Bauchnabelfussel

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Bauchnabelfussel

Ein Bauchnabelfussel ist eine Ansammlung aus abgeriebenen losen Fasern von Kleidungsstücken, Körperhaaren, Hautzellen und Staub, die sich im nach innen gekehrten Bauchnabel bildet, wenn eine regelmäßige Reinigung unterbleibt. Eine Sonderform ist der Nabelstein oder Omphalolith.

Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2001 führte Karl Kruszelnicki von der Universität Sydney, Australien, eine systematische Untersuchung durch, um die Zusammensetzung der Bauchnabelfussel zu bestimmen. Seine wichtigsten Erkenntnisse waren:[1]

  • Bauchnabelfussel bestehen vor allem aus losen Fasern der Kleidung, vermischt mit abgestorbenen und zerfetzten Hautzellen und ausgefallenen Körperhaaren.
  • Entgegen den Erwartungen bewegen sich Fussel auch aufwärts aus der Unterwäsche und weniger abwärts aus Hemden und Oberteilen. Die Bewegung resultiert aus der reibenden Zugkraft des Körperhaares auf der Unterwäsche, die lose Fasern in den Nabel zieht.
  • Frauen haben weniger Bauchnabelfussel, weil sie dünnere und kürzere Körperhaare haben. Umgekehrt haben ältere Männer mehr, weil sie stärkere und zahlreichere Haare am Körper besitzen.
  • Die charakteristische blaugraue Farbe der Bauchnabelfussel ist der Durchschnitt der Farben der Fasern in der Kleidung. Dieselbe Farbe haben Fusseln in Wäschetrocknern.[2]

2002 wurde Kruszelnicki für seine interdisziplinäre Forschung mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichnet.[3]

Rekord[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Graham Barker aus Perth, Western Australia, ist laut Guinness-Buch der Rekorde der Rekordhalter für das Sammeln von Bauchnabelfusseln. Er hat seit dem 17. Januar 1984 beinahe jeden Tag seinen Bauchnabelfussel gesammelt. Er findet täglich etwa 3,03 mg. Im Gegensatz zu den Untersuchungen von Kruszelnicki sind seine Fusseln angeblich von rötlicher Farbe, obwohl er kaum rote Kleidung trägt.[4]

Künstlerische Verarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der US-amerikanischen Sitcom Alf wird in der Folge "Zwischen zwei Stühlen" (Staffel 3, Folge 20) das Thema Bauchnabelfussel thematisiert. So erklärt Alf der Familie Tanner, dass neben dem Tausch der linken Socken und sich gegenseitig in die Suppe spucken, auch der Tausch der Bauchnabelfussel zu den drei elementaren Werbungsstadien auf seinem Planet Melmac gehören.

Nabelstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein sogenannter Nabelstein (Omphalolith) entsteht über einen Zeitraum von mehreren Jahren bei Menschen mit einem besonders tief eingezogenen Bauchnabel: Abgestorbene Hornzellen verbleiben in der Nabelhöhle und werden mit der Zeit zusammengepresst, so dass ein braunes oder schwarzes, festes Gebilde entsteht, das sich nur schwer entfernen lässt.[5]

Es wird angenommen, dass eine Verbindung zwischen wenig ausgeprägter persönlicher Hygiene und der Nabelsteinbildung besteht: Omphalolithe kommen überwiegend bei Menschen vor, die sich selten bzw. nicht gründlich waschen oder dazu nicht in der Lage sind. Eine andere Hypothese besagt, dass sich Sebum und Keratine über lange Zeit ansammeln; andauernde Verdunstung von Restfeuchte nach Schwitzen oder Baden führt zur allmählichen Ausbildung des harten, steinähnlichen Calculus. Er ist meistens harmlos, kann sich aber in seltenen Fällen entzünden oder ulzerieren. In einem Fall kam es zu einer Peritonitis durch einen in die Bauchhöhle eingedrungenen Nabelstein.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bauchnabelfussel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fluff gazing, BBC News. 11. Dezember 2001. Archiviert vom Original am 8. Februar 2009. 
  2. Graham Barker: The Incredible World of Navel Fluff. In: Graham's Paddock. Abgerufen am 13. November 2010. – Barker ist der Guinness-Weltrekordhalter für das Sammeln von Bauchnabelfusseln.
  3. Richard Macey: Not noble, but navel fluff study wins prize. In: Sydney Morning Herald, 5. Oktober 2002. 
  4. Fluff theory hits the button, Associated Metro Limited. 11. Dezember 2001. Archiviert vom Original am 29. September 2007 i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.metro.co.uk. Abgerufen am 11. September 2006. 
  5. Gerd Plewig, Albert M. Kligman: Omphalolith: Der häßliche Nabelstein. Zusammenfassung; abgerufen am 2. Oktober 2019
  6. Joseph R. Kallini et al.: What is This Black Umbilical Nodule? In: The Dermatologist. Abgerufen am 2. Oktober 2019