Batugade

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Batugade
Protestantische Kirche von Batugade
Batugade liegt im Westen von Balibo an der Küste. Der Ort Batugade liegt an der Westküste des Sucos.
Daten
Fläche 43,59 km²[1]
Einwohnerzahl 2.678 (2015)[1]
Chefe de Suco Afonso Pereira
(Wahl 2009)
Aldeias Einwohner (2015)[1]
Batugade 494
Lotan 1.873
Nu Badac 311
Batugade (Osttimor)
Batugade
Batugade
Koordinaten: 8° 57′ S, 124° 58′ O

Der osttimoresische Ort und Suco Batugade (auch Batugede) liegt im Verwaltungsamt Balibo (Gemeinde Bobonaro), an der Küste der Sawusee und nahe der Grenze zum indonesischen Westtimor.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname stammt aus dem Kemak und bedeutet „flacher Fels“. 1936 wurde Batugade von den Portugiesen in Caxias do Extremo umbenannt. Doch der Name setzte sich nicht durch und einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte man zum alten Namen zurück.[2]

Der Ort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Timoresischer Zoll in Batugade

Batugade liegt in Luftlinie 70 km (112 km auf der Straße) westlich von der Landeshauptstadt Dili auf einer Meereshöhe von 100 m. Verhältnismäßig gut ausgebaute Straßen führen von hier entlang der Küste nach Dili und in das Landesinnere nach Balibo und der Gemeindehauptstadt Maliana. Der Ort selbst besteht aus den Ortsteilen Batugade, Halinsana und Nu Badac (Nu Badac, Nubadak).

Im Ort steht das portugiesische Fort Conselheiro Jacinto Cândido aus dem Jahre 1655, mit massiven Mauern und einigen alten Kanonen. Dem Strand von Batugade spricht man touristisches Potential zu.[3] Außerdem gibt es hier eine Grundschule und eine medizinische Station. Außerdem führt hier eine Brücke über den Fluss Leometik, der hier in die Sawusee mündet. Nördlich gibt es noch eine vorbereitende Schule für die Sekundärstufe.[4]

Der Suco[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Batugade
Orte Position[5] Höhe
Aumodok 8° 57′ S, 124° 59′ O 181 m
Badutmean 8° 59′ S, 124° 57′ O 302 m
Batugade 8° 57′ S, 124° 58′ O 100 m
Biae 8° 58′ S, 125° 0′ O 236 m
Halinsana 8° 57′ S, 124° 58′ O 44 m
Kolosuma 8° 58′ S, 125° 0′ O 275 m
Lotan (Zentrum) 8° 58′ S, 124° 59′ O ?
Lotan (Südost) 8° 59′ S, 125° 0′ O 325 m
Maudekut 8° 59′ S, 125° 0′ O 325 m
Mota’ain 8° 58′ S, 124° 57′ O 69 m
Motamorak 8° 58′ S, 125° 0′ O 236 m
Nu Badac 8° 57′ S, 124° 59′ O 69 m
Sukabelulik 8° 57′ S, 124° 59′ O 237 m
Tapo 8° 56′ S, 125° 2′ O 366 m
Landschaft an der Grenze zu Westtimor
Rote Akazien bei Batugade

Der Suco Batugade hat 2.678 Einwohner (2015), davon sind 1.344 Männer und 1.334 Frauen. Die Bevölkerungsdichte beträgt 61,4 Einwohner/km². Im Suco gibt es 504 Haushalte.[1] Etwa 45 % der Einwohner geben Tetum Prasa als ihre Muttersprache an, über 35 % Tetum Terik. Über 10 % sprechen Kemak, unter 5 % Bekais und kleine Minderheiten Tokodede oder Baikeno.[6]

Vor der Gebietsreform 2015 hatte Batugade eine Fläche von 48,62 km².[7] Nun sind es 43,59 km².[1] Der Suco liegt im Westen des Verwaltungsamts Balibo an der Küste der Sawusee. Im Norden grenzt er an den Suco Sanirin, im Osten an Balibo Vila im Süden an Cowa und im Westen an das indonesische Westtimor. Im Südosten entspringen die Flüsse Kolosuma und Morak. Beim Ort Kolosuma treffen die Flüsse aufeinander und bilden ab hier den Fluss Leometik. In Batugade trifft die Überlandstraße aus Maliana auf die nördliche Küstenstraße, einer der wichtigsten Verbindungen des Landes. Von Batugade führt die Küstenstraße 2,5 km nach Westen bis zum Dorf Mota’ain, mit dem wichtigsten Grenzübergang zwischen Osttimor und Indonesien und einem Hubschrauberlandeplatz für Notfälle. Der westtimoresische Ort Atapupu ist auf der Straße von hier 12 km entfernt.

An der Straße nach Maliana liegen von West nach Ost die Orte Aumodok, Lotan, Motamorak und Kolosuma. Bei Motamorak führt die Straße über eine Brücke über den Leometik. Von hier aus führt auch eine kleine Straße nach Süden, entlang des Morak. Hier liegen die Orte Biae, Maudekut (Maudekur) und ein weiterer Ort namens Lotan. Im Nordosten liegt außerdem der Ort Tapo, im Südwesten das Dorf Badutmean.[8] Im Siedlungszentrum von Aumodok, Lotan und Motamorak gibt es eine Grundschule.[4]

In Batugade befinden sich die drei Aldeias Batugade, Lotan und Nu Badac.[9]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antonio Pigafetta landete am 26. Januar 1522 an Bord des spanischen Schiffs Victoria als erster Europäer in der Region nahe Batugade und blieb für 18 Tage. Bereits 1655 errichteten die Portugiesen in Batugade ihr erstes Fort. Heute steht hier das Fort Reduto do Conselheiro Jacinto Cândido.[10][11] Die Region gehörte zum Reich von Cowa.[12] Nur wenige Kilometer weiter entstand im selben Zeitraum die größere Festung von Balibo.

Während der Cailaco-Rebellion 1726 wurde von hier aus eine portugiesische Streitmacht entsandt, die zusammen mit Truppen aus Dili das Rebellenzentrum Cailaco einnehmen sollten, doch die Belagerung war erfolglos. Im Laufe der Rebellion wurde das Fort aufgegeben. Gouverneur Pedro de Rego Barreto da Gama e Castro ließ den Posten 1731 wieder besetzen und schloss Frieden mit dem lokalen Rebellenchef Dom Lourenço da Costa, einem Topasse. 1734 rebellierte Batugade erneut gegen die Portugiesen, die aber auf Verstärkung aus Goa zurückgreifen konnten.[13] Als die Portugiesen 1769 Lifau aufgaben und die Hauptstadt der Kolonie nach Dili verlegten, machten sie in Batugade einen Zwischenstopp und verstärkten das Fort zur Abwehr der rebellischen Topasse im Westen.

Ufer von Batugade

Gouverneur José Pinto Alcoforado de Azevedo e Sousa (1815 bis 1820) schlug eine Rebellion in Batugade nieder.[13] 1868 wurde das Fort von Batugade zur Basis der Militärexpedition gegen das rebellierende Reich von Cowa. 1871 kapitulierte die mit Cowa verbündete Königin von Balibo, Dona Maria Michaelia Doutel da Costa. Sie traf, wie vereinbart, am 29. Mai in Batugade mit Gouverneur João Clímaco de Carvalho zusammen. Die Königin von Cowa kam nicht. Daher unterzeichnete Dona Maria am 1. Juni allein die ihr vorgelegten Vereinbarungen, die eine Unterwerfung Balibos als Vasallen Portugals bedeuteten. Cowa erkannte erst 1881 die Vorherrschaft Portugals an. Während des Krieges von Manufahi (1894–1896) besetzten 1896 Aufständische aus Fatumean das Fort, während die eigentlich dort stationierten Truppen an einem anderen Ort kämpften. Danach wurde das Fort neu errichtet und nach dem portugiesischen Überseeminister Jacinto Cândido benannt.[12]

Während der portugiesischen Diktatur befand sich im Fort ein berüchtigtes Gefängnis für Verbannte, das unter dem Namen „Der Friedhof der Lebendigen“ bekannt war.[14]

Anfang 1961 versuchte das linksgerichtete Kampfbüro zur Befreiung Timors (Bureau de Luta pela Libertação de Timor) unter Maoclao, mit finanzieller Unterstützung aus Indonesien, einen Aufstand gegen die portugiesische Kolonialherrschaft. Am 9. April 1961 riefen sie in Batugade eine Republik aus und stellten eine timoresische Regierung mit zwölf Ministern auf. Die Portugiesen schlugen den Aufstand schnell nieder und die Kämpfer flohen nach Indonesien.

Bereits am 8. Oktober 1975, zwei Monate vor dem offiziellen Beginn der Invasion, besetzten indonesische Truppen den Grenzort Batugade und errichteten hier ihr Hauptquartier für die folgende Operation Komodo. Dabei gab man vor, es handle sich um Kämpfer der UDT, die zuvor der FRETILIN unterlegen war. Am 16. Oktober wurden der restliche Kreis von Bobonaro und der Kreis Cova Lima durch die Indonesier besetzt. Am 7. Dezember begann Indonesien mit der Invasion in das restliche Gebiet Osttimors.[15]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Wahlen von 2004/2005 wurde Pedro das Dores zum Chefe de Suco gewählt.[16] Bei den Wahlen 2009 gewann Afonso Pereira.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Batugade – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015, abgerufen am 23. November 2016.
  2. Geoffrey Hull: The placenames of East Timor, in: Placenames Australia (ANPS): Newsletter of the Australian National Placenames Survey, Juni 2006, S. 6 & 7, abgerufen am 28. September 2014.
  3. Bobonaro District Development Plan 2002/2003 (Memento vom 28. März 2009 im Internet Archive) (PDF-Datei; 566 kB)
  4. a b UNMIT: Timor-Leste District Atlas version02, August 2008 (Memento des Originals vom 8. November 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/unmit.unmissions.org (PDF; 535 kB)
  5. Fallingrain.com: Directory of Cities, Towns, and Regions in East Timor
  6. Ergebnisse des Zensus 2010 für den Suco Batugade (Tetum; PDF; 8,5 MB)
  7. Direcção Nacional de Estatística: Population Distribution by Administrative Areas Volume 2 English (Memento des Originals vom 5. Januar 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/dne.mof.gov.tl (Zensus 2010; PDF; 22,6 MB)
  8. Timor-Leste GIS-Portal (Memento vom 30. Juni 2007 im Internet Archive)
  9. Jornal da Républica mit dem Diploma Ministerial n.° 199/09 (Memento vom 3. Februar 2010 im Internet Archive) (Portugiesisch; PDF; 323 kB)
  10. Colonial Voyage: Asia. Portuguese Colonial Remains 16th–18th centuries, abgerufen am 6. Januar 2015.
  11. Artur Teodoro de Matos: Tradição e inovação na administração das ilhas de Solor e Timor: 1650–1750 (Memento vom 5. Juni 2010 im Internet Archive)
  12. a b History of Timor – Technische Universität Lissabon, S. 88 & 89 (PDF; 824 kB)
  13. a b Chronologie de l’histoire du Timor (1512–1945) suivie des événements récents (1975–1999) (französisch; PDF; 887 kB)
  14. Tina Modotti über das Gefängnis von Batugade (deutsch)
  15. Center for Southeast Asian Studies, Northern Illinois University
  16. Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2004/2005 – Resultados (Memento vom 4. August 2010 im Internet Archive)
  17. Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2009 – Resultados (Memento vom 4. August 2010 im Internet Archive)

f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM