Sommers wuchs das Bataillon und wurde auf Erlass des Innenministers Arsen Awakow im September 2014 zum „Sondereinsatz-Regiment Asow“ erweitert.[5] Im Oktober 2014 gab Awakow die beschlossene Eingliederung des Regiments in die Nationalgarde bekannt.

Das Regiment hat seinen Sitz in Berdjansk im Süden der Oblast Saporischschja am Asowschen Meer, von dem sich auch der Truppenname ableitet.[6]

Einsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. Juni 2014 nahm das Bataillon an Kampfhandlungen in Mariupol teil.[7] Anfang August 2014 war die Einheit an Gefechten in Marjinka in der Oblast Donezk beteiligt.[8][1]

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andrij Bilezkyj, Kommandeur des Regiments (2015)

Der Kommandeur der Einheit ist der Führer der rechtsextremen Sozial-Nationalen Versammlung (Соціал-Національна Асамблея, SNA) Andrij Bilezkyj; als weitere Führungsfiguren gelten Wolodymyr Schpara und Ihor Mossijtschuk. Außer dem Sitz in Berdjansk existiert ein Stützpunkt in Ursuf in der Oblast Donezk, rund 35 Kilometer südwestlich der strategisch wichtigen Hafenstadt Mariupol.[9]

Wie andere paramilitärische ukrainische Verbände untersteht das Regiment dem Innenministerium der Ukraine bzw. der Nationalgarde und ist somit nicht in die ukrainische Armee eingegliedert. Im Frühjahr 2014 erhielten die Angehörigen des damaligen Bataillons einen Sold von etwa 150 US-Dollar im Monat.[10]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anführer und viele Mitglieder der Miliz sind Mitglieder der rechtsextremen Organisation Patriot der Ukraine (ukrainisch Патріот України), der SNA oder des Prawyj Sektor.[11] Nach Angaben von 20 Minuten sind nicht wenige der Männer bekennende Neonazis und Antisemiten, viele gelten als ultrarechte Nationalisten.[12] Das Regiment wird unter anderem vom ukrainischen Oligarchen jüdischen Glaubens Ihor Kolomojskyj finanziell unterstützt.[13] Nach eigenen Angaben hatte die Einheit im Juni 2014 etwa 600 Angehörige. Mehr als die Hälfte davon stammen aus der Ostukraine und sind russische Muttersprachler.[14][15] Im November 2014 wurde die Stärke der Einheit mit 850 Kämpfern angegeben, darunter sind mindestens 85 Ausländer.[16][17][18][19]

Anfang November 2014 wurde Vadim Trojan, ein als rechtsradikal geltender Kommandeur des Regiments, von Innenminister Arsen Awakow zum Polizeichef der Oblast Kiew ernannt.[20] Im Dezember 2014 verlieh der ukrainische Präsident Petro Poroschenko einem weißrussischen Kämpfer der Einheit, Serhij Korotkich, als Auszeichnung die ukrainische Staatsbürgerschaft.[21] Korotkich gehörte seit dem Ende der 1990er Jahre Neonazi-Bewegungen in Weißrussland und Russland an.[22]

Der Bataillonskommandeur erklärte am 29. August 2014, die Blitzkrieg-Taktik der ukrainischen Regierung sei gescheitert und erklärte: „Wir sollten ohne genügend Ausrüstung so viele Städte wie möglich in wenigen Wochen befreien. Das dabei vernichtete Material oder die Toten wurden nicht ersetzt. Zwar konnte in zahlreichen Städten die ukrainische Fahne gehisst werden, aber sichern konnten wir die Orte nicht.“[23]

Ausländische Unterstützung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den 850 Kämpfern stammen etwa 85 aus dem Ausland. Sie kommen aus Ländern wie Schweden, Russland oder Italien.[24] Als Koordinator der Rekrutierung von Ausländern, ist ein französischer Veteran des Kroatienkrieges Gaston Besson aktiv.[25]

Misanthropic Division[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emblem der Misanthropic Division

Im Regiment Asow ist eine rechtsextreme Gruppierung, die „Misanthropic Division“ eingegliedert, die auch in anderen Ländern Ableger unterhält.[26] Sie ist ursprünglich aus der Sozial-Nationalen Versammlung hervorgegangen. In deren Programm ist offen von arisch-ukrainischen Werten die Rede. Die Vereinigung sieht sich in einem Rassenkrieg zur Erhaltung der weißen Rasse. Als Feindbilder werden Juden, der 'verjudete' Westen, Russen und andere 'Fremdrassige' gesehen.[27]

Rezeption und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abzeichen des Regiments Asow bis August 2015

Das Regiment Asow gilt als ultranationalistisch ausgerichtet.[28] Das von dem Regiment als Erkennungszeichen verwendete Symbol ist eine blaue Wolfsangel auf gelbem Grund. Die Wolfsangel wurde auch von der SS-Verfügungsdivision genutzt. Zudem war auf dem ehemaligen Logo der Einheit, welches bis zum 11. August 2015 genutzt wurde, eine Schwarze Sonne zu sehen, ein in der rechten Szene weit verbreitetes Symbol. Der Kommandeur Bilezkyj streitet jedoch Verbindungen zwischen der genutzten Symbolik und dem Nationalsozialismus ab.[29]

Medienkritik tauchte auf, als am 8. September 2014 in den ZDF heute Nachrichten ein Video auftauchte, auf dem zwei Angehörige der Einheit an ihren Stahlhelmen nationalsozialistische Symbole[1] wie das Hakenkreuz und die Siegrunen der SS trugen.[30][31]

Die Duldung rechtsextremer Kampfverbände durch die ukrainische Regierung wird kritisiert.[1] Der ukrainische Politologe Anton Schechowzow bezeichnete das Bataillon als offen rechtsextrem. Die derzeitige ukrainische Regierung sei für die Mitglieder der Einheit nach wie vor ein Feind.[32] Innenminister Awakow bestätigte in einem Interview im Oktober 2014 zwar, dass „die meisten“ der Asow-Kämpfer „eine eigene Weltsicht“ hätten, bestritt aber den nationalsozialistischen Bezug der von ihnen verwendeten Symbole und hob stattdessen ihre erworbenen Verdienste in der Verteidigung des Landes gegen die prorussischen Separatisten hervor. Die Befürchtung, dass sich Freiwilligenverbände gegen die Regierung wenden könnten, wies er zurück.[33] Am 20. Juni 2014 bezeichnete Bilezkyj in einem Interview den vom ukrainischen Präsidenten Poroschenko zeitweise verhängten einseitigen Waffenstillstand als „strategischen Fehler“.[34]

Die militärische Angriffsweise und die Bereitschaft zum Häuserkampf verschiedener paramilitärischer ukrainischer Milizen wurde in einem Artikel der New York Times als „chaotisch, gewalttätig und hemmungslos“ beschrieben.[35]

Am 11. Juni 2015 beschloss der US-Kongress, jegliche Hilfen für das Asow-Regiment zu unterbinden. Als Grund nannten sie, das offene Tragen von rechtsextreme Symbole (Abzeichen) und deren neonazistische Ansichten.[36]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Linda Wurster: Schmutziger Kampf in der Ukraine. Neonazis im Dienst der Regierung. In: Focus Online. 1. August 2014, abgerufen am 14. August 2014.
  2. Azov Battalion Is Not Neo-Nazi, But Some People In Battalion Are - Umland. 19. Januar 2015, abgerufen am 23. Februar 2015 (englisch, Politologe und Osteuropaexperte Andreas Umland im Interview mit hromadske.tv).
  3. „Es ist doch besser, wenn es knallt.“ Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 18. November 2014
  4. Die gegen die Separatisten kämpfenden ukrainischen Partisanen erwecken Bedenken. In: Financial Times. 22. Mai 2014, abgerufen am 21. September 2014 (englisch, Originaltitel: Ukraine partisans battling separatists raise concerns).
  5. „Asow“ erweitert und betont, dass es nicht an Wahlen teilnimmt. In: Ukrajinska Prawda. 18. September 2014, abgerufen am 11. Februar 2015 (ukrainisch, Originaltitel: "Азов" розширився до полку і наголошує, що на вибори не йде).
  6. Askold Krushelnycky: The Battle For Mariupol, in: Atlantic Council vom 16. Juni 2014, abgerufen am 17. Februar 2015 (englisch)
  7. Hal Foster: A special-forces unit, started from scratch, wins a key battle in Ukraine. Tengrinews.kz, 21. Juni 2014, abgerufen am 21. September 2014 (englisch).
  8. Christian Esch: Neonazis im Häuserkampf. In: Frankfurter Rundschau. 10. August 2014, abgerufen am 21. September 2014.
  9. Konflikt in der Ostukraine – Urlaub unter Waffen. In: FAZ. 8. August 2014, abgerufen am 21. September 2014.
  10. Christopher J. Miller: Freiwilligenbataillon Donbass hebt die Waffen um die Ukraine zu verteidigen und die Separatisten zu besiegen. In: Kyiv Post. 14. Mai 2014, abgerufen am 21. September 2014 (html, englisch, Originaltitel: Volunteer Donbass Battalion takes up arms to defend Ukraine, defeat separatists).
  11. Askold Krushelnycky: Ein ukrainischer Sieg. In: National Review. 25. Juni 2014, abgerufen am 21. September 2014 (html, englisch, Originaltitel: A Ukrainian Victory).
  12. Ukraine setzt Neo-Nazis gegen Separatisten ein. In: 20 Minuten. 13. August 2014, abgerufen am 28. September 2014 (html, deutsch).
  13. http://www.algemeiner.com/2014/06/24/ukraine-jewish-billionaires-batallion-sent-to-fight-pro-russian-militias/#
  14. Sabra Ayres: Driven by far-right ideology, Azov Battalion mans Ukraine’s front line. In: Al Jazeera. 24. Juli 2014, abgerufen am 21. September 2014 (englisch).
  15. New volunteer recruits head east to fight in Ukrainian army’s Azov Battalion. In: Kyiv Post. 24. Juni 2014, abgerufen am 21. September 2014 (englisch).
  16. „Es ist doch besser, wenn es knallt.“ Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 18. November 2014
  17. David Chater: Neo-fascists train to fight Ukrainian rebels. Volunteers believing in national socialism are joining a battalion raised by the interior ministry. In: Al Jazeera. 9. Juni 2014, abgerufen am 21. September 2014 (englisch).
  18. Fausto Biloslavo: Gli Uomini Neri. Il Giornale, abgerufen am 21. September 2014 (italienisch).
  19. Dina Newman: Ukraine conflict. ‘White power’ warrior from Sweden. In: BBC News. 16. Juli 2014, abgerufen am 21. September 2014 (englisch).
  20. Rechtsradikaler wird Polizeichef in Kiew. Die Welt vom 12. November 2014
  21. Webseite des ukrainischen Präsidenten, 5. Dezember 2014
  22. Wie Vetternwirtschaft ukrainischen Neonazis nützt, Artikel von Anton Shekovtsov in Die Zeit vom 11. Dezember 2014
  23. Nina Jeglinski: Politische Führung hält am Militäreinsatz fest. In: Stuttgarter Zeitung. 29. August 2014, abgerufen am 21. September 2014.
  24. http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/Europe/ukraine/11025137/Ukraine-crisis-the-neo-Nazi-brigade-fighting-pro-Russian-separatists.html
  25. http://www.fr-online.de/ukraine/kaempfe-in-der-ukraine--es-ist-doch-besser--wenn-es-knallt-,26429068,29085818.html
  26. http://www.sonntagszeitung.ch/read/sz_08_02_2015/nachrichten/Schweizer-Neonazis-liefern-Geld-und-Militaerkleider-an-die-Front-27020
  27. „Töten für Wotan“: Misanthropic Division kämpft „für arisch-ukrainische Werte“. In: Sputnik News. 24. März 2015, abgerufen am 1. Mai 2016.
  28. Ukrainische Rebellen. Zivilisten flüchten aus Kampfgebiet. In: Der Standard. 3. Juni 2014, abgerufen am 21. September 2014.
  29. http://lb.ua/news/2014/12/10/288683_andrey_biletskiy_polovina_azova.html (Memento vom 19. Januar 2015 im Internet Archive)
  30. Matthias Meisner: Hakenkreuz und SS-Rune – Protest von Zuschauern. In: Der Tagesspiegel. 9. September 2014, abgerufen am 21. September 2014.
  31. Armand Presser: Mit Nazis gegen Putin – Das ZDF lässt Hakenkreuze auf den Helmen des Asow-Bataillons unkommentiert. In: Jüdische Allgemeine. 18. September 2014, abgerufen am 21. September 2014.
  32. Judith Moser: Die Zukunft der Ostukraine hängt von Russland ab. In: Der Standard. 23. August 2014, abgerufen am 21. September 2014 (Interview mit Anton Schechowzow).
  33. Іnterview of Arsen Avakov with the Focus magazine: "We need peace, but not at any cost", vom 6. Oktober 2014, abgerufen über die Webseite des ukrainischen Innenministeriums am 17. Februar 2015 (englisch)
  34. Russland erhöht den Druck auf die Ukraine. Deutsche Welle, 21. Juni 2014, abgerufen am 21. September 2014.
  35. Andrew E. Kramer: Ukraine Strategy Bets on Restraint by Russia. In: The New York Times. 9. August 2014, abgerufen am 22. August 2014 (englisch): „The regular army bombards separatist positions from afar, followed by chaotic, violent assaults by some of the half-dozen or so paramilitary groups surrounding Donetsk who are willing to plunge into urban combat.“
  36. U.S. House Passes 3 Amendments By Rep. Conyers To Defense Spending Bill To Protect Civilians From Dangers Of Arming and Training Foreign Forces (Memento vom 12. Juni 2015 im Internet Archive)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Azov Battalion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien