Bathos

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Das Báthos (griechisches Neutrum βάθος, „Tiefe“) steht im übertragenen Sinne für Niedrigkeit und Gesunkenheit. Der Begriff wird insbesondere in der Literaturwissenschaft verwendet.

In der Literatur ist Bathos die Gegenüberstellung eines höheren Wertes und eines niedrigeren. Die Kontrastwirkung trägt zur freiwilligen oder unfreiwilligen Komik eines Textes oder einer Rede bei. Bathos kann somit als literarisches Stilmittel eingesetzt werden oder einem Autor unbeabsichtigt unterlaufen.

Beispiel:

„Die Explosion zerstörte alle Häuser auf der anderen Straßenseite und meinen Briefkasten.“

Der englische Schriftsteller Alexander Pope veröffentlichte 1727 „Peri Bathous, Or the Art of Sinking in Poetry“ (Dt. etwa: Über das Niedrige, oder die Kunst des Absinkens in der Dichtung),[1] in dem er sich über gescheiterte Versuche „erhabener“ Poesie mokierte, die in die unfreiwillige Karikatur abgleiten. Der Titel spielt auf einen antiken Traktat über das Erhabene („Peri Hypsous“) an. Darin wird das Pathos als Stilmittel beschrieben. Mit dem ähnlich klingenden Wort Bathos bezeichnet Pope den Effekt, der entsteht, wenn pathetische Sprache unangemessen und verfehlt eingesetzt wird.

Immanuel Kant verwendet das Wort Bathos in den Prolegomena (1783) ironisch. Er distanziert sich von den „metaphysisch-großen Männern“ und weist sich seinen Platz in den Niederungen der Erfahrung zu:

„Hohe Türme und die ihnen ähnlichen metaphysisch-großen Männer, um welche gemeiniglich viel Wind ist, sind nicht vor mich. Mein Platz ist das fruchtbare Bathos der Erfahrung.“

Immanuel Kant: Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Art. Peri Bathous (englische Wikipedia)
  2. Akademie-Ausgabe, Bd. 4, S. 373, Bonner Kant-Korpus